14. Peking und Umgebung.
Vgl. beiliegenden [Plan].
Ankunft. Die beiden Kopfstationen der Nordchinesischen Bahn und der Peking-Hankau-Bahn liegen östl. und westl. vom Haupttor Tchiën-mönn. Vom Mukdenbahnhof erreicht man das Hôtel des Wagons-Lits zu Fuß in 3 Min. durch das»Water Gate«. Vom Hankaubahnhof fährt man in Rikscha 10 Min. zum Hotel durch das Tchiën-mönn. Hausdiener der Gasthöfe sind am Bahnhof.
Gasthöfe: Grand Hôtel des Wagons-Lits (deutsche Leitung), I. Haus, mit allem Komfort, 100 Z., Pens. $ 8-12, oft überfüllt, daher telegraphische Vorausbestellung (»Wagonlits-Peking«) dringend anzuraten.—Hôtel du Nord (deutscher Inhaber O. Ludwig), beim Tore Hatamönn, billiger, aber (sehr primitiv) in alten Chinesenhäusern.— Hôtel de Pékin (italienische Leitung), am Nordglacis.—Chinesische Gasthöfe sind für europäische Reisende unbewohnbar. Chinesische Speisehäuser (stets ungemütlich und schmutzig) zeigt der Führer. Vorher zu Hause essen!
Telegraph in der Telegraph Lane (vgl. Plan).
Postanstalten, deutsche, französische, japanische, russische, im Gesandtschaftsviertel.
Wagen besorgen die Gasthöfe, ebenso Rikschas.
Automobile zu Fahrten zum Sommerpalast (1 St.), Zoologischen Garten (1/2 St.).
Führer (Erklärungen mit Vorsicht aufzunehmen) besorgen die Gasthöfe, desgleichen Reittiere und Tragstühle zu Ausflügen.
Eisenbahnen: Nordchinesische Bahn (Imperial Railways of North China) nach Tientsin (S. [277]) und nach Mukden (S. [324]) mit Anschluß an die Südmandschurische Bahn (Reichskursbuch 706) über Charbin-Irkutsk-Moskau nach Berlin (S. [301]); die Mongolische Bahn (Imperial Peking-Kalgan Railway) nach Suiyüan (S. [295]) und die Peking-Hankau-Bahn oder Peihan-Bahn (Reichskursbuch 706; Imperial Ching-Han Railway) nach Hankau (S. [259] u. [299]).
Geld s. S. [219]. Viel falsches Silber-und Kupfergeld ist im Umlauf.—Banken: Deutsch-Asiatische Bank; Hongkong & Shanghai Banking Corporation; beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, erstere auch der Deutschen Bank in Berlin und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Ferner (seit 1910) Russisch-Asiatische Bank; Yokohama Specie Bank; Banque de l'Indo Chine, sämtlich in der Gesandtschaftsstraße.
Theater: In der Chinesenstadt, die besten in dem 1900 niedergebrannten Stadtteil sw. vom sogen. Kaisertor in der Straße Dà-schi-laol und ihren Parallelstraßen. Theater alten Stils am Fleischmarkt Jóū-schi, sö. vom Kaisertor. Beste Plätze auf der Galerie; Mitnahme eines Führers ratsam.
Reisebureau der Schlafwagengesellschaft im Hôtel des Wagons-Lits.— Führer: Boy-Ed, Peking und Umgebung, $ 2,20, und andre Führer in englischer Sprache im Hotel des Wagons-Lits käuflich.
Gesandtschaften (meist an der Gesandtschaftsstraße): Deutsches Reich, Gesandter Se. Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Graf v. Rex (Sommersitz in Peitaiho). —Österreich-Ungarn, Ritter v. Kuczynski.
Deutscher Arzt: Stabsarzt Dr. Gelinsky, deutscher Gesandtschaftsarzt.— Deutsches Krankenhaus und Militärlazarett nördl. der deutschen Offiziershäuser. —Deutsche Apotheke: J. Betines & Co. im amerikanischen Hospital an der Hatamönnstraße, gegenüber Hôtel du Nord. Französisches Krankenhaus St.-Michel in der Gesandtschaftsstraße.
Geschäftsadressen. Deutscher Photograph: M. Hartung, gegenüber deutschem Offizierskasino; japanischer (gut) Yamamoto, neben Direktion der Peking-Hankau-Bahn;—Reiseausrüstung etc.: Kierulff & Co. (deutscher Inhaber Krüger), Gesandtschaftsstraße; H. Bahlke (deutsch), Hatamönnstraße, neben Hôtel du Nord; L. Wanniek (Österreicher), ebenda;— chinesische Geschäfte in der Hatamönnstraße und in der Chinesenstadt.
Zeiteinteilung für 10 Tage. 1. Tag: Gesandtschaftsviertel und Abendspaziergang auf der Mauer.—2. Tag: östliche Mandschustadt bis zum Gelben Tempel.—3. Tag: westliche Mandschu-und Kaiserstadt.—4. Tag: Chinesenstadt.—5. und 6. Tag: Ausflug zum kaiserlichen Sommerpalast (geöffnet jeden 5., 15., 25. chinesischen Datums, 3 Tage vorher bei Gesandtschaft einschreiben) und in die Westberge. —7.-10. Tag: Ausflug nach der Großen Mauer und den Minggräbern. —Ganz flüchtige Reisende brauchen 2 Tage für Peking, 1 Tag Sommerpalast und 3 Tage für den Ausflug zur Großen Mauer und den Minggräbern. Vgl. auch Zeiteinteilung auf S. [294].—Zu genaueren Studium der Stadt nehme man mindestens 4 Wochen Aufenthalt.
Für Umschreibung der chinesischen Laute mit lateinischen Buchstaben befolgt jeder Schriftsteller über chinesische Dinge sein eignes System. Im folgenden sind die chinesischen Worte in der praktischen Umschreibung nach dem System Sir Thomas Wade's wiedergegeben, dessen Hauptregel ist: die Vokale wie im Deutschen, die Konsonanten wie im Englischen zu sprechen. Da viele Abweichungen vorkommen, ist die Aussprachebezeichnung in eckigen Klammern [] beigefügt; man merke: alle Laute wie im Hochdeutschen mit folgenden Besonderheiten: y = j in Jahr, jung; j = französisch j in Journal, Jongleur; h = ch in Bach, Loch; ch = ch in China, Chemie; ie stets getrennt sprechen i-ĕ (nicht wie langes i), ebenso ou, das entweder ŏ-ū oder ō-ū lautet; w wie englisch w (nicht wie deutsches w).
Geschichtliches. Die ältesten Nachrichten sind vom Jahr 1121 v. Chr., als ein Nachkomme des berühmten Kaisers Huang Ti mit der Stadt Chi [Dyi] belehnt wurde. Vom 8.-3. Jahrh. v. Chr. ist Chi die Hauptstadt des Königreiches Yên [Yĕn]. Unter der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) heißt die Stadt Yu-chou [Yó-djŏu]. 936 wurde sie von den aus Liaotung hereinbrechenden Kitan-Tataren erobert, die als Liao-Dynastie über Nordchina herrschten und die Stadt im Gegensatz zu ihrer nördlichen Hauptstadt Liaoyung Nanking = »Südliche Hauptstadt« nannten. Seit jener Zeit ist Peking mit kurzen Unterbrechungen die Residenz geblieben. Als 1125 die Chin-[Dyin]-Tataren die Liao vertrieben hatten, wurde Peking unter dem Namen Chung-tu [Djúng-du] ihre Hauptstadt. 1215 vertrieb der mongolische Eroberer Djingis Khan die Chin und machte Peking zur Hauptstadt einer Provinz seines Reiches. Sein Enkel Kublai Khan verlegte 1264 die Residenz der mongolischen Kaiser von Karakorum nach Peking und erweiterte 1267 die alte Stadt, die er Ta-tu [Dá-du, »Große Hauptstadt«], mongolisch Khanbaligh, »Stadt des Khan«, nannte. Zugleich errichtete er ein System von Peking ausgehender, fester Straßen.
Der Grund, einen so exzentrisch gelegenen Platz zur Hauptstadt des gewaltigen Reichs zu machen, mag in der sichern Lage der Örtlichkeit beruht haben. Vom Meere her drohten in frühern Zeiten keine Gefahren, und nach N. und W. genoß Peking schon durch die schwere Überschreitbarkeit des in diesen Richtungen liegenden Gebirgslandes einen guten natürlichen Schutz, der durch das großartige Befestigungssystem der»Großen Mauer«noch erhöht wurde. 1368 vertrieb Hung Wu, der erste Kaiser der einheimischen Ming-Dynastie, die Mongolen aus China und änderte den Namen des eroberten Peking in Pei-p'ing-fu [Bè-ping-fú], residierte aber selbst in Nanking. 1409 verlegte der dritte Mingkaiser Yung Lo die Residenz von dort nach Pei-p'ing-fu, das nun zum erstenmal den Namen Peking (chines. Pei-ching [Bé-dying]) erhielt. Dieser Name ist in Europa allgemein bekannt geworden durch die zu jener Zeit zum erstenmal eintreffenden Jesuitenmissionare, die den Namen Peking ihren Karten einverleibten. Die Chinesen selbst nennen Peking einfach Ching [Dying] =»Hauptstadt«; amtlich heißt es Shun-tien-fu, und in der gelehrten Schriftsprache hat es seinen alten Namen Yên behalten. 1644 wurde die Stadt von den Mandschu beim Sturze der Ming-Dynastie geplündert, 1662 und 1730 von Erdbeben heimgesucht. 1728 gründeten hier die Russen eine Kolonie Peking; englische Gesandte residierten hier zeitweise seit dem Opiumkrieg (S. [216]), französische, italienische, deutsche folgten 1861. Am 12. Okt. 1860 wurde die Stadt nach leichten Gefechten und einem Bombardement der Nordmauer vom Gelben Tempel aus den englisch-französischen Truppen für einen Tag geöffnet. Man begnügte sich mit einem kurzen Demonstrationsmarsch durch die An-ding-mönn-Straße, zerstörte aber den Sommerpalast, um die Ermordung der englischen Parlamentäre zu rächen. Anfang Juni 1900 erreichte die Boxerbewegung Peking. Vom 12. Juni bis 14. Aug. war die Stadt von allem Verkehr mit der Kulturwelt abgeschnitten (vgl. S. [276]). Nach der Einnahme blieb Peking über 1/2 Jahr von den verbündeten Truppen besetzt. Neuerdings soll der Sitz der republikanischen Regierung nach Nanking verlegt werden.
Peking (»nördliche Hauptstadt«), Hauptstadt des chinesischen Reiches mit 1017209 Einw., Residenz des Kaisers, unter 39° 45' nördl. Br. (etwa wie Madrid), 37 m ü. M., in der nördl. Ausbuchtung der Großen Ebene, 150 km vom Meer, nahe dem mauerartigen Abfall des Nankougebirges, zwischen den Flüssen Hunho und Peiho und von drei Bächen durchflossen, die, zum Kanal vereinigt, bei Tungtschou in den Peiho münden. Das Klima ist ziemlich stark kontinental (vgl. S. [264]), der Winter so kalt wie in Ostpreußen, der Sommer so heiß wie in Konstantinopel; die Regen (633 mm im Durchschnitt) drängen sich auf die Sommermonate (namentlich Juli und August) zusammen, den größten Teil des Jahres über herrscht arger Staub, die Luft ist fast stets dunstig. Hunho und Peiho sind von Dezember bis Februar gewöhnlich zugefroren. Die Stadt, deren Mauer eine Fläche von 63,5 qkm umschließt, war nur noch ein Schatten früherer Pracht, ist aber jetzt in neuem Aufblühen begriffen, hat neben alten schlechten auch viele neue gute Straßen, dabei viele Ruinen einst bedeutender Bauwerke (meist 1900 zerstört), elende Häuser; große Flächen sind verödet oder nicht bebaut. Peking besteht aus zwei durch eine 9 m hohe und sehr breite Mauer getrennten Teilen: der von den Fremden so genannten Tataren-oder Mandschustadt und der Chinesenstadt. Als 1644 die Mandschu Peking erobert hatten, verteilten sie das Gebiet der Nordstadt unter sich und zwangen die Chinesen zur Auswanderung nach der Südstadt; heute wohnen aber viele Chinesen in der Tatarenstadt. Die Chinesen selbst nennen die erstere Nei-ch'êng [Nétschong], »Innere Stadt«, und die letztere Wai-ch'êng [Waí-tschong], »Äußere Stadt«. Die nördlichere Tataren-oder Mandschustadt bildet ein nahezu regelmäßiges Rechteck mit einer 23,6 km langen Mauer von 13 m Höhe und oben 11 m Breite, die von 9 Toren durchbrochen wird, von denen drei zur Chinesenstadt führen und über denen, wie über den vier Ecken, 30 m hohe Pavillons aufsteigen. Doch sind die meisten verfallen, ebenso wie die Wälle und der 18 m breite Graben. Die Tatarenstadt besteht aus drei Teilen: den innersten Kern bildet die Rote Verbotene Stadt (Tzĕ-chin-ch'êng [Dsè-dyin-tschong), so genannt nach der sie umschließenden roten Mauer; es ist die Residenz des Hofes, umgeben mit breitem Wassergraben. Um die Verbotene Stadt zieht sich die gleichfalls durch eine Mauer abgeschlossene Kaiserstadt (Huang-ch'êng [Huáng-tschong]), in der sich meist Behörden und Beamtenwohnungen befinden; sie ist dem freien Verkehr eröffnet mit Ausnahme der Westseite, wo Militärposten den Eingang zu den Kaiserlichen Westgärten absperren. Im W. der Kaiserstadt liegt die neue Reichsuniversität, die aber in etwa 2 Jahren auf ein umfangreiches Gelände vor der Nordmauer der Tatarenstadt übersiedeln soll. Um die Kaiserstadt lagert sich dann als dritter Gürtel die eigentliche Innere Stadt. Hier liegen im SO., nahe der Mauer, die 1900 zum Teil zerstörten Gesandtschaftsgebäude Deutschlands, Österreich-Ungarns, Rußlands, der Vereinigten Staaten, Englands, Spaniens, Japans, Frankreichs, Italiens, der Niederlande und Belgiens; der Ketteler-Gedenkbogen (S. [284]); die Sternwarte, das Waiwupu (Ministerium des Auswärtigen), das neue Parlament (an Stelle der alten Prüfungshallen; S. [289]), die ungeheuern Vorratskammern für den Reis der Bannerleute, der große Lamatempel, der Tempel des Confucius, die Halle der Klassiker, der Paukenturm und Glockenturm, im W. der Tempel der Kaiser, der Tempel der weißen Pagode. Ferner der Neubau des Palais des Prinzregenten. Eine 1901 neuaufgebaute Südkathedrale Nan-tang liegt am Schun-dschĭ-mönn, eine Ostkathedrale Dung-tang nördl. vom Gesandtschaftsviertel. Die englischen und amerikanischen protestantischen Missionen haben mehrere Krankenhäuser. Nahe dem Waiwupu errichtete die chinesische Regierung 1883 die Schule der westlichen Wissenschaften (Tungwênkuan) mit europäischen Dozenten, Bibliothek und Druckerei, auch Peking-Universität genannt, die aber 1900 mit allen Bücherschätzen abbrannte. —Die Kaiserstadt umschließt mit 4-6 m hohen, oben 16 m dicken und 7 km langen Mauern mit vier Toren zwei künstliche Seen, aus deren Ausschachtungen zwei Hügel, darunter der 66 m hohe, aussichtsreiche Kohlenhügel (S. [287]) gebildet sind. Hier die neue katholische Kathedrale St. Sauveur (seit 1883), der Peitang (Bétang = Nordkathedrale), Sitz des apostolischen Vikars von Peking und Nordtschili, ein Seminar, Schule, Buchdruckerei und ein Hospital der Schwestern de la Charité. Die ältern chinesischen Bauten, zum Teil 1900 zerstört, haben meist modernen Bauten, wie den Kasernen der Gardetruppen, Schulen und Regierungsgebäuden, Platz machen müssen. Die Dächer des Palastes sind gelb (die Farbe des kaiserlichen Hauses).—Die innerhalb der Kaiserstadt gelegene Rote Verbotene Stadt, benannt nach der sie umgebenden roten Ziegelmauer, hat vier reichgeschmückte Tore, vier große Repräsentationshallen für verschiedene Staatsaktionen, Privatgemächer, Paläste der Frauen und Prinzen, Wohnungen der zahlreichen Dienerschaft (ca. 3000), Kasernen der Leibgarden, Gärten, Ställe, die Bureaus des Staatsrats und des Großsekretariats etc., eine kaiserliche Bibliothek (1900 verbrannt). —An die Tatarenstadt schließt sich südl. die Chinesenstadt mit einer aus Chinesen und Mandschus gemischten Bevölkerung, wo alle Warenhäuser und Verkaufsbuden, die große Buchhändlerstraße und auch die Tempel des Himmels und des Ackerbaues liegen; der erstere gilt für den schönsten Tempel Chinas.—Die Straßen sind rechtwinklig angelegt; die schönste, jetzt modern makadamisiert, führt vom Südtor der Chinesenstadt bis zu dem der Verbotenen Stadt. Peking beginnt jetzt eine Selbstverwaltung und hat schon ein städtisches Wasserwerk; die Ordnung wird durch ein starkes Polizeikorps aufrechterhalten. Die Garnison besteht aus einem Teil der Gardedivision, deren Rest bei den Sommerpalästen liegt. Zwei Divisionen moderner Truppen stehen im Jagdpark südl. Peking und im Nordpark bei Tching-ho an der Kalganbahn. Die europäischen Gesandtschaften haben seit den Wirren 1900/01 Wachen eigner Truppen, die während der Revolution 1911/12 verstärkt wurden.—Die Industrie beschränkt sich auf Porzellan, Cloisonnée (die beste Werkstätte von Yang-Tien-Li ist in einer Nebenstraße nördl. vom Kettelerdenkmal), Edelsteinschleiferei, seit 1906 auch ein Elektrizitätswerk. Nicht unbedeutend ist der Buchhandel.
Rundgang. Wegen der großen Entfernungen muß man auch in der Stadt Wagen oder Rikschas benutzen. Beim Besuch der Sehenswürdigkeiten hat man mit der orientalischen Aufdringlichkeit der Chinesen gegen Fremde zu rechnen, daher tut man gut, sich eines vom Gasthof empfohlenen Führers zu bedienen; kleine Trinkgelder (10 c.) öffnen alle Türen; ob eine Sehenswürdigkeit zugänglich ist oder nicht, erfährt man im Hotel.—Vom Bahnhof gelangt man durch das Wassertor in das Gesandtschaftsviertel; geradeaus führt die Kanalstraße r. am Deutschen Postamt vorbei und r. in die Gesandtschaftsstraße (an der Ecke das Grand Hôtel des Wagons-Lits), wo man r. bald die Deutsche Gesandtschaft erreicht, in deren Garten ein Kreuz zum Andenken an den am 20. Juni 1900 ermordeten Freiherrn v. Ketteler steht. Gegenüber liegen die Japanische und Französische Gesandtschaft, beide mit Postämtern; weiter östl. an der Gesandtschaftsstraße die deutschen Offizierswohnhäuser; r. die deutsche Walderseekaserne. In der Schwarzhoffstraße (l.) das deutsche Militärlazarett. Am Ostende der Gesandtschaftsstraße liegt in der Hatamönnstraße das Hôtel du Nord und in dessen Nähe die amerikanische Mission nebst Krankenhaus. Nun biege man l. in die Hatamönnstraße ein, die in gerader Linie nach N. durch die ganze Mandschustadt führt; an ihr liegt r., an der Nordostecke des Gesandtschaftsviertels, der Östliche Triumphbogen (»der östliche einfache Bogen«, [Dung-dan paí-lŏ), dann folgt 0,5 km nördl. der Ketteler-Ehrenbogen, 1903 vom chinesischen Reich zur Sühne erbaut an der Stelle, wo der deutsche Gesandte ermordet wurde; l. der Palast des Prinzen Yü, r. in einer Querstraße das Waiwupu (Auswärtiges Amt). In der Hatamönnstraße, 1,5 km nördl. weiter, liegen die vier Triumphbogen (»die vier östlichen Bogen« [Dung-ssĕ paí-lŏū]), in deren Nähe l. der 1902 abgebrannte Lamatempel Lung-fu-ssĕ (»Tempel des unendlichen Glücks«, 1451 erbaut); hier Wochenmärkte am 9., 10., 19., 20., 29. und 30. Tage jedes chines. Monats. Am Nordende der Hatamönnstraße liegt etwas westl. der Kungfutszetempel (Confucius, chines. Kuo-tzĕ-chien [Guò-dsĕ-dyién],»Akademie des Landesphilosophen«), einfach und vornehm gehalten, mit zahlreichen Votivtafeln.
Die alten Zypressen in den Höfen stammen noch aus den Zeiten der Yüan-und der Ming-Dynastie (1206- 1368, 1368-1644). Im Frühjahr und im Herbst wurden in der Haupthalle den Manen des alten Weisen und seiner Schüler von den höchsten Beamten Opfer dargebracht, und jeder Kaiser opfert einmal nach seinem Regierungsantritt persönlich und stiftet darauf eine aus vier goldenen Zeichen auf blauem Grunde bestehende Votivtafel. Seitdem Kungfutsze 1906 von der Kaiserinregentin Tzĕ-hsi Himmel und Erde gleichgestellt wurde, muß der Kaiser oder sein Vertreter jährlich einmal opfern. Die Votivtafeln der neun Herrscher der gegenwärtigen Dynastie hängen in der Haupthalle, in deren Mitte vor einem Opfertische die Seelentafel des Kungfutsze (chinesisch K'ung Tzĕ [Kúng Dsĕ], d. h. der Meister K'ung) steht, mit der mandschurischen und chinesischen Inschrift: »Seelentafel des allerheiligsten Vorfahren und Lehrers Kungfutsze«. Die Seelentafeln seiner vier Hauptschüler stehen paarweise davor. Tsêng tzĕ [Dsóng-dsĕ] schrieb die»Große Lehre«, das erste der vier kanonischen Bücher; Mencius (Mêng-tze [Móng-dsĕ]) das nach ihm benannte vierte dieser Bücher; Tzĕ ssĕ [Dsĕ-ssĕ] verfaßte die »Lehre von der Goldenen Mitte«und Yĕn Hui (Yen-húi) die»Gespräche des Kungfutsze«. Die Seelentafeln sechs weniger berühmter Philosophen stehen auf jeder Seite, darunter die des Chu Hsi (Dju-chi), des bekannten Denkers der Sung-Dynastie im 12. Jahrh.— Auf jeder Seite des Vorhofes liegt eine Halle mit den Seelentafeln berühmter Philosophen der Schule des Kungfutsze. Auf der Oststeite die Tafeln von 78 tugendhaften, auf der Westseite die von 54 gelehrten Männern; 86 davon waren Schüler des Meisters.
