Häslein.

Unterm Tannenbaum im Gras

Gravitätisch sitzt der Has,

Wichst den Bart und spitzt das Ohr,

Duckt sich nieder, guckt hervor,

Rupft und reckt sich,

Endlich macht er einen Sprung:

„Hei, was bin ich für ein Jung’!

Schneller noch, als Hirsch und Reh’

Spring ich auf und ab die Höh’,

Wer ist’s, der mich fangen kann?

Tausend Hund’ und hundert Mann,

Gleich will ich’s mit ihnen wagen,

Soll mich keiner doch erjagen.

Und der Graf auf seinem Schloß,

Hat im ganzen Stall kein Roß

Und auch keinen Reitersknecht,

Der mir nachgaloppen möcht’.“

„Häslein, nimm dich doch in acht,

Hund und Jäger schleichen sacht!

Eh’ du’s denkst, da zuckt es rot,

Und die Kugel schießt dich tot.“

Aber ’s Häslein hat sich jetzt,

Wie ein Männlein hingesetzt,

Schaut nicht auf und schaut nicht um.

„Bst, was kommt so still und stumm,

Dort durch Busch und Dorn und Korn,

Flinte trägt’s und Pulverhorn?

Hu! der Jäger ist es schon!

Häslein, Häslein, spring’ davon!

’s ist zu spät; es blitzt und pufft,

Und der Rauch steigt in die Luft,

Und das Häslein liegt, o weh!

Totgeschossen in dem Klee.“

Friedrich Güll.