LITERARISCHE NOTIZEN.

Geschichte der Stadt Bayreuth von den ältesten Zeiten bis 1792 von Dr. phil. J. Wilh. Holle. 2. Auflage durchgesehen u. bis zum Jahre 1900 fortgeführt von seinem Sohne Dr. phil. Gustav Holle, Bayreuth., B. Seligsberg’s Antiquariatsbuchhandlung. 1901. 8. 371 SS.

»Es soll diese Arbeit keine wissenschaftliche Monographie, sondern vor allem ein Volksbuch sein...« Nach diesen Worten der Vorrede rechnet der Neuherausgeber der alten Holle’schen Geschichte, mit der Voraussetzung, man werde nicht den höchsten Maßstab an das Buch legen. Das Andenken an seinen Vater, sagt er, habe ihn veranlaßt, das Lieblingswerk des Verstorbenen aufs neue hinauszusenden. Es wäre im Interesse des Buchs nur zu wünschen gewesen, der Verf. hätte sich dieser Pietätspflicht nicht mit solcher Eile entledigt, denn so ist eben nach Ablauf von nahezu 70 Jahren das für seine Zeit ja verdienstvolle, keineswegs aber einwandfreie Werkchen in der Hauptsache lediglich zu einem Wiederabdruck gelangt! Gerade, als hätte inzwischen alle Forschung auf dem Gebiete der Bayreuther Geschichte stillegestanden! Eine weitgehendere Neubearbeitung wäre aber angezeigt gewesen, schon um die »vielfachen Anfechtungen«, die die 1. Auflage zu erleiden hatte, abzuwehren, kurzum überhaupt — was nur zu wünschen wäre — eine wirklich auf der Höhe stehende Stadtgeschichte von Bayreuth zu bieten. Die etwas weitgehende Sparsamkeit in Aufführung von Quellenbelegen läßt sich bei einer populären Geschichte ja allenfalls verschmerzen, über das eine werden wir aber nicht herauskommen, auch ein »Volksbuch«, das ja nicht mit dem ganzen gelehrten Apparat aufzutreten braucht, hat sich gleichwohl auf die gesicherten Resultate gegenwärtigen Wissens zu gründen. Im übrigen ist die Ausstattung zu loben. Neben einer schönen Stadtansicht finden wir ein Bildnis des Markgrafen Friedrich u. die Portraits von Jean Paul und Richard Wagner. Ein fleißiges Register verdient Anerkennung.

H. H.