Im Hofe sechs viereckige rote Pavillons mit Dächern von Ziegeln im kaiserlichen Gelb und Steininschriften im Innern. Darauf berichten die großen Mandschukaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung ihre Eroberungen im 18. Jahrh.: 1704 K'ang Hsi: Eroberung der westlichen Mongolei; 1726: Yung Chêng: Eroberung von Kukunor; 1750 Ch'ien Lung: Eroberung des Landes der Miao in Hunan u. Kweitschou; 1760 Ch'ien Lung: Eroberung der Dsungarei; 1760 Ch'ien Lung: Eroberung von Turkestan; 1777 Ch'ien Lung: Unterwerfung der eingebornen Stämme in Szetschuan.—Im Torwege zu diesem Hofe liegen die berühmten Steintrommeln (die schwarz und unscheinbar aussehenden Originale hinter einem rot angestrichenen Holzgitter auf der Nordseite des Tores); sie werden zuerst im 7. Jahrh. erwähnt, sollen 2500 Jahre alt sein und das älteste erhaltene chinesische Schriftdenkmal darstellen. Sie enthalten in altertümlicher Schrift eine poetische Darstellung der Jagdzüge des Königs Hsüan Wang. Kaiser Ch'ien Lung hat aus weißem Marmor Nachbildungen der alten Trommeln anfertigen und südl. vom Tor aufstellen lassen.
Im Vorhofe wurden ehemals die alle drei Jahre wiederkehrenden höchsten literarischen Examen in Mattenzelten abgehalten. Zur Erinnerung an jedes Examen wurde eine Steintafel mit dem Namen der jeweilig Graduierten errichtet, die hier den Titel eines »chin-shih«(dyín-schĭ) erwarben. Die ältesten drei Tafeln stammen noch aus der Zeit der Yüan-Dynastie (1206- 1368). Es ist jedenfalls das älteste Doktorenalbum der Welt.
Westl. anschließend an den Kungfutszetempel liegt die von den Fremden so genannte Klassikerhalle, chines. Pi-yung-kung [Bi-yung-gúng], etwa»Palast der vollendeten Harmonie«, erbaut vom Kaiser Ch'ien Lung (1736-96). Am Eingang zum innern Hof ein schöner Torbogen mit farbigen glasierten Ziegeln und Kacheln. In den offenen Hallen, die den Hof umziehen, ist der authentische Text der neun Klassiker auf weißen Marmortafeln eingegraben. In dem Pavillon inmitten des Hofes pflegte der Kaiser seine eignen Gedichte und Aufsätze den höchsten Gelehrten des Landes jährlich einmal vorzulesen. Unter seinen Nachfolgern ist das Gebäude nie mehr benutzt worden. (Trinkgeld in jeder dieser Anlagen 10 c. die Person; unverschämte Mehrforderungen sind gelassen zu ignorieren). —3 Min. östl. liegt der von den Fremden so genannte Lamatempel, chines. Yung-ho-kung [Yùng-hōŏ-gúng], »Palast des harmonischen Friedens«, eine weitläufige, prächtige Anlage, ursprünglich das Kronprinzenpalais des spätern Kaisers Yung Chêng (1723-1736), bewohnt von etwa 400 Lamas der tibetischen Gelben Kirche, sämtlich mongolischer Abkunft (keine Chinesen!), unter der Leitung tibetischer Oberpriester. Haupt des Klosters ist ein sogen. »Lebender Buddha« (Hūo-fōŏ), d. h. die jeweilige Reinkarnation eines tibetischen Heiligen; doch residiert dieser seit Jahrzehnten in Dolonnor (acht Tagereisen von Peking) in der Mongolei und besucht nur gelegentlich im Winter die Hauptstadt. Der wirkliche Leiter des Klosters ist ein tibetischer Abt. Die Anlage enthält schöne Hallen, Pavillons mit kaiserlichen Inschriften, tibetische Gebetsmühlen, sehr schöne Altarschnitzereien und in der letzten Haupthalle ein angeblich aus einem einzigen Stück Sandelholz gefertigtes, 14 m hohes Monumentalbild des aufrechtstehenden »Bodhisattva Maitrêya«, des buddhistischen Messias, der als fünfter und vollendeter Buddha unsrer Kalpa, des gegenwärtigen Weltzeitalters, erscheinen wird, um unsre Welt zu erlösen. Da die Größe der menschlichen Natur mit wachsender Sittenreinheit zunimmt, wird der Bodhisattva erst zum Buddha werden, wenn unsre Nachkommen so groß sind wie sein Bild! Sehenswert sind die dreimal täglich stattfindenden Gebetsübungen der Mönche (Messelesen in tibetischer Sprache. Wunderbare tiefe Stimmen, tiefes d!). Nicht hineingehen und nicht stören! Bei jeder Halle die Person höchstens 10 c. Trinkgeld, Mehrforderungen ignoriert man; den Bettlern im Vorhofe nichts geben!—Nun wende man sich westl. durch eine der Querstraßen zum *Paukenturm (Ku-lou [Gú-lŏū]), von Kublai Khan erbaut, dann abgebrannt und in vergrößertem Maßstabe von Yung Lo aus Ziegelsteinen neu errichtet (früher nur Holzbau). Die großen Pauken wurden früher als Alarmsignale geschlagen; eine bronzene Wasseruhr ist seit 1900 verschwunden. Schöne *Aussicht über ganz Peking, doch des schlechten Abstiegs wegen nur schwindelfreien Personen zu empfehlen.—Gleich nördl. davon der Glockenturm (Chung-lou [Djúng-lŏū]), vom Kaiser Ch'ien Lung 1740 erbaut, um eine der berühmten fünf Riesenglocken des Ming-Kaisers Yung Lo darin aufzuhängen; die Glocke wird nicht mehr geschlagen. Von der obern Terrasse gleichfalls schöne Aussicht, doch unbequemer Aufstieg.—Nun folge man der breiten Straße, die südl. zum Tor des irdischen Friedens (Ti-an-mén [Di-an-mönn]) oder Hintertor (Hou mên [Hŏū-mönn]) der Kaiserstadt führt; wenn man am Ende der Straße den Ahnentempel (Pl. 1) erreicht, biege man l., vorbei an den Leichenhallen der kaiserlichen Familie (r.; Pl. 12) und der kaiserlichen Nebenfrauen (l.; Pl. 13), zur Reichsuniversität (chines. Ta-hsüeh-t'ang [Dà chüĕ-táng]), ein Alumnat für 500 Studenten, geleitet von einem Rektor und 7 Prorektoren für 7 Fakultäten, einige deutsche, englische, amerikanische und französische Dozenten neben vielen eingebornen Professoren, die größtenteils im Auslande studiert haben; Bibliothek, Sammlungen und Druckerei. Zur Universität gehört das Dolmetscherseminar nahe dem»Östlichen Friedenstor«(1910 eröffnet für 300 Studenten).— Westl. von der Universität erhebt sich der Ching-shan (Dying-schan), »Aussichtsberg«, von den Fremden nach einer alten chinesischen Sage Kohlenhügel genannt, weil er angeblich aus Kohlen besteht, die für den Fall einer Belagerung Pekings dort aufgestapelt liegen sollen; in Wahrheit besteht er aus den Erdmassen, die bei Anlage der künstlichen Teiche in den Kaiserl. Westgärten ausgehoben worden sind. An einem inzwischen abgestorbenen Baum am Ostabhange des Hügels erhängte sich 1644 der letzte Mingkaiser Ch'ung Chêng (Tschúng-djong), als der Rebellenführer Li Tzĕ-ch'êng [Li Dsĕ-tschóng] die Westmauer der Tatarenstadt erstürmt hatte. Das Gebiet des Chingshan gehört zur Verbotenen Stadt und ist für Besucher unzugänglich.—Sw. liegen die gleichfalls unzugänglichen Kaiserlichen Westgärten (Hsi yüan [Chi-yüen]) mit den Ssan-hai, oder»Drei Meeren«, d. h. drei Lotosteichen. Am Nordteich der berühmte Lamatempel (Pl. 23) mit Kolossalfigur eines tausendarmigen Bodhisattva Avalokitêsvara und eine Halbinsel mit weithin sichtbarer weißer Pagode, in deren Nähe ein Altar der Schutzgottheit des Seidenbaues errichtet ist, an dem die Kaiserin nach altem Herkommen mit den Damen des Hofstaates alljährlich einmal opfert.—An der Südwestecke des Mittelteiches lag der seinerzeit vom Feldmarschall Grafen von Waldersee bewohnte Palast der Kaiserinregentin, der am 18. April 1901 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. An seiner Stelle stehen jetzt geschmacklose Gebäude, in denen die verstorbene Kaiserinregentin Tzĕ-hsi das diplomatische Korps in Audienz empfing. Inmitten des Südteiches liegt der von den Fremden so genannte Inselpalast, (Pl. 8), in dem der Kaiser Kuang Hsü 1898-1900 von der Kaiserinregentin gefangen gehalten wurde; er diente später gelegentlich zu Audienzzwecken. Die Westgärten gehören zur Verbotenen Stadt und sind nicht zugänglich.—Zwischen Nord-und Mittelteich führt die Marmorbrücke (Pl. 9) zu einer breiten Allee, die durch das »Westliche Friedenstor« aus der Kaiserstadt in die Mandschustadt führt; an der breiten Allee, von den Franzosen 1901 angelegt und Avenue Voyron genannt, liegt r. (nördl.) *Peitang [Bétang], der Sitz des französischen Erzbischofs und der Lazaristenmission mit der Kathedrale St.-Sauveur und mehreren Klöstern und Schulen, die während der Belagerungszeit 1900 von einer Handvoll französischer und italienischer Matrosen tapfer gegen den chinesischen Pöbel verteidigt wurden.
Die Rote Verbotene Stadt (unzugänglich) ist mit einer 3584 m langen rotbraunen Mauer umgeben (s. oben) und durch einen 30 m breiten Wassergraben von der Kaiserstadt getrennt; nur vier Brücken, je eine von jeder Seite, führen über den Graben. Die europäischen Truppen haben 1900 arg in der Roten Stadt gehaust und viele kostbare Kunstwerke zerstört. Gebäude, Tempel und Gärten stammen meist aus der Zeit der großen Mandschukaiser (1662-1796), doch reicht die ursprüngliche Anlage bis auf Kublai Khan (1260-95) zurück; sie haben geschweifte, reichverzierte Dächer mit gelben Ziegeln, deren Giebel mit goldenen Drachen gekrönt sind.—Am Westende der Gesandtschaftsstraße gelangt man südl. zum Chêng-yang-men [Djòng-yang-mönn], dem »Tor der senkrecht gegenstehenden Sonne«, d. h. Südtor, von den Fremden Kaisertor, volkstümlich Tchiën-mönn, »Vorderes Tor«, genannt; die im Juni 1900 abgebrannten Turmaufbauten sind 1905/07 wiederhergestellt. Diesem mittlern Südtor der Mandschustadt liegt im N. das Haupteingangstor des Kaiserpalastes Da-Tching-mönn, d. h. »Tor der Großen Mandschu-Dynastie«, unmittelbar gegenüber. Weiter nach N. zu folgt dahinter ein langer Vorhof bis zum Südtor der Kaiserstadt,»Tor des himmlischen Friedens«genannt; von da führt noch ein weiterer Vorhof zwischen Anlagen und durch das»Tor der Erhabenheit«, neben dem l. der»Altar der Götter des Landes und der Feldfrüchte«(Pl. 3), r. der Ahnentempel des Kaisers (Pl. 2) steht, über eine reichgeschmückte Brücke und durch das Mittagstor (Wumönn) in die Rote Verbotene Stadt. Die großen Mittelplätze sind durch Tore und Hallen abgeteilt. Man gelangt durch das»Tor der Eintracht«(Taihomönn) in die»Halle der höchsten Eintracht«(T'ai-ho-tien [Taì-hōŏ-dién]), dann in die »Halle der mittlern Eintracht«(Chung-ho-tien [Djung-hōŏ-dién]) und schließlich in die»Halle der beschützten Eintracht«(Pao-ho-tien [Bào-hōŏ-dién]); diese Hallen dienen lediglich als Repräsentationsräume bei bestimmten Staatsaktionen, so der T'ai-ho-tien zur Neujahrs- und Geburtstagsgratulation vor dem Kaiser, der Chung-ho-tien zur Aufbewahrung der Staatssiegel und der Bao-ho-tien als Prüfungshalle beim Palastexamen. Vom nördl. Vorhof der letzten Halle führt das »Tor der himmlischen Reinheit« (Pl. 3) in den Palast der himmlischen Reinheit (Ch'ien-ch'ing-kung [Tchiĕn-tching-gúng]), worin in der Morgenfrühe die fünf Mitglieder des Staatsrats dem Kaiser oder dem Regenten Vortrag halten. In dieser Halle finden auch seit 1901 die großen Audienzen statt, die fürstlichen Gästen oder dem diplomatischen Korps erteilt werden. Bestimmte Wohnungen des Kaisers etc. gibt es nicht. Die ewige Attentatfurcht bewirkt, daß schon seit alten Zeiten die Mitglieder der kaiserl. Familie in den weiten Palastgründen tageweise von Haus zu Haus ziehen. Die verstorbenen Majestäten wohnten in einem der Pavillons der Westgärten oder des Sommerpalastes; östl. von den Wohnungen der Nebenfrauen des Kaisers, getrennt durch das »Tor des Kriegsgottes« (Pl. 4), liegen die Wohnungen und Paläste der kaiserlichen Frauen und südl. davon die Wohnungen der kaiserlichen Kinder. Außerdem liegen im nördl. Teile der Verbotenen Stadt die Wohnungen der Dienerinnen, Eunuchen, die Seidenlager, Pelzlager, Theatersäle, Pagoden und verschiedene andre Paläste.
*Spaziergänge auf der Südmauer der Mandschustadt sind sehr zu empfehlen; 1910 ist vom diplomatischen Korps ein Promenadenweg mit Ruhebänken zwischen Tchiën-mönn und Hada-mönn angelegt. Ein Aufgang zur Mauer liegt am Südende der Sodenstraße, die gegenüber der St.-Michelkathedrale von der Gesandtschaftsstraße südl. führt, ein zweiter westl. vom Wassertor hinter der Russisch-Asiatischen Bank. Man geht westl. auf der Mauer bis zum Wassertor und Tchiën-mönn; östl. gelangt man über das Hadamönntor auf der Mauer am deutschen Friedhof vorbei bis zum SO.-Eckturm, dann noch 3/4 km nördl. bis zur Kaiserlichen Sternwarte (Kuanhsiang t'ai [G'wàn-chiang-taí]), erbaut 1279 unter Kublai, geleitet im 14.-17. Jahrh. von arabischen Astronomenfamilien, dann von den Jesuiten, deren berühmter Astronom P. Verbiest (gest. 1688 in Peking) die alten mongolisch-arabischen Instrumente durch kunstvolle, zeitgemäßere Armillarsphären, Azimutalkreise, Sextanten und einen Himmelsglobus ersetzte. Einige dieser Instrumente wurden 1901 nach Potsdam gebracht; der Himmelsglobus ist 1905 durch eine (allerdings nur 1/3 so große) Nachbildung ersetzt worden. Die Franzosen haben die von ihnen seinerzeit fortgenommenen Instrumente 1905 zurückgegeben. (Von der frühern Existenz der in Deutschland befindlichen zeugen nur die leeren Steinsockel.)—Dicht nördl. von der Sternwarte lagen die Großen Prüfungshallen (Kung-yüan [Ging-yüan]) mit mehreren tausend Zellen, wo alle drei Jahre aus dem ganzen Reiche die bereits doppelt geprüften Anwärter ihr Staatsexamen und »den Doktor machten«, d. h. den Titel »Chü-jên« [Dyü-jön] erwarben, der Anrecht auf die Beamtenlaufbahn gab (die alten Examina sind 1905 abgeschafft worden). Das Gebäude wurde 1900 von den fremden Truppen zerstört und wird gegenwärtig zum Bauplatz für das 1912 zu eröffnende Parlament hergerichtet. Ein deutscher Architekt baut hier das Oberhaus (Schang-i-yüan) und das Unterhaus (Chia-i-yüan) des modernen China.
Zum Besuch der Chinesenstadt fährt man mit Rikscha durch das Tchiën-mönn südl. in die breite, gepflasterte Tchiën-mönn-Straße, an der 2,5 km vom Tor r. der von den Fremden so genannte Ackerbautempel, chines. Hsien-nung-t'an [Chièn-nung-tán], »Altar des ersten Ackerbauers«, d. h. des sagenhaften Kaisers Shên-nung [Schönnung] (2838-2698 v. Chr.) liegt, eine große, mit prächtigem Park und einer 3450 m langen Mauer umgebene Anlage, die vom Kaiser Chia Ch'ing [Dyiá-tching] der Ming-Dynastie (1522-67) erbaut und unter Kaiser Ch'ien Lung [Tchien-lúng] (1736-96) der regierenden Mandschudynastie erneuert wurde.
Es bestehen vier Kultusstätten: der eigentliche Altar des Shên-nung, eine Tempelhalle des Jahresgottes (Tai-sui-tien [Tai-ssōē-dién]), eine ebensolche des Planeten Jupiter (Mu-hsing-tien [Mù-ching-dién]) und die Halle Pei-tien [Bé-tièn], wo der Kaiser in jedem Frühjahr seine Kultushandlungen beginnt. Vor einer Terrasse das Feld, das der Kaiser an einem bestimmten Tag im Frühjahr mit den Prinzen des kaiserlichen Hauses, den höchsten Beamten der Stadtverwaltung und einer Anzahl der ältesten Greise Pekings eigenhändig bestellt; der Kaiser zieht mit dem Pfluge drei, die übrigen Teilnehmer an der feierlichen Handlung je eine Furche und streuen symbolisch Reis-, Weizen-und Hirsekörner darüber. Der früher benutzte kunstvolle Bronzepflug ist 1900 verschwunden und jetzt durch einen plumpen, gelb angestrichenen Holzpflug ersetzt worden.
Während der Okkupation von 1900/01 diente die Tempelanlage den amerikanischen Truppen unter General Chaffee als Quartier.—Priester gibt es hier, wie in allen kaiserlichen Tempeln, nicht, da der Kaiser in diesen der einzige Priester ist. (Trinkgeld an die führenden Aufseher 10-20 c.)
Gegenüber liegt der schönste und großartigste Tempel Pekings, der von den Fremden sogen. *Himmelstempel, chines. T'ien-t'an [T'ien-tán], »Altar des Himmels«, eine gewaltige Anlage von einer 5750 m langen Mauer umgeben, unter der Regierung des Mingkaisers Yung Lo (1403-25) erbaut; sie diente dem Kult des Himmels und der Erde, bis Kaiser Ch'ien Lung im 18. Jahr seiner Herrschaft (1754) einen besondern »Altar der Erde« (Ti-t'an [Di-tán]) im Norden Pekings vor dem Tore An-ting-mên [An-ding-mönn] erbaute.
Durch das nördl. Tor der äußern Westmauer gelangt man durch eine Allee schöner alter Zypressen zum Tore der innern Mauer. Hinter diesem erblickt man zunächst r. ein von einem Graben umzogenes Gebäude, die Halle der Enthaltsamkeit (Chai-kung [Djaí-gung]), woselbst der Kaiser die Nacht vor dem Opfer fastet; sehenswerter Thronsessel im Hauptraume. —Dann sö. zum großen Hauptaltar, chines. Yüan-ch'iu [Yüĕn-tchió], »Runder Hügel« oder Nán-t'an, Südaltar genannt, ganz aus weißem Marmor erbaut und von Marmorbogen umgeben. Hier opfert der Kaiser als »Sohn des Himmels«alljährlich zur Zeit der Wintersonnenwende als Hoherpriester seines Volkes und erfleht den Segen des Himmels für das kommende Jahr. Auf der obersten Plattform werden zur Zeit des Opfers eine Anzahl Zelte aus dunkelblauem Tuch errichtet, in die auf vergoldeten hölzernen Thronsesseln die Seelentafeln des »Allerhöchsten Himmlischen Herrschers«, des Jahres, der Gestirne, der Sonne, des Mondes und der 8 kaiserlichen Ahnen des regierenden Hauses stehen. Vor allen Tafeln stehen Opfertische mit den verschiedensten Sorten von Fleisch, Wildbret, Fischen, Sämereien, Früchten und Backwerk. Während der Kultushandlung, die die kaiserliche Kapelle auf eigenartigen, kunstvoll gearbeiteten Instrumenten mit einer uralten Sakralmusik begleitet, kniet der Kaiser allein auf der obersten Plattform, während die übrigen Terrassen und der Hof mit den Prinzen und den höchsten Würdenträgern besetzt sind. Insgesamt nehmen an dem 3/4 St. vor Sonnenaufgang beginnenden Opfer mehrere hundert Personen teil, die sich schon am vorhergehenden Tag aus der Stadt dorthin begeben und teils in den ausgedehnten Wohnhausanlagen, teils in Zelten übernachtet haben. Dieser Südaltar ist der eigentliche »Altar des Himmels« und der Hauptpunkt der ganzen Anlage. Die oft gehörte Behauptung, die Chinesen hielten ihn für den Mittelpunkt der Erde, gehört ins Gebiet der vielen Fabeln, die sich während der Okkupationszeit von 1900/01 gebildet haben.—Am Fuße des Altars stehen neun große eiserne Becken, je eins beim ersten Opfer eines jeden Kaisers der regierenden Dynastie gestiftet, in denen grobe weiße Seidenstoffrollen verbrannt werden. —Nahe sö. vom Altar ein aus grünglasierten Ziegeln erbauter Brandopferofen (liáo-lu), in dem jedesmal ein schwarzer Stier verbrannt wird. Die zur Tempelwirtschaft gehörende Herde schwarzer Stiere kann man oft auf den weiten Grasflächen weiden sehen.—Wenig nördl. vom Südaltar ein Pavillon, in dem die Kultusgeräte aufbewahrt werden. (Kein Zutritt!)
Man wende sich nun nördl. Auf einer mit mächtigen Steinquadern belegten breiten Terrasse gelangt man zum *Nordaltar, chines. Ch'i-ku-t'an [Tchi-gu-tán], »Getreideopfer-Altar«, genannt; auf ihm erhebt sich ein stattliches rundes Gebäude, einer der schönsten Bauten Pekings, Ch'i-nien-tien [Tchi-niĕn-dién],»Jahresopfer-Halle«, genannt. Hier pflegte der Kaiser ehemals alljährlich im Frühjahr um eine glückliche Ernte zu beten. Seitdem das Gebäude aber 1852 infolge eines Blitzschlags abbrannte, ist das Ernteopfer stets gleichfalls auf dem Südaltar abgehalten und die an Stelle der alten neuerbaute Halle nie benutzt worden.
