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Walther von der Vogelweide
Gedichte und Sprüche
in Auswahl
Im Insel-Verlag zu Leipzig
FRÜHLINGSSEHNSUCHT
Uns hât der winter [geschadet] über al:
heide unde walt die sint beide nû [val],
dâ manic [stimme] vil suoze inne hal.
sæhe ich die [megde] an der strâze den bal
werfen, sô kæme uns der vogele schal.
Möhte ich verslâfen des winters gezît!
[wache ich] [die wîle], sô [hân] ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît;
weiz got, er [lât] och dem meien den strît:
sô lis' ich bluomen dâ rîfe nû lît.
TRAUMDEUTUNG
Dô der sumer komen was
und die bluomen durch daz gras
wünneclîche ensprungen,
aldâ die vogele sungen,
[dar] kom ich gegangen
an einen anger langen,
dâ ein lûter brunne enspranc:
vor dem walde [was sîn ganc],
dâ diu nahtegale sanc.
Bî dem brunnen stuont ein boum,
dâ gesach ich einen troum.
ich was von der sunnen
gegangen zuo dem brunnen,
daz diu linde [mære]
mir küelen schaten [bære].
bî dem brunnen ich gesaz,
mîner swære ich gar vergaz:
schiere entslief ich [umbe daz].
Dô [bedûhte] mich zehant,
wie mir dienten [alliu lant],
wie mîn sêle wære
ze himel âne swære
und der lîp hie solte
[gebâren] swie er wolte.
dâne was mir niht ze wê:
got der [walde]'s, swie'z ergê,
schœner troum [enwart] nie mê.
Gerne sliefe ich iemer dâ,
wan ein [unsæligiu] krâ,
diu begonde [schrîen].
daz alle krâ [gedîen]
alse ich in des günne!
von ir schrîen ich erschrac:
[wan daz] dâ [niht steines] lac,
sô wær' ez ir [suonetac].
[Wan] ein [wunderaltez] wîp
diu getrôste mir den lîp.
die begonde ich [eiden].
nû hât si mir [bescheiden]
waz der troum bediute.
daz merken wîse liute:
zwêne und einer daz sint drî;
[dannoch] seite s' mir dâ bî,
daz mîn dûme ein vinger sî.
FRÜHLING UND FRAUEN
[Sô] die bluomen ûz dem grase dringent,
[same] sie lachen gegen der [spileden] sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo,
und diu kleinen vogellîn wol singent
in ir besten [wîse] die sie kunnen,
waz wünne mac [sich dâ genôzen] zuo?
ez ist wol halb ein himelrîche.
suln wir sprechen, waz [sich deme gelîche],
sô sage ich, waz mir [dicke baz]
in mînen ougen hât getân und tæte ouch noch, gesæhe ich daz.
Swâ ein edeliu schœne frouwe reine
[wol gekleidet] unde [wol gebunden]
[durch kurzewîle] zuo vil liuten gât,
[hovelîchen hôchgemuot], [niht eine],
umbe sehende ein wênic [under stunden]:
[alsam] der sunne gegen den sternen stât:
der meie bringe uns al sîn wunder,
waz ist dâ sô wünneclîches under
als ir vil minneclîcher lîp?
wir lâzen alle bluomen stân und [kapfen] an daz werde wîp.
Nû wol dan, [welt] ir die wârheit schouwen,
gên wir zuo des meien [hôchgezîte]!
der ist mit aller sîner [krefte] komen.
seht an in und seht an werde frouwen,
[wederez] daz ander [überstrîte],
daz bezzer spil ob ich daz habe genomen.
[ôwê] der mich dâ welen hieze,
deich daz eine durch daz ander lieze,
wie rehte schiere ich danne [küre]!
[hêr Meie], ir müeset merze sîn, ê ich mîne frouwen dâ verlüre.
LIEBESTRAUM
«Nemt, frouwe, disen kranz,»
alsô sprach ich z'einer wol getânen maget:
«sô zieret ir den tanz
mit den schœnen bluomen, als ir s' ûfe traget
hæt' ich vil edele gesteine,
daz mües' ûf iur houbet,
obe ir mir's geloubet:
[sêt] mîne triuwe, daz ich'z meine.
