Bittgang

von

Paul Heyse.

Im Sonnenfeuer lechzt die Flur,

versengt stehn Wälder und Almen,

verschmachten muß die Kreatur,

die Frucht verbrennt an den Halmen.

Das Bächlein, das ihr Kühle gesandt,

verlernte sein muntres Rieseln;

es glüht und glastet Julibrand

über den staubigen Kieseln.

Ein Bauer stapft entlang dem Rain,

ist einer von den Frommen,

und flucht doch still in den Bart hinein;

da sieht er den Pfarrer kommen.

Er zieht die Kappe und weist umher:

„Zugrund geht all der Segen.

Hochwürden, das Gescheitste wär’,

einen Bittgang tun um Regen.“

Der Pfarrer nickt: „Ein fromm Gebet

tät not. Doch warten wir, Peter,

zwei Täglein noch. Einstweilen steht

zu hoch der Barometer.“