Der Pavillon nördl. davon enthält die Kultusgeräte.—Bei der Besetzung im Jahre 1900 lag die britisch-indische Kavallerie des Generals Gaselee im Himmelstempel.— (Trinkgeld an den führenden Aufseher je 10-20 c.)
Außerdem sind in der Chinesenstadt sehenswert die Hauptgeschäftsstraße Dà-schĭ-lărl, die Buchhändlerstraße Liu-li-ch'ang [Lèo-lit-tscháng] mit Kuriositätenläden und sw. davon der Buddhatempel Fà-yüan-ssé, der älteste Tempel Pekings, 645 erbaut.—Nahe der Buchhändlerstraße ist eine sehenswerte Cloisonnéfabrik (S. [284]).
Ausflug zu den kaiserlichen Sommerpalästen und in die Westberge.
Etwa 2-3 Tage, mit Nachtlager in den Klöstern am»Tempel der blaugrünen Wolke«und am Miaofengschan. Der alte Sommerpalast allein ist eine kleine Tagestour. Alle größern Ausflüge suche man in Gesellschaft zu machen, Herren zu Pferde (tägl. $ 2), Damen in Maultiersänfte (tägl. $ 4); oder in Tragstühlen, die der Gasthof besorgt; dazu nehme man Reitknechte nach Bedarf, einen Führer (tägl. $ 2), einen Koch (tägl. $ 0,75) sowie eine Pekingkarre (tägl. $ 2) mit Mundvorrat und Getränk sowie Matratzen und Decken mit. Die Gasthöfe besorgen die Ausrüstung. Unterwegs regelt der Führer alle Ausgaben. Chinesische Herbergen trifft man unterwegs.
Man verläßt die Mandschustadt durch das nordöstliche Tor, Andingmönn, und gelangt, den Tempel der Erde (Di-tan) r. lassend, zum *Gelben Tempel (Huang-ssĕ), etwa 25 Min. nördl. von der Stadtmauer, einer großen Tempelanlage mit prachtvollen Marmorbauten inmitten alter Parkanlagen, von Kaiser Ch'ien Lung zu Ehren des ihn zu seinem 70. Geburtstage 1780 besuchenden Tashi Lama erbaut; er besteht aus drei Teilen; das mittlere, arg zerfallene Gebäude in halb tibetischem Stil diente dem heiligen Mann aus Tibet, der im Rang nur dem Dalai Lama nachsteht, zur Wohnung, die östl. Tempelanlage Tung-huang-ssĕ [Dùng-huang-ssĕ] als Privatkapelle.
Als der Heilige 1781 an den Blattern starb, ließ der Kaiser seine Kleider westl. des Wohnpalastes beisetzen und darüber aus weißem Marmor eine schöne Pagode errichten, während der Leichnam in einem vergoldeten Sarge nach Tibet geschickt wurde. Pagoden sind buddhistische Grabdenkmäler, die in ihren fünf Hauptabschnitten die fünf Elemente darstellen und die Auflösung des Körpers in die fünf Elemente versinnbildlichen sollen. An der Pagode schöne Reliefs, die wunderbare Geburt des Heiligen, seine Lehrtätigkeit, Tod und Wiedergeburt als Buddha darstellend, 1900 leider von japanischen Soldaten arg verstümmelt. —Der Gelbe Tempel war 1861 das Hauptquartier Lord Elgins, als die Engländer und Franzosen das Tor An-ding-mèn bombardierten, durch das sie später einzogen.—Dicht östl. vom Gelben Tempel das von der chinesischen Regierung für den Dalai Lama gebaute Absteigequartier (Dalai-lama chĭng-yung), wo der tibetische Heilige im Jahre 1908 wohnte. Zu sehen: seine Reisewagen, sein Altar, von ihm gesegnete Gegenstände. Eintritt gegen Trinkgeld erlangbar.
10 Min. nördl. davon der kleine, unscheinbare Tempel Tsan-tan-ssĕ mit den Leichen der im Yung-ho-yung verstorbenen Mönche, die hier in viereckigen, ca. 1 qm großen Holzkisten in einer der Stellung des Embryo im Mutterleibe entsprechenden Körperhaltung (buddhistische Lehre der ewigen Wiedergeburt!) aufgestapelt und gelegentlich im Vorhofe verbrannt werden. Die Aschensäcke hängen an den Wänden der Haupthalle in groben gelben Beuteln; sie werden gelegentlich nach dem Wallfahrtsort Wu-tai-schan in der Provinz Schansi geschickt und dort beigesetzt. Nur für starke Nerven, namentlich bei warmer Witterung!
Vom Oktober bis Februar pflegen die nach Peking aus der Mongolei kommenden Tributgesandtschaften in den großen Karawansereien beim Gelben Tempel abzusteigen. Daher heißt diese ganze Gegend der Mongolenmarkt.
Zwischen dem Gelben Tempel und der Stadt Peking liegt der alte Exerzierplatz der mandschurischen Bannertruppen, wo die kriegerischen großen Kaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung von einem noch zu erkennenden Sandhügel in der Mitte Heerschau hielten. Zurzeit wird hier der Bau der neuen Reichsuniversität vorbereitet (Alumnat mit Colleges nach amerikanischem Vorbild).
Zu Pferde etwa 20 Min. wnw. weiter erreicht man den Tempel der Großen Glocke (Ta-chung-ssĕ [Dá-djung-ssĕ]) mit einer der 5 Riesenglocken, die der Ming-Kaiser Yung Lo (1403-25) gießen ließ, 1578 erbaut. Sie ist innen und außen mit dem Text einer Hymne auf Amitabha Buddha in chinesischen und Sanskritschriftzeichen bedeckt. Den besten Eindruck von der gewaltigen Größe der Glocke erhält man, wenn man sich unter sie stellt.
Wer den Umweg von 2-3 St. über den Gelben Tempel und den Tempel der Großen Glocke scheut, gelangt am besten zu den Sommerpalästen, wenn er Peking durch das Nordtor der Westmauer, das Hsi-dschi-mönn [Chí-dji-mönn] verläßt. [Wer Eile hat und sich mit derselben Straße zum Hin-und Rückweg begnügt, fährt im Automobil oder Wagen die neue große Chaussee über Hai-dien.]—10 Min. westl. von Hsi-dschi-mönn der 1907 eröffnete Botanische und Zoologische Garten mit europäischem Restaurant, Teehaus und einem Absteigequartier der verstorbenen Kaiserin-Regentin. (Eintritt in die botanische und zoologische Abteilung pro Person je 8 Kupfercents, Besichtigung des kaiserlichen Hauses pro Person 20 c.; auf guter Straße in Wagen, Auto oder Rikscha bequem zu erreichen.) Vor dem Tor überschreitet man die Mongolische Bahn (S. [280]). L. von einer über einen Kanal führenden Steinbrücke liegen die Bootshäuser für die kaiserlichen Dschunken, in denen sich die Majestäten auf dem Kanal von einem kleinen Raddampfer zum Sommerpalast schleppen ließen. Am vielfach gewundenen Kanal entlang schöner Weg bis zu dem von einem indischen Buddhistenmissionar in hindustanischem Stil erbauten Tempel Wù-t'a-ssĕ (»Fünf-Pagoden-Tempel«), jetzt verfallen und verlassen. Nach etwa 1/2 St. neben einer Schleuse der nach 1900 wieder schön hergerichtete Tempel Wan-shou-ssĕ [Wăn-shŏ[-i]-ssĕ] mit sehenswerten Höfen und Hallen.—Unmittelbar westl. daneben das Absteigequartier der Majestäten Hsing-kung [chíng-gung], die hier auf der Fahrt nach dem Sommerpalast rasteten und der Schleuse wegen die Boote wechselten; sehenswert, da alle Wohnräume vollständig eingerichtet und die Höfe gegen Trinkgeld zugänglich sind.—Da der weitere Weg am Kanal entlang bald durch Militärposten versperrt wird, verlasse man den Kanalweg und biege durch den westl. vom kaiserlichen Absteigequartier gelegenen Torbogen nach N. ab. Bei dem Marktflecken Hai-tien [Hai-diĕn] erreicht man die von Peking zum Sommerpalast führende Straße und gelangt auf ihr, an den neuen Kasernen der Gardedivision und den Sommersitzen der Prinzen und hohen Würdenträger vorbei, zum (15 km) sogen. *Alten Kaiser-Sommerpalast, Yüàn-ming-yüán (»Park des Vollendeten Glanzes«), einst die Sommerresidenz des großen Ch'ien Lung (1736-96), der hier 1793 die erste englische Gesandtschaft unter Lord Macartney empfing. Der Palast wurde 1861 zur Strafe für die Gefangennahme und Ermordung der englischen Parlamentäre von den verbündeten Engländern und Franzosen gänzlich ausgeplündert (ganze Schiffsladungen von Kunstwerken gingen nach Europa) und in barbarischer Weise zerstört; die Ruinen geben nur ein schwaches Bild der vergangenen Pracht. Für den Europäer interessant sind die Überreste der von den französischen Jesuitenmissionaren nach Vorbildern von Trianon und Versailles erbauten Rokokobauten, Labyrinthe u. dergl. Der schöne Park ist »heimlich« gegen Trinkgeld von einer Seitentür an der Westmauer wieder zugänglich.— An verschiedenen prinzlichen Sommersitzen vorbei führt die große Steinstraße weiter zum sogen. Neuen Sommerpalast, I-ho-yüan [I-hōă-yüán, »Park des Alterfriedens«], von den Fremden nach dem in ihm liegenden Hügel Wan-shou-shan [Wàn-schŏū-schăn, »Kaisersgeburtstagsberg«] genannt (Wan-shou heißt eigentlich»10000 [mal] hohes Alter«), weil der Begründer dieses Sommersitzes, Kaiser K'ang Hsi (1662-73), zum Andenken an den 60. Geburtstag seiner Mutter auf der Spitze des Hügels einen Tempel erbauen ließ. Auch diese Sommerresidenz wurde 1861 von den Engländern und 1900 von den verbündeten Truppen zerstört und ausgeplündert; sie ist neuerdings zum Teil aufgebaut und dient dem Hofe während der wärmern Monate zum Aufenthalt. (Besichtigung am 5., 15. und 25. jedes chinesischen Monats gestattet, man melde sich spätestens drei Tage vorher bei der Gesandtschaft an, der Eintritt nur gegen auf Namen des Inhabers lautende Karte gestattet; Trinkgeld pro Person $ 1, Kahnführer extra.)—Etwas westl. liegt der ebenfalls von Kaiser K'ang Hsi angelegte älteste der kaiserlichen Sommergärten Ching-ming-yüan [Dyìng-ming-yüăn, »Park des ungetrübten Glanzes«], gleichfalls 1861 und 1900 zerstört, mit dem Hügel Yü-ch'üan-shan [Ü-tchüen-schăn, »Berg der Nephritquelle«]. Auf der Spitze des Hügels die weithin sichtbare Pagode Yü-fîng-t'a [Ü-fong-tá], von wo man eine herrliche *Aussicht über die kaiserlichen Sommergärten, die Pekinger Ebene und in die nahen Westberge hat. Der Eintritt ist gegen Trinkgeld 50 c. (für 1-2 Pers.) unschwer zu erlangen und solchen zu empfehlen, denen Besuch des Sommerpalastes wegen Zeitmangel unmöglich.
Am Fuße des Hügels entspringt unterhalb eines Tempelchens die Nephritquelle, die die künstlichen Teiche der kaiserlichen Gärten, den nach Peking führenden Kanal und die Stadtgräben und Teiche der Hauptstadt bewässert, deren weiterer Abfluß dann der in den Peiho [Bai-hōŏ, »Weißer Fluß«] mündende T'ung-chou-[Túng-djŏū-] Kanal ist. Über der Quelle die von Kaiser K'ang Hsi verfaßte Inschrift»Erste Quelle der Welt«und ein Lobgedicht des Herrschers über die Köstlichkeit des Quellwassers. —Südl. vom Quellteiche die noch erkennbaren Grundmauern des Sommerpalastes der Kaiser der Chin [Dyin-] Dynastie (1115-1234).
Westl. vom Yü-ch'üan-shan-Hügel erblickt man in den Schluchten der Westberge (Hsi-shan [Chi-schan]) zahlreiche malerisch gelegene Klöster und die bis zu den Berggipfeln laufenden Mauern des kaiserlichen Jagdparkes Ch'ing-i-yüan [Tching-yi-yüan, »Park des lautern Behagens«], gleichfalls 1861 und 1900 arg mitgenommen, aber mit seinen Ruinen und Gartenanlagen immer noch sehr sehenswert. Der anschließende Berg heißt Hsiang-shan [Chiáng-schan, »Duftberg«]; die Sage berichtet, daß auf diesem Berge Shun, der letzte Sproß der Liao-Dynastie, die 1125 von den Chin vernichtet wurde, begraben ist.
—Unweit nördl. liegt das Kloster *Pi-yün-ssĕ [Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen sonderbaren Eindruck macht die Halle der 500 Lo-han [Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500 überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die 18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.—NW. von Pi-yün-ssĕ, von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster Yü-hüang-t'ing.
Weiter nö. liegt in einem Seitental das Kloster Wo-fo-ssĕ [Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das Nirwana darstellt.—Nö. das Kloster Yi-kuan-ssĕ [Yi-gūăn-ssĕ], in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti [Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte, nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen gefallen war.—Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das sehenswerte Kloster Pao-tsang-ssĕ [Bào-dsang-ssĕ], 1439 von einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des Palastes. —Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten Hsi-tsang-tien [Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].
Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der Westberge die Klosteranlage Pa-ta-ch'u [Bà-da-tschú] mit den Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.
Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende Tour:
1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über Wang-êrh-shan [Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um den Berg herum) nach Hei-lung-t'an [Hè-lung-t'án,»Teich des Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier Frühstück. Dann weiter über das Kloster Wên-ch'üan-ssĕ [Wȫön-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen Kloster Ta-chüeh-ssĕ [Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.
2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad (zweimaliger Auf-und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten Wallfahrtsort Miao-fêng-shan [Miāŏ-fong-schăn], wo man am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.
3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.
Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:
1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über T'áng-shan (Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück) nach Ch'an-p'ing-chou [Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach Nankou und von dort zu Fuß oder mit Esel nach Ch'ang-p'ing-chou.—2. Tag: Besichtigung der Ming-Gräber (S. [296]). Frühstück am besten mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge entlang nach Nankou (S. [295]).—3. Tag: Durch den sogen. Nankou-Paß bis zur Großen Mauer (S. [296]). Aufstieg auf der l. Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) Nankou.
—4. Tag: Mit der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge entlang nach dem Kloster Ta-chüeh-ssĕ (s. oben).— 5. Tag: An den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl. oben).
Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.
Vgl. den Karton auf Karte S. [275].
Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: Eisenbahn (Mongolische Bahn, 1909 bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In Kalgan Railway Hotel wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl. früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis Ching-lung-chiao (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer (der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1/2 St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln) nach (44 km von Peking) Nankou, wo man im Railway Hotel (gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. —2. Tag: Früh 1/2-5 Uhr auf Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking.—Ausrüstung wie S. [295] beschrieben.
Der Ausflug führt in das nordwestl. von Peking sich hinziehende Gebirge, den Nankouschan, das infolge der rostförmigen, durch Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei in erster Linie Tee.—Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind baumlos.
Man verläßt die Mandschustadt durch das NW.-Tor Têschêng-mên [Dōĕ-schong-mönn,»Tor der siegreichen Tugend«], am Gelben Tempel (S. [291]) und weiter nördl. am alten Mongolenwall T'u-ch'êng [Tú-tschong] des Khan Balik vorbei durch sandige Gegend über (10 km) Ching-ho [Tsching-hōŏ], nw. nach (23 km) Sha-hô [Schá-hōŏ, »Sandfluß«], mit chinesischer Herberge; vorher über eine schöne Marmorbrücke und hinter dem Ort eine siebenbogige Brücke. Die Straße, auf der man malerische mongolische Kamelkarawanen sieht, führt nnö. weiter, vorbei an (36 km) Ch'ang-p'ing-chou [Tschăng-ping-djŏū] (gute chinesische Gasthäuser), einer großen, alten, mit hohen Mauern umgebenen Kreishauptstadt.—Von hier aus kann man auf bequemem Weg (7 km nördl.) die Minggräber (S. [296]) erreichen, doch empfiehlt es sich, zunächst über (44 km) Stat. Nan-kou [Nán-kŏū] (210 m; Quartier im neuen Railway Hotel, am Bahnhof, gelobt, Pens. $ 6) zu fahren. Die Bahn fährt weiter; nach dem ersten Drittel des Passes vorbei an der Talsperre Chü-yung-Kuan [Dyü-yung-gwan] (200 m); dort ein Torturm (1258 erbaut), auf dem Hindureliefs, Buddhafiguren und siebenköpfige Schlangen und zwei Inschriften von 1345 in sechs Schriften: Sanskrit, Tibetanisch, Mongolisch, Uigurisch, Nuchên und Chinesisch.—Etwa 4 km aufwärts liegt die zweite Talsperre Shang-kuan [Scháng-kwan] (450 m). Etwas weiter aufwärts tauchen die ersten Bruchstücke der Großen Mauer auf. Vom Bahnhof Ching-lung-chiao (s. oben) erreicht man zu Fuß in ca. 1/2 St. die Paßhöhe Pataling (Nankoupaß) [Bà-da-ling, »die acht großen Berggipfel«], 633 m ü. M., wo die Große Mauer den Paß kreuzt.
Die Große Chinesische Mauer (Wanlitschangtschöng = Mauer von 10000 Li, d. h. chinesischen Meilen, mongolisch Jagan Kerme = weiße Wand), das mächtigste Bauwerk der Erde, 2450 km lang, ist in drei Zeitabschnitten erbaut, zuerst zur Zeit der Punischen Kriege (von dieser Mauer sind nur Reste übrig), dann zur Zeit Karls des Großen als»äußere Mauer«von Schanhaikuan (S. [329]) bis zum Hoangho, den sie auf nahezu 40° nördl. Br. an der Grenze der Mongolei erreicht, von wo sie in sehr unregelmäßiger Linie westl. läuft und jenseit Kantschou auf etwa 39° nördl. Br. und 100° östl. L. in der Provinz Kansu endet. Diese Mauer ist nw. und nördl. von Peking doppelt (die Mauer bei Pataling ist im 15. Jahrh. von den Ming gebaut), so daß man etwa 130 km nw. von Pataling bei Kalgan nochmals auf eine Mauer trifft, von der aber nur noch Ruinen der Wachttürme erhalten sind. Außerdem lief eine zur Zeit Rudolfs von Habsburg von einem Mingkaiser erbaute, jetzt gänzlich verschwundene»innere Mauer«von Schanhaikuan nö. durch die Mandschurei als Palisadenwall. Die Mauer ist überall etwa 16,5 m hoch, unten 8 m, oben 5 m und mehr breit, mit guter Straße auf ihrer Plattform, mannshoher Brüstung auf beiden Seiten und regelmäßige Zinnen, Basteien und etwa alle 100 m Wachttürme; die Mauer windet sich malerisch über Bergkämme (bis 1700 m ü. M.), durch Täler und Abgründe. Jetzt stehen die Tore der Mauern offen und unbewacht; stellenweise liegen alte Geschützrohre in den Wachttürmen. Zweck der Mauer war der Schutz gegen Einfälle der Hunnen und Mongolen.
Man besteige die Mauer westl. (l.) vom Tor, Aufstieg bei der eingestürzten Stelle, gehe dann etwa 1/2 St. bis zum höchsten Wachtturm, von dem man prächtige *Aussicht über die Mauer, den Engpaß und die Gebirge hat. Etwa 4 km nö. unterhalb der Mauer liegt die ummauerte Stadt Ch'a-tao [Tschá-dao] (491 m; Herberge), wo man zur Not übernachten kann.
Von da führen die Eisenbahn und eine Karawanenstraße nach Kalgan (Tschangkiakou; 200 km von Peking), 825 m ü. M., etwa 70OOO Einw.; Kalgan ist wichtiger Handelsplatz an der äußern Doppelmauer, an der Handelsstraße nach Kjachta, dem alten Überlandweg von Europa nach Peking. Die Mongolische Bahn, die durch die Mongolei hindurch an das sibirische Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, war Mitte 1911 bis Suiyüen, 290 km über Kalgan hinaus, betriebsfertig.
Nach Besichtigung der Mauer kehre man nach Nankou zurück (20 km von Pataling), wie oben angegeben, übernachte hier und reite am nächsten Morgen am Fuß der Berge östl. 8 km zu den *Minggräbern (Mingling). Sie liegen, je etwa 1 km voneinander entfernt, in einem halbkreisförmigen Tal am Fuße der dieses einschließenden Berge. Die Straße dorthin ist prachtvoll geschmückt durch Marmortore und überlebensgroße Marmorstatuen.
Der erste *Torbogen (1541 erbaut) gilt als einer der schönsten Chinas und ist mit sehr feinen Marmorskulpturen geschmückt. Jenseits einer halbverfallenen Brücke erreicht man einen großen roten Torbogen, Ta-hung-mên [Dà-hung-mȫnn, »Großes Rotes Tor«]. Von hier führt ein mit Steinfliesen belegter Weg (1537 angelegt) zum dritten Torbogen, der von 4 Drachensäulen getragen wird (1426 erbaut);
hinter ihm beginnt eine seltsame, mit Steinbildern besetzte Straße, zwischen jedem Paare sind etwa 50 Schritt Zwischenraum; den Anfang machen 4 Löwen, 4 Einhörner, 4 Kamele, 4 Kilin (Fabeltiere) und 4 Pferde, dann folgen 12 Menschenfiguren, und zwar 4 Militärmandarine, 4 Zivilmandarine und 4 Priester. Wieder schließen sich Torbogen an; dahinter liegt mitten zwischen hohen Bäumen der große Grabtempel *Ch'ang-ling [Tscháng-ling] des Kaisers Yung Lo [Yung Lōŏ], 1403 bis 1425, von hoher Mauer umgeben (Einlaß $ 1 dem Wächter). Zwölf andre, kleinere Kaisergräber und viele Gräber kaiserlicher Frauen, Nebenfrauen, Prinzen u. Prinzessinnen (zus. über 30) liegen, ebenfalls mit Grün geschmückt, in der Umgebung des großen Grabtempels. Der Eingang zum Tscháng-ling, ein dreifaches Tor, führt in einen Vorhof, von dem Marmortreppen durch Torbogen in eine riesige Tempelhalle mit 40 rotlackierten, 10 m hohen und 1,3 m dicken Holzsäulen führen, in deren Mitte eine Ahnentafel steht. Dahinter liegt noch ein Hof mit Torbogen und Altar sowie mehreren Blumenvasen und Marmorkandelabern, an dessen Hinterwand ein viereckiger Turm vor einem runden Grabhügel steht. Das Grab liegt vermauert in einem kleinen hohen Tempel mit geschweiftem Dach; von beiden Seiten führen ansteigende Marmorgalerien empor zum ersten Stock des Tempels, der über dem Grab ein Gemach mit Riesengedächtnissäule trägt.
