Meeresabend

Sie hat den ganzen Tag getobt

Als wie in Zorn und Pein,

Nun bettet sich, nun glättet sich

Die See und schlummert ein.

Und drüber zittert der Abendwind,

Ein mildes, heiliges Wehn,

Das ist der Atem Gottes,

Der schwebet ob den Seen.

Es küßt der Herr aufs Lockenhaupt

Die schlummernde See gelind

Und spricht mit säuselndem Segen:

»Schlaf ruhig, liebes Kind!«

Moritz von Strachwitz