Japan.

Das Kaiserreich Japan im äußersten Osten Asiens, das Nippon oder Nihon der Japaner, bei Marco Polo Zipangu genannt, chines. Dschipönnkwo, das »Land der aufgehenden Sonne«, erstreckt sich in einer langen, aus drei großen Bogen mit 3850 großen und kleinen Inseln und Klippen bestehenden Reihe zwischen den verhältnismäßig flachen ostasiatischen Randmeeren und dem rasch zu außerordentlich großen Tiefen (bis 8500 m) absinkenden Stillen Ozean über 30 Breitengrade, von Formosa bis Schumschir, der nördlichsten der Kurilen. Die Inselreihe gliedert sich in sechs Gruppen: 1) Alt-Japan zwischen Colnett-und Tsugarustraße, in ältester Zeit Ō-yashima (»die großen acht Inseln«) genannt, die Inseln Hondo (Honshū), Kyūshū, Shikoku, Awaji, Sado, Okishima, Iki und Tsushima umfassend. 2) Die Insel Yezo (Yeso), seit der Restauration Hokkaidō genannt, nördl. von Hondo zwischen der Tsugaru-und der Lapérousestraße. 3) Die Kurilen (Japan. Chishima, »Tausendinseln«), 36 größere Inseln zwischen Yezo und Kap Lopatka. 4) Die Ryū-kyū-Inseln (Luchu, Liukiu), amtlich Okinawa, zwischen der Colnettstraße und der Insel Formosa. 5) Die Insel Taiwan oder Formosa (S. [245]) und die Pescadores (S. [245]). 6) Die Bonininseln, jetzt Ogasa-wara-shima genannt, im Stillen Ozean. Hierzu kommen seit 1905 die Halbinsel Kwangtung mit Dairen (Dalny) und Port Arthur, die südliche Hälfte von Sachalin, sowie neuerdings Korea. —Die Gesamtfläche des Landes beträgt 454868 qkm (Deutsches Reich 540742 qkm).—Für den Besuch seitens der Weltreisenden kommt im allgemeinen nur der Süden und die Mitte von Alt-Japan, bis nordwärts zur Mitte von Hondo, in Betracht. Auf diese allein bezieht sich daher die nachfolgende kurze Schilderung der Landesnatur. —Alt-Japan ist ganz vorwiegend ein Gebirgsland von sehr mannigfaltiger Gesteinszusammensetzung u. sehr verwickeltem Bau, der schon in der unregelmäßigen und zerrissenen Gestalt der Inseln zum Ausdruck kommt. An dem Aufbau des Landes haben außer Massen-und Schichtgesteinen aller Altersstufen auch jungvulkanische Ablagerungen einen bedeutenden Anteil, Vulkankegel beherrschen im mittlern Hondo die Landschaft. In dem vulkanischen Gürtel, der den Stillen Ozean umgibt, bildet Japan ein wichtiges Glied mit etwa 20 ab und zu noch tätigen und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern liegen Asotake und Kirishima (Ausbruch 1896) auf Kyūshū, Asamayama, Shirane-san und Bandaisan im mittlern Hondo, Komagatake auf Yezo. Zu den erloschenen oder ruhenden gehören viele Gipfel auf Hondo, wie der berühmte Fuji-no-yama, dessen beschneiter Gipfel in die Lüfte ragt (S. [384]). Erdbeben sind sehr häufig und ein Zeichen dafür, daß die Verschiebungen in der Erdrinde, denen auch die Vulkane ihr Dasein verdanken, hier am Außenrande des asiatischen Festlandsockels noch fortdauern.


In Hondo erreicht das Land in einigen vulkanischen Gipfeln (Fuji-san oder Fuji-no-yama 3778, Ontake 3185 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette zwischen den Provinzen Shinano und Hida, den »japanischen Alpen«, den großartigsten Gebirgscharakter; mauerartig ansteigender Granit und zerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im Yatsugatake, bis 2932 m, während die Paßübergänge (1800-1900 m) fast nie ganz schneefrei werden. Gipfel von 2200 m Höhe und mehr sind im mittlern Hondo zahlreich; dagegen bleiben alle Berge der Hauptinsel westl. des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m.
Das Klima ist gesund. Es steht, wie in ganz Ostasien, unter der Herrschaft der Monsunwinde, also warmer, feuchter Südwinde im Sommer, kalter und lebhafter NW.-Winde im Winter. Von dem Klima des benachbarten Festlands unterscheidet es sich aber vorteilhaft durch wärmere Winter, die in erster Linie dem mildernden Einfluß der Meeresumgebung verdankt werden. Die Niederschläge sind nicht in dem Maße wie in Nordchina auf wenige Sommermonate zusammengedrängt, sondern mehr über das ganze Jahr verteilt und anderthalb bis dreimal so reichlich wie in Deutschland. Hauptregenzeiten sind Mitte Juni bis Mitte Juli sowie September und Oktober. Die dazwischen liegenden anderthalb Monate sind trockner und heiß (Mitteltemperatur des August im Süden und in der Mitte von Alt-Japan 25,5-27°, die Maxima erreichen etwa 37°). Die tiefsten im Winter vorkommenden Kältegrade sind durchaus mäßig (in Nagasaki-5°, in Kyoto -12°), aber für die Japaner in ihren unheizbaren Holzhäuschen immerhin empfindlich. Januar und Februar sind in Hondo etwa so warm, wie in Süddeutschland der März, in Kyūshū noch wärmer. Der Winter ist also bedeutend kühler als in den in gleicher Breite liegenden Mittelmeergebieten und bringt dem südl. Kyūshū (auf gleicher Breite mit dem Nildelta) gelegentlich noch Frostnächte und Schnee, den Gebirgen überall und im N. auch dem Flachlande große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. Die Temperaturverhältnisse der Hauptbesuchsmonate April und Mai entsprechen etwa denen des Mai und Juni in Mittel-u. Süddeutschland. Der September ist erheblich wärmer, der Oktober nur wenig kühler als unser Juli.
Das Pflanzenkleid Japans ist infolge der milden Winter und feuchtheißen Sommer üppiger als sonst irgendwo unter gleicher Breite. Die Vegetation der niedrigeren Teile von Kyūshū, Shikoku und der Südhälfte Hondos trägt subtropischen Charakter, gegen die Südspitze hin mit Anklängen an die Tropen. Immergrüne Sträucher (Kamelien, Teestrauch, Rhododendren, Buchsbaum etc.) und Bäume walten hier vor, daneben spielen Nadelbäume —Kiefern und die schönen Kryptomerien sowie der merkwürdige Gingkobaum —eine wichtige Rolle, außerdem der Lackbaum und im Süden der Bambus. Zwergpalmen kommen auf der Westküste von Hondo nordwärts bis Tōkyō fort, eigentliche Palmen nur im Süden am Kyūshū. Das Waldkleid ist zwar in der untern, subtropischen Zone bis auf schöne Tempelwälder großenteils beseitigt, aber in den Gebirgen noch überall erhalten.
Die Bevölkerung betrug im eigentlichen Japan, ausschl. Formosa 1910: 50751919 Ew. Die Japaner sind, wenn man von den Ainu, den Ureinwohnern der Insel Yezo (vgl. S. [343]), absieht, heute ein einheitliches Volk nach Sprache, Sitte und Lebensweise, ursprünglich aber wohl ein Mischvolk, da sich außer der mongolischen Grundmasse auch mancherlei malaiische Einflüsse nachweisen lassen. Sie sind von kleinem, kräftigem Wuchs. Wie in Korea kann man einen feinern, vornehmen und einen gröbern, gewöhnlichen Typus deutlich unterscheiden. In der Entwickelung des Volkes spielte die Trennung nach Ständen eine wichtige Rolle. Diesen Ständen nach gab es 1903: 5055 Kwazoku (Edle), 2167389 Shizoku (alte Kriegerkaste, Samurai) und 44560397 Heimin (spr. hēmin, gewöhnliches Volk). Die Kwazoku (»Blume der Familien«) sind entstanden aus der Vereinigung des frühern Hofadels (Kuge) mit dem Feudaladel (Daimyō).