Rückweg nach Nankou (Rückfahrt nach Peking oder Weiterfahrt nach Chinglungchiao oder Kalgan mit Bahn) oder, falls Reittier oder Sänfte zur Verfügung, bis zum ersten Torbogen, dann südl. etwa 7 km auf bequemem Weg nach Ch'ang-ping-chou (S. [295]), wo man übernachten kann, falls man nicht Zeit hat, noch bis Schaho (Bahnstation 20 km südl. von den Minggräbern) zu reiten.—Lohnend ist auch am vierten Tage der Weg von Ch'ang-ping-chou sw. nach (etwa 15 km) T'ang-shan (»Berg der warmen Quelle«), Dorf am Fuß des gleichnamigen Berges, Quartier im Dorftempel. Dabei liegen die Gärten und Ruinen eines Palastes des Kaisers King Hsi, in denen eine heiße Schwefelquelle von mehr als 50° C entspringt; die Quelle ergießt sich in zwei mit Marmorbalustraden umgebene Becken, in denen man baden kann. In der Nähe sehenswerte Reste des Palastes. —Rückweg über Schaho (von da mit Bahn) oder direkt nach (etwa 45 km) Peking, Andingmönn (S. [291]).
Ausflug nach Jehol (Tschöngtöfu).
Vgl. die Karte bei S. [271].
Man rechne etwa 10 Tage, sorge in Peking für gute Reittiere und kräftige Zugtiere für die Gepäckkarren, nehme Feldbetten, reichlich Konserven und Getränke mit; als Geld Peking-Dollars und Kleingeld.—Die Unwegsamkeit des Gebirgslandes im N. und W. von Peking tritt auf diesem Ausfluge noch weit stärker in Erscheinung als auf dem Wege nach dem Nankoupaß.
1. Tag: früh 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordosttor der Tatarenstadt Peking, Tungtschimönn, auf staubiger, schlechter Kunststraße in nnö. Richtung durch eintönige Gegend in 4 St. nach (14 km) Sunho (Frühstücksrast); 2 km hinter Sunho über den Fluß Wenyüho, dann r. an der ummauerten Kreisstadt (30 km) Schunyi vorbei zur Kleinstadt (37 km) Niulanschan, wo die Berge, die die Pekinger Ebene nach N. abschließen, näher an die Straße herantreten; Nachtquartier im chinesischen Gasthaus des Dorfes (48 km) Taloschan (Da-lo-schan).
2. Tag: 7 Uhr Aufbruch, auf schlechtem Weg, der sich den östl. Bergen nähert, zur Kreisstadt (60 km) Miyün, durch deren Osttor man weiter nach (72 km) Mengtschiaying (Mudsia-yü) gelangt (Mittagsrast bis 2 Uhr); Nm. erreicht man die Berge und passiert den ersten Rücken.
Der Weg bleibt nahe westl. vom Fluß Tscháuho. Nachtquartier im chinesischen Gasthaus der ummauerten Kleinstadt (93 km) Schihsiatschĕng (158 m ü. M.).
3. Tag: 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordtor auf steinigem Weg; viel Geröll und sehr steile Hohlwege, so daß die Karren mit Mühe hinaufkommen; nach 3 St. Eintritt in das Gebirge Heischan, auf dessen Kamm man die Türme der Großen Chinesischen Mauer (S. [296]) erkennt. Der Weg führt bergan durch großartige Landschaft über einen Paß (232 m), dann bergab zum Tal des Flusses Tscháuho: 15 km von Schihsiatschĕng tritt der Weg an das r. Ufer, man setzt mit Fähre über den hier 3/4 km breiten Tscháuho und erreicht nach weitern 2 km die malerisch am steilen l. Ufer gelegene ummauerte Kleinstadt (111 km) *Kupeikou (Gubei-kóu); hier Frühstücksrast. Unmittelbar hinter der nördl. Vorstadt von Kupeikou tritt die Große Mauer im Engpaß dicht an beide Flußufer heran; man kann ihre großartigen Windungen über den Gebirgskamm weithin überschauen, trotzdem sie teilweise stark zerfallen ist. Durch die Mauer dicht am l. Flußufer führt die Straße in die Mongolei, deren Südostzipfel staatlich zur chinesischen Provinz Tschili rechnet. Durch ein steiniges, kahles Tal, von mächtigen Bergen eingeschlossen, belebt von Kamelkarawanen, Reihern und Raubvögeln, gelangt man vorbei am zerfallenen chinesischen Schloß Lienhsienfeng nach (143 km) Schanschykoa; hier Nachtquartier in einfacher Herberge.
4. Tag: 6 Uhr Aufbruch, auf felsiger Straße steil (bis 30 und 35° Steigung) bergan in engem Tal; neben der Straße führt der Telegraph nach Jehol. Bei einem schwierigen Paß in der wilden Landschaft muß die Karre abgeladen, das Gepäck getragen werden; dann wird ein freundlicheres Tal durchquert und wieder ein steiler Paß in felsiger Landschaft (898 m hoch) überschritten. Weiter bergab und bergauf, an tief eingeschnittenem Flußbett entlang und durch großartige Schluchten nach der Kreisstadt (178 km) Lwanping; hier Nachtquartier im chinesischen Gasthaus. Vor der Stadt ein europäisches Steindenkmal für Missionare (1900 ermordet). Nachts hört man die Glocken durchziehender Karawanen.
5. Tag: 61/2 Uhr Aufbruch durch das Osttor; gleich hinter der Stadt überschreitet man den Fluß Lwanho auf 80 m langer, primitiver Brücke. Dann führt die in den Felsen eingeschnittene Straße in großartiger Berglandschaft sehr steil bergauf über einen Paß und ebenso steil bergab (Karrenräder feststellen!) durch Wald in ein gut bebautes Tal. Gegen 10 Uhr sichtet man den kaiserlichen Park, der Jehol krönt, nach 1 St. erreicht man (206 km) Jehol (Dschehol, chin. Tschöngtöfu), sehr alte Präfekturstadt mit angeblich 250000 Einw., Sitz eines Tatarengenerals und eines Futai (beiden schicke man Visitenkarte); die frühere Sommerresidenz der Mandschukaiser, ein prächtiger Palast in großem Park mit herrlichen Bäumen auf einer Anhöhe über der Stadt, ist nicht zugänglich. Sehr sehenswert ist der gut erhaltene großartige Lamatempel, vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1722) im Stil des Palasttempels von Potala in Lhassa (Tibet), der Residenz des Dalai Lama, erbaut; die Dächer der Tempelanlage sind teils vergoldet, teils mit kaiserlichen gelben Ziegeln gedeckt; die gut erhaltenen Wände sind mattrot. (Der Besuch dieses Tempels entschädigt reichlich für die Mühen der Reise; vgl. O. Franke, Beschreibung des Jehol-Gebiets [Leipzig 1902].)
Rückreise: Reittiere und Karren schickt man am besten nach Peking zurück, um selbst in offenem Boot (tägl. $ 5) mit Platz für ein Feldbett, 3 Ruderknechte und einen Diener (Boy) zurückzureisen. Das Boot mietet man in Jehol (oder 10 km sö. am Fluß Lwanho beim Ort Wang-ba-gr, an begangener Karawanenstraße). Die Bootsfahrt talwärts des Lwanho ist sehr interessant, führt anfangs durch enge Felsschluchten (ähnlich dem Yangtse oberhalb Itschang, vgl. S. [262]), passiert die Große Mauer beim Dorf Pantsiakou mit starken Windungen, gelangt dann in ein breiteres Tal, vorbei an der ummauerten Stadt Tsienan; unterhalb der großen Stadt Yungpingfu treten die Berge wieder dicht an den Fluß, der bei Lwantschou die Küstenebene erreicht.
Je nach Wasserstand und Stromgeschwindigkeit gelangt man in 3-6 Tagen zur Bahnstation Lwantschou (S. [329]) der Nordchinesischen Bahn, von wo man in etwa 4 St. nach Tientsin (S. [275]) fährt.
Von Peking nach Hankau.
(Vgl. die Karten bei S. [271] u. [215].)
Die Peihan-Eisenbahn (Imperial Peking Hankow Railway, auch Ching-Han Railway genannt), 1209 km, tägl. Frühzug (gegen 7 Uhr) in 121/4 St. bis Tschangtöfu (von da Frühzug in 103/4 St. bis Tschoumatien, von da wieder Frühzug in 10 St. bis Hankau, also 3 Reisetage). Jeden Di. Expreßzug mit Schlafwagen in 30 St., ab Peking früh 9,20, an Hankau Mi. 3 Uhr Nm.; Fahrpreis für den Expreßzug Peking-Hankau I. Kl. $ 65,40, II. 43,60; für gewöhnliche Züge I. Kl. $ 43,50, II. 29. Abfahrt vom Bahnhof der Ching-Han [Dying-Han], d. h. Peking-Hankau-Bahn, westl. vom Kaisertor.
Die Bahnlinie führt am Westrande der Großen Ebene entlang, nahe dem mauergleichen Randabfalle des westl. Gebirgslandes, der bis zum Hoanghodurchbruch südwärts als Taihangschan bezeichnet wird; er ist dadurch entstanden, daß der östl. Teil des einst weiter ausgedehnten Gebirgslandes in die Tiefe sank; die Große Ebene befindet sich jetzt an seiner Stelle. Der Gebirgsrand wird von den Flüssen in engen Schluchten durchbrochen und bereitet dem Verkehr zwischen dem Westen und dem Osten (auch dem Bau der Bahn nach Tayüenfu) große Schwierigkeiten; als Verkehrsweg sehr wichtig ist infolgedessen der Hoanghodurchbruch, der zwar der Schiffahrt wenig Nutzen, aber Raum für eine große Verkehrsstraße bietet und jetzt auch schon von einer Bahnlinie benutzt wird. Die Große Ebene greift hier in einem spitzen Winkel ins Gebirgsland ein. Wie die Berge waldlos und kahl, so ist auch die Ebene in ihrem nördl. Teil steppenhaft und außerhalb der zahlreichen Dörfer fast baumlos. Je weiter man aber nach S. kommt, um so freundlicher wird die Landschaft; schon in der Gegend des Austritts des Hoangho aus dem Gebirge, einer der fruchtbarsten und dichtest besiedelten in ganz China, wechseln die Felder der Chinesen vielfach mit Baumgruppen, Obstpflanzungen, Gräberhainen u. dgl., dann werden am südl. Honan die subtropischen Hartlaubpflanzen immer häufiger, Teestrauch und Bambus erscheinen, und das Landschaftsbild nähert sich dem Südchinas immer mehr. Die Bahn führt hier an den östl. Ausläufern des Tsinlingschan (S. [300]) entlang und übersteigt schließlich das Hwaigebirge (Hwaijangschan), das, wie S. [215] angegeben, als Fortsetzung des Tsinlingschan das östl. Nord-und Südchina scheidet, und erreicht bald darauf Hankau.
Die Bahn tritt aus der Chinesenstadt beim Tore Hsipienmön (Chí-biĕn-mȫnn) zwischen dem Tempel des himmlischen Friedens, T'iĕn-ning-ssĕ, (l.) mit zwölfstöckiger Pagode, der ältesten in Peking, in schönem Park, und dem taoistischen Kloster der Weißen Wolken, To-yün-kuan, (r.), fährt bei (7 km) Wanghailóŭ am Rennplatze (l.) vorbei und überschreitet auf 450 m langer, 15bogiger Brücke den Hunho; l. sieht man in 5 km Abstand die sogen. *Marco Polo-Brücke, von dem berühmten venezianischen Reisenden Marco Polo zuerst beschrieben (chines. Lu-kou-ch'iao [Lú-gōŭ-tschiáo, »Schiffgrabenbrücke«]), 1189-94 aus Marmor erbaut; sie hat 11 Bogen und trägt auf dem Steingeländer je 140 Säulchen mit Löwenfiguren auf jeder Seite; die Brückenköpfe bilden zwei Pavillons mit gelben Ziegeldächern, unter denen kaiserliche Inschriften auf Tafeln stehen.— Bei (21 km) Ch'ang-hsin-tien (Tschàng-chin-diĕn) sind die Eisenbahnwerkstätten. —Von hier Ausflug auf Eseln in 3 St. zum Kloster Chich-tai-sze [Dyīĕ-tai-ssĕ], aus der Zeit der Tang-Dynastie (8. oder 9. Jahrh.), mit breiten Terrassen, alten Bäumen und interessanten Tempeln am Gebirgshang; es ist jetzt Sommerquartier der deutschen Gesandtschaftswache. (Von hier 2 St. zu Esel zum Kloster Tan-chê-sze [Tàn-djōĕ-ssĕ].) Eisenbahn weiter über (31 km) Lianghsiang-hsien [Liang-chiang-chiĕn], Kreishauptstadt, und über (64 km) Cho-chou [Djōŏ-djŏū], eine sehr alte, um 200 v. Chr. gegründete Stadt mit großen Mauern, nach (84 km) Kao-pei-tien [Gàŏ-bê-diĕn].
Zweigbahn von hier nach (35 km) Liang-yu-chuang ([Liàng-yō-djwáng]; bei diesem Tempel steht der Sarg des 1908 verstorbenen Kaisers Kuang Hsü bis zur endgültigen Beisetzung vorläufig aufgebahrt. Das ca. 6 km davon gelegene Mausoleum [sehr interessante Bauart!] soll in etwa 4 Jahren fertig sein); dann zu Esel etwa 1 St. nach *Hsiling [Chi-ling], den »Westgräbern« der herrschenden Dynastie (Besichtigung gestattet), wo man beim Kommandanten Meh-dajen gegen Gastgeschenk (Wein, Kaffee, Sekt, Zigaretten) gute, saubere Unterkunft im Fremdenzimmer findet; zum eignen Gebrauch Feldbett und in der heißen Zeit Moskitonetz mitnehmen. Wer Zeit hat, sollte im Frühling oder Herbst mehrere Tage auf den sehr lohnenden Ausflug verwenden. Dann mit Pony durch schöne Landschaft bergan zum Tze-ching-kuan [Dsĕ-dying-gwă mit Gasthaus und Tempel; von der Mauer des Passes (501 m) *Aussicht auf die Große Mauer (S. [296]). Hier fanden am 28. und 29. Okt. 1900 Gefechte deutscher Truppen unter Major v. Förster statt. (Von Hsi-ling bis Tze-ching-kuan und zurück sind 40 km, also eine anstrengende Tagestour; nur mit Pony, den man aus Peking mitbringen muß.)
Die Hauptlinie läuft von Kaopeitien über (92 km) Tinghsinghsien und (122 km) An-su-hsien nach (146 km) Paotingfu [Báu-ding-fu], Hauptstadt der Provinz Tschili, mit 80000 Einw.; die Stadt ist seit 1402 mit Mauern umgeben und hat seit 1901 eine Universität.— Eisenbahn weiter über (178 km) Wangtuhsien nach (262 km) Tschöngtingfu [Dschĕng-ding-fu], einer großen, mit Mauern umgebenen Kreisstadt, Sitz eines Bischofs der katholischen Lazaristenmission und des sehenswerten Klosters Tafouo, erbaut 586, mit großem bronzenen Buddhastandbild, einer großen Gebetmühle, sehr alten Wandgemälden und einem Standbilde der Göttin der Fruchtbarkeit.
Zweigbahn. Von Schikiatschwang bei Tschöngtingfu führt eine schmalspurige Gebirgsbahn (Cheng-Tai Railway) durch den Südzweig der Großen Mauer in etwa 1000 m Paßhöhe und durch die malerischen Landschaften des unwegsamen Taihangschan über Pingtingtschou (950 m) und Schouyang (1480 m) nach (243 km) Taiyüenfu (930 m), mit etwa 250000 Einw., am Fönnho, einem Nebenfluß des Hoangho, am Nordrand eines fruchtbaren, lößerfüllten Talbeckens, Hauptstadt der Provinz Schansi, mit berühmten Unterrichtsanstalten, Kunststickereien, Weinbau und Waffenfabriken.
Die Provinz Schansi enthält gewaltige Eisen-und Kohlenlager, die aber aus Mangel an Verkehrsmitteln noch fast nicht ausgebeutet werden können; auch der Ackerbau steht wegen der hohen Meereslage nicht sehr in Blüte. Trotzdem wohnen in Schansi die reichsten Leute Chinas, da seine Bewohner den Warenaustausch zwischen Südchina und der Mongolei vermitteln (eine wichtige Handelsstraße, auf der unaufhörlich Kamel-und Maultierkarawanen mit Salz, Tabak, Mehl etc. verkehren, durchzieht die Provinz von N. nach S.) und dadurch einen sehr regen Handelsgeist erworben haben; sie leben daher in ganz China als Bankiers (Angehörige der»Schansigilde«) und kehren später als reiche Leute zurück. Landschaftlich ist die Gegend von Taiyüenfu schon richtiges, gelbes Lößland.
Die Hauptlinie fährt von Tschöngtingfu über Schuntöfu, eine alte, mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) Tschangtöfu und Weihweifu, kreuzt bei (614 km) Hsinhsiang die Bahnlinie von Taokou nach Tsinghua, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe vor (694 km) Tschöngtschou (Chengchow) den Hoangho, der auf einer 2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu (Pienlo Railway genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [Central Trunkline], die ostwärts nach Tschinkiang [S. [255]], westwärts über Tschöngtu [S. [263]] und Suifu [S. [263]] bis Yünnan geführt werden soll).
Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser setzend.
Abstecher nach Honan und Kaiföng. Von Tschöngtschou auf der Piënlo-Eisenbahn westwärts am Nordrande des bis 2665 m hohen Gebirges Sungschan entlang über (20 km) Yungtsō und (60 km) Kunghsien nach (120 km) Honanfu (165 m), am Loho, dem r. Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher Loyang genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und Grabmäler alter chinesischer Kaiser.—Von Tschöngtschou ostwärts führt die Piënlo-Linie über (30 km) Tschungmou nach (60 km) Kaiföng (Piëntschöng), Hauptstadt der reichen, fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der 40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl. Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden (chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel mit Getreide und Salz.
Über (901 km) Tschumatien und Hsinyangtschou (von hier Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S. [275]] im Bau) tritt die Bahn in das Gebirge Hwaiyangschan, in dessen Granit sie auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein 350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km) Hankau (vgl. S. [259]).
15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn
über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking.
Vgl. die Karten bei S. [301], [215] und [271].
Reiseweg von Berlin über Thorn, Alexandrowo, Warschau, Moskau (oder über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk, Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok (Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S. [323]; Dampfer nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S. [328]) oder Söul (S. [331]).
Fahrzeiten: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria (6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 11/2 Tag, insgesamt (401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen machen.
Fahrkarten: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M., Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I. Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel. Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I. 328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz« oder »obern« haben will.
Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende direkte Fahrkarten aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.), Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki (über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.), Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22 M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden demnächst eingeführt.
Nordexpreß und Schlafwagen. Di. geht ein Nordexpreß von Berlin, Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau, ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise-und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau (Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau (Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok, Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und Söul: Rondon & Co.
Die Sibirischen Luxuszüge (Transsibérien-Expreß) gehen Mi. und Mo. abds. ab Moskau, und zwar Mi. mit Luxuswagen der Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in Irkutsk Di. und Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an in Irkutsk Fr. Von Irkutsk laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach Charbin und Wladiwostok; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi. Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu haben bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt. Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut, einige Wochen vorher Plätze bei der Internationalen Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das Deutsche Reichskursbuch (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit Nordexpreß über St. Petersburg.
Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden Postzug (je 1 Zug tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu empfehlen.
Wagenwechsel in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht, Bahnhofwechsel vgl. S. [304]), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S. [305]), Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S. [324]), für Peking noch in Mukden.
Einrichtungen der Wagen. I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün. Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer. Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche, Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man selbst bereit.
Man tut gut, sich durch Zahlung von 1/2 Fahrkarte, 1/2 Schnellzugzuschlag und einem vollen Schlafwagenzuschuß ein kleines Abteil (nur in I. Kl.) für sich zu nehmen, was viele Vorteile hat, auch am besten gegen Diebstahl etc. sichert, da man das Abteil verschließen kann. Auf der Sibirischen Bahn wird sehr viel gestohlen; insbesondere achte man auf Brieftaschen und Pässe. Während der Mahlzeiten im Speisewagen lasse man vom Schaffner sein Abteil verschließen. Alleinreisende Damen müssen in jeder Hinsicht, auch gegen fremde Mitreisende, sehr vorsichtig sein! In der Mandschurei entferne man sich nicht zu weit vom Bahnhofe. Geld nehme man wenig mit, sondern Kreditbriefe an deutsche Firmen oder Banken, z. B. Deutsch-Asiatische Bank in Schanghai. Kunst & Albers in Wladiwostok etc. Vorausbestellung der Plätze ist anzuraten (s. oben). Die Lüftung der Wagen läßt oft viel zu wünschen übrig.
Eisenbahnzeit ist für die russischen Fahrpläne bis nach Wladiwostok Petersburger Zeit, d. h. 1 St. 1 Min. vor gegen M. E. Z., ebenso auf den Bahnhöfen bis Mandschuria, von da ab Charbiner Zeit, d. h. 7 St. 25 Min. vor gegen M. E. Z.
Bahnpersonal ist sehr höflich und auch meist zuverlässig; die Schaffner verstehen zuweilen etwas Deutsch, ebenso die Kellner des Speisewagens. Unter den mitreisenden Russen werden stets einige Deutsch verstehen und liebenswürdig Hilfe leisten bei Verständigungsversuchen. Fahrtunterbrechungen muß man sofort dem Stationsvorstand melden, außerdem vor Fortsetzung der Reise die Fahrkarte am Schalter abstempeln lassen.
Verpflegung soll im Speisewagen des Luxuszugs gut sein, in den Kronszügen besser (gut bürgerlich und preiswürdig), aber da die Bedienung knapp, muß man frühzeitig bestellen und doch oft länger als 1 St. warten. Wenn der Zug stark besetzt ist, wird Frühstück und Mittag in zwei Folgen gereicht; bei der Folge, mit der man anfängt, bleibt man für die ganze Reise. Auf Stationen mit größerm Aufenthalt (nur wenige) kann man in russischen Delikatessen: Kohlsuppe, Kaviar, Stör, Lachs, Sardellen etc., schwelgen. Empfehlenswert ist gelegentlich ein echter Wodka (Regierungsschnaps); unabgekochtes Wasser meide man wie Gift. Für die Fahrt durch die Mandschurei und China halte man Vorrat an Konserven, Kakes, Schokolade, Rotwein, Zitronen oder Fruchtsaft; dazu Geschirr.
