Reiter bei Nacht
Im Wirtshaus, unruhvoll erwacht,
Hinlugt ich aus dem dunklen Haus:
Der Hof war weiße Vollmondpracht,
Und lautlos führte in die Nacht
Ein Mann sein Roß hinaus.
Er führte es am losen Zaum,
Sie gingen beide Schritt für Schritt,
Und neben beiden wie im Traum
Ging durch des Hofes Silberraum
Ihr schwarzer Schatten mit.
Ich weiß nicht, wer der Reiter war …
Er trat mit seinem Roß zum Tor:
Das lag umwipfelt wunderbar –
Ich weiß nicht, wer der Reiter war,
Der still mein Herz beschwor.
Und vor ihm still das Tor erklang,
Und ein unendlich tiefes Blau,
Das Tor erfüllend, aufwärts drang,
Und Stern auf Stern vor ihm entsprang,
Als tropfte Silbertau.
Da raffte sich auf seinen Rapp
Mit weitem Mantelschwung der Mann,
Es klang der Hufe Klipp und Klapp –
Und alle Sorge warf ich ab,
Die mir der Tag ersann …
Ich weiß nicht, wer der Reiter war,
Und wie so schwarz sein Schatten glitt;
Doch eine Stille kühl und klar
Rann mir noch lang um Stirn und Haar
Aus seinem Ruheritt.
A. K. T. Tielo