Nach der Beseitigung des Feudalwesens wurden 1884 fünf Adelsrangstufen geschaffen; danach gab es im Jahre 1908: 15 oder Fürsten, 36 oder Marquis, 100 Haku oder Grafen, 374 Shi oder Vicomtes und 379 Dan oder Barone, im ganzen 904 (man sagt Kōshaku, Hakushaku etc.) Adelsfamilien. Die Shizoku (moderner Name für Samurai) waren bis zum Anfang der Meijizeit die Beamten und erblichen Krieger der Feudalherren, zu deren Vorrechten das Schwertertragen und das Bauchaufschlitzen (Harakiri oder Seppuku) als freiwilliger Selbstmord nach Ehrverletzung und als reinigende Selbstbestrafung nach verübtem Verbrechen gehörten; heute stellen sie zum Teil die Offiziere und höhern Staatsbeamten. Das gewöhnliche Volk, für das erst seit 1868 der Name Heimin im Gegensatz zu den Shizoku üblich ist, war in der Tokugawaperiode (1600-1868) in drei Klassen geteilt, dem Range nach von oben nach unten: Hyakushō (Bauern), Shokunin (Handwerker) und Akindo (Kaufleute). Unter dem Volk stand noch eine verachtete Pariaklasse, die Eta (Abdecker, Gerber, Lederarbeiter, Totengräber).—Die Japaner besitzen hervorragende geistige Eigenschaften. Zu rühmen sind der Reinlichkeitssinn (Waschen und heißes Baden ist sehr beliebt) und natürliche Anstand, das im allgemeinen höfliche Benehmen, das heitere Familienleben, die Ehrerbietung der Kinder gegen Eltern, die Freude an den Schönheiten der Natur, das hohe Bildungsstreben und die bewunderungswürdige Vaterlandsliebe. —Das japanische Haus macht mit seiner leichten, luftigen Bauart, den Eindruck, als ob es einem wärmeren Klima entstamme, denn es hat nur dünne Holzwände, keine richtige Heizung (nur Kohlenbecken) und anstatt fester Zimmerwände verschiebbare Mattenwände. Der Hausbau ist somit besser an die häufigen Erdbeben als an die klimatischen Bedingungen angepaßt. Der Hausrat beschränkt sich auf Schränke und wenige Gebrauchs-und Schmuckgegenstände (Matten; Vasen, Hängebilder). Große Brände sind in den Städten häufig.—Der Japaner lebt mäßig. Nahrungsmittel sind vornehmlich in Wasser gekochter Reis, Hirse (im Gebirge), Hülsenfrüchte, Knollengewächse und Pilze, ferner Fische, Krusten-und Weichtiere; Brot, Milch, Butter und Käse waren unbekannt, Fleischspeisen wenig in Gebrauch. Zur Würze dienen Sojabohnen und Curry, gesalzene Rettiche (Daikon), Früchte der Eierpflanze (Nazu), Gurken u. a., als Genußmittel grüner Tee ohne Zutat, Reisschnaps (Sake) und Tabak, den beide Geschlechter gern rauchen.—Die Kleidung der Landbevölkerung, aus Baumwollenstoff und mit Indigo gefärbt, besteht oft nur aus einem Kittel und engen Hosen; bei Regenwetter trägt der Bauer einen eigentümlich aussehenden Mantel aus Stroh. Bei den Wohlhabenden spielen hellfarbige, schön gemusterte Baumwollen-und Seidenstoffe die Hauptrolle. Ein schlafrockähnliches Oberkleid, der Kimono, wird von Männern und Frauen getragen, er ist das eigentliche Nationalgewand und nur im Schnitt der Ärmel und im Gürtel bei beiden Geschlechtern verschieden. Zur bessern Kleidung gehört eine weite Hose (Hakama) und ein halblanger paletotartiger Überwurf (haori); Schüler und Schülerinnen tragen gleichfalls Hakama. Die Füße sind entweder nackt, oder bei besserer Bekleidung in ganz kurze, nur bis zu den Knöcheln reichende weiße oder dunkelviolette Strümpfe (Tabi) gehüllt; als Schuhwerk dienen Holzschuhe (Geta) und Strohsandalen (zōri und waraji), deren Riemen vorn zwischen der großen und der zweiten Zehe festgehalten werden, weshalb bei den Tabi auch die große von den übrigen Zehen getrennt ist. Die vornehmere männliche Bevölkerung, besonders die Beamten, tragen mehr und mehr europäische Tracht. Ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand der Frauen ist der Fächer.
Religion. Die Japaner haben sich schon früh vom Natur-zum Ahnenkult erhoben, der in der göttlichen Verehrung der Kami oder Geister berühmter Fürsten, Helden, Gelehrter neben zahlreichen untergeordneten Göttern besteht. Im Gegensatz zu dem vom Ausland eingeführten Buddhismus (Butsu-dō) hat man der ursprünglichen Nationalreligion den Namen Shintō (»Weg der Götter«, shin = kami) gegeben.