Ir sît sô wol getân,
daz ich [iu] mîn schapel gerne geben wil,
daz beste daz ich [hân].
wîzer unde rôter bluomen weiz ich vil,
die stênt sô verre in jener heide:
dâ sie schône enspringent
und die vogele singent,
dâ [sule wir] sie brechen beide.»
Si nam daz ich ir bôt
einem [kinde] vil gelîch, daz [êre] hât:
ir wangen wurden rôt
same diu rôse, dâ si bî der liljen stât.
do [erschamten sich] ir liehtiu ougen,
daz wart mir ze lône:
wart mir's iht mêr, daz trage ich [tougen].
Mich dûhte daz mir nie
lieber wurde danne mir ze muote was:
die bluomen vielen [ie]
von den boumen [bî uns] nider an daz gras.
seht, dô muost' ich [von] freuden lachen.
do ich sô wünneclîche
was in troume rîche:
dô tagete ez und [muose] ich wachen.
Mir ist von ir geschehen
daz ich disen sumer allen [meiden] muoz
[vast'] [under d'ougen] sehen:
[lîhte] wirt mir eniu, so [ist mir sorgen buoz].
[waz obe] si [gêt an disem tanze]?
frouwe, durch iur güete
rucket ûf die hüete:
ôwê, gesæhe ich s' under kranze!
SCHÖNHEIT UND TUGEND
[Wol mich] der stunde, daz ich sie [erkande],
diu mir den lîp und den [muot] hât [betwungen],
[sît deich] die sinne [sô gar] an sie [wande],
der sie mich hât mit ir güete [verdrungen]!
daz ich [gescheiden] von ir niht enkan,
daz hât ir schœne und ir güete gemachet
und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
Ich hân den muot und die sinne gewendet
an die vil reinen, die lieben, die guoten:
daz müez' uns beiden wol werden volendet
swes ich [getar] an ir hulde [gemuoten].
swaz ich ie freuden zer werlde gewan,
daz hât ir schœne und ir güete gemachet
und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet.
UNTER DER LINDE
«Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei!
schône sanc diu nahtegal.
Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn [friedel] komen [ê].
dâ wart ich enpfangen,
[hêre] frouwe!
daz ich bin sælic iemer mê.
kuste er mich? wol [tûsentstunt]:
tandaradei!
sehet, wie rôt mir ist der munt.
Dô het er gemachet
[alsô] rîche
von bluomen eine [bettestat].
des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe [pfat].
[bî den rôsen] er wol mac,
tandaradei!
merken wâ [mir'z] houbet lac.
Daz er bî mir læge,
wesse ez iemen
(nu enwelle got!), sô schamte ich mich.
wes er mit mir pflæge,
[bevinde] daz [wan] er und ich
unde ein kleinez vogellîn:
tandaradei!
daz mac wol [getriuwe] sîn.»
GEGENSEITIGE LIEBE
Bin ich dir [unmære],
des enweiz ich niht: ich minne dich.
einez ist mir [swære]:
dû sihst bî mir hin und über mich.
daz solt dû [vermîden]:
i'ne mac niht [erlîden]
solhe liebe ân' grôzen schaden.
hilf mir tragen, ich hân ze vil geladen!
Sol daz sîn dîn [huote],
daz dîn ouge an mich sô selten siht?
tuost dû mir'z [ze guote],
sône [wîze] ich dir dar umbe niht:
sô mît mir daz houbet
(daz sî dir erloubet)
und sich nider an mînen fuoz,
[sô dû baz enmügest]: daz sî dîn gruoz.
[Swanne] [ich s'] alle schouwe,
die mir suln [von schulden] wol [behagen],
sô bist du'z mîn frouwe:
daz mac ich wol [âne rüemen] sagen.
edel unde rîche
sint sie [sumelîche],
dar zuo tragent sie hôhen muot;
lîhte sint sie bezzer, dû bist guot.
Frouwe, nû versinne
dich, ob ich dir [z'ihte] [mære] sî.
eines friundes minne
diu ist niht, da ensî ein ander bî.
minne entouc niht eine,
si sol sîn gemeine,
sô gemeine, daz si gê
durch zwei herzen unde [niwet] mê.
SCHÖNHEIT UND ANMUT
Herzeliebez [frouwelîn],
dot gebe dir hiute und iemer guot!
kunde ich baz gedenken dîn,
des hæte ich [willeclîchen] [muot].
waz mac ich nû sagen [mê],
[wan daz] dir nieman holder ist? ôwê, dâ von ist mir vil wê.