Reiseapotheke ist im Speisewagen; ein Schlafwagenführer jedes Zugs ist als Krankenwärter ausgebildet. Ärztliche Hilfe telegraphisch auf großen Stationen bestellen.
Gepäck nehme man so wenig wie möglich mit, da die Gepäckfracht sehr teuer ist, man auch sehr viel Scherereien beim Zoll und beim Umsteigen hat; man schicke großes Gepäck 4-6 Wochen früher mit Frachtdampfer (der Hamburg-Amerika Linie oder des Norddeutschen Lloyd) voraus nach dem zweckmäßigsten ostasiatischen Hafenplatz. Gepäck aus Deutschland nach Moskau vorausschicken, ist sehr unzweckmäßig, teuer, macht auch große Zollschererei. Freigepäck 50 kg auf Fahrkarten, die außerhalb Rußlands gelöst sind, in Rußland nur 241/2 kg. Zuschlag für je 4 kg von Moskau nach Wladiwostok 2,69 Rubel, bis Schanghai 2,89 Rubel. Handgepäck wird viel in die russischen Schlafwagen mitgenommen.
Zolldurchsicht ist meist sehr streng, erfolgt auf Hinfahrt in Alexandrowo (russisch) und Mandschuria (chines.), auf Rückfahrt in Mandschuria (russisch) und Alexandrowo (deutsch). Gepäckträger besorgt das aufgegebene Gepäck an die Zollschranke, wenn man ihm den Gepäckschein gibt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, nehme man nur bereits getragene Kleider, Wäsche, Stiefel, Handschuhe etc. mit; man meide das Mitnehmen von Zeitschriften und Zeitungen, da diese zur Zensur zurückbehalten werden; sogar zum Einwickeln benutze man kein Zeitungspapier. Zigarren (bis 100 Stück) und Tabak sind nur in angebrochener Kiste zollfrei, ebenso Mundvorrat an Wein etc. Waffenerlaubnis ist durch die Kaiserliche Botschaft in St. Petersburg mindestens einen Monat vorher einzuholen; für Fahrrad oder Automobil ist der Zoll an der Grenze zu hinterlegen, er wird bei späterm Nachweis der Wiederausfuhr zurückerstattet. Spielkarten, Schießpulver u. a. werden mit Beschlag belegt.
Paß muß in Deutschland vom russischen Konsul visiert sein und gilt sechs Monate. Die Paßvorschriften in Rußland sind sehr streng: an der Grenzstation Alexandrowo wird der Paß von einem Gendarmen abgenommen, nach der Zollbesichtigung des Gepäcks fordert man sich den Paß zurück. Wer keinen vorschriftsmäßigen Paß hat, muß sofort nach Deutschland zurück. Für Israeliten gelten besondere Vorschriften. In jeder Stadt, wo man sich aufhält, muß der Paß zur Polizei geschickt werden zur Anmeldung. Man trage ihn stets bei sich und fordere sofort den Beistand des deutschen Konsuls, wenn man Schwierigkeiten mit russischen Behörden hat. Für längern Aufenthalt als sechs Monate in russischem Gebiet gelten besondere Vorschriften; man reicht den Paß der Gouvernementskanzlei ein, erhält dafür einen russischen Aufenthaltsschein für ein Jahr. Auch muß der Paß durch die Polizeibehörde vor der Abreise aus russischem Gebiet mit Erlaubnisvermerk versehen sein, daß man abreisen darf; wer einen russischen Aufenthaltsschein hat, muß vor der Abreise einen Reisepaß lösen. Wer aus Deutschland nach Ostasien oder umgekehrt nur durch Rußland hindurchfährt, bedarf außer dem Eintrittsviso des russischen Konsuls (in Deutschland oder Ostasien) keiner Erlaubnis zum Verlassen Rußlands; der Vorweis einer durchgehenden Fahrkarte Berlin-Peking etc. genügt.
Geld. Man rechnet in ganz Rußland nach Rubel zu 100 Kopeken. 100 Rubel Papier kosten 215-216 M. Geprägte Münzen laufen um: in Gold 15, 10, 71/2, 5 Rubel (15 und 71/2 sind selten); in Silber l Rubel und 50, 25, 20, 15, 10, 5 Kopeken; in Kupfer 5, 3, 2, 1 Kopeken. Papiergeld: 500, 100, 50, 25, 5, 3 und 1 Rubel. Die Moskauer Banken zahlen auf Schecks nur nach Eingang des Avis; außerdem sind sie So. und noch in der Woche an sehr vielen russischen Feiertagen geschlossen. Wer nicht längern Aufenthalt in Moskau nimmt, lasse sich also kein Geld dahin zur Auszahlung überweisen.
Entfernungsangaben in Rußland nach Werst (abgekürzt»w«) = 1,067 km.
Russische Sprache. Die Mitnahme von Meyers Russischem Sprachführer (3 M.) ist dringend anzuraten. Da die Sprache sehr schwierig ist, tut man gut, außerdem vorher in Deutschland einige Stunden Unterricht in Lesen und Aussprache zu nehmen.
Von Berlin nach Moskau.
Eisenbahn von Berlin über Thorn, Alexandrowo und (627 km) Warschau nach Moskau 1949 km in 37 (Nordexpreß, s. S. [302]) und 40 St.
Von Berlin nach (401 km) Alexandrowo (Bahnwirtschaft, gut), russischem Grenzplatz; Paß-und Zolldurchsicht, etwa 11/4 St. Aufenthalt. Nun Fahrt durch die öde Weichselebene Polens über (34 w von Alexandrowo) Wloclawek (Bahnwirtschaft), alte Stadt mit 30000 Einw., und (86 w) Kutno(Bahnwirtschaft) nach (148 w) Skierniewice, Ort der Dreikaiserzusammenkunft im Jahre 1884 im Schloß südl. der Bahn; dann
(211 w) Warschau, Hauptstadt Polens mit 764054 Einw.; Ankunft auf dem Wiener Bahnhof am r. Weichselufer. Nur der Nordexpreß (S. [302]) wird auf Verbindungsbahn nach dem Brester (Moskauer) Bahnhof überführt; zu den Schnellzügen muß man mit Droschke (ca. 1/2 St. Fahrt) zum andern Bahnhof fahren. Das nach Moskau oder weiterhin aufgegebene Gepäck geht stets bis Moskau durch, ebenso umgekehrt.
Gasthöfe: Hôtel Bristol;—Hôtel de l'Europe, 235 Z. 1,50-15 R.;—Hôtel Brühl, Kotzebuestr. 12; 65 Z. 1,50-4,50, F. 0,40, Dej. 1, T.d'h. 1,25 R., und viele andre.—Cafés: Nitsche im Hôtel Bristol; Lourse im Hôtel de l'Europe; Jackowski im Sächsischen Garten u. a. —Post: Wareckiplatz; Tel.: Kotzebuestraße 3.—Droschken nach Tarif.— Generalkonsulate: Deutsches Reich, Aleja Jerozolimskaja 45, Freiherr von Brück; Österreich-Ungarn, Aleja Jerozolimskaja 23, Konsul Maurig v. Sarnfeld.
—Agentur der Schlafwagengesellschaft im Hotel Bristol.—Sehenswert: Königl. Schloß; Krakauer Vorstadt mit Kirche der heil. Anna, Denkmal Adam Mickiewiez'; Sächsischer Platz mit Alexander-Newskij-Kathedrale, Sächsischem Schloß, Brühlschem Palais und *Sächsischem Garten (mit Sommertheater). Das Lustschloß *Lazienki mit schönem Park und allenfalls noch das Lustschloß Belvedere.
Abfahrt von Warschau vom Brester Bahnhof durch waldige Gegend über (246 w) Nowo-Minsk, (295 w) Siedlec (Bahnwirtschaft), (321 w) Lukow (Bahnwirtschaft), nach (410 w) Brest-Litowsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 53300 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtiger Bahnknotenpunkt und Festung. Nun durch die Wälder »Weißrußlands« über (502 w) Beresa (Bahnwirtschaft) und (599 w) Baranowitschi nach (731 w) Minsk (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Minsk, mit 107600 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtige Handelsstadt mit Messe im März.—(807 w) Borissow (Bahnwirtschaft), längs der Rückzugstraße des französischen Heeres und jenseit der Station auf langer Brücke über die Beresina, nahe der Stelle, wo Napoleon I. auf dem Rückzug am 25.-29. Nov. 1812 mit schweren Verlusten sein Heer bei Studjenka über den Fluß setzte.—(931 w) Orscha (Bahnwirtschaft).—(1043 w) Smolensk (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Smolensk, mit 57100 Einw., in malerischer Lage am Dnjepr, die Bahnhöfe am r. Ufer; die sehr alte Stadt war Schauplatz vieler Kämpfe und zeigt noch alte Mauern.—(1101 w) Jarzewo (Bahnwirtschaft).—(1207 w) Wjasma (Bahnwirtschaft mit berühmtem Honigkuchen), Stadt mit 20000 Einw.—(1266 w) Gshatsk (Bahnwirtschaft).—(1322 w) Borodino (Bahnhofsmuseum), am Schlachtfelde vom 7. Sept. 1812, der »Schlacht an der Moskwa«.—(1332 w) Moshaisk (Bahnwirtschaft), an der Moskwa, vorbei am Ssawin-Storoschewskij-Kloster am hohen Moskwa-Ufer, dann bei Kunzewo über diesen Fluß. Nun erscheinen die Kuppeln der »heiligen Stadt«, man erreicht (1435 w) Moskau.
Moskau.
Vgl. beifolgenden [Plan].
Ankunft: Brester Bahnhof im NW. der Stadt; Omnibus der Gasthöfe zur Stelle. Nur der Nordexpreß (S. [302]) wird Mi. abds. auf Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überführt, wo der sibirische Zug bereitsteht, ebenso umgekehrt. Bei Ankunft mit Schnellzug muß man vom Brester nach dem Kursker Bahnhof fahren. Der sibirische Zug fährt vom Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof ab, etwa 5 km östl. vom Brester Bahnhof.
Gasthöfe: Hôtel Métropole (Pl. a), Theaterplatz.—Hôtel National (Pl. b), Ecke Twerskaja u. Mochowaja (nahe dem Kreml, für Damen am geeignetsten); 170 B. von 3 (mit Bad 6) R. an, F. 0,75, Gab.-F. 1,50, Mitt. 2,25, Omn. 1 R.: ZH.—Hôtel Berlin (Schweizer Wirt), Roschdestwenka, deutsches Familienhaus; 150 Z. 2-4,50, F. 0,60, Gab.-F. 0,75, Mitt. 1,75, Omn. 0,75 R.; ZH.— Hôt. Billo (Pl. c), Bolschaja Lubjanka 9; II. Ranges, aber gut, deutsche Bedienung, Faßbier, deutscher Verkehr u. a. —Restaurants: Eremitage, Trubnajaplatz. Ferner im Hôtel Billo, Hotel Berlin, Hôtel National und Praga (Arbol). —Café: Filippow, Ecke Twerskaja und Glinitschtschewskij Per.
Hauptpost: Mjaßnitzkaja; Telegraph daneben.—Wagen: Droschken. (Iswoschtschik), zweisitzig, vom Bahnhof zur Stadt 60-80 Kop.; außerdem Lichatschi, Kaleschen, Troiken und Landauer. —Straßenbahnen nach allen Richtungen, jede Teilstrecke 5 Kop.
Banken:J. W. Junker & Co., Kusnezkij Most, für Reisende besonders empfohlen.—Nordische Bank, Iljieka, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —St. Petersburger Internationale Handelsbank, Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.
Theater: Die kaiserlichen Theater; das Große, Kleine und Neue, alle drei am Theaterplatz; Theater Korsch; verschiedene Varietétheater. Zirkus Salamonski, Zwetnoi-Boulevard.
Konsulat: Deutsches Reich, Konsul Dr. Kohlhaas, Archangelski Pereulok, Haus Konstantinow; 11-3 Uhr: Vizekonsul Dr. Hauschild.—Österreich-Ungarn, Generalkonsul Ritter v. Puscariu, Moltschowska, Serebranny Perenlok. —Schweiz, Konsul Luchsinger, Stary Gostinny Dwor.—Polizei: Twerskoi-Boulevard.—Ärzte: DDr. Rein; Taube; Goldendach; Chirurg: Dr. v. Schiemann; Augenarzt: Dr. Engelmann; Zahnarzt: Adelheim.—Apotheke: Ferrein, Nikolskaja.—Krankenhaus: Evangel. Hospital (deutsch).
Buchhandlung: Lang, Kusnezkij Most.—Photographien: Avanzo; Daziaro, beide Kusnezkij Most.—Pelzhändler: Ssorokoumowskij & Söhne, Iljinka; Bjelkin, Kusnezkij Most (wer im Winter durch Sibirien reist, muß mit Pelzen versehen sein!).—Russische Holzarbeiten: Sojus, Neglinnaja, Ecke Kusnezkij Most, Deutsch gesprochen.
Zeiteinteilung. 1. u. 2. Tag: Kreml, Jungfernkloster, Sperlingsberge, Neßkutschnypark; 3. Tag: Besuch der Stadt, Rumjanzewmuseum, Erlöserkirche und Tretjakowgalerie.
Geschichtliches. Moskau wird schon 1147 erwähnt; 1328 wurde es Hauptstadt des Großfürsten Iwan Danilowitsch Kalita, der die Stadt befestigte. 1382 verbrannte der Tatarenchan Tochtamysch die Stadt, die erst unter Iwan III. (1462-1503) zur aufblühenden Hauptstadt des Moskowiterreichs wurde, aber unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533-84), viel durch Feuer und tatarische Überfälle (letzter 1591) zu leiden hatte. Moskau blieb Hauptstadt auch unter den Romanows, bis Peter I., der Große, 1703 St. Petersburg gründete und sein Hoflager 1711 dahin verlegte. Am 14. und 15. Sept. 1812 besetzte Napoleon I. Moskau; schon am 14. steckten die Russen die Stadt in Brand, die bis zum 21. zu drei Viertel niederbrannte; am 19. Okt. mußte Napoleon aus Mangel an Lebensmitteln den Rückzug antreten.
Moskau (142 m), alte russische Hauptstadt und zweite kaiserliche Residenz, die bedeutendste Handelsstadt Rußlands und Hauptsitz der russischen Industrie, mit 1459800 Einw. (darunter über 15000 Deutsche), liegt an der Moskwa und ist Sitz eines Generalgouverneurs, zweier Korpskommandos, einer Universität und vieler andrer hoher Schulen etc. Die Mitte der Stadt bildet der Kreml (S. [307]); von ihm laufen strahlenförmig die meist krummen Straßen (mit meist nur zweistöckigen Häusern) aus, die durch drei Ringstraßen verbunden werden. Nö. vom Kreml liegt das Stadtviertel Kitajgorod (d. h. Chinesenstadt), Sitz des Großhandels; Kreml und Kitajgorod bilden die innere Stadt (»Gorod« = Stadt) und sind noch mit der 1534 erbauten weißen Mauer umgeben, nach der der neue, die innere Stadt umschließende Stadtteil Bjelojgorod (d. h. Weiße Stadt) benannt ist, der vornehmste Stadtteil mit vielen öffentlichen Gebäuden und Palästen. Um die »Weiße Stadt« schließt sich der Stadtteil Semljanojgorod (d. h. Erdstadt), nach dem alten Erdwall benannt, auf dem jetzt die Sadowaja (d. h. Gartenstraße) angelegt ist, die diesen Stadtteil nach außen begrenzt. Außerhalb davon liegen die Vorstädte, in denen Fabriken, Kasernen, Bahnhöfe und die Wohnungen der ärmern Bevölkerung liegen. Moskau hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14 Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Das russische Volksleben ist in Moskau viel ursprünglicher und»russischer«als in St. Petersburg, das Straßenleben ist lebhaft, der Besuch der Märkte sehr zu empfehlen.
Rundfahrt. Hauptziel ist der *Kreml. Man fahre vom Theaterplatz (wo das Hôtel Métropole liegt) durch die Iberische Pforte, zwei spitztürmige Torwege, zwischen denen die sehr heilige Kapelle der Iberischen Mutter Gottes mit berühmtem wundertätigen Heiligenbild steht (Vorsicht vor Taschendieben!). Innerhalb der Pforte liegt r. das Historische Museum (11-3 Uhr, außer Sa. und an Festtagen). Sö. der Kraßnaja- oder Rote Platz mit dem Denkmal Minins und Knjas Poscharskijs und der Schädelstätte (Lobnoje Mjesto), Hinrichtungs- und Empfangsplatz etc.; sö. die Basiliuskathedrale (1679 vollendet); an der Ostseite des Platzes die Handelsreihen mit etwa 1000 Geschäftsräumen. (In der Seitenstraße l., Warwarka, liegt das Haus des Bojaren Romanow, worin der erste Romanow, Zar Michail, geboren wurde.)—Von der Basiliuskathedrale südl. über den Waßiljewskajaplatz längs der Kremlmauer zur Moskwaretzkijbrücke und über diese r. auf den Sophienkai (Ssofijskaja Nabereshnaja), von beiden bester *Überblick über den Kreml. Weiter über die große Kamennijbrücke, dann r. durch den schönen Alexandergarten längs der Westseite des Kreml, an dem die riesige Stadtmanege liegt, die als Exerzierhaus, Ausstellungs-und Festraum dient; dahinter die Kaiserliche Universität (1755 begründet), mit gegen 10000 Studenten, Sternwarte, Bibliothek, Botanischem Garten und Zoologischem Museum. Dann r. um die Nordspitze des Kreml herum, am Historischen Museum vorbei, nochmals über den Roten Platz zum Haupteingang des
*Kreml, die Stadtburg und ältester Teil von Moskau, 43 m über dem l. Steilufer der Moskwa, umgeben von einer 1487 erbauten, 2 km langen, 20 m hohen Zinnenmauer mit 5 Toren und 18 Türmen. Es ist ein besonderer Stadtteil, »das Nationalheiligtum der Russen, dessen Gesamteindruck an Originalität die kühnsten Erwartungen übertrifft; Kirchen, Paläste und Klöster reihen sich in bunten Farben aneinander, keine Kuppel gleicht der andern; von seltener Pracht, einem kolossalen Gold-und Bilderreichtum ist das Innere der Kirchen«. (Elisabeth v. Öttingen.)
Man betritt den Kreml durch die »heilige Pforte« (Sspáßkija Woróta), auch Erlösertor genannt, über dessen Eingang als Heiligtum des Kremls ein Erlöserbild angebracht ist (
beim Durchschreiten des Tores nehme man den Hut ab!), und das auf den Zarenplatz, den Hauptplatz des Kremls, führt; hier r. die Michaelskirche, mit Relief des heil. Georg mit dem Drachen (Schutzpatron [und Wappen] von Moskau); dahinter das Wosneßenskij-Nonnenkloster (Himmelfahrtskloster), 1389 von der Großfürstin Eudoxia begründet; dann die blau gestrichene Katharinenkirche und im Klosterhof die Wosneßenskij-Kathedrale mit fünf goldenen Kuppeln (1519 erbaut), mit zahlreichen Grabmälern von Zarinnen und Großfürstinnen. Dann folgt r. das Kleine Palais, erbaut von Katharina II. L. gegenüber das große Denkmal Alexanders II. (1898), dahinter die Konstantinkirche. Westl. ans Kleine Palais schließt sich die Alexiuskirche, darin in silbernem Sarkophag die wundertätigen Gebeine des heil. Alexei; anstoßend das Tschudowkloster (Kloster der Wunder), 1358 vom Metropolitan Alexei gegründet, mit roten Mauern; und im Klosterhof die Kirche des Erzengels Michael von 1503.
Am Westende des Zarenplatzes der fünfstöckige, 97 m hohe Glockenturm *Iwan Welikij mit vergoldeter Kuppel, im Erdgeschoß zwei Kirchen; Besteigung des Turms bei klarem Wetter sehr zu empfehlen (doch nicht, wenn an Feiertagen die 33 Glocken des Turms geläutet werden!); man spende 20 Kop. in die Sammelbüchse; die *Aussicht über ganz Moskau ist märchenhaft fremdartig. Vor dem Turm steht die Riesenglocke Zar-Kolokol, 400 Zentner schwer, 8 m hoch, mit 20 m Umfang, am Unterrand 56 cm dick (größte Glocke der Erde: vgl. S. [153]); daneben das 1737 beim Absturz der Glocke herausgesprungene Stück (über 2 m hoch).
Hinter eisernem Gitter der Kathedralenplatz, dessen Hauptkirche die *Uspenskij-(Mariä Himmelfahrts-)Kathedrale, 1475-79 vom Bologneser Fioraventi erbaut, mit großer Mittelkuppel und vier kleinen Kuppeln; in ihr werden die Zaren gekrönt und die Metropoliten geweiht. Das Innere bunt und prächtig, aber geschmacklos. Südl. die Archangelskij-Kathedrale (des Erzengels Michael), mit den Grüften aller Großfürsten u. Zaren bis vor Peter d. Gr. Westl. auf der Höhe des Kremls die Blagowjeschtschenskij-(Mariä Verkündigungs-)Kathedrale, 1397 erbaut, die Tauf-und Trauungskirche der Zaren, mit dem *Großen Palast (Besichtigungserlaubnis erteilt der Polizeimeister, man nehme den Paß mit, im Notfall genügt Visitenkarte) verbunden, der, 1838-49 erbaut, drei große Paradesäle und 700 Zimmer enthält. Zum Großen Palast gehören: der Terem-(Belvedere-)Palast, 1636 erbaut; die Granowitaja Palata (Facettenpalast), 1491 erbaut, jetzt Bankettsaal bei der Kaiserkrönung; die *Schatzkammer (Oruscheinaja Palata, d. h. Rüstkammer; Mo. Mi. Fr. 10-1 Uhr) mit den Kronjuwelen, Rüstungen, Waffen etc.; im Hof die Spaßnaboru- (Erlösers am Walde-)Kirche, älteste Kirche des Kremls (13. Jahrh.). Südl. von der Schatzkammer das Borowizkija-Tor, durch das Napoleon I. 1812 einzog. Nördl. der Marstall und der grün gestrichene Potjeschnij Dworez (Vergnügungspalast), jetzt Kommandantur; gegenüber im Kavalierhaus die Kanzlei des Polizeimeisters. Dann folgt r., gegenüber dem Troizkija-Tor, die große Kremlkaserne, vor der 20 alte Kanonen stehen, darunter r. das»Einhorn«, 1670 gegossen, etwa 240 Zentner schwer, und l. die riesige »Zar-Puschka«, 1586 gegossen, 780 Zentner schwer, Kaliber ca. 1 m.