Eine bestimmte Glaubens-und Sittenlehre fehlt dem Shintō ursprünglich; seine Sittenlehre ist vermischt mit der Moralphilosophie des Kungfutsze und andrer chinesischer Weisen. Die Shintōtempel oder »Schreine« (Miya, Yashiro, Jinja) reinen Stils, einfach und schmucklos, aus naturfarbenem oder rotgestrichenem Holz erbaut, bestehen aus zwei Teilen, dem Honden (Shinden) oder Sanktuarium mit dem Sinnbild der Gottheit, und dem Haiden (»Gebetshalle«). Auf dem Altartisch und anderswo stehen Gohei, Stöckchen mit zickzackförmigen weißen Papierstreifen, eigentlich symbolischer Ersatz für Opfergaben; vor den Schreinen galgenförmige Portale, Torii. Der in vielen Miya sichtbare Metallspiegel ist dem Buddhismus (Shingonsekte) entlehnt. Den Göttern werden Speise-und Trankopfer dargebracht; die Tempelfeste (Matsuri) sind vielfach große Volksfeste. Wer sich durch Tapferkeit, Gelehrsamkeit oder Wohltätigkeit auszeichnet, kann nach seinem Tod unter die Götter versetzt werden. Die Shintōpriester haben nur im Amt besondere Tracht, es gibt für sie kein Zölibat und keine Klöster; ihre Würde ist erblich. 1903 zählte man 196400 Shintōtempel und etwa 100000 Shintōpriester bei zwölf verschiedenen Sekten. Mächtigen Einfluß auf den Kamidienst hat der Buddhismus ausgeübt, der in der Mitte des 6. Jahrh. n. Chr. nach Japan gelangte, sich schnell verbreitete u. im 13. Jahrh. zur höchsten Macht entfaltete. 1903 gab es in Japan zwölf buddhistische Sekten mit 72000 Tempeln und gegen 200000 Bonzen. Hauptsitz der buddhistischen Hierarchie ist Kyōto (S. [369]). Zwischen Shintōismus und Buddhismus bestand früher keine scharfe Scheidung, da der Shintō, wenige Kultstätten wie Yamada in Ise und Kizuki in Izumo ausgenommen, sich mit dem Buddhismus amalgamiert hatte (Ryōbu-Shintō). Erst seit der Meijizeit (S. [344]) ist wieder eine reinliche Trennung vorgenommen und der Shintō zur Staatsreligion erklärt worden. Doch herrscht trotzdem kein Gewissenszwang. Der Kaiser ist als theoretischer Nachkomme der höchsten Shintōgottheit, der Sonnengöttin Ama-terasu, der shintōistische Oberpriester des Landes und fungiert als solcher bei gewissen Staatsfesten, die in der Heiligen Halle (Kashiko-dokoro) des Palastes stattfinden. —Eine prägnante Darstellung des Wesens des Shintō von Florenz und des japanischen Buddhismus von Haas in »Kultur der Gegenwart«, Abteilung Orientalische Religionen (Leipzig, Teubner, 1906).—Das Christentum wurde bereits 1549 durch den Jesuiten Franz Xavier nach Japan gebracht und verbreitete sich schnell, wurde aber, nachdem auch hier wie in China die Dominikaner und Franziskaner Unfrieden gestiftet hatten, bis 1638 wieder ausgerottet und bei Todesstrafe verboten. Jetzt werden der christlichen Mission keine Hindernisse bereitet, aber die Bekehrten gehören meist dem niedern Volk an, und man darf sagen, daß dem Christentum in Japan kaum eine Zukunft blüht.
Japanische Kunst. Am wenigsten entwickelt ist die Architektur. Die buddhistischen Tempel gehen auf chinesische Vorbilder zurück; die Shintō-Schreine reinen Stils, wie die von Ise, Kizuki etc. lehnen sieh dagegen an die Struktur des primitiven japanischen Hauses an. Die Wohnhäuser sind meist aus Holz, Geflechten aus Bambusrohr und Fachwerk, mit Papierfenstern und Schiebetüren, bisweilen auf gemauertem Unterbau. Auch die Plastik hat sich, abgesehen von den Bildern buddhistischer Gottheiten, auf die Kleinkunst in Bronze, Ton, Elfenbein, Holz etc. beschränkt.—Ihre höchste Blüte hat die japanische Kunst in der Malerei erreicht, sowohl selbständig als für dekorative Zwecke (Porzellan, Fayence, Lackarbeiten), deren Anfänge vor mehr als 1000 Jahren aus China hierher gelangt sind. Die Raum-und Luftperspektive sind dem japanischen Maler fast unbekannt. Ferner fehlt das Verständnis für das Helldunkel. Das natürliche Spiel der Lichter und Schatten gibt der Japaner nicht wieder, er kennt keine Glanzlichter und Reflexe, sondern sucht durch konventionelle Schatten und Hilfsmittel den Gegenständen die Wirkung des Plastischen zu geben. Da er in einem schwarzen Gegenstand, einem Gewand, einem Vogel, nicht durch Abtönung des Schattens und Lichtes zu modellieren weiß, wird den Faltenlinien ein weißer Grund gegeben, oder es werden die Innern Umrisse weiß ausgespart.