Sie [verwîzent] mir daz ich
sô nidere wende mînen sanc.
daz sie niht versinnent sich
waz [liebe] sî, des haben undanc!
sie [getraf] diu liebe nie,
die dâ nâch [guote] und nâch der schœne minnent: wê, wie minnent die!
Bî der schœne ist dicke [haz]:
zer schœne niemen sî ze [gâch].
liebe tuot dem herzen baz:
der liebe [gêt] diu [schœne] nâch.
liebe machet schœne wîp:
des'n mac diu schœne niht getuon, sin' machet niemer lieben lîp.
Ich [vertrage] als ich vertruoc
und als ich iemer wil vertragen:
dû bist schœne und hâst genuoc.
waz mugen sie mir dâ von gesagen?
swaz sie sagen, ich bin dir holt
und nim dîn [glesîn vingerlîn] für einer küniginne golt.
Hâst dû triuwe und stætekeit,
sô bin ich [dîn ân' angest gar],
daz mir [iemer] herzeleit
[mit dînem willen] widervar.
hâst ab dû der zweier niht,
sô müezest dû mîn niemer werden: ôwê, obe daz geschiht!
DIE HERRLICHE FRAU
Si [wunderwol] gemachet wîp,
daz mir noch werde ir habedanc!
[ich setze ir minneclîchen lîp]
vil werde in mînen hôhen sanc.
gern' ich in allen dienen sol:
doch habe ich mir dise ûz erkorn.
ein ander weiz die sînen wol:
die lobe der âne mînen zorn,
hab' ime wîs' unde wort
mit mir gemeine: lobe ich hie, sô lobe er dort.
Ir houbet ist sô wünnenrîch,
[als] ez mîn himel welle sîn.
wem solde ez anders sîn gelîch?
ez hât [joch] himeleschen schîn.
[dâ] liuhtent zwêne sternen abe:
[dâ] müeze ich mich noch inne [ersehen],
daz si [mir s'] alsô nâhen [habe]!
[sô] mac ein wunder wol geschehen:
ich [junge], [und] tuot si daz,
und wirt [mir gernden siechen] [seneder sühte] [baz].
Got hâte ir wengel hôhen [flîz]:
er [streich] sô tiure varwe dar,
sô reine rôt, sô reine wîz,
hie [rœseloht], dort [liljenvar].
ob ich'z [vor sünden] [tar] gesagen,
sô sæhe ich s' iemer gerner an
dan himel oder [himelwagen].
ôwê, waz lobe ich tumber man?
mach' ich mir sie ze [hêr],
vil lîhte wirt mîns mundes lop mîns herzen sêr.
Si hât ein [küssen], daz ist rôt:
gewunne ich daz für mînen munt,
sô [stüende ich ûf] ûz dirre [nôt]
und wære ouch iemer mê gesunt.
dem si daz an sîn wengel leget,
der wonet dâ gerne nâhe bî:
ez [smecket], [sô] man'z [iender] [reget],
alsam ez [allez] balsme sî.
daz sol sie lîhen mir:
[sô dicke] sô si'z wider wil, sô gibe ich'z ir.
Ir [kel], ir hende, [ietweder] fuoz,
daz ist [ze wunsche wol getân].
ob ich da enzwischen loben muoz,
sô wæne ich mê beschouwet hân:
ich hæte ungerne «[decke blôz!]»
gerüefet, do ich sie nacket sach.
sie sach [mîn niht], dô si mich [schôz]:
daz [stichet noch] [als] ez [dô] stach.
ich lobe [die reinen stat],
dâ diu vil minneclîche ûz einem bade trat.
TROST IM LEIDE
Wil [ab] iemen wesen frô,
daz wir iemer in den sorgen iht enleben?
wê wie tuont die jungen sô,
die [von] freuden solten in den lüften sweben?
i'n weiz anders weme ich'z [wîzen] sol,
wan den rîchen wîze ich'z und den jungen.
die sint [unbetwungen]:
[des] [stât] in trûren übel und stüende in freude wol.
Wie [frô Sælde] kleiden kan,
daz si mir gît [kumber] unde hôhen muot!
