Nachwort

Es war seit längerer Zeit mein Wunsch, zu den verschiedenen Kosmosbänden, in denen ich mich mit Fragen der irdischen und menschlichen Vergangenheit auseinandergesetzt hatte (»Abstammung des Menschen«, »Stammbaum der Tiere«, »Sieg des Lebens«, »Steinkohlenwald«, »Mensch der Vorzeit«, »Festländer und Meere«, »Tierwanderungen in der Urwelt«), eine Ergänzung zu schreiben, die vom Schicksal der Erde und des Menschen in der Zukunft handeln sollte. Nur mit gelegentlichem flüchtigem Blick in die Welt der Träume, im übrigen aber mit beiden Beinen fest auf der Wirklichkeit ruhend, sollte dieser Band vor allem einige früher nur angedeutete Gedankengänge über die wahre Stellung des Menschenwesens in der Natur näher begründen und ausführen. Die Arbeit war im Kopf fertig, als die ungeheuren Ereignisse, die uns alle noch bewegen, eintraten. Sie wurde niedergeschrieben im Bann dieser Ereignisse, und man wird die Stimmung daraus anklingen hören, ohne daß ich das für einen Schaden hielte. Wohl ist mir ein paarmal dabei gewesen, als sei die Forderung des ehernen Tages zu groß für solches Fragen um dämmernde Ferne. Aber dann schien es mir doch auch immer wieder, als sei es grade recht so trotzalledem. Ich dachte an so manchen tapfern Mann im fernen Schützengraben, dem doch seine Gedanken durch alle Sterne schweiften. Und ich dachte, daß es zuletzt eben dieses Denken gewesen ist, das uns stark gemacht hat. Möge also auch dieses bescheidene Scherflein immerhin mit eingehen. Alles Wilde sehen wir in diesen Tagen aufgeboten in der Menschheit, aber wir hoffen doch auch und sehen es bei uns in heiliger Arbeit, zuletzt alles Gute. Vielleicht ist es doch nicht ganz belanglos, daran zu erinnern, daß die Menschheit noch nicht stirbt und daß sie Zeit hat, sich auch aus furchtbarster Krisis wieder allgemein zum Siege dieses Guten durchzukämpfen. Eine kleine, nebensächliche Kriegswirkung wird man darin finden, daß das Werk diesmal ohne wissenschaftlichen Bilderschmuck erscheint; es war nicht mehr anders möglich, und man wird das verstehen.

Friedrichshagen b. Berlin, Weihnachten 1914.

Wilhelm Bölsche