Der japanische Maler malt nur auf Seide und Papier, und zwar mit Tusche oder Wasserfarben, die mit Leim versetzt sind. Nach der Form teilt man die Bilder in Kakemono (hängende Dinge), in Makimono (gerollte Dinge) und in Oribon (Klappbücher). Auch die faltbaren Wandschirme (Byōbu) haben in der Malerei eine Rolle gespielt. Das Kakemono ist ein schmaler und hoher Papier-oder Seidenstreifen, der auf zähes Papier geklebt und oft mit farbigen Brokatstoffen umrahmt ist. Die Makimono sind niedrige Streifen von beliebiger Länge, die aufgerollt bewahrt werden.—Die Malerei steht im innigsten Zusammenhange mit dem Kunstgewerbe, das von ihr befruchtet wird und ebenfalls aus China gekommen, aber durch die höhere Intelligenz des japanischen Volkes künstlerisch verfeinert worden ist. Vornehmlich werden die Lackmalerei, die in Japan ihre überhaupt höchste Ausbildung erfahren hat, die Keramik, das Email, die Bronzeindustrie, die Waffenschmiedekunst, die Schnitzerei in Holz, Elfenbein, Knochen und Stein, die Weberei und Färberei gepflegt. Von den Porzellanen sind die aus der Provinz Kaga, aus der Provinz Hizen, nach dem Ausfuhrhafen »Imari-Ware« genannt, das Seladonporzellan aus Sanda und die Setoware, von den Fayencen das durch seine durchsichtige Glasur ausgezeichnete Steingut aus Satsuma beliebt. Ihren reich entwickelten Farbensinn haben die Japaner in der Dekoration von Gefäßen etc. aus Porzellan, Steingut und Kupfer mit Schmelzfarben (Zellenschmelz, Email cloisonné), in der Färbung von Kupferlegierungen durch Beizen und im Tauschieren von Bronzen und Eisenarbeiten mit Silber, Gold und farbigen Legierungen bewährt. Eine Spezialität der Metallindustrie sind die oft reich geschmückten Schwertzieraten (Tsuba = Stichblätter etc.), die eifrig gesammelt werden. (Vgl. Brinckmann, Kunst und Handwerk in Japan, Berlin 1889; Münsterberg, Japanische Kunstgeschichte, 3 Bände, 1907; Cohn, Stilanalysen, 1908; Seidlitz, Geschichte des japanischen Farbenholzschnitts, 1897; Kurth, Utamaro, 1907, Harunobu 1910, Sharaku 1910; Brockhaus, Netsuke, 1910.)

Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse führt man am besten in Kyōto und Tōkyō aus.
Sprache. Die japanische Schrift-und Umgangssprache ist aus einem heimischen Idiom, der Yamato-Kotoba, durch Beimischung vieler chinesischer Lehnwörter (in verdorbener Aussprache) hervorgegangen, ähnlich wie das moderne Englisch aus dem Angelsächsischen unter Beimischung normannisch-französischer Bestandteile entstanden ist. Die Japaner bedienen sich zum Schreiben der chinesischen Wortzeichen (ji, kanji), haben diese aber durch eine eigene Silbenschrift (Kana, zwei Systeme, aus chinesischen Zeichen abgeleitet) ergänzt. Die in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgetretenen Bestrebungen zugunsten der Einführung der europäischen (lateinischen) Schrift haben bislang wenig Erfolg aufzuweisen.— Auch wer nur wenige Wochen in Japan zubringt, sollte sich die Mühe geben, einige Redensarten zu lernen, um außerhalb der großen Städte sich verständlich zu machen. Für längern Aufenthalt sind einige, übrigens leicht zu erwerbende Sprachkenntnisse unbedingt nötig. Zu empfehlen hierfür sind Plauts Japanische Konversations-Grammatik (Heidelberg 1904), Der kleine Toussaint-Langenscheidt, Japanisch (Berlin 1910) sowie die englischen Kelly und Walsh's Handbooks im Taschenformat. Grammatiken gibt es von J. Hoffmann (1877, veraltet); B. H. Chamberlain, A Handbook of Colloquial Japanese, 1908; Lange (2. Aufl., Berl. 1906); Wörterbücher von Hepburn (1886), Brinckley (1896), Jukichi Inouye (1909) und viele andre kleine, auch japanisch-deutsche Wörterbücher, meist wenig befriedigend.
Wirtschaftsleben. Die Grundlage der japanischen Volkswirtschaft bildet der Ackerbau, und zwar im Klein-und Zwergbetrieb. 41 Proz. der Bodenfläche dienen ihm. Hauptfrucht ist der Reis, dessen Kultur durch die reichlichen Frühsommerregen und die darauffolgende Hitze sehr begünstigt wird. Außerdem baut man Getreide und Bohnen, Obst und Südfrüchte, allerlei Industriepflanzen (Baumwolle, Papiermaulbeerbaum, Indigo etc.).