[sô] [gît s'] einem rîchen man
[ungemüete]: ôwê, waz sol dem selben guot?
mîn frou Sælde, wie si mîn vergaz,
daz si mir sîn guot ze mînem muote
[nien' schriet], si vil [guote]!
mîn kumber stüende im dort bî sînen sorgen baz.
Swer [verholne] [sorge] [trage],
der gedenke an guotiu wîp – er wirt erlôst –
und gedenke an [liehte tage]:
die gedanke wâren ie mîn bester trôst.
gegen den vinstern tagen hân ich nôt,
wan daz ich mich rihte nâch der heide,
diu sich schamt ir leide:
sô si den walt siht gruonen, sô wirt s' iemer rôt.
Frouwe, als ich gedenke an dich,
waz dîn reiner lîp [erwelter] tugende pfliget,
sô [lâ stân]! dû rüerest mich
mitten an daz herze, dâ diu liebe liget.
liep und lieber des enmeine ich niht,
dû bist aller liebest, daz ich meine:
dû bist mir alleine
vor al der werlte, frouwe, swaz sô mir geschiht.
DAS HALM-MESSEN
In einen [zwîvellîchen] [wân]
[was ich gesezzen] und gedâhte,
ich wolte von ir dienste gân,
[wan daz] ein trôst mich wider brâhte.
trôst mag ez rehte niht geheizen, ouwê des!
ez ist vil kûme ein kleinez trœstelîn,
sô kleine, swenne ich'z iu gesage, ir spottet mîn;
doch [fröwet] sich [lützel ieman], [er enwizze wes].
Mich hât ein halm gemachet frô:
[er giht], ich sül genâde vinden.
ich maz daz selbe [kleine] strô,
als ich hie vor gesach von kinden.
nû hœret unde merket, ob si'z denne tuo:
«si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.»
swie dicke ich'z tete, sô was ie daz ende guot.
daz trœstet mich: dâ hœret ouch geloube zuo.
Swie liep si mir von herzen sî,
sô mac ich doch vil wol erlîden,
daz ich ir sî zem besten bî.
ich darf ir werben dar niht nîden:
i'n mac, als ich erkenne, des gelouben niht,
daz s' ieman sanfte in zwîvel bringen müge.
mir'st liep, daz die getrogenen wizzen, waz sie trüge,
wan alze lanc daz s' iemer rüemic man gesiht.
DAS RECHTE MASS
Aller werdekeit ein [füegerinne]
daz sît ir [zewâre], frouwe Mâze.
er sælic man, der iuwer lêre hât!
der [endarf] sich iuwer niender inne
weder ze hove schamen noch an der strâze.
[durch daz] sô suoche ich, frouwe, iuwern rât,
daz ir mich [ebene] [werben] lêret.
wirbe ich nidere, wirbe ich hôhe, ich bin versêret.
ich was [vil nâch] [ze nidere] tôt,
nû bin ich aber [ze hôhe] siech: Unmâze, [ir lât mich âne nôt!]
Nideriu minne heizet, diu so [swachet]
daz der lîp nâch [kranker] liebe ringet:
diu minne tuot unlobelîche wê.
hôhiu minne heizet, diu daz machet
daz der muot nâch werder liebe ûf swinget:
diu winket mir nû, daz ich mit ir gê.
nu'n weiz ich, wes diu Mâze [beitet].
kumet herzeliebe, sô bin ich [verleitet]:
mîn ougen hânt ein wîp ersehen,
swie minneclich ir rede sî, mir mac wol schade von ir geschehen.
PREIS DER LIEBENSWÜRDIGKEIT UND TUGEND
Ein niuwer sumer, ein niuwe zît,
ein guot [gedinge], ein [lieber] wân,
[diu liebent mir] [enwiderstrît],
daz ich noch [trôst ze freuden hân],
noch fröwet mich ein anderz [baz]
dan aller vogellîne sanc:
swâ man noch wîbes güete [maz],
dâ wart [im] ie der habedanc.
daz meine ich [an die frouwen mîn]:
dâ muoz noch mêre trôstes sîn.
s'ist schœner danne ein schœne wîp:
die schœne machet lieber lîp.
