Winter im Hochwald
Den Fels erstieg, demantenübersät,
Im Hermelin des Winters Majestät.
Die Faust gekrampft in den vereisten Bart,
Hält sinnend er hier Rast von langer Fahrt.
Kein Laut, kein Lauscher stört des Alten Ruh.
Bald fallen ihm die müden Augen zu …
Ein fernes Fuchsgebell erstirbt im Forst;
Leis schwebt ein Adler zum verschwiegnen Horst,
Und tief im Grunde tritt ein scheues Reh
Lautlos heraus an den erstarrten See. –
Dies ist die Stunde, wo die müde Zeit
Zu schlummern scheint im Schoß der Ewigkeit,
Wo uns der weiterschlossne Himmel still
Sein wundersam Geheimnis künden will,
Und durch die Wälder leis von Baum zu Baum
Ein Flüstern geht, ein goldner Frühlingstraum.
Paul Wolf