LITERARISCHE NOTIZEN.

Studien zur Reichs- und Kirchenpolitik des Würzburger Hochstifts in den Zeiten Kaiser Ludwigs des Bayern (1333–1347). Von Joseph Hetzenecker. Würzburger Diss. Augsburg. Matth. Rieger’sche Buchhandlung (A. Himmer.) 1901. 8. 88 Seiten.

Die Geschichte des erbitterten Ringens zwischen Kaiser und Papst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhdts. erhält durch die fleißige Arbeit des Verfassers einen neuen erwünschten Beitrag. Hetzenecker schildert auf Grund größeren gedruckten Materials, in welcher Weise das Würzburger Hochstift in diese Kämpfe hineingezogen worden und wie Würzburg selbst mit Plan und That Anteil genommen. Die Schilderung des Streites über die Besetzung des Bischofstuhls nach dem Tode Wolframs v. Grumbach und der zwiespältigen Wahl im Jahre 1333 wird abgelöst von der lebendigen Zeichnung der Charakterbilder eines Hermann v. Lichtenberg, Ottos von Wolfskeel und Albrechts von Hohenlohe unter Darlegung der wechselvollen Politik jener Kirchenfürsten. Unter den Beilagen bietet die zweite: Bischof Ottos »Letze u. Gebote« (1341–43) für den Kultur- und Rechtshistoriker mancherlei von Interesse.

H. H.

Geschichte Lothringens. (Der tausendjährige Kampf um die Westmark.) Von Hermann Derichsweiler. Zwei Bände. Wiesbaden. C. G. Kunzes Nachfolger (W. Jacoby). 1901. 8. XIV, 538 und 649 Seiten.

Deutscher Seits hat Lothringens Geschichte bisher unverdient geringe Beachtung gefunden, selbst nach seiner Wiedergewinnung, während die Franzosen sich sehr feiner Bearbeitungen erfreuen konnten. Liegt es seit 1870 an sich nah, der wechselvollen Geschicke des Landes sich zu erinnern, so ist zudem zu bedenken, daß die lothringische Geschichte, weit über partikulare Bedeutung hinausgehend, auch die Geschichte Altdeutschlands, ja Europas, den Schauplatz und den Preis tausendjähriger Kämpfe zwischen Deutschland und Frankreich bedeutet. Der Verfasser, in die schöne Gegend zwischen Wasgau und Mosel versetzt, hat bald den Wunsch in sich gefühlt, mit der historischen Vergangenheit seiner neuen Heimat sich abzufinden und so aus der Fülle des französischen und deutschen Materials heraus nunmehr diese neue Geschichte Lothringens vollendet, die uns von »deutscher Warte« aus weite Ausblicke in die bunt bewegte Vergangenheit dieses Landes gewährt.

H. H.

Der älteste deutsche Wohnbau und seine Einrichtung. I. Band. Der deutsche Wohnbau und seine Einrichtung von der Urzeit bis zum Ende der Merovingerherrschaft. Von K. G. Stephani. Mit 209 Abb. Leipzig 1902, Baumgärtners Buchhandlung XII u. 448 S. 8.

Der Verfasser hat selbst in seinen einleitenden Ausführungen betont, daß es sich in dem vorliegenden Buche eigentlich mehr um eine Materialsammlung, als eine eigentliche Geschichte des ältesten Wohnbaus handele. Das ist schon durch die große Lückenhaftigkeit der literarischen Quellen und der Denkmale, die an sich gegen die ersteren für die behandelte Zeit mehr zurücktreten, bedingt. Zudem lassen beide nur in den wenigsten Fällen gesicherte Schlüsse zu. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, das mit größtem Fleiß gesammelte Material nur zu einem einleitenden Kapitel über den an die hier behandelten Perioden sich anschließenden mittelalterlichen Wohnbau zu verdichten, wie ursprünglich in der Absicht des Verfassers lag. Die angedeutete Sachlage hat dazu geführt, daß Stephani in der Mehrzahl der Fälle doch nur zu mehr oder minder hypothetischen Resultaten gelangte. Abgesehen von diesen Bedenken gegenüber der Behandlung des Stoffes muß aber mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß die Gruppierung desselben eine recht glückliche ist. Die Schriftquellen sind mit bewunderungswürdigem Fleiße zusammengetragen und ihre Zusammenstellung allein verleiht dem Werke für die deutsche Kulturgeschichte einen dauernden Wert.