Ich weiz wol, daz diu liebe mac
ein schœnewîp gemachen wol:
iedoch swelch wîp ie tugende pflac,
daz ist diu, der man wünschen sol.
diu liebe stêt der schœne bî
baz dan gesteine dem golde tuot:
nû jehet, waz danne bezzer sî,
hânt disiu beide rehten muot?
sie hœhent mannes werdekeit:
swer ouch die süezen arebeit
durch sie ze rehte kan getragen,
der mac von herzeliebe sagen.
Der blic gefröwet ein herze gar,
den minneclîche ein wîp an siht:
wie welt ir danne, daz der var,
dem ander liep von in geschiht?
der ist eht maneger freuden rîch,
sô jenes freude gar zergât.
waz ist den freuden ouch gelîch,
dâ liebez herze in triuwen stât,
in schœne, in kiusche, in reinen siten?
swelch sælic man daz hât erstriten,
ob er daz vor den fremden lobet,
sô wizzet, daz er niht [entobet].
Waz sol ein man, der niht engert
gewerbes umbe ein reine wîp?
si lâze in iemer ungewert,
ez tiuret doch wol sînen lîp.
er tuo durch einer willen sô,
daz er den andern wol behage:
sô tuot in ouch diu eine frô,
ob im diu ander gar versage.
dar an gedenke ein sælic man:
dâ lît vil sælde und êren an.
swer guotes wîbes minne hât,
der schamt sich aller missetât.
DEUTSCHLAND ÜBER ALLES
Ir sult sprechen willekomen:
der iu mære bringet, daz bin ich.
allez daz ir habet vernomen,
daz ist [gar ein wint]: nû fraget mich.
ich wil aber [miete]:
wirt mîn lôn iht guot,
ich sag' iu vil lîhte daz iu sanfte tuot.
seht, waz man mir [êren] biete.
Ich wil [tiuschen] frouwen sagen
solhiu mære, daz sie deste baz
al der werlte suln behagen:
[âne] grôze miete tuon ich daz.
waz wold' ich ze lône?
sie sint mir ze hêr:
sô bin ich gefüege und bite sie nihtes mêr,
wan daz sie mich grüezen schône.
Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
daz im wol gevallen
wolte fremeder site.
nû waz hulfe mich, ob ich [unrehte] [strite]?
tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn
und [her wider] unz an der Unger lant
mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte [hân erkant].
kan ich rehte schouwen
guot [gelâz] und lîp,
[sam mir got], sô swüere ich wol daz hie diu wîp
bezzer sint dann' ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wîp getân.
swer sie schiltet, der'st betrogen:
ich enkan sîn anders niht verstân.
tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wünne vil.
lange müeze ich leben dar inne!
DER MINNE RECHT
Daz ich dich sô selten grüeze,
frouwe, deist ân' alle mînne missetât.
[ich wil] daz wol zürnen müeze
liep mit liebe, swa ez von friundes herzen gât.
trûren unde wesen frô,
sanfte zürnen, sêre süenen, deis der minne reht: diu herzeliebe wil alsô.
IM GELOBTEN LANDE
Nû [alrêst] leb' ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
lant daz hêre und ouch die erde,
dem man vil der êren [giht].
mir'st geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got [menneschlîchen] [trat].
Schœniu lant rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist du'z ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein maget ein kint gebar
hêre übr aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?
Hie liez [er sich reine] toufen,
daz der mensche reine sî;
dô liez er sich hie verkoufen,
daz [wir eigen] wurden frî.
anders wæren wir verlorn,
wol dir, sper, kriuz' unde dorn:
wê dir, [heiden], [deist dir zorn]!
Do er sich über uns wolde erbarmen,
hie leit er den grimmen tôt,
er vil rîche übr uns vil armen,
daz wir kœmen ûz der nôt.
daz in dô des niht verdrôz,
dast ein wunder alze grôz,
aller wunder [übergenôz].
[Hinnen] fuor der sun zer helle
von dem grabe, da er inne lac.
des was ie der vater geselle
und der geist, den nieman mac
[sunder scheiden]: êst [al ein],
[sleht] und [ebener] danne [ein zein],
als er Abrahâme erschein.
Do er den tievel dô [geschande]
daz nie keiser baz gestreit,
dô fuor er her wider ze lande.
dô [huop sich] der juden leit,
daz er hêrre ir huote brach
und man in sît lebendic sach,
den ir hant [sluoc unde stach].
