Was den Kindern im Walde passiert ist

Zwei Kinder gehen ganz allein

Frühmorgens in den Wald hinein.

Da springen sie wohl hin und her

Nach mancher Erd- und Heidelbeer

Und essen sich gemütlich satt

Und werden endlich müd und matt,

Die Hitze ist auch gar zu groß!

Sie legen nieder sich aufs Moos –

Kein Bettchen könnte weicher sein;

Nicht lange währt’s, sie schlafen ein.

Da kommen aus dem dichten Wald

Hervor die Tiere mannigfalt.

Wie sie die beiden Kinder sehn,

Da bleiben sie verwundert stehn.

Nehmt euch in acht! Nur nicht zu nah!

Was für Geschöpfchen schlafen da?

Sie sind so nett und zart und fein,

Was mögen das für Tierchen sein?

Der Hase sagt: »Beseht euch doch

Die allerliebsten Näschen;

Die Ohren wachsen ihnen noch,

Dann sind’s die schönsten Häschen.«

Eichkätzchen spricht: »Gebt einmal acht,

Da find ich ein paar Vettern,

Sie werden, sind sie aufgewacht,

Mit mir zusammen klettern.«

»Ei,« sagt das Reh, »was schwatzt ihr da!

Das sind ja dumme Faxen.

Rehkälbchen sind’s, man sieht es ja,

Wie nett sind sie gewachsen!«

Rotkehlchen ruft: »Ich sah noch nie

Im Walde solche Gäste,

Ich nähm sie mit, hätt ich für sie

Nur Raum in meinem Neste.«

Da kommt ein Käfer angesummt,

Der sieht die kleinen Schläfer

Und fliegt herum um sie und brummt:

»Hu! Was für große Käfer!«

So schwatzen sie noch vieles mehr

Und laufen eifrig hin und her,

Besehn sich alles mit Bedacht,

Bis daß die Kinder aufgewacht.

Hast du gesehn! Mit einem Husch

Ist alles fort in Wald und Busch.

Und alle rufen: »Fort von hier!

Das kann uns nimmer taugen,

Im ganzen Wald kein einzig Tier

Hat ja so große Augen.

Das können keine Tierchen sein!

Schnell flüchtet in den Wald hinein!«

Die beiden Kinder sehn sich an:

»Was man doch alles träumen kann!

Soeben war’s im Traume mir,

Als stände alles Waldgetier

Um uns herum –

Jetzt ist ringsum

Nichts mehr zu sehn.

Komm, komm, laß uns nach Hause gehn,

Da wartet schon indessen

Die Mutter mit dem Essen;

Und sind wir nicht zur Zeit zu Haus,

Schilt sie uns aus.«

Da machen sie sich auf alsbald

Und gehn zusammen durch den Wald.

Wie ist nun alles still umher,

Kein einz’ges Tierchen zeigt sich mehr!

Allein ein Kuckuck, – seht nur, seht,

Sitzt oben auf der Tanne

Und ruft: »Kuckuck, da unten geht

Der Gottlieb mit der Hanne!«

Johannes Trojan