Berliner Pfingsten

von

Gottfried Keller.

Heute sah ich ein Gesicht,

freudevoll zu deuten:

in dem frühen Pfingstenlicht

und beim Glockenläuten

schritten Weiber drei einher,

feierlich im Gange,

Wäscherinnen fest und schwer,

jede trug ’ne Stange.

Mädchensommerkleider drei

flaggten von den Stangen,

schönre Fahnen, stolz und frei,

als je Krieger schwangen;

frisch gewaschen und gesteift,

tadellos gebügelt,

blau und weiß und rot gestreift,

wunderbar geflügelt!

Lustig blies der Wind, der Schuft,

Falbeln auf und Büste,

und mit frischer Morgenluft

füllten sich die Brüste;

und ich sang, als ich gesehn

ferne sie entschweben;

auf und laßt die Fahnen wehn,

lustig ist das Leben!