Dar nâch was er in dem lande
vierzic tage: dô fuor er dar,
dannen in sîn vater [sande].
sînen geist, der uns bewar,
den sant' er [hin wider] ze hant.
heilic ist daz selbe lant,
sîn nam ist vor gote erkant.
In diz lant hât er gesprochen
einen [angeslîchen] [tac],
dâ diu witwe wirt gerochen
und [der weise] klagen mac
und der arme [den gewalt],
der dâ wirt mit ime [gestalt].
wol im dort, der hie [vergalt]!
Unser [lantrehtære] [tihten]
[fristet] dâ niemannes klage,
wan er wil [ze stunt] dâ rihten,
so ez ist an dem lesten tage:
und swer dheine schult hie lât
[unverebenet], wie der stât
dort, da er pfant noch bürgen hât!
Ir enlât iuch niht verdriezen
daz ich noch gesprochen hân,
sô wil ich die rede besliezen
kurzlîch, und iuch wizzen lân:
swaz got mit der werelt ie
wunderlîches noch begie,
daz huop sich und endet hie.
Kristen, juden unde heiden
jehent, daz diz ir erbe sî:
got müez' ez ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werelt strîtet her:
wir sîn an der rehten [ger],
reht ist daz er uns gewer.
EINST UND JETZT
Owê [war] sint verswunden alliu mîniu jâr!
ist mir mîn leben getroumet oder ist ez wâr?
daz ich ie wânde daz iht wære, waz daz iht?
dar nâch hân ich geslâfen unde enweiz es niht.
nû bin ich erwachet und ist mir unbekant
daz mir hie vor was [kündic] als mîn ander hant.
liut unde lant, dâ ich von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden, reht' als ez sî gelogen.
die mîne gespilen wâren, die sint træge und alt;
[bereitet] ist daz velt, verhouwen ist der walt:
[wan daz] daz wazzer fliuzet als ez wîlent flôz,
für wâr ich wânde, mîn unglücke wurde grôz.
mich grüezet maneger [trâge], der mich bekande ê wol.
diu werlt ist allenthalben [ungenâden] vol:
als ich gedenke an manegen wünneclîchen tac,
die sint mir [enpfallen] gar als in daz mer ein slac
[iemer mêre], ouwê!
Owê wie [jæmerlîche] junge liute [tuont]!
den [unvil] [riuweclîche] ir gemüete ê stuont,
die kunnen nû wan sorgen: ouwê wie tuont sie sô?
swar ich zer werlte kêre, dâ ist nieman frô:
tanzen, lachen, singen zergât mit sorgen gar
nie [kristenman] gesach sô jæmerlîche schar.
nû merket, wie den frouwen ir [gebende] stât;
die stolzen ritter tragent [dörperlîche] wât.
uns sint [unsenfte] [brieve] her von Rôme komen:
uns ist erloubet trûren und freude gar benomen.
daz [müet] mich inneclîchen (wir lebten ie vil wol),
daz ich nû für mîn lachen weinen [kiesen] sol.
die [wilden] vogele betrüebet unser klage:
waz wunders ist, ob ich dâ von vil gar verzage?
waz spriche ich tumber man durch mînen bœsen zorn?
swer [dirre wünne] volget, der hât jene dort verlorn
iemer mêre, ouwê!
Owê wie uns mit süezen dingen ist [vergeben]!
ich sihe die gallen mitten in dem honege sweben.
diu werlt ist ûzen schœne wîz, grüen' unde rôt
und innen swarzer varwe, vinster sam der tôt.
swen si nû habe verleitet, der schouwe sînen trôst:
er wirt mit swacher buoze grôzer sünde erlôst.
dar an gedenket, ritter, ez ist [iuwer dinc]:
ir traget die liehten helme und manegen herten [rinc],
dar zuo die vesten schilte und [diu gewîhten swert]!
wolte got, wær' ich der [sigenünfte] wert!
sô wolte ich [nôtic] man verdienen rîchen solt.
[joch] meine ich niht die [huoben] noch der hêrren golt:
ich wolte selbe krône êweclîchen tragen;
die möhte ein soldenære mit sîme sper bejagen.
möht' ich [die lieben reise gevaren über sê],
sô wolte ich denne singen «wol» und niemer mêre «ouwê»,
niemer mêre «ouwê!»