Mondwanderung
»Der Förster ging zu Fest und Schmaus!« –
Der Wildschütz zieht in den Wald hinaus.
Es schläft sein Weib mit dem Kind allein,
Es scheint der Mond ins Kämmerlein.
Und wie er scheint auf die weiße Wand,
Da faßt das Kind der Mutter Hand.
»Ach, Mutter, wo bleibt der Vater so lang,
Mir wird so weh, mir wird so bang!«
»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
Schließ deine Augen, schlaf doch ein.«
Der Mondschein zieht die Wand entlang,
Er schimmert auf der Büchse blank.
»Ach, Mutter! und hörst den Schuß du nicht?
Das war des Vaters Büchse nicht!«
»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
Das war ein Traum, schlaf ruhig ein.« –
Der Mond scheint tief ins Kämmerlein
Auf des Vaters Bild mit blassem Schein.
»Herr Jesus Christus im Himmelreich!
O Mutter, der Vater ist totenbleich!«
Und wie die Mutter vom Schlummer erwacht,
Da haben sie tot ihn heimgebracht.
Robert Reinick