Wichtig ist die Kultur des Teestrauches und des Maulbeerbaumes zur Zucht der Seidenraupe.—Die Viehzucht nimmt zwar neuerdings rasch zu, ist aber noch gering, und man bekommt nur wenig frische Milch und Fleisch zu kaufen.—Die Waldbestände Japans sind noch sehr groß und reich an Steineichen, Tschujabäumen, Kampferbäumen und Kryptomerien. Ein neues Forstgesetz steuert dem frühern Raubbau.—Der Bergbau fördert vor allem Kupfer, außerdem Gold, Silber, Eisen, Schwefel, Steinkohlen u. a. Auch Petroleum wird gewonnen.—Die Fischerei, besonders die Seefischerei, ist wichtig für die Volksernährung.—Die Jagd spielt keine Rolle.—Die Industrie blühte, solange Japan nach außen abgeschlossen war, hauptsächlich als Kunsthandwerk. Massenproduktion und Großindustrie haben sich aber seit der Öffnung des Landes dank der Gelehrigkeit der Japaner und dem unüberlegten Entgegenkommen der Weißen rasch entwickelt, und Japan strebt in vielen Industeriezweigen jetzt schon nach Selbständigkeit. Die Herstellung von Seiden-und Baumwollenstoffen, Porzellan, Lackwaren, Stahl-und Kupferarbeiten steht in hoher Blüte. Die Hauptfabrikstädte sind Tōkyō, Kyōto, Hyōgo, Nagasaki, Kanazawa, Nagoya und Ōsaka.— Handel. Dem fremden Verkehr geöffnete Vertragshäfen sind Yokohama, Nagasaki, Hakodate, Niigata, Hyōgo (Kobe) und Osaka, wo fremde Konsulate bestehen. Haupteinfuhrartikel: Baumwolle, Ölkuchen, Reis, Zucker, Petroleum, Wollengewebe, Eisenwaren, Maschinen etc., in Summa 1909: 394,2 Mill. Yen; Hauptausfuhrartikel: Rohseide und Seidenwaren, Baumwollengarn, Baumwollwaren, Kohlen, Kupfer, Tee etc., in Summa 1909: 413,1 Mill. Yen. Der Haupthandelsverkehr geht nach Großbritannien, Britisch-Indien, den Vereinigten Staaten, China, Deutschland etc.
Münzwesen. In Japan besteht seit 1897 Goldwährung, doch bekommt man Goldmünzen selten zu sehen; 1 Yen (Gold) hat 100 sen; 1 sen hat 10 rin. 1 Yen nach Berliner Kurswert ungefähr 2,09 M. Im Verkehr sind an Goldmünzen: 20, 10 u. 5 Yen; Silbermünzen: 50, 20, 10 sen; Nickelmünzen: 5 sen; Kupfermünzen: 2, 1, 1/2 sen. Papiergeld (viel im Umlauf) 1, 5, 10, 100 Yen und größere Scheine. Falsches Geld ist selten. Bei Reisen über Land fern von großen Städten nehme man hauptsächlich Papiergeld mit, aber nicht größere Scheine als 10 Yen, weil das Wechseln in kleinern Städten oft sehr schwierig ist. Fremde Banknoten kann man nur bei Bankgeschäften und Geldwechslern in Nagasaki, Kōbe und Yokohama wechseln.
Staatsverfassung. Japan ist seit 11. Febr. 1889 eine konstitutionelle erbliche Monarchie, deren Haupt »Tennō« (veralteter Name Mikado) in Tōkyō residiert. Der Kaiser hat die Entscheidung über Organisation des Heeres, der Flotte und der Zivilverwaltung und übt mit den zehn Ministern und einem Geheimen Rat (Sūmitsu-in) die vollstreckende Gewalt aus. Der Landtag (Kokkai) besteht aus einem Herrenhaus (Kizoku-in) und einem Abgeordnetenhaus (Shūgi-in). Das Herrenhaus (364 Mitglieder) bestand im Dezember 1910 aus 200 Mitgliedern des Adels (von ihren Standesgenossen gewählt), nämlich 14 Prinzen von Geblüt, 13 Fürsten, 30 Marquis, 17 Grafen, 70 Vicomtes, 56 Baronen, ferner 121 vom Kaiser Ernannten und 43 Vertretern der höchsten Steuerzahler. Das Abgeordnetenhaus zählt 379 Mitglieder, die bezirksweise von allen männlichen Untertanen, die wenigstens 10 Yen Steuern zahlen, öffentlich zu wählen sind. Nicht wählbar sind Offiziere, Priester und die meisten Beamten. Die Landtagsmitglieder erhalten Diäten (2000 Yen pro Jahr).—In der Verwaltung bestehen Tōkyō, Osaka und Kyōto als Großstadtbezirke (Fu), außerdem 43 Landbezirke (Ken) unter Gouverneuren (Hokkaidō und Ōkinawa nicht eingeschlossen); diese Bezirke zerfielen Ende 1908 in 538 Gun oder Kōri (Kreise) mit 61 Städten, 1140 Landstädtchen (Flecken) und 10751 Dörfern. Die Namen der frühern Provinzen sind jedoch noch vielfach in Gebrauch.— Die Rechtspflege (früher willkürlich und grausam) ist jetzt nach europäischen Rechtsgrundsätzen umgestaltet. Die Richter werden vom Kaiser oder vom Justizminister ernannt und sind unabsetzbar.


Heer und Flotte. Der Kriegsdienst war früher ein Vorrecht der Samurai, seit 1889 besteht allgemeine Wehrpflicht nach deutschem Muster; das Oberkommando führt der Kaiser, Bewaffnung nach europäischem Muster. Stärke der japanischen Armee 1911: 9820 Offiziere im Frieden, wozu im Krieg 12200 Reserve-und Landwehroffiziere treten; 255000 Mannschaften im Frieden, 740000 im Krieg außer Reserveformationen; 24000 Pferde (Kriegsstärke nicht bekannt); 990 Feldgeschütze im Frieden, Kriegsstärke etwa 1400.—Die vorzügliche Flotte verfügte 1911 über 13 Linienschiffe, 13 Panzerkreuzer, 2 Küstenpanzerschiffe, 12 geschützte Kreuzer, 4 Avisos, 58 Torpedobootszerstörer, 69 Torpedoboote, 12 Unterseeboote; im Bau waren noch 3 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer. Personal der Flotte 48000 Mann. Heer und Flotte haben ihre offensive Kraft im Kriege gegen Rußland bewährt.
Geschichte. Von den ältesten Bewohnern Japans haben sich nur geringe Spuren in Form von Wohngruben erhalten. Jünger sind schon die Ainu, Verwandte der weißen Rasse, die mindestens ganz Hokkaido bewohnten, bis sie durch Einwanderer mongolischer Rasse, die von Korea herüberkamen, zurückgedrängt wurden. Die politische Einigung erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durch Jimmu Tennō, den Stammvater des heute noch regierenden Herrscherhauses. Der Tennō wurde unumschränkter Herrscher, die Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet; Hauptstadt war 719-784 Nara, 794-1868 Kyōto. Der Mikado, mit dem chinesischen Titel »Tenshi« (Himmelssohn) und »Tennō« (himmlischer Herrscher), überließ aber allmählich die Regierungsgeschäfte ganz seinen Beamten und zog sich von der Öffentlichkeit zurück, so daß die Macht der Statthalter wuchs, die vielfach untereinander kämpften; seit dem 12. Jahrh. verwüsteten Bürgerkriege fünf Jahrhunderte das Land, der Kaiser wurde Spielball der Parteien. Gegen Ende des 12. Jahrh. vereinigte Yoritomo aus der Minamotofamilie die gesamte Zivil-und Militärgewalt in seiner Hand (Sitz in Kamakura), ließ sich vom machtlosen Mikado 1186 zum Polizeiminister, 1192 zum Sei-i-tai Shōgun (der die Barbaren besiegende große Feldherr) machen; diese Würde des Shōgunats blieb erblich. Aber nach Yoritomos Tod wiederholte sich am Hofe des Shōguns wie vorher am Hofe des Mikado die Erscheinung des Hausmeiertums, die Shikken (die ersten Beamten der Shōgune) rissen die Macht an sich. Erst im 14. Jahrh. gelang es Ashikaga Takauji, das mächtige Shōgunat der Ashikaga zu begründen, das von 1335-1573 dauerte; der Mikado war nur Schattenkaiser. Gegen Ende des 15. Jahrh. bildete sich unter den Territorialfürsten, den Daimyō, ein starker Kriegsadel (Buke), der die Ursache vieler Bürgerkriege wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. gelang es Ōta Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi, die Ruhe im Lande herzustellen, die Macht des letzten Ashikaga-Shōgun und den Übermut der buddhistischen Bonzen zu brechen. Spätere Fehden zwischen den Daimyō endeten mit der Schlacht bei Sekigahara 1600; der Sieger, Tokugawa Ieyasu, begründete das Shōgunat der Tokugawa, das bis 1868 bestand. Fortan lag der Schwerpunkt der japanischen Politik in Yedo (jetzt Tōkyō), wo die Tokugawa-Shōgune regierten. Unter der Herrschaft der Tokugawa entwickelte sich die japanische Kultur in langem Frieden zu hoher Blüte, die Stände nahmen die S. [339] gegebenen Formen an. Aber das Drängen der fremden Mächte auf Öffnung des Handels mit dem bisher gänzlich abgeschlossenen Japan wurde für die Shōgune verhängnisvoll; nach Abschluß der Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten (1854-61) verlangten die Gegner des unfähigen Shōguns Iesada die Vertreibung der fremden Barbaren und versicherten sich dabei der Zustimmung des Mikado. Gewaltakte der Daimyō von Satsuma und von Chōshū wurden 1864 durch die Beschießung von Kagoshima durch eine englische Flotte und von Shimonoseki durch eine englisch-französisch-holländisch-amerikanische Flotte gerächt, wobei die Daimyō ihre Machtlosigkeit gegen die fremden Barbaren erkannten, aber nun erst recht alle Mittel anwandten, um die alte Mikadoherrschaft wiederherzustellen.