Zwischen der Kaserne und dem großen Palast liegen die Häuser der Hofgrenadiere, die Hofküche, das Offizierhaus und östl. davon das große Synodalgebäude, 1450 als Patriarchenpalast gebaut, darin (2. Stock) die Zwölf-Apostelkirche, die Apostel-Philippskirche (darin ein Stück vom Kreuz und Rock Christi) und die Bibliothek. Nördl. das Arsenal, vor dem 875 eroberte Kanonen lagern (darunter 123 preußische und 366 französische); gegenüber das Gerichtsgebäude, 1771 von Katharina II. erbaut. Davor in der Mitte des Platzes ein Denkmal für den hier 1905 ermordeten Großfürsten Sergius Alexandrowitsch. Nördl. das Nikolskija-Tor, durch das man den Kreml verläßt und wieder auf den Roten Platz gelangt.
Andre Sehenswürdigkeiten sind das *Rumjanzewmuseum (Di. bis Sa. 11-3 Uhr; 20 Kop.), sw. vom Alexandergarten, ein stattlicher Säulenbau mit der Inschrift:»Dem Wohle der Aufklärung«; enthält Bibliothek (700000 Bände), Gemäldegalerie, Münzsammlung, *Nationaltrachten, Altertümer.—Sw. die *Erlöserkirche, 1839 bis 1883 von Thon erbaut, die schönste Kirche der Stadt, mit fünf vergoldeten Kuppeln, die Hauptkuppel 102 m hoch; ein Prachtbau mit reichem und schönem Schmuck.—Von da sw. durch die Pretschistenka und die Bolschaja Zarizynskaja, in der r. das Jungfernfeld (wo angeblich dem Tatarenchan die als Tribut zu liefernden Jungfrauen vorgeführt wurden), jetzt Volksfestplatz, auf dem die großen Universitätskliniken stehen.—Am Ende der Straße das *Nowo Djewitschij-(Jungfern-)Kloster, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten, Zinnen und Türmen, 1524 erbaut. Peter d. Gr. sperrte hier seine herrschsüchtige Schwester Sophie ein und ließ vor ihrem Fenster 300 Strelitzen aufhängen; Napoleon I. besuchte das Kloster 1812 und wollte die Kirche sprengen lassen, in der die Grabmäler von Eudoxia, der ersten Frau Peters d. Gr., und die seiner Schwestern Sophie und Katharina sind.—Dann fahre man südl. zur Fähre an der Moskwa, setze nach dem rechten Ufer über und steige in 20 Min. auf die *Sperlingsberge (Worobjewy Gory); oben bei dem guten Gasthaus Krynkin die schönste *Aussicht über die Stadt Moskau; Napoleon I. betrachtete von hier 14. Sept. 1812 zuerst die Stadt.—Von hier (event. mit der Straßenbahn) durch die Kaluschskaja zum *Neßkutschnypark, dem schönsten Park Moskaus, in dem das kaiserliche Alexandraschloß liegt.—Weiter nö. durch die Kaluschskaja über den Kaluschskajaplatz und durch die Bolschaja Jakimanka zur Kleinen Kamennybrücke, von der r., in die Wodootwodnaja einbiegend, in der fünften Quergasse r. die berühmte *Tretjakowgalerie (10-3 Uhr, außer Mo. und an hohen Feiertagen) in der Lawruschinskijgasse liegt; sie enthält viele Bilder russischer Maler, so von W. Wereschtschagin, Schischkin, Aiwasowskij, Ssurikow (franz. Katalog 40 Kop.). Weiter östl. über die Tschugunnybrücke und Moskworezkijbrücke, dann r. durch die Moskworezkaja zum Kaiserlichen Findelhaus (Do. u. So. 1-4 Uhr), 1764 von Katharina II. erbaut, erzieht auf Dörfern etwa 30000 Kinder und nimmt selbst etwa 2500 auf.—Nun nördl. über den Warwarskaja und Iljinskajaplatz, vorbei an der Plewnakapelle und dem Polytechnischen Museum, dann über den Lubjanskajaplatz zurück zum Theaterplatz.
Umgebung: Zum *Petrowskijpark (5-6 km nw. vom Theaterplatz) entweder mit Straßenbahn oder zu Wagen von der Iberischen Pforte nw. durch die 3 Werst lange Twerskaja, eine Hauptgeschäftsstraße Moskaus mit schönen Läden, vorbei am Palast des Generalgouverneurs (l.); beim Twerskija-Tor l. das Puschkindenkmal und r. gegenüber das Sstrastnoi-Nonnenkloster (1654 erbaut). Weiter durch die eintorige Triumphpforte zu Ehren Alexanders I. auf der St. Peterburgskoje Chaussee, vorbei am Rennplatz (l.) und dem großen Chodynskojefeld (wo beim Volksfest der Krönung Nikolaus' II. 1400 Menschen ums Leben kamen) zum *Petrowskijpark; Endpunkt der Straßenbahn vor dem Petrowskijschloß, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten und Türmen. Der Park hat sehr besuchte Restaurants (Mauretania, gut, aber teuer, ebenso Yard, Strelna), Sommertheater, Badehäuser und Landhäuser.
Von Moskau nach Charbin.
Die Sibirische Bahn. Von den großen Verkehrswegen, die Europa mit Ostasien verbinden, ist der Landweg ostwärts durch den asiatischen Kontinent hindurch der bei weitem kürzeste, aber trotzdem der jüngste. Seine späte Anlage ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, als was für ein unwirtliches, wenig versprechendes Land Sibirien früher galt, und wie große Kosten der Bau einer so langen Bahnlinie, die größtenteils durch wenig kultiviertes Gebiet führte, erfordern mußte. Als sich die russische Regierung zu dem gewaltigen Werk entschloß, hatte sie zwar, außer strategischen Zwecken, die Belebung des direkten Warenverkehrs zwischen Rußland und dem »fernen Osten« viel mehr im Auge als die wirtschaftliche Hebung Sibiriens und die Schaffung einer neuen Personenverkehrslinie; aber infolge der Verschiebung der politischen Verhältnisse durch den russisch-japanischen Krieg hat die Bahn für den Warenverkehr heute nur geringe Bedeutung, um so größern Wert dagegen für die wirtschaftliche Erschließung und Besiedelung der durchfahrenen Länderstrecken und für den Personen-und Postverkehr nach China und Japan erlangt.
Landschaftlich bietet die Sibirische Bahn nicht allzuviel; große Strecken müssen sogar als sehr einförmig bezeichnet werden, vor allem führt fast der ganze Westteil der Bahnstrecke bis ostwärts zum Ob, abgesehen von der Durchquerung des Uralgebirges, durch einförmiges Flachland, das nur durch die von den Flüssen geschaffenen breiten Täler ein wenig gegliedert wird. Das r. Steilufer der Wolga, dem man von Sysran bis Samara nahebleibt, bildet mit seinem etwa 300 m hohen Abfall die größte Unregelmäßigkeit im Relief dieser ganzen Strecke. Die Flußsysteme konnten in diesen großen Flachländern eine ungewöhnlich mächtige Ausbildung erfahren, und so bilden die großen Ströme, die man in Rußland wie in Westsibirien mehrfach zu überschreiten hat, die wichtigste Abwechselung in dem Einerlei der Landschaft. Die Überbrückung dieser breiten Ströme wurde durch den im Frühjahr einsetzenden Eisgang, der oft ein großartiges, wildes Schauspiel bietet, ganz besonders erschwert. Der Ostteil der Sibirischen Bahn führt großenteils durch Gebirgsland, das meist Mittelgebirgscharakter hat; nur die Gebirgsumrandung des Baikalsees ist ziemlich wild.
Im größten Teil ihres Verlaufs, von Moskau bis Tschita, schwankt die Breitenlage der Bahn nur innerhalb enger Grenzen, die von denen Norddeutschlands kaum abweichen: der nördlichste Punkt, Atschinsk in Mittelsibirien, liegt etwas nördl. vom 56.°, der südlichste, im Chiloktal in Transbaikalien, etwas nördl. vom 51.° Erst von Tschita an wendet sich die Bahn südostwärts und erreicht schließlich südeuropäische Breite.
Trotz dieser gleichmäßigen Breitenlage ändert sich das Klima längs der Bahn sehr stark, was sich am besten an den Mitteltemperaturen des wärmsten und des kältesten Monats erkennen läßt. Diese betragen: in Berlin 18,1° und-0,4°, in Warschau 18,8° und-3,4°, in Moskau 18,9° und -11,0°, in Tomsk in Westsibirien (etwas nördl. von der Bahnlinie) 18,7° und-19,6°, in Irkutsk 18,4° und -20,8°, in Nertschinskij Sawod (im transbaikalischen Bergland, 660 m ü. M.) 18,5° und-29,7°. Die Sommerwärme nimmt also ostwärts eher noch zu, während die Winterkälte viel strenger wird; das Klima wird also ostwärts immer extremer, immer kontinentaler. Das sibirische Klima ist übrigens bei weitem nicht so schlimm als sein Ruf, denn die Winterkälte ist leicht zu ertragen infolge der Windstille und Trockenheit der Luft bei meist klarem, heiterm Himmel und kräftigem Sonnenschein.
Auch das Pflanzenkleid Sibiriens verrät wenig von den strengen Wintern, abgesehen von dem Fehlen der meisten Laubbäume. Je länger der Frost die Vegetation zur Ruhe verurteilt, um so kräftiger laufen die Lebensvorgänge im kurzen Sommer ab. Schon im Ural sind viele unsrer Wiesenpflanzen viel üppiger als bei uns entwickelt, und die Gegend von Irkutsk wie auch Transbaikalien sind berühmt wegen ihres fast die ganze warme Jahreszeit über andauernden Blütenflors. Das von der Bahn durchfahrene Gebiet eignet sich, soweit die Bodenbeschaffenheit es zuläßt, überall zum Getreidebau.
Wie schon oben erwähnt wurde, hat die Sibirische Bahn einen ungeahnten Aufschwung in der Besiedelung Südsibiriens hervorgerufen, das sich bei weitem wertvoller und kulturfähiger erwiesen hat, als man noch vor kurzem geglaubt hatte. Die russischen Bauern strömen, seitdem sie nicht mehr mühselig auf dem »Großen sibirischen Trakt«, der alten Straße nach Sibirien, ostwärts wandern müssen, scharenweise in Russisch-Asien ein, zurzeit vor allem in dem äußerst fruchtbaren westsibirischen Schwarzerdebezirk und in Transbaikalien; aber auch in die Küstenprovinz am Stillen Ozean sucht die Regierung recht viele Einwanderer zu ziehen. Die wirtschaftliche Entwickelung Westsibiriens hat daher jetzt einen geradezu stürmischen Charakter, was sich am besten in dem raschen Anwachsen von Orten wie Omsk und Nowo Nikolajewsk erkennen läßt.
Eine starke Verschleuderung natürlicher Schätze Sibiriens und der östlichen Länder, vor allem des Waldreichtums, geht mit der raschen Besiedelung leider Hand in Hand. Auch die ursprüngliche, meist nomadische Bevölkerung Sibiriens wird immer weiter zurückgedrängt, zum Teil auch vom Russentum aufgesogen, und der eilige Reisende wird von ihr wenig mehr zu sehen bekommen als die Burjäten des Baikalgebiets, die sich am besten der neuen Kultur anpassen. Ebenso ist Sibirien lange nicht mehr in dem Maße wie früher Sträflingsland. Nicht nur treten die Deportierten an Zahl gegenüber den freien Ansiedlern immer mehr zurück, sie werden jetzt auch nach entferntern Gegenden, besonders Sachalin, verschickt. Trotzdem bilden die Gefängnisse noch heute wichtige Gebäude in den meist dorfähnlich gebauten sibirischen Städten.
Baugeschichte. Die Sibirische Bahn, mit 8137 Werst (8682 km) die längste, etwa ein Drittel des Erdumfangs messende Bahnlinie der Welt (die Union Pacific 5357 km), wurde von der russischen Regierung 1891 begonnen; 1892 war die Strecke Ufa-Slatoust fertiggestellt; 1894 folgte die Überführung der Bahn über den Ural bis nach Tscheljabinsk, 1897 die Fortsetzung bis Tomsk, 1899 bis Irkutsk; 1897 wurde auch die Ussuribahn zwischen Chabarowsk und Wladiwostok fertig. In der Gebirgsgegend des Baikalsees entstanden große Schwierigkeiten; man führte die Bahn zunächst von Irkutsk zum Baikalsee, baute gleichzeitig vom gegenüberliegenden Ufer bei Myssowaja die Bahn weiter bis nach Strjetensk. Nun war die erste Verbindung bis Wladiwostok fertig, die zwar überall durch russisches Gebiet führte, aber noch mehrere Dampferstrecken einschloß: der Baikalsee wurde auf Dampfern gekreuzt, von Strjetensk führten flache Flußdampfer die Schilka abwärts in den Amur und von da bis Chabarowsk, dann fuhr man mit der Ussuribahn nach Wladiwostok. Aber die Unregelmäßigkeiten im Flußwasserstand machten diese Reise sehr langwierig. Ein 1896 mit China geschlossener Vertrag ermöglichte es den Russen, die Amurfahrt auszuschalten und die Mandschurische Bahn quer durch die Mandschurei über Charbin nach Wladiwostok zu bauen, mit der Abzweigung von Charbin über Mukden und Yinkou nach Dairen; letztere Strecke wurde am 1. August 1903 eröffnet. Die 3109 Werst (3317 km) lange Strecke von Sysran bis Kraßnojarsk ist in 11 Jahren, die 4016 Werst (4284 km) lange Strecke Kraßnojarsk-Dairen in 4 Jahren erbaut worden. Die Baukosten sollen durchschnittlich 100000 Rub. für 1 Werst, in Summa über 800 Mill. Rub. betragen. Spurweite ist die russische Normalspur von 1,524 m, die Strecke ist eingleisig, mit Steigungen bis 1:17. Während des russisch-japanischen Krieges wurde die Bahn um das Südende des Baikalsees (Baikalgürtelbahn, 244 Werst) herumgeführt, um das lästige Überführen der Reisenden und der Fracht über den mehrere Monate fest gefrornen See zu vermeiden. Seit 1906 ist die Strecke wesentlich verbessert; viele Ausweichestellen sind geschaffen, ein zweites Gleis ist zwischen Ufa-Slatoust und Omsk-Irkutsk im Bau. Ferner ist im Bau die Linie Tjumen-Omsk, wodurch direkte Verbindung nach St. Petersburg geschaffen wird. Nach dem Krieg ist die Strecke Changchun-Dairen als Südmandschurische Bahn (S. [323]) unabhängig von Rußland geworden und steht unter japanischer Leitung.
Der sibirische Luxuszug (S. [302]) verläßt Moskau auf dem Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof (nahe dem Ostende der Ssadowaja); wegen Vorausbestellung des Platzes vgl. S. [302]. Der Zug besteht nur aus einem Wagen I., zwei Wagen II. Kl. und einem Speisewagen und ist im Frühling und Herbst meist stark besetzt.—Nach der Abfahrt sieht man r. das malerische Andronow-Mönchskloster auf dem Steilufer der Jausa, 1366 vom Metropoliten Alexei begründet, mit fünf Kirchen. Der Zug fährt durch fruchtbares Land über (93 w) Sserpuchow (Bahnwirtschaft) nach (182 w) Tula (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Tula, mit 132000 Einw., Silberindustrie (Tulasilber ist kaukasisch und hier weniger als in Moskau zu haben) und Fabriken für Samowars und Zuckerbrot; Gewehrfabrik; Kreml aus dem 16. Jahrh.—Weiter (240 w) Uslowaja (Bahnwirtschaft). Die Bahn tritt in das Gebiet der südrussischen fruchtbaren »Schwarzerde«, der Wald tritt zurück.—(380 w) Rjashsk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 5000 Einw., an der Chupta.—An reichen Dörfern (mit berühmten Gestüten) vorüber.—(502 w) Morschansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 26000 Einw., an der Zna.— Durch fruchtbares Land nach (753 w) Pensa (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Pensa, mit 67900 Einw., an der Mündung der Pensa in die Ssura schön gelegen; berühmt wegen der schönen Tücher aus Ziegenwolle; deutsch-luther. Kirche.—Hinter (989 km) Sysran (Bahnwirtschaft) nähert sich die Bahn der Wolga, tritt bei (1003 w) Batraki dicht an deren r. Ufer, das sogen. Bergufer, und kreuzt 8 w weiter die Wolga auf der mächtigen, 1435 m langen Alexanderbrücke (1876-80 erbaut). Der breite Strom ist stets von Dampfern, Kähnen und großen Holzflößen belebt, die bis zum Kaspischen Meere fahren. Am Ufer sind Behälter für Petroleum und Naphtha, die Heizstoff für Dampfer und Lokomotiven abgeben.— Auf dem flachen l., sogen. Wiesenufer weiterfahrend, erreicht man nach einigen Stunden (1120 w) Samara (Bahnwirtsch.; Gasthof: Bolschaja Zentrálnaja in der Dworjanskaja 125; deutscher Vizekonsul W. Koenitzer), Hauptstadt des Gouvernements Samara mit 96400 Einw., am l. Wolga-und r. Samaraufer, mit deutsch-luther. Kirche, lebhaftem Getreidehandel und berühmten Kumys-Kuranstalten auf den Hügeln in der Umgegend.—Die Bahn führt nun durch das Tal der Samara, das r. Berge zeigt, nach (1158 w) Kinel (Bahnwirtschaft); hier Abzweigung der Bahn über Orenburg, Taschkent, Samarkand und Merw nach Kuschk an der afghanischen Grenze.—Dann an mehreren unbedeutenden Stationen vorbei durch zum Teil sandiges Steppenland, außer von Russen auch von Baschkiren, Tataren, Kalmücken und Kirgisen bewohnt, und auf 640 m langer Brücke über die Bjelaja nach (1609 w) Ufa (Bahnwirtschaft: Verkauf uralischer Halbedelsteine; Vorsicht vor Gesindel in der Umgegend des Bahnhofs!), Hauptstadt des Gouvernements Ufa mit 58800 Einw., im 16. Jahrh. zum Schutz gegen die Baschkiren gegründet, am r. Steilufer der Bjelaja gelegen (schöner Landschaftsblick von der steilen Höhe über dem Birkenwäldchen beim Bahnhof); dicht beim Bahnhof viele Naphthabehälter, in der Nähe Herden der Baschkirennomaden. Die hölzernen Häuser der Stadt sind wie Schwalbennester an steile Hügel gesetzt, Treppen führen von Haus zu Haus. Ufa hat 27 Kirchen, 38 Schulen, 6 Banken, 3 Zeitungen und 1 Theater. —Hinter Ufa tauchen im O. die Vorberge des Ural auf, bedeckt von Tannenwäldern mit eingesprengten Birkenhainen; je mehr man sich dem Gebirge nähert, um so wilder wird die Gegend.— (1707 w) Ascha-Balaschewskaja (Bahnwirtschaft).—Vorbei an vielen Eisenhütten in malerischer Gegend durch das Tal des Sanjabachs, an dem sich im Halbkreis das große Dorf Menjardi hinzieht. Wilder Hochwald mit Anemonen, Dotterblumen, Himmelsschlüsseln von in Mitteleuropa unbekannter Üppigkeit begleitet die Bahn bergaufwärts; zwischen hohen Felseinschnitten gelangt man über (1793 w) Wjasowaja (323 m; Bahnwirtschaft) auf die Höhen des Uralgebirges nach—(1909 w) Slatoust (392 m; Bahnwirtschaft; mäßige Unterkunft bei Lusgin oder Frau Semjonowa, Z. 1 Rub., vorausbestellen!), hübscher Bergstadt (etwa 2 w vom Bahnhof) an dem Flüßchen Aï, das hier die Hauptkette des südl. Ural, den Taganai, durchbricht; 21000 Einw. Kaiserliche Eisen-, Gußstahl-und Waffenfabriken, von deutschen Schmiedemeistern eingerichtet. Arsenal (wochentags 9-3 Uhr Besichtigung gestattet). Deutsch-luth. Kirche.—Von Slatoust steigt die Bahn an Bergseen und schön mit Tannen bewaldeten Abhängen vorbei nach (1927 w) Urshum (564 m); etwa 1/4 w weiter steht r. der Grenzobelisk mit der Inschrift»Europa-Asia«(hier jedoch nur geographische, keine Verwaltungsgrenze!) auf dem höchsten Punkte der Bahn. Nun eilt der Zug in die westsibirische Ebene hinab, vorbei an (1970 w) Miaß am Ilmenskijsee, mit Goldgruben in der Nähe, und erreicht den eigentlichen Anfangspunkt der Sibiririschen Bahn
(2060 w) Tscheljabinsk (232 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Eremitage), wo von l. die direkte Bahn von St. Petersburg (vgl. S. [301]) über Perm und Jekaterinburg einmündet. Die Stadt, mit 39400 Einw., 4 w vom Bahnhof; am Bahnhof Auswandererbaracken für russische Bauern, die nach Sibirien übersiedeln. Viele Tataren, Sarten und Baschkiren betteln am Bahnhof. Lebhafter internationaler Verkehr; auf dem Markt (wohin man mit zweisitzigen kleinen Wagen, Tarantás, fährt) hat man Gelegenheit zum Einkaufen von Edelsteinen aus dem Ural (jedoch Vorsicht! vieles ist gefälscht); Volkstheater.
Von Tscheljabinsk fährt man zuerst durch die unwirtliche»Gorkaja«, unkultiviertes Steppenland mit Mooren und Salzseen; nach einiger Zeit beginnt aber fruchtbares, großenteils schon mit russischen Bauern besiedeltes Schwarzerdeland. Über (2177 w) Schumicha (Bahnwirtschaft) und Syrjanka, wo die Verwaltungsgrenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Rußland überschritten wird, nach (2301 w) Kurgan (Bahnwirtschaft), rasch aufblühender Stadt am l. Ufer des Tobol, 11/2 w vom Bahnhof; Kotzebues Verbannungsort 1800; lebhafter Butterhandel, von Dänen ins Leben gerufen.— Etwa 6 w weiter auf 470 m langer Brücke über den Tobol, dann durch Sumpfgegend nach (2550 w) Petropawlowsk (138 m; Bahnwirtschaft), 3 w vom Bahnhof die Kreisstadt Petropawlowsk mit 37900 Einw. (viele Mohammedaner), am r. Ufer des Ischim, 1752 begründet zum Schutz gegen die Kirgiskosaken. In der Stadt ein Tauschhof mit zahlreichen kleinen Läden; lebhafter Vieh-und Fellhandel, Schlächtereien, Gerbereien, Wollwäschereien; hübscher Stadtgarten; deutscher Apotheker. Viele kirgisische Nomadenkarawanen kommen aus der Steppe nach Petropawlowsk.—Nun folgt einförmige Steppe; (2677 w) Isil-Kul (Bahnwirtschaft).—Weiterhin über den Irtysch (Nebenfluß des Ob) auf 685 m langer Brücke.