Der Verfasser beginnt mit dem gemeingermanischen Wohnbau als Ausgangspunkt für die späteren stammesverschiedenen Bauarten. Aus den sogenannten Hausurnen sucht er Entwicklung und Nebeneinanderbestehen der Grubenhütten, des Zelts und der Jurte zum eigentlichen Haus in prähistorischer Zeit darzulegen. Den Abschluß dieser Epoche bildet die vorchristlich-römische Zeit.

Daran schließt sich die Untersuchung des germanischen Wohnbaus nach Ost- und Westgermanen geschieden, vor und während der Völkerwanderungszeit im Stammland, und weiter auf fremder Erde während und nach der Völkerwanderungszeit. Dieselbe Einteilung ist für den entwickelten stammesverschiedenen Wohnbau auf heimatlichem und fremdem Boden nach der Völkerwanderungszeit gewählt. Es entspricht den Verhältnissen, daß die Quellen natürlich in den späteren historischen Zeiten weit reichlicher fließen, als in den früheren, insbesondere gilt dies auch von den Denkmalsquellen. Für den nordischen Wohnbau aber tritt insbesondere noch die Analogie mit den späteren Bauten, die die frühere Art treu bewahrten, hinzu, um eine verhältnismäßig zuverläßige Anschauung zu ermöglichen.

H. St.

Das städtische Museum in Eger. Mit 8 Illustrationen und 3 Plänen. Von Alois John. Eger 1901. Verlag der Stadtgemeinde Eger.

Der unermüdliche Forscher auf dem Gebiete der deutsch-böhmischen Volkskunde erfreut uns mit der von ihm besorgten 4. Ausgabe des Katalogs der städtischen Sammlungen in Eger. Das kleine Büchlein, das wie seine Vorgänger gewiß, jeder Besucher der alten Kaiserstadt gerne zur Hand nehmen wird, behandelt ein Museum, das sich rühmt, unter den deutschen Provinzialmuseen im Lande das älteste und bei zielbewußter Beschränkung auf einen Gau reichhaltigste zu sein, wie es in der That als Beispiel und Muster für andere deutsche Städte Böhmens gedient hat. Seit 1872 im oberen Stock des althistorischen Stadthauses untergebracht, vereinigt dasselbe eine Fülle von Gegenständen, die in ihrer Gesamtheit ein treues Bild des Egerlandes nach Vergangenheit und Gegenwart gewähren. Im Wallensteinzimmer findet der Geschichtsfreund neben Erinnerungen an den im gleichen Hause ermordeten Feldherrn und seine Zeit, Siegel, Münzen, Waffen, Möbel u. a. m. zur Illustration des alten Eger. Die bürgerliche Zunft- und die Bauernstube verwahren Zeugnisse z. T. noch der jüngsten Zeit, u. a. Hausrat und Trachten des Bürgers und Bauern. Andere Zimmer veranschaulichen die Blüte des Kunstgewerbes in Alteger oder zeigen Denkmäler seiner kirchlichen Kunst. Selbst naturwissenschaftliche Sammlungen fanden hier Unterkunft, so daß auch nach dieser Seite die Sonderart der Landschaft sich heraushebt.

Dem einen oder anderen der Freunde und Besucher des Museums mag es vielleicht von Interesse sein zu erfahren, daß seit April 1901 besondere »Mitteilungen aus dem städtischen Museum in Eger« als Beigabe zu »Unser Egerland« erscheinen.

H. H.