Am 9. Nov. 1867 gab der letzte Shōgun freiwillig seine Gewalt dem damals kaum 15jährigen Mikado Mutsuhito zurück. Nun richtete der Mikado am 6. Nov. 1868 eine moderne Regierung, die Periode der Erleuchteten Regierung (Meiji) ein, nach der seitdem die Jahre amtlich gezählt werden, also 1912 = 45. Jahr Meiji; am 26. Nov. 1868 verlegte der Mikado seine Residenz von Kyōto nach Yedo, das seitdem Tōkyō (Hauptstadt des Ostens) heißt. Aus dem bisherigen mittelalterlichen Feudalstaat ging ein neuzeitlicher Beamtenstaat mit monarchischer Spitze hervor. Die alte Ständeordnung wurde aufgehoben, der Adel reformiert, Eisenbahnen, Telegraphen, Dampferlinien wurden begründet, Heer und Flotte europäisch bewaffnet und geschult, Schulzwang eingeführt, Universität und wissenschaftliche Institute wurden begründet. Unzufrieden waren nur die 400000 Samuraifamilien, die die Aufhebung ihrer Privilegien, besonders des Schwertertragens, als persönliche Schmach empfanden, und die, ebenso wie die großen Daimyō, mit 10 Proz. ihrer frühern Einkünfte abgefunden wurden. So entstanden mehrere Aufstände, deren gefährlichster, der Satsuma-Aufstand 1877, unter dem tapfern Saigō Takamori, erst nach 8 Monaten unterdrückt werden konnte und die Staatsfinanzen gänzlich erschöpfte. Um den Samurai Mitwirkung bei der Regierung zu gewähren, wurde 1889 das japanische Parlament eingerichtet und 1890 zuerst eröffnet. Noch bessere Gelegenheit, die Unzufriedenheit der patriotischen Samurai zu beheben, boten die siegreichen Kriege gegen China 1894 und 1900 sowie besonders gegen Rußland 1904, die für Japan großen Gebietszuwachs (Formosa, Korea, Sachalin, Kwangtunghalbinsel mit Port Arthur und Dalni) brachten. Seit dem Abschluß des Bündnisses mit England (am 30. Jan. 1902) rechnet Japan zu den Großmächten; durch den Sieg über Rußland ist Japans politische Bedeutung als ostasiatische Vormacht zur vollsten Geltung gelangt.
Die Literatur enthält Arbeiten über Reichsgeschichte, große Enzyklopädien, Länderbeschreibungen etc. und erzeugt geschichtliche, moralische, geographische Werke, Gedichte, Romane und Novellen, Schauspiele etc. in Menge, zum Teil illustriert. Vgl. K. Florenz, Geschichte der japanischen Literatur (Leipzig, 2 Bände, 2. Aufl. 1910); Aston, Japanese Literature, London 1899; B. H. Chamberlain, Japanese Poetry, London 1910; K. Florenz, Dichtergrüße aus dem Osten; Weißaster, ein Epos; Japanische Dramen (sämtlich Leipzig, Amelangs Verlag, illustriert und in Japan hergestellt).— Zeitungen: Die erste Tageszeitung erschien 1872; 1900 betrug die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften 944. Es besteht nominell Preßfreiheit, doch sind die Gesetze sehr streng und gestatten leicht die Unterdrückung einer Zeitschrift.


Reisepläne für Japan. Auf 14 Tage. 1. Tag: Kōbe; 2. Tag: Nara; 3. u. 4. Tag: Kyōto; 5. Tag: Bahnfahrt über Nágoya nach Miyanóshita; 6. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 7. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 8. Tag: Bahnfahrt über Tōkyō nach Nikkō; 9. Tag: Nikkō; 10. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 11. u. 12. Tag: Tōkyō; 13. u. 14. Tag: Yokohama. Bei sehr knapper Zeit mag man auf Osaka und Kōbe verzichten und für Yokohama nur 1 Tag ansetzen. Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse besorge man in Kyōto und Tōkyō.
Auf 3 Wochen. 1. Tag: Nagasaki; 2. Tag: Bahnfahrt u. Fähre nach Shimonoseki; 3. Tag: Bahnfahrt nach Kōbe mit Unterbrechung in Miyajima (oder 2. u. 3. Tag Dampferfahrt durch die Binnenlandsee nach Kōbe); 4. Tag: Hyōgo u. Kōbe; 5. Tag: Ōsaka; 6. Tag: Nara; 7. u. 8. Tag: Kyōto; 9. Tag: Biwasee und Stromschnellen; 10. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 11. u. 12. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 13. Tag: Bahnfahrt über Enóshima u. Kamákura nach Yokohama; 14. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 15. u. 16. Tag: Nikkō; 17. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 18. u. 19. Tag: Tōkyō; 20. u. 21. Tag: Yokohama.


