Der Abendfriede

Von Disteldolden tropft der Tau,

Die Wiese schwimmt in Nebelgrau,

Und zitternd über die Blumenflur

Wellt schrill der Schlag der Klosteruhr …

Schwül weht des Abends feuchter Hauch,

Schwer überm Moore liegts wie Hauch

So fahl und grau, – und her und hin

Glimmt’s wie ein Lämplein goldig drin …

Und über Moor und Wiesenrain

Zieht stumm ein Mann im Heiligenschein:

Ein Klostermännlein, grau und krumm,

Ein Heiliger geht im Felde herum …

Sein Lämplein schwingt er dann und wann,

Summt übers Korn den Friedensbann –

Dünn klingt und schrill die Klosteruhr …

Ein Leuchtwurm zieht die goldne Spur …

Hans Benzmann