(2806 w) Omsk (87 m; Bahnwirtschaft; Zweigbahn stündl. nach der 3 w südl. gelegenen Stadt; Tarantás dahin 50 Kop., Gasthöfe: Hotel Rossija, Saizew, Dworzowaja; Schtschepanowskij, Nikolskajaplatz), aufblühende Stadt mit 84400 Einw., Sitz der Verwaltung des Generalgouvernements der Steppe, mit starker Garnison, hat ein ethnographisches Museum auf dem Basarplatz; deutsch-luther. Kirche; deutscher Vizekonsul Oskar Nolte, Moskauer Reihe.— Handel mit Butter, Konserven aus Flußfischen, Getreide und Mehl. In Omsk verbüßte der Dichter Dostojewski 1849-53 seine Haft. In der Umgegend viele Kosakendörfer.
Dampfer von Omsk auf dem Irtysch abwärts in 4-5 Tagen nach Tobolsk (Gasthof Kommertscheskaja), Hauptstadt des Gouvernements Tobolsk mit 22000 Einw. und ethnographischem Museum im Jermakgarten.—Von Omsk den Irtysch aufwärts in 4-5 Tagen nach Semipalatinsk, Hauptstadt der gleichnamigen Steppenprovinz mit 31800 Einw. (die Hälfte Mohammedaner) und geographischem Museum; von hier Poststraße nach Taschkent.
Die Bahn führt von Omsk durch Malariagegend (gegen Mücken und Moskitos Schutzfenster schließen, Moskitonetz beim Schlafen benutzen!).—(2964 w) Tatarskaja (Bahnwirtschaft).—(3109 w) Kainsk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., meist verbannten Israeliten, 12 w nördl. vom Bahnhof; Ackerbau, Viehzucht, Branntweinbrennerei und Gerberei.—Hinter (3384 w) Kriwoschtschekowo auf 792 m langer Brücke über den Ob nach (3392 w) Nowo-Nikolajewsk (Bahnwirtschaft) am r. Obufer, mit angeblich über 60000 Einw., mit amerikanischer Schnelligkeit wachsender Umschlagsplatz zwischen dem Verkehr auf der Sibirischen Eisenbahn und dem Dampferverkehr auf dem Ob. Dampfer laufen von hier nach Tomsk, Barnaul (Hauptort des altaischen Minenbezirks mit 30000 Einw., zahlreichen Hüttenwerken, Oberbergamt und Bergbauschule) und Biisk. Der Ob bildet ungefähr die Ostgrenze des Steppenlandes. Die Bahn führt, zum Teil durch dichten Urwald, nach (3606 w) Tajga (257 m; Bahnwirtschaft).
Zweigbahn in 31/2 St. nach (74 w) Mescheninowka, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.
Tomsk (148 m; Hôtel Rossija, empfohlen; Hôtel de l'Europe; Iswoschtschik bis 75 Kop.; Post und Tel.; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer des Tom, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahen Kolywanschen Erzgebirge am Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.
Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch»Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w) Mariinsk (Bahnwirtschaft) nach (3933 w) Atschinsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w) Minussinsk (Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.
Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des Sajanischen Gebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der Station Katscha und erreicht bald darauf
(4100 w) Kraßnojarsk (d. h.»Rote Klippe«; 160 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Rossija; Métropole, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.
Der Jenissei, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.
Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w) Kansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, am Kan, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w) Ilanskaja (Bahnwirtschaft) und (4434 w) Kljutschinskaja (388 m), dann über die goldführende Birjussa nach (4633 w) Nishne-Udinsk (413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda.—Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w) Tulun (498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. —Hinter (4873 w) Sima auf 468 m langer Brücke über die Oka und dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w) Polowina (538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.) Wosneßenskij-Mönchskloster (1672 gegründet), nach
(5108 w) Irkutsk (445 m; Bahnwirtschaft; Grand Hôtel [Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft]; Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 75 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer [nicht russischer] Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, unter 52° 17' nördl. Br. (etwas südlicher als Berlin), am l. Ufer der Angara, in die hier der Irkut mündet, mit 84000 Einw. Irkutsk hat sehr rauhes Klima (bei einem Sommer wie Paris steigt die Winterkälte nicht selten bis-37°, das Jahresmittel beträgt nur-0,4°), breite Straßen, 23 griechisch-katholische (darunter schöne Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan), eine römisch-katholische und eine deutsch-lutherische Kirche, Gymnasium, 3 höhere Mädchenschulen, 2 Technische Schulen, 1 Seminar, 2 Militärschulen, Theater, 5 Zeitungen, Arbeits-und Findelhaus, Stadtkrankenhaus (mit deutschem Leiter, Dr. v. Bergmann) und bedeutenden Handel zwischen Ostasien und Rußland. Im Dezember Messe. Irkutsk, das eine Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft mit vielen Sammlungen besitzt, gilt als geistiger Mittelpunkt Sibiriens.—Der Ort wurde 1652 als Handelsposten durch Kosaken begründet, wuchs schnell, hat aber, seit die Verschiffungen von chinesischem Tee nach baltischen Häfen zunahmen, an Bedeutung verloren. Durch eine Feuersbrunst wurde Irkutsk 1879 fast zerstört, ist aber schöner wieder aufgebaut.—Die Stadt gilt als sehr unsicher. Vom Bahnhof hat man den besten Überblick über die Stadt, zu der eine große Schwimmbrücke führt.
In Irkutsk beginnt die Transbaikalbahn, daher Wagenwechsel (die Strecke Irkutsk-Mandschuria ist von der Russisch-chinesischen Bahngesellschaft an die Schlafwagengesellschaft für die Expreßzüge verpachtet; auf dieser Strecke sollen häufig alte schmutzige Wagen laufen, auch Verspätungen um mehr als 6 St. bis Wladiwostok nicht selten sein.) Die Bahn bleibt jenseit Irkutsk am r. Ufer der aus dem Baikalsee kommenden Angara und erreicht bei (5170 w) Baikal den Baikalsee.
Der Baikalsee (russ. Swjátoje More, mongol. Dalai Nor, »heiliges Meer«), der drittgrößte Binnen-und größte Gebirgssee Asiens, 476 m ü. M., 623 km lang, 15-82 km breit, hat 34180 (Sachsen u. Württemberg zusammen 34507) qkm Fläche. Der langgestreckte, durchschnittlich 250 m tiefe See besteht aus zwei Becken, deren südlichstes bis 1430 m tief ist, so daß der Grund des Sees bis gegen 1000 m unter den Meeresspiegel hinabreicht. Der Baikalsee ist durch Einbruch entstanden; er wird von schroffen, 1400 m hohen Felswänden umrahmt, im W. vom Baikalgebirge, im O. vom 1800 m hohen Bauntigebirge, die in vielen Vorgebirgen in den See vorspringen. Von den in den See mündenden Flüssen verläßt die schiffbare untere Angara den See am SW.-Ufer wieder. Das Wasser des Sees hat im Juli in 4 m Tiefe eine Temperatur von 5°. An Fischen ist der See sehr reich, namentlich an Herbstlachsen (Salmo omul), die durch Jenissei und Angara aus dem Eismeer heraufkommen, und von denen jährlich etwa 500000 Stück gefangen werden (daher der tatarische Name Baikul, d. h. Reicher See). Von größern Wassertieren findet man eine Seehundsart (Callocephalus), deren Auftreten, 1000 km von der nächsten Meeresküste entfernt, sehr merkwürdig, aber auch heute noch nicht endgültig geklärt ist. Man neigt zu der Annahme, daß der See, der auch sonst eine sehr eigenartige Fauna beherbergt, mit dem heutigen Eismeer nicht in früherer Verbindung gestanden hat, sondern daß die Seehunde den Lachsen bis hier herauf nachgegangen sind. Der tektonische Ursprung des Sees bekundet sich durch häufige Erdbeben, so 1861 u. 1862. Die Schiffahrt wird durch heftige Winde gefährdet, doch verkehren Dampfer während der achtmonatigen eisfreien Zeit; der lebhafteste Verkehr findet aber im Winter auf der 1-1,5 m starken Eisdecke statt.
Während früher die Reisenden mit Fährdampfern (im Winter mit Schlitten) nach Myssowaja am Südufer des Sees übergesetzt wurden, führt seit 1906 die Baikalgürtelbahn um das felsige Südufer des Sees; sie ist mit großen Schwierigkeiten und sehr hohen Kosten hergestellt; allein auf der 85 km langen Strecke vom Bahnhof Baikal bis nach Kultuk sind 32 Tunnel von zusammen 6 km Länge und 210 Kunstbauten (Brücken, Durchlässe, Überführungen) errichtet. Man fährt von Baikal über (5359 w) Tanchoi (auf allen Bahnhöfen besonders dieser Strecke hüte man sich vor Diebstählen!) nach (5413 w) Myssowaja (477 m), auch Myssowsk genannt; die Bahn bleibt noch bis (5458 w) Possolskaja in der Nähe des Baikalsees und steigt dann im Tale der Selenga nach (5567 w) Werchne-Udinsk (544 m; Bahnwirtschaft; Gasthof), Kreisstadt mit 8000 Einw., mit großer Garnison und wichtiger Teemesse.
Von hier führt die alte Poststraße (nebst Telegraph) im Selengatal weiter aufwärts nach Troizkossawsk und (185 w) Kjachta (732 m), russische Grenzstadt und von 1689-1860 einziger russischer Grenzhandelsplatz, über den der Karawanentee aus der nur 200 m südlicheren chinesischen Grenzstadt Maimatschin geführt wurde. Die Poststraße, jetzt wenig benutzt, führt weiter über Urga (1290 m) durch die Wüste Gobi und über Kalgan (S. [296]) nach Peking. Eine Bahn längs der Poststraße nach Kalgan ist geplant.
In romantischer Landschaft steigt die Bahn nun im Tale der Uda, dann südöstl. abbiegend weiter bis (5701 w) Petrowski sawod (803 m; Bahnwirtschaft), vorbei an Mongolen-und Burjätendörfern, dann im malerischen Tale des Chilok zu den sanftsteigenden Höhen des Jablonoi oder Apfelgebirges über (5840 w) Chilok (805 m; Bahnwirtschaft) und durchläuft hinter (5993 w) Sochondo (944 m) einen Tunnel, der am Westende die Inschrift: »Zum Atlantischen Ozean«, am Ostende: »Zum Großen Ozean« trägt, da der Bergkamm die Wasserscheide bildet zwischen dem Nördlichen Eismeer und dem Stillen Ozean (Jenissei und Amur). Nun senkt sich die Bahn über (6016 w) Jablonowaja (846 m; Bahnwirtschaft) durch das enge Ingodatal nach
(6086 w) Tschita (656 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 50 Kop.; Russisch-Asiatische Bank), 1851 gegründete Hauptstadt Transbaikaliens mit 55500 Einw., Maschinenwerkstätten und *Museum; die hübsche Umgebung erinnert an Heidelberg. —Dann fährt man über den Fluß Tschita auf 160 m langer Brücke und im Ingodatal abwärts über (6142 w) Makkawejewo (Bahnwirtschaft) nach (6180 w) Karimskaja (605m; Bahnwirtschaft), Bahnknotenpunkt.
Amurfahrt Strjetensk-Chabarowsk (2116 w). Von Karimskaja führt eine ältere Bahnlinie im Ingoda-und Schilkatal abwärts über (183 w) Nertschinsk (Bahnwirtschaft), das jetzt bedeutungslose, früher aber durch seine Blei-und Silberbergwerke berühmte, als Sträflingsort berüchtigte Städtchen, nach (266 w) Strjetensk (Bahnwirtschaft; Gasthof Dalnij Wostok; Mikulitsch, beide nahe der Dampferlandestelle; Iswoschtschik 1 Rub.; Banken: Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Stadt mit 10000 Einw., am l. Ufer der Schilka. Von Strjetensk laufen Postdampfer auf der untern Schilka und dem Amur von Mai bis September alle 5 Tage in 6 Tagen bis Blagowjeschtschensk (Grand Hôtel; Banken: Kunst & Albers; Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Provinz Amur mit 57500 Einw., am l. Ufer des Amur an der Sejamündung; von dort mit größern, bequemen Dampfern in 5 Tagen bis Chabarowsk (S. [333]). Die Fahrt stromauf von Chabarowsk bis Strjetensk dauert etwa 12-13 Tage und ist nicht zu empfehlen. Der Amur entsteht aus dem Zusammenfluß der Schilka mit dem Argun beim Fort Ustj Strjelka; er bildet streckenweise die Grenze gegen China und mündet nach 4480 km langem Lauf unterhalb Nikolajewsk, gegenüber dem Nordende der Insel Sachalin. Geplant ist der Bau einer Amurbahn von Strjetensk nach Chabarowsk.
Die Transbaikalbahn führt von Karimskaja über einen 885 m hohen Bergrücken nach (6229 w) Burjatskaja (Bahnwirtschaft), dann durch gewelltes, ödes Steppenland, den Nordzipfel der Mongolei, von Kosaken und Burjäten bewohnt, über (6274 w) Aga (Bahnwirtschaft) und an einem buddhistischen Burjätenkloster vorbei über (6319 w) Olowjannaja (Bahnwirtschaft) und (6412 w) Borsa und über die russisch-chinesische Grenze nach
(6532 w) Mandschuria (Mandschuli; 650 m; Bahnwirtschaft; Gasthof Zentralnaja, nahe dem Bahnhof), chinesischer Grenzstadt mit 12000 Einw. (in der Mehrzahl Russen); hier bei der Hinfahrt chinesische, bei der Rückfahrt russische Zolldurchsicht.—Mandschuria ist der Anfang der in russischen Händen befindlichen Ostchinesischen Bahn (Chinese Eastern Railway), deren Gebiet die Mandschurei bis zur russischen Grenzstation Pogranitschnaja (S. [320]), ferner die südliche Linie von Charbin bis Changchun (S. [324]) mit Zweigbahn nach Kirin umfaßt und deren Bahnhöfe gegen die häufigen Angriffe der Chunchusen-(chinesischen Räuber-) Banden von russischen Soldaten bewacht werden und zum Teil befestigt sind. Von hier an wird nach Charbiner Zeit gerechnet, die 6 St. 24 Min. vor gegen Petersburger und 7 St. 25 Min. vor gegen M.E.Z. ist. Die Bahn führt durch gleichmäßiges Steppenland (man sieht Pferdeherden, Kamelkarawanen) über (6708 w) Chailar (Hailar; Bahnwirtschaft) und (6785 w) Jakschi, Wachtposten, allmählich das Chingangebirge, den Grenzwall zwischen der Mongolei und der Mandschurei, hinan; bei (6872 w) Irekte (875 m) wird noch eine Lokomotive vorgespannt wegen der nun starken Steigung, durch enge Täler nach (6881 w) Chingan; 4 w weiter führt ein 3 km langer Tunnel, 961 m ü. M., durch den höchsten Gebirgskamm unter dem 1060 m hohen Dschedynpaß; dann geht es steil abwärts nach (6904 w) Buchedu (Pu-ha-to; 673 m; Bahnwirtschaft), im Tale des Jali. Bevor man die Steppe wieder erreicht, noch malerische Ausblicke auf die Berge bei Barim. Dann durch größere Dörfer bei Tschalantun über (7049 w) Nin-zy-schan (264 m) und über den Nonni nach (7155 w) Stat. Zizikar (Tsitsihar oder Buchoi; Bahnwirtschaft; Gasthof) selbst, die Hauptstadt der chinesischen Außenprovinz Holungkiang, mit 80000 Einw., liegt 25 w nördl. am Nonni und ist durch Kleinbahn mit der Station verbunden. [Hier soll das chinesisch-amerikanische Bahnprojekt von Aigun (vom r. Amurufer nahe Blagowjeschtschensk in der Mandschurei) nach Kintschou (S. [318], an der Bahnlinie Mukden-Tientsin) von N. nach S. die Mandschurei durchschneiden.]—Dann durch wildreiche, fast unbewohnte Steppe mit unbedeutenden Haltestellen, aber vor Charbin durch gut bebautes Land und schließlich auf 948 m langer Brücke mit 8 Bogen über den mächtigen, von zahlreichen Dampfern belebten (auf 1180 km Länge schiffbaren) Súngari nach
(7408 w) Charbin (Harbin; 152 m; gute Bahnwirtschaft; Grand Hôtel; Métropol Hôtel; Orient Hôtel, sämtlich in der Neustadt, die beiden ersten nahe dem Bahnhof; Hôtel Sibir; Hôtel de Commerce, in der Geschäftsstadt, Verpflegung überall gut, Unterkunft mäßig; Bankgeschäft von Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank [Korrespondent der Deutschen Bank]; Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft: im Grand Hôtel; Direktion der [russischen] Ostchinesischen Bahn [Präsident General Horváth], Zweigbureau der Südmandschurischen Bahn; chinesischer Zollkommissar [Watson]; deutscher Konsul: L. Heintze; Handelshäuser: Kunst & Albers; Tschurin & Co.; Samsonowitsch & Agéjeff; Kommissionsgeschäft: Comptoir belge d'importation et d'éxportation; Spediteur A. G. Roubinraut), internationale Handelsstadt in der chinesischen Mandschurei, am r. Ufer des Sungari, 1896 gegründet als Eisenbahnknotenpunkt, früher ein Dorf, jetzt eine Stadt von über 50000 Einw. (buntgemischte Bevölkerung, in der die Russen und Chinesen überwiegen). Die Stadtverwaltung liegt in den Händen der Ostchinesischen Bahn. Die vollkommen russischen Charakter tragende Stadt zerfällt in drei Teile: die Altstadt, sö. vom Bahnhof, die erste Niederlassung aus Lehmhäusern für den Bahnbau, wozu einige Handelshäuser und eine kleine Kirche kamen. Die moderne Neustadt (Nowoje Charbina), westl. vom Bahnhof, auf einer vor dem Fluß geschützten Hochfläche, noch in der Entwickelung; für die Eisenbahnverwaltung, P u. T, Hospitäler, Beamtenwohnungen, Gasthöfe etc. bestimmt. Die Straßen und die sanitären Verhältnisse sind noch sehr schlecht. In der Hafenstadt (Pristan) hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß sind Fabriken und Werkstätten für die Eisenbahn, kaufmännische Niederlassungen, der Sitz der Polizei etc.; hier herrscht das meiste Leben. Östl. vom Pristan liegt das durch den Pestausbruch 1910 berüchtigte Chinesenviertel Fudsjadjan (Fudatien). Haupthandel und Ausfuhr in Ölbohnen. Im russisch-japanischen Krieg war Charbin Hauptstützpunkt der russischen Armee.—Dampfer verkehren auf dem Sungari von Charbin talwärts bis Chabarowsk (S. [323]) und bergwärts bis Kirin (S. [324]).
Von Charbin nach Wladiwostok.
Vgl. die Karte bei S. [301].
Der sibirische Luxuszug (S. [302]) führt vom Hauptbahnhof (smaragdgrün in einer Art von Sezessionsstil) in Charbin-Neustadt östl. über (9 w) Hst. Alt-Charbin durch weite Strecken gut (vor allem mit Rüben) bebauten Ackerlandes über (58 w) Aschichö, mit Zuckerfabrik, dann an einem Marmorbruch vorbei, durch Sumpfstellen mit mannshohem Wollgras und durch von Fasanen bevölkerte Gehölze nach (153 w) Imjampo, beliebtem Sommeraufenthalt mit Datschen (Landhäusern), guter Brauerei und Jagdgelegenheit auf Hochwild, weiter über den Gebirgszug Tschangkwanhai nach (255 w) Chandaochezy (Bahnwirtschaft), Ort mit 10000 Einw.; dann auf 300 m langer Brücke über den Mutankiang (nicht weit südl. die chinesische Handelsstadt Ninguta mit etwa 20000 Einw.; T) und nun ansteigend in schroffen Tälern des in der Nähe der Bahn schon großenteils entwaldeten ostmandschurischen Mittelgebirges durch drei Tunnel bis 640 m ü. M., dann wieder hinab nach (402 w) Mulin (Bahnwirtschaft). Die Landschaft wird immer schöner, bis man, die Mandschurei verlassend, den russischen Grenzort (512 w) Pogranitschnaja (460 m; Bahnwirtschaft; russische Zollbesichtigung), Endpunkt der Ostchinesischen und Anfang der Ussuribahn, erreicht; letztere führt durch sechs Tunnel abwärts über die Grenzfestung (538 w) Grodekowo in grüner Ebene nach (628 w) Ketrizewo (Bahnwirtschaft), Knotenpunkt, wo l. die Bahn nach Chabarowsk abzweigt; in 2 w Abstand sieht man die Kuppeln der Kathedrale von Nikolsk-Ussuriisk (Gasthof Koslow; Russisch-Asiatische, Sibirische Handelsbank; Warenhaus von Kunst & Albers), Kreisstadt mit 23000 Einw. und stärkster Garnison des Amurgebiets, in sehr fruchtbarer Gegend, mit guter Jagd auf Wildschweine, Maralhirsche etc. Dann steigt die Bahn im Felsental des Suifun in dichtbewaldete Höhenzüge; an einer scharfen Biegung erster *Blick auf die Amurbucht; l. hinter Nadeschdinskaja liegen Kohlenbergwerke; dann führt die Bahn am Strande der Amurbucht entlang, l. an den Datschen (Landhäusern) der reichen Wladiwostoker vorbei und durch die Chinesenstadt zu dem ganz nahe dem Hafenkai gelegenen Hauptbahnhof von
(730 w) Wladiwostok (Bahnwirtschaft), am Japanischen Meer. Der Bahnhof trägt die Aufschrift: »Von St. Petersburg bis Wladiwostok 9876 Werst« (Entfernung von Moskau 8137 w).
Ankunft zur See. Die Postdampfer steuern die Insel Askold mit rotem Leuchtturm an, laufen dann auf den weißen Leuchtturm der Insel Skrypleff zu und steuern durch den Östlichen Bosporus zwischen Kasakewitsch (Russeninsel) und dem Murawiew-Vorgebirge hindurch, biegen dann r. in eine der Kieler Förde sehr ähnliche, durch viele Küstenbefestigungen geschützte Bucht, in deren innerstem, nach O. gekrümmtem Teil, dem Goldenen Horn, der gegen Wind und Seegang geschützte Hafen von Wladiwostok liegt. An seiner Westseite ist nahe am Bahnhof ein Kai mit Liegeplätzen für etwa acht Dampfer. Die Postdampfer der Freiwilligen Flotte haben eignen Kai. Dampfer, die keinen Platz am Kai bekommen, ankern nahe vor der Stadt, Ausschiffung der Reisenden erfolgt dann mit Booten an bequemen Landungsbrücken.
