Im Waldhof
Ich war vor Tag und Tau erwacht –
Mich weckten meines Wirtes schwere
Schlurfschritte in der Treppen Nacht,
Umklirrt von seinem Jagdgewehre.
Dann knirschte drunten kurz das Tor,
Der Alte riß zurück die Hunde,
Und lautlos sich sein Pfad verlor
In nachtumblauter Wälderrunde …
Denn dieses war der Väter Saat:
Es schlich wie vor vielhundert Jahren
Der Bauer den gekrümmten Pfad,
Den jene schon geschlichen waren.
Auch er den Wildpfad sich erkor,
Den Förstern trotzend, um verwegen
Mit dem vererbten Feuerrohr
Den besten Brunfthirsch zu erlegen.
Gewiß, ihn trieb der Väter Lust:
Seit sie sich hier gesiedelt hatten,
Bedrückte ihre breite Brust
Der ungeheure Wälderschatten.
Sie pflügten ihre Scholle schlicht,
In ihre Ernte rauschten Föhren –
Doch still erglänzte ihr Gesicht,
Begann im Herbst der Hirsch zu röhren.
Ja, dieser Orgelruf voll Macht
Ließ ihr verhülltes Lachen steigen:
Brach er wie heut in kühler Nacht
Das atemlose Wälderschweigen.
Und stürzte unter ihrem Schuß
Rotüberschweißt der Waldeskönig:
Stand in dem Siegesechogruß
Der Schütze hoch und jubeltönig. –
Inzwischen löste sich der Wald
Aus mürrisch bleichem Morgengrauen;
Ihr Schleppkleid rafften müd und alt
Des nahen Flusses Nebelfrauen.
Doch klang der Hirsche Brunftgeschrei
Aus Dämmerwegen dicht und dichter;
Mir war, als säh ich ihr Geweih
Und ihre zorngetrübten Lichter …
Und nun ein Schuß, ein Donnerschuß,
Erschütternd rings die Wälderrunde! –
Die Nebel sanken in den Fluß,
Der Hof stand auf im Lärm der Hunde.
Und fern ein Rudel flüchtend flog –
Auf eines Zwanzigenders Glieder
Gewiß ein greises Haupt sich bog
Gleich seinen Vätern lachend nieder …
A. K. T. Tielo