Auf 4 Wochen: 1. u. 2. Tag: Nagasaki; 3. u. 4. Tag: Fahrt nach Kōbe (s. vorher), 1/2 Tag in Miyajima; 5. u. 6. Tag: Hyōgo und Kōbe; 7. Tag: Ōsaka; 8. Tag: Nara; 9. u. 10. Tag: Kyōto; 11. Tag: Biwasee u. Stromschnellen; 12. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 13. u. 14. Tag: Miyanóshita u. Hakonesee; 15. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 16. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 17. u. 18. Tag: Nikkō; 19. Tag: Chuzenjisee; 20. Tag: Bahnfahrt nach Maebashi und Pferdebahn nach Ikao; 21. Tag: Ikao; 22. Tag: zu Fuß nach Harunasee und Haruna; 23. Tag: zu Fuß nach Myōgi und Bahnfahrt nach Tōkyō; 24., 25. u. 26. Tag: Tōkyō; 27. u. 28. Tag: Yokohama.
Auf 5 Wochen: wie vorher, nach dem 14. Tage schalte man eine Besteigung des Fuji mit Fußwanderungen in dessen Umgebung ein, wozu 7 Tage bequem ausreichen.
Reisezeit. Um Japan mit Ruhe kennen zu lernen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mehreren Monaten. Beste Reisezeit für Japan ist der Frühling, die Zeit der Kirschblüte, oder der Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, die Zeit der Chrysanthemumblüte. Sommer und Spätsommer sind regnerisch, ersterer auch heiß. Des Seeklimas wegen muß man auch im Spätfrühling zwischen wunderbar schönen Tagen noch mit stürmischem und regnerischem Wetter rechnen. Ins Hochgebirge gehe man nicht vor Mai. Februar und März sind am wenigsten zu empfehlen.
Führer. Wer nur wenige Wochen für Japan Zeit hat, sollte sich, um möglichst viel zu sehen, für die ganze Zeit einen Führer nehmen; Vermittelung von Führern (auch Deutsch sprechenden) durch die Hotels oder die Welcome Society of Japan (s. unten). Man bestellt den Führer an den ersten Ort, an dem man Japan betritt.— Führer tägl. etwa 4 Yen (außer der Fahrt). Gasthofspreise 8-10 Yen tägl.; Vorausbestellung von Zimmern in der Reisezeit ratsam.
Welcome Society of Japan (Kihin kai), eine vornehme Gesellschaft zur Unterstützung des Fremdenverkehrs, begründet 1893, mit der Präsidialstelle in Tōkyō (Adresse Tōkyō-Handelskammer, Nr. 1, Itchome, Yuraka-cho, Kojimachi-ku) und Zweigstellen in Yokohama und Kōbe (Präsident Marquis Hachisuka, Vizepräsident Baron E. Shibusawa) nimmt fremde Reisende gegen 3 Yen Gebühr als Mitglieder auf und gibt mit der Mitgliedskarte eine Karte, das vorzügliche Reisebuch »Guidebook of Japan« (5. Aufl. 1910) und andre Veröffentlichungen in englischer Sprache aus. Die Mitgliedschaft erwirkt Zutritt zu manchen Sehenswürdigkeiten, Behörden und Unterrichtsanstalten in Tōkyō, Kyōto etc., die Nichtmitgliedern unzugänglich sind. Für längern Aufenthalt empfiehlt es sich sehr, der Gesellschaft beizutreten. Die Gesellschaft verschafft auch zuverlässige Führer, Dolmetscher und gut erzogene japanische Gesellschafterinnen für reisende Damen.
Gasthöfe. In allen größern Städten gibt es europäisch eingerichtete Hotels (Pensionspreis tägl. 4-10 Yen und mehr). In kleinern Landstädten findet man halb europäische oder sehr gute japanische Gasthöfe, meist sehr sauber, oft mit etwas europäischer Kost. Im japanischen Gasthof zahlt man 1-3 Yen für Abendbrot, Schlafraum und Frühstück; es ist üblich, kurz nach Ankunft im japanischen Gasthof 1-2 Yen Trinkgeld (chadai = Teegeld) zu geben, wonach der Gast eingeschätzt wird. Auch in Rasthäusern, einfachen Häuschen oder Hütten an schönen Landschaftspunkten, zahlt man etwas chadai, z. B. für eine Schale Tee 10-20 sen.
Verkehrsmittel. Die japanischen Eisenbahnen sind ordentlich; das Bahnnetz besteht zwar aus Schmalspurbahnen, ist aber weitverzweigt (8000 km Länge, fast alles Staatsbahnen), so daß man alle sehenswerten Orte mit der Bahn oder im Anschluß an die Bahn mit Dampfern erreichen kann. Man kaufe stets den monatl. erscheinenden Tedzuka's Railway and Steamship Guide (30 sen); in den großen Städten geben die Touristenagenturen oder Gasthöfe europäisch gedruckte (aber häufig falsche) Fahrpläne heraus.—Eisenbahnzeit ist die Zeit des 135.° östl. L., mithin 8 St. vor gegen Mitteleuropäische Zeit; sie gilt für ganz Japan.—Fahrkarten der Tōkaidōbahn, der Sanyō- und der Kwansei-Eisenbahn gelten für 50-100 Miles 2 Tage, darüber für je 100 Miles einen Tag länger; Fahrpreis I. Kl. etwa 4 sen für 1 Mile.