Gasthöfe: Hotel d'Allemagne (Deutsches Hotel), Mitte der Stadt, Ecke der Kitaiskaja-und Pekinskaja-Straße, modern eingerichtet, Pens. 8-9 Rubel, gelobt.—Grand Hôtel, am Bahnhof.— Goldenes Horn, Aleutskaja 45.—Zentralnaja, Swetlanskaja.—Restaurants: Deutsches Restaurant Müller, Swetlanskaja, gelobt.—Unterberger; Goldenes Horn; Swetlanka, sämtlich Swetlanskaja. —Cafés: Kokin.—Jegorow, Swetlanskaja.
Post u. Tel. an der Swetlanskaja. Telegraphenkabel nach Nagasaki.— Wagen: Iswoschtschik vom Bahnhof zur Stadt 25 Kop. (Gepäck 20 Kop.), einzelne Fahrt 25 Kop., in die Vorstadt 50 Kop.; stündl. 80 Kop. Nachts doppelte Taxe.—Eisenbahn über Charbin nach Europa (S. [309]): Expreßzüge: Mi. ab Wladiwostok der Transsibirien-Expreß in 91/2 Tagen bis Moskau, mit Anschluß an den Nordexpreß (S. [302]) Moskau-Berlin (Fahrzeit 37 St.); außerdem So. ab Wladiwostok ein Zug bis Irkutsk (Wagenwechsel) mit Anschluß nach Moskau und ein Zug Fr. ab Wladiwostok wie vorher, doch mit Anschluß nach St. Petersburg; sämtlich Züge der Internationalen Schlafwagengesellschaft; nach Chabarowsk, S. [323]; nach Dairen, S. [323]; nach Peking, S. [328].—Dampfer: Hamburg-Amerika Linie über Hongkong monatlich (Agentur: Kunst & Albers);— Nippon Yusen Kaisha nach Nagasaki, Korea, Port Arthur und Schanghai wöchentlich;—Russische Freiwillige Flotte Do. und Sa. in 2 Tagen nach Tsuruga (Japan);—Sa. über Nagasaki (2 Tage) nach Schanghai in 4 Tagen;— Osaka Shosen Kaisha Di. in 2 Tagen nach Tsuruga (Reichskursbuch 705).
Plan von Wladiwostok.
Banken: Kunst & Albers, Swetlanskaja, Korresp. der Deutschen Bank.— Russisch-Asiatische Bank, Aleutskaja, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—Theater: 3 russische und 3 chinesische; Singspielhalle im »Goldenen Horn« u. a.—Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft: Marcerou & Schreter, Swetlanskaja 60. —Konsulate: Deutsches Reich, Swetlanskaja, Konsul Dr. Stobbe.—Deutscher Gesangverein (es leben viele Deutsche in angesehenen Stellungen in Wladiwostok).—Polizeiamt: Pekinskaja. —Zollamt: Swetlanskaja.— Städtisches Krankenhaus.—Warenhaus großen Stils von Kunst & Albers, liefert jegliche Reiseausrüstung u. a.
Wladiwostok (»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860 gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7' nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl. bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs-und Handelshafen ist er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich die Hauptstraße Swetlanskaja; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltige Museum (Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der Marinestation, weiter östl. der Marineklub, mit Bootslandungsbrücken am Hafen. In der Hauptstraße die Uspenskij-Kathedrale. Das Institut für Ostasiatische Sprachen liegt an der Puschkinskaja; ebenda die deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht, da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.). Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen Firma Kunst & Albers an der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital, daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.—Die Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen; ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische, Lebertran.—Das Goldene Horn ist etwa von Mitte Dezember bis Mitte April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber außerhalb des Hafens behindern dann oft große Treibeismassen die Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg, trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.—Rundgang. Man fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe oberhalb des Observatoriums, von wo prächtiger *Fernblick über das Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eine Hafenrundfahrt (zweimal tägl., Fahrzeit etwa 21/2 St.), die bis zur Insel Kasakewitsch führt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder Segelboot bei gutem Wetter nach der Insel Askold, wo die sibirischen Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb sind.—Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche deutsche Brauerei.
Von Wladiwostok nach Chabarowsk führt die Ussuribahn in etwa 16 St. über (102 w) Ketrizewo (S. [320]), von da nö. im Tale des Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über den Ussuri nach (340 w) Murawjew-Amurskij (Bahnwirtschaft). Hinter der 255 m langen Imanbrücke bei (387 w) Iman (Bahnwirtschaft) tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w) Bikin (Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach
(716 w) Chabarowsk (96 m; Bahnwirtschaft; Gasthöfe: Deutsches Hotel und Restaurant von Peter Moller, empfohlen; Hotel Chabarowsk; Rossija; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken: Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4 Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des Generalgouverneurs liegt das *Museum der Russischen Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei im Stadtgarten das Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel (besonders Zobelfelle). Warenhaus: Kunst & Albers.
Postdampfer von Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940 w) Nikolajewsk (Gasthof; Warenhaus: Kunst & Albers), Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts über Blagowjeschtschensk nach Strjetensk, vgl. S. [317].
Von Charbin nach Dairen.
Vgl. die Karten bei S. [215] u. S. [271].
Von Charbin zweigt eine Linie der Ostchinesischen Bahn nach S. ab (von den Russen bis Port Arthur, S. [327], gebaut, jetzt nur bis Changchun noch russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück der Südmandschurischen Bahn. Von den sibirischen Expreßzügen (S. [316]) wird ein Wagen in Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9 St., Changchun-Mukden 61/2 St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China (besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über direkte Fahrkarten vgl. S. [302].
Vom Charbin-Hauptbahnhof (S. [318]) führt die Bahn durch fruchtbares Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps-und Maisfeldern; zahlreiche Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w) Dalatschao führt eine 735 m lange Brücke über den Sungari.—(152 w) Jaomönn (Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen Grenzstation Kwangtschöngtse mit russischer Garnison erreicht man (222 w) Changchun (Tschangtschun; Yamato Hotel, komfortabel, Pens. 9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett;—Yokohama Specie Bank;—Russisch-Asiatische Bank), Knotenpunkt der Ostchinesischen, Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug der Südmandschurischen Bahn (I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III. Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23 Min. später als Charbinzeit (S. [318]). Die alte Stadt mit 130000 Einw., 6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh-und Bohnenhandel. Changchun hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w) Kirin, wichtigster Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw., von Mauern umgeben, am Sungari.]
Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun) Gungchuling steigt die Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M) Tiahling, Handelsstadt mit 50000 Einw., am Liauho, und erreicht
(189 M) Mukden (chines. Fengtien), alte Hauptstadt des frühern mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier noch zeitweise residierten.
Gasthöfe: Astor House Hotel, in der innern Stadt, deutsche Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.—Yamato Hotel, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens. 9-12 Yen.
Wagen: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.—Pferdebahn bis zur innern Mauer.
Eisenbahnen: Südmandschurische Bahn (japanisch) nach Changchun (und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan); Nordchinesische Bahn (chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.
Bank: Yokohama Specie Bank (Korrespondent der Deutschen Bank) in der innern Stadt.
Deutsches Konsulat, Konsul Dr. Heintges, Dolmetscher Dr. Siebert.
Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigsj der Mandschurei, der zugleich Gouverneur der Provinz Fengtien ist, und eines Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben. In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt von indischem Charakter, —Die größte Sehenswürdigkeit ist der *Kaiserpalast; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor House Hotels. Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat, war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme, Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane, Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon, in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.
Ausflüge: Nach dem nördlichen Kaisergrab Peiling, etwa 6 km nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern *Grabhain betritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee, die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten, eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten Monolithen trägt,in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und Chinesisch eingehauen ist. —Durch ein von einem turmartigen Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen, breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, die Ahnenhalle mit den Tafeln Taitsungs und seiner Familie.
Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen. Geistermauer mit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält.— Nach N. hat man den mit einem Rundgang versehenen Grabhügel vor sich; er ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette, die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll.—Auf der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.
Das Ostgrab Tungling in der Nähe des Dorfes Tungling ist von Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß). Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).
Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer Brücke über den Hunho, Nebenfluß des Liauho nach (199 M) Suchiatun [von hier Zweigbahn über Chienchinchai nach (34 M) Fushun am Hunho, wo die großen Kohlengruben der Südmandschurischen Bahn mit modernen Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern; 1/4 St. vom Bahnhof, jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über den Shaho, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun) Shaho, kleine, aus dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am Nowgorod-und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm-oder Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M) Yentai, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft ausgebeutet werden, nach (230 M) Liaoyang (Bahnwirtschaft), ältester Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *Lama-Turm, erbaut im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905, führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.— Weiter über Haicheng nach (256 M) Tangkangtzu (Stadt mit heißen Quellen; Gold Spring Hotel).
Ausflug (sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der Bahn zum Kloster *Chienshan (Tschienschan) mit etwa 60 sehr alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage der Drachenquelle (Lungtschuankuan) und der Tempel der Mildtätigkeit (Wuliangkuan), beide mitten in Waldeseinsamkeit. Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.
Weiter nach (288 M) Tashihchiao (Daschitschau; Bahnwirtschaft). Hier Zweigbahn r. nach (131/2 M) Yingkou (S. [328]), nur bis ans l. Ufer des Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum Anschluß an die Nordchinesische Bahn.
Die Bahn führt über (306 M) Kaiping (Kaitschou), Stadt mit wichtigem Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der Liaotunghalbinsel entlang über (326 M) Hsiungyuehcheng (ganz guter japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter, die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M) Teliszu (Niederlage des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M) Wafangtien (Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M) Pulantien (früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. —(414 M) Chinchou (Kintschou) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai 1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel führt, an der Bucht von Talienwan über (429 m) Choushuitzu, Zweigbahn nach Port Arthur (S. [327]), nach
(436 M) Dairen (früher Dalny), wichtigem japanischen Handelshafen auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan (Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen). Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgenden [Plan].
Gasthöfe: Yamato Hotel der Südmandschurischen Bahn, komfortabel, sehr gelobt, Pens. 9-12 Yen; Rioto-Hotel; Iwaki-Hotel u. a.—Post u. Telegraph. —Wagen: Droschken, Hotelwagen, Rikschas.
Straßenbahnen (elektr.) durchziehen die ganze Stadt.
Eisenbahnen: Südmandschurische Bahn (S. [324]) nach Mukden und Port Arthur.
Dampfer der Südmandschurischen Bahn (South Manchurian Railway Co. in Dairen: Tel.-Adr.: »Mantetsu-Dairen«), Anschluß an jeden Expreßzug von Moskau nach Schanghai; Osaka Shosen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha, Anschluß nach Korea, Nordchina und Japan mehrmals wöchentlich; Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie nach Tsingtau, Schanghai und Tientsin (S. [265]).
Geld wie in Japan s. S. [342].—Bank: Zentrale der Yokohama Specie Bank für die Mandschurei.
Deutsches Konsulat geplant.
Klubs: Internationaler Dairen Club; Dairen Golfing Association; Seemannsheim.
Ärzte, tüchtige, Deutsch sprechende japanische Ärzte im modern eingerichteten Central Railway Hospital.
Dairen, von den Russen nach großartigem Plan unter Aufwendung großer Geldmittel, aber erst in den Grundzügen angelegt, ist zwar in den letzten Jahren unter japanischer Verwaltung als Hauptausfuhrhafen für die Südmandschurei stark aufgeblüht, doch macht auch heute noch ein großer Teil des Stadtgebiets mit den breiten, nur mit vereinzelten Häusern besetzten Straßen einen recht öden Eindruck. Nur die vom Hauptplatz ausstrahlenden zehn modernen Straßen sind voll bebaut und belebt. Hauptsächlich werden Kohlen und Bohnen ausgeführt. Schon 1909 führte Dairen etwa die Hälfte der mandschurischen Bohnenernte (geschätzt auf 1 Million Tonnen) aus; die Bohnen und Bohnenkuchen gehen nach Japan, Amerika und England in solchen Mengen, daß der Weltschiffahrtsmarkt der Trampdampfer bereits stark durch die Bohnenausfuhr beeinflußt wird. In Dairen sind die Generaldirektion und Werkstätten der Südmandschurischen Bahn. Die Stadt hat elektrische und Gasbeleuchtung sowie gute Straßen. Der Hafen ist mit Trockendock und modernen Kaianlagen ausgestattet, aber den Nordwinden ausgesetzt und noch nicht genügend ausgebaggert. Zementfabrik und große Bohnenmühlen nahe Choushuitzu, auch andre Fabriken. Mehrere ausländische Firmen, auch einige deutsche, sind in Dairen ansässig. Das Klima ist gesund, im Juli bis 33°, im Januar bis-17°. Außerhalb der eigentlichen Stadt liegen das Chinesenviertel und zwei Vergnügungsplätze für japanischen Geschmack: Fushimipark und Yoshiwara. Die Umgegend von Dairen bietet Seebäder am Gelben Meer im Sommerbadeort Star Beach (Strandhotel der Südmandschurischen Bahn, billig, gelobt), mit Sommerhäusern. Etwa 5 km sö. von Dairen liegt die Sommerfrische Laohutan (Roko-tan), etwa 8 km sw. Kokusekisho (Blackstone Rock), am Fuß des Berges Dairen Fuji, an sehr schönem Strand mit phantastischen Felsformen; gute Fahrwege führen zu diesen Plätzen.
Von Dairen nach Port Arthur führt die Bahn üher (7 M) Choushuitzu u. (15 M) Hsiachiahotzu (Kakakashi) mit sehr schönem Badestrand am Tschiligolf.
(39 M) Port Arthur (japanisch Ryōjunkō; Gasthöfe: Yamato Hotel der Südmandschurischen Bahn in der Neustadt, komfortabel, gelobt, Pens. 9-12 Yen;
Astor House; Asahi Hotel; Seirinkan. —Yokohama Specie Bank; Droschken, Hotelwagen, Rikschas zu haben; japanische Dampfer nach Tschifu), starkbefestigter Kriegshafen (Photographieren und Zeichnen in der Nähe von Befestigungen ist streng verboten!) auf der Kwangtunghalbinsel, mit nur noch etwa 15000 Einw., davon 10000 Chinesen, aber fast keine Europäer, vom chinesischen Vizekönig Lihungtschang um 1880 angelegt, vom japanischen Heer unter Oyama am 24. Nov. 1894 erstürmt, dann 1895 an China zurückgegeben, 1898 von Rußland »gepachtet« und durch neue, fast sturmfreie Forts stark befestigt, im russisch-japanischen Krieg von den Japanern unter General Nogi seit 6. Juni 1904 belagert und nach schweren verlustreichen Kämpfen am 2. Jan. 1905 zur Übergabe gezwungen (General v. Stössel war der Führer, General Kondratenko [gefallen 1. Dez. 1904] die Seele der Verteidigung), wobei 546 Geschütze u. 20 Kriegsschiffe (darunter 4 Schlachtschiffe) erbeutet wurden. Jetzt ist die Stadt Sitz des japanischen Generalgouvernements und aller Militär-und Marinebehörden für das Kwangtunggebiet. Port Arthur liegt in einer tiefen Einbuchtung des Gelben Meeres mit nur 300 m breiter Einfahrt, auf 38° 48' nördl. Br. (etwa wie Lissabon). Der 4 qkm große, innere, das ganze Jahr eisfreie Hafen ist von Bergen umgeben, die nach der Seeseite starke Befestigungen tragen; er ist jetzt zum Teil als Handelshafen für Ausfuhr der Fushunkohlen (S. [325]) freigegeben. Die Neustadt mit dem europäischen Stadtteil und Regierungsgebäuden liegt westl. vom Bahnhof (der dicht am Hafen liegt), ist aber jetzt fast völlig verödet, der Handel hat fast aufgehört; die Altstadt, zumeist Chinesenstadt, liegt östl. davon. In den Läden der Altstadt Kriegserinnerungen zu haben. Die Umgebung, insbesondere die Küsten, sind reich an schönen Landschaftsbildern. Die im Krieg von den Japanern erstürmten Befestigungen, besonders das Nordfort des Tungchikuanshan (Osthahnenkamm und der 203 m-Hügel sind sehr sehenswert. Nahe der Stadt ein japanisches Kriegsmuseum mit vielen Modellen und Erinnerungen; westl. davon das japanische Kriegerdenkmal, als Leuchtturm gebaut u. mit Tempel, und weiter nw. jenseit der Bahn das russische Denkmal (englischer Führer mit Karte: Descriptive and historical sketch of Port Arthur im Gasthof zu haben). Die teilweise nicht wieder aufgebaute Hauptlinie der Befestigungen wird, von Militärs aller Länder viel besucht. Nur die Seefront darf nicht besichtigt werden.
Von Charbin nach Peking.
Vgl. die Karten bei S. [215] und S. [271].
Ostchinesische Bahn von Charbin nach Changchun und von hier Südmandschurische Bahn nach Mukden, vgl. S. [324]. Von Mukden nach (524 M) Peking zweigt die Nordchinesische Eisenbahn (Imperial Railways of North China) westwärts ab; Schnellzüge ab südmandschurischer Bahnhof in Mukden im Anschluß an die Expreßzüge von Charbin (S. [323]), Fahrzeit Mukden-Peking 23 St., Fahrpreise I. $ 31,70, II. 19,85, Zuschlag für Luxusexpreß $ 7 bzw. 5. —Über direkte Fahrkarten Berlin-Peking (rund 11090 km) vgl. S. [302].
Bahnfahrt von Charbin nach Mukden vgl. S. [324]. Von Mukden fährt die Nordchinesische Bahn in westl. Richtung durch die steppenartige Liaoebene, die nicht besonders fruchtbar, aber wichtig durch ihre riesigen Schweineherden ist, die bis Peking exportiert werden, und überschreitet den Liaoho. Dann südwestl. weiter in der Liaohoebene nach Koupangtze.
Zweigbahn südl. nach Yingkou, Inkau, Niutschwang (Hotel Manchuria House; 30 Z., Pens. $ 8), dem wichtigsten Handelsplatz der südl. Mandschurei, auf 40° 44' nördl. Br., etwa 26 km oberhalb der Mündung des Liaoflusses in den Golf von Liaotung in der mandschurischen Provinz Schöngking; Yingkou hat etwa 52000 Einw. und ist seit 1858 dem Fremdhandel geöffnet, aber nur für kleinere Seeschiffe erreichbar.
Landungsbrücken für Seeschiffe bei der europäischen Niederlassung am l. Ufer. Der Bahnhof der chinesischen Nordbahn liegt am r. Ufer, der Bahnhof der südmandschurischen Bahn (die 30 km östl. bei Tashihchiao in die Hauptlinie Charbin-Mukden-Port Arthur [S. [326]] mündet) am l. Ufer. Russisch-Asiatische Bank; Yokohama Specie Bank (Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft), beide Korrespondenten der Deutschen Bank.—Deutsches Konsulat (Vizekonsul J. Jaspersen).— Dampfer der Nippon Yusen Kaisha nach Taku, Tschifu, Tschimulpo, Nagasaki, Moji etc.; China Merchants-Dampfer nach Taku, Tschifu und Schanghai wöchentlich Agenten des Norddeutschen Lloyd: Bandinel & Co. —Der Liaofluß ist für Flußfahrzeuge bis nach Mukden schiffbar. An ihm liegt 48 km stromaufwärts die alte Chinesenstadt Niutschwang (Ying-tse-kou), mit bedeutendem Handel.
Die Hauptbahn läuft von Koupangtze südwestl. weiter über Kintschou (Chinchowfu, vgl. S. [318]) und Ningjuen durch die schmale, zwischen der Nordwestseite des Golfs von Liaotung und dem Gebirge sich entlangziehende hügelige Küstenebene (Liaohsi), die als einzige bequeme Verbindung zwischen der Mandschurei und der Großen Ebene eine wichtige Rolle in der Geschichte Chinas gespielt hat (vgl. unten).
(261 M) Schanhaikuan (Railway Hotel), nahe am Meer, stark befestigte, 1368 erbaute chinesische Grenzstadt; hier beginnt die große Chinesische Mauer (S. [296]) und steigt in malerischen Zickzacklinien, mit Wachttürmen besetzt, auf die Kämme der Hügelketten im Hinterlande; Höhe der Mauer etwa 10 m, Breite oben 8 m und mehr. Die ebenfalls ummauerte Stadt liegt westl., also innerhalb der Großen Mauer. Einen bessern Schutz bieten jetzt fünf moderne Forts. Der Bahnhof liegt vor dem Südtore der Stadt und etwa 4 km vom Meer.
Mehrfach sind Völkerstämme, aus Norden und Nordosten stammend, in der Liaoebene zeitweise seßhaft geworden, dort erstarkt und später durch Liaohsi nach China vorgedrungen. So eroberte um 900 n. Chr. der Stamm der Kitan, tungusischer Herkunft, Nordchina und begründete dort die von 905-1125 regierende Liaodynastie, der bis 1234 die stammverwandte Kin-Dynastie folgte. Die später in China zur Herrschaft gelangten Mongolenkaiser suchten daher die schmalste Stelle von Lioahsi durch eine das Ostende der Großen Mauer bildende Befestigungsanlage, das »Große Tor« (Schanhaikuan) gegen weitere Einfälle vom Liaotale her zu schützen. Trotzdem wurde Liaohsi noch einmal die Einfallspforte für fremde Eroberer, nämlich für den jetzt noch in China herrschenden tungusischen Stamm der Mandschu, die 1584 ins Liaotal kamen, 1616 Mukden und 1644 an Stelle von Mukden Peking zu ihrer Hauptstadt machen konnten.
Bei (281 M) Stat. Tangho liegt Tshinwangtau (Resthouse Hotel, bequem, 9 Z., Pens. $ 5), seit 1898 dem Fremdhandel geöffneter kleiner Hafen mit guter Landungsbrücke, 5000 Einw.; im Winter (November bis März), wenn die Takubarre gefroren ist, landen hier die für Tientsin bestimmten Postdampfer.—Die Bahn entfernt sich nunmehr von der Küste und geht über Peitaiho (Seebad) und Tschangli nach Lwantschou (Lanchow), alter Hauptstadt der Han-Dynastie, am r. Ufer des Lwanho, an dem etwa 160 km flußauf Jehol (S. [298]) liegt. [Etwa 17 km nördl. von Lwantschou liegt die alte große Stadt Yungpingfu.]—Dann folgt Kaiping und (355 M) Tangschan, Stadt mit 40000 Einw. und wichtigen Kohlenbergwerken der chinesischen Regierung. Nun weiter über Lutai und Peitang nach (394 M) Tongku. Weiterfahrt nach Peking S. [280] und [277].