Verkehrssteuerzuschlag (Tsūkō-zei) zu den Fahrpreisen I. (II.) Kl. bis 50 Miles 5 (3), bis 100 Miles 20 (10), bis 200 Miles 40 (20), über 200 Miles 50 (25) sen; Schnellzugzuschlag bei den Hauptschnellzügen I. Kl. bis 50 Miles 1 Yen, über 150 Miles 1,50 Yen; II. Kl. 60 sen und 1 Yen. Europäer fahren meist I. Kl.; in II. Kl. hat man oft Gelegenheit, japanische Sitten genauer kennen zu lernen, was aber, wenn die Hitze groß und Kinder im Abteil, nicht immer nach jedermanns Geschmack ist. Abteile für Nichtraucher sind selten vorhanden.— Schlafwagen (mäßig) findet man nur in den Schnellzügen der Sanyōeisenbahn, der Tōkaidōbahn und der Nihonbahn (Tōkyō nach Aomori). Auf der Sanyō-und Tōkaidōbahn kostet im gewöhnlichen Schlafwagen ein Bett für die Nacht 4 Yen außer der I. Klasse-Fahrkarte, im kombinierten I. Klasse- und Schlafwagen auf der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn 3 Yen; auf der Sanyōbahn im kombinierten II.Klasse- und Schlafwagen wird für ein Unterbett 20 sen, für ein Oberbett 40 sen als Zuschlag zur Fahrkarte II. Kl. erhoben. Schlafwagenbillette möglichst 2-3 St. vor Abfahrt bestellen!—Speisewagen führen die Schnellzüge der Sanyō-, Tōkaidō-und Nihonbahn, Speisen à la carte oder Table d'hôte sowie Getränke. Auf der Kwanseibahn sind zwischen Osaka und Nagoya Verkäufer europäischer Gerichte und Getränke im Zuge. Wenn kein Speisewagen im Zuge ist (man erkundige sich), geben die Gasthöfe gute Proviantschachteln mit.—Bahnwirtschaften europäischer Art nur in Kameyama; aber fast auf jedem Bahnhof sind Verkäufer von Lebensmitteln in saubern kleinen Holzschachteln (10 sen und mehr; »bentō« genannt) mit Papierserviette, Eßstäbchen und Holzlöffel; man erhält eingemachte Früchte, gesalzene Fische, Wurzelgemüse, Reis. Flaschenbier (teuer), Tee und Limonade (man hüte sich vor Eiswasser!) sind überall zu haben.—Gepäck bis 100 Pfund in I., 60 in II. ist frei, Überfracht nach Taxe; man achte darauf, daß das Gepäck mit dem richtigen Zettel versehen und der Zettel gut festklebt! Auch auf dem Ankunftsbahnhof kümmere man sich um sein Gepäck! Gepäckträger haben rote Mützen (daher akabōshi genannt).
Neben den Eisenbahnen ist die sehr gut ausgebildete Küstenschiffahrt das Hauptverkehrsmittel. Auf den Landstraßen kommt man mit Hilfe der von Kulis gezogenen Rikschas auf ebenem Gelände überraschend schnell vorwärts.
Feiertage für alle Ämter, Banken, Schulen etc. sind: 1., 3., 5. Jan.: Neujahrsfest (Shiunen Shuku-jitsu); 30. Jan.: Todestag des verstorbenen Kaisers (Kōmei Tennō-sai); 11. Febr.: Thronbesteigung des ersten Kaisers Jimmu Tennō (Kigen-sétsu); 21. März: Frühlingsgleiche (Shunki Kōrei-sai); 3. April: Todestag von Jimmu Tennō (Jimmu Tennō-sai); 23. Sept.: Herbstgleiche (Shūki Kōrei-sai); 17. Okt.: Herbstdankesfest (Kanname-matsuri); 3. Nov.: Kaisers Geburtstag (Tenchō*setsu); 23. Nov.: Herbstfest (Niiname-matsuri). Ortsfeiertage sind später erwähnt.
Reisen in Japan. Reisezeit s. S. [345]. Für den Sommer braucht man leichte Kleidung, für den Winter warme wie in Deutschland; Tropenhelm, Sonnenschirm und Moskitoschleier sind im Sommer zu gebrauchen. Die Gasthäuser im Innern Japans haben selten Heizung. Leichtes Schuhzeug in den Ortschaften, und nur solches, das man schnell und bequem aus-und anziehen kann (also nicht zum Schnüren), weil man bei jedem Besuch eines Hauses oder Tempels die Schuhe ausziehen muß, um die japanischen Sitzmatten nicht schmutzig zu machen. Man würde einen groben Verstoß begehen und sich Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn man diese Sitte nicht beachtet. Die japanischen Strohsandalen sind empfehlenswert auf glattem Gestein; doch muß man die dazu passenden Socken tragen und den Strang mit Baumwolle bewickeln, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird. Wer von Reis, Eiern und Fisch allein nicht leben kann, muß sich ins Innere Lebensmittel mitnehmen; auch Wein ist nicht zu bekommen, doch mäßiges Bier in den meisten Städten. Currypulver und Soya macht die Reisgerichte schmackhafter. Wasser sollte man stets nur abgekocht trinken, besser aber nur Tee.—In der Ebene benutze man Rikschas (jap. Jinrikĭsha oder Kuruma), die Wege sind gut.


Mit Reit-und Packpferden hat man viel Schwierigkeiten. Im Gebirge gehe man zu Fuß und nehme Träger für das Gepäck. Radfahren ist nur auf einzelnen Landstraßen zu empfehlen; für Automobile sind nur wenige Landstraßen mäßig geeignet. Man sorge für wenig Gepäck in kleinen Stücken, mit Ölpapier gegen Regen geschützt für Bergbesteigungen. Man nehme einen zuverlässigen, empfohlenen Führer (s. oben) oder Diener an. Bei Reisen ins Innere nehme man Insektenpulver, Kampfer, Seife, reichlich Lichte und Laterne, Handtücher, Decken, ein Kopfkissen mit. Man beachte, daß warme Bäder den Europäern in Japan besser bekommen als kalte. Heiße Bäder werden viel und fast überall genommen. Man sei auch unterwegs stets mit Visitenkarten versehen; selbst in kleinen Landstädtchen wird man gelegentlich Deutsch sprechende Ärzte, Apotheker und Techniker finden.

Man sei stets höflich und zuvorkommend und nie ungeduldig; Heftigkeit macht keinen Eindruck auf die Japaner. Man verschaffe sich Empfehlungen an Behörden und versäume nie, Besuche auch bei Japanern im Gesellschaftsanzug zu machen. Frackanzug ist unentbehrlich.

In den japanischen Häfen und Befestigungen sowie 12 km im Umkreis außerhalb davon ist das Photographieren streng verboten; dazu gehören Nagasaki, Moji, Shimonoseki, Miyajima, Amanohashidate, Kamakura und Hakodate etc. (Die Karte der Welcome Society, Preis 50 sen, gibt genaue Auskunft.)
Reiseliteratur für Japan: Joseph Lauterer, Japan, das Land der aufgehenden Sonne (Leipzig 1907); Franz Doflein, Ostasienfahrt (Leipzig und Berlin 1906); Basil Hall Chamberlain, Things Japanese (London 1898); Murray, Handbook for Travellers in Japan (London 1907); A Guide-book for Tourists in Japan, herausgegeben von der Welcome Society of Japan (5. Aufl., Tōkyō 1910).