Verlag von Fr. Bassermann.
1905.
| Der Fährmann lag in seinem Schiff |
| Beim Schein des Mondenlichts, |
| Als etwas kam und rief und pfiff |
| Doch sehen that er nichts. |
| |
| Ihm war, als stiegen hundert ein. |
| Das Schifflein wurde schwer. |
| Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, |
| Die Zahlung folgt nachher. |
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| Und als er seine Pflicht gethan, |
| Da ging es klinglingling, |
| Da warf ein Goldstück in den Kahn |
| Jedwedes Geisterding. |
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| Husch, weg und weiter zog die Schar. |
| Verwundert steht der Mann: |
| So Seelen sind zwar unsichtbar |
| Und doch ist etwas dran. |
| Ein Künstler auf dem hohen Seil, |
| Der alt geworden mittlerweil, |
| Stieg eines Tages vom Gerüst |
| Und sprach: Nun will ich unten bleiben |
| Und nur noch Hausgymnastik treiben, |
| Was zur Verdauung nöthig ist. |
| Da riefen alle: Oh, wie schad! |
| Der Meister scheint doch allnachgrad |
| Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! |
| Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! |
| Und richtig, eh der Markt geschlossen, |
| Treibt er auf's neu die alten Possen |
| Hoch in der Luft und zwar mit Glück, |
| Bis auf ein kleines Mißgeschick. |
| Er fiel herab in großer Eile |
| Und knickte sich die Wirbelsäule. |
| Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm |
| So äußert sich das Publikum. |
| Gestützt auf seine beiden Krücken, |
| Die alte Kiepe auf dem Rücken, |
| Ging durch das Dorf ein Bettelmann |
| Und klopfte stets vergeblich an. |
| Erst aus dem allerletzten Haus |
| Kam eine gute Frau heraus, |
| Die grad den dritten Mann begraben, |
| Daher geneigt zu milden Gaben, |
| Und legt in seines Korbes Grund |
| Ein Brod von mehr als sieben Pfund. |
| Ein schmaler Steg führt gleich danach |
| Ihn über einen Rauschebach. |
| Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! |
| So rief er froh, und augenblicklich |
| Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, |
| Sein Brod hinunter in die Fluth. |
| Das kommt von solchem Übermuth. |
| Ganz unverhofft, an einem Hügel, |
| Sind sich begegnet Fuchs und Igel. |
| Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht. |
| Kennst du des Königs Ordre nicht? |
| Ist nicht der Friede längst verkündigt, |
| Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, |
| Der immer noch gerüstet geht? |
| Im Namen seiner Majestät, |
| Geh her und übergieb dein Fell. |
| Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. |
| Lass' dir erst deine Zähne brechen, |
| Dann wollen wir uns weiter sprechen. |
| Und allsogleich macht er sich rund, |
| Schließt seinen dichten Stachelbund |
| Und trotzt getrost der ganzen Welt, |
| Bewaffnet, doch als Friedensheld. |
| Der Bauer sprach zu seinem Jungen: |
| Heut in der Stadt da wirst du gaffen. |
| Wir fahren hin und seh'n die Affen. |
| Es ist gelungen |
| Und um sich schief zu lachen, |
| Was die für Streiche machen |
| Und für Gesichter, |
| Wie rechte Bösewichter. |
| Sie krauen sich, |
| Sie zausen sich, |
| Sie hauen sich, |
| Sie lausen sich, |
| Beschnuppern dies, beknuppern das, |
| Und Keiner gönnt dem Andern was, |
| Und essen thun sie mit der Hand, |
| Und alles thun sie mit Verstand, |
| Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe. |
| Paß auf, das siehst du heute. |
| Oh Vater, rief der Knabe, |
| Sind Affen denn auch Leute? |
| Der Vater sprach: Nun ja, |
| Nicht ganz, doch so beinah. |
| Rötlich dämmert es im Westen |
| Und der laute Tag verklingt, |
| Nur daß auf den höchsten Ästen |
| Lieblich noch die Drossel singt. |
| |
| Jetzt in dichtbelaubten Hecken, |
| Wo es still verborgen blieb, |
| Rüstet sich das Volk der Schnecken |
| Für den nächtlichen Betrieb. |
| |
| Tastend streckt sich ihr Gehörne. |
| Schwach nur ist das Augenlicht. |
| Dennoch schon aus weiter Ferne |
| Wittern sie ihr Leibgericht. |
| |
| Schleimig, säumig, aber stete, |
| Immer auf dem nächsten Pfad, |
| Finden sie die Gartenbeete |
| Mit dem schönsten Kopfsalat. |
| |
| Hier vereint zu ernsten Dingen, |
| Bis zum Morgensonnenschein, |
| Nagen sie geheim und dringen |
| Tief ins grüne Herz hinein. |
| |
| Darum braucht die Köchin Jettchen |
| Dieses Kraut nie ohne Arg. |
| Sorgsam prüft sie jedes Blättchen, |
| Ob sich nichts darin verbarg. |
| |
| Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken |
| Ihres lieben gnädgen Herrn. |
| Kopfsalat, vermischt mit Schnecken, |
| Mag der alte Kerl nicht gern. |
| Auguste, wie fast jede Nichte, |
| Weiß wenig von Naturgeschichte. |
| Zu bilden sie in diesem Fache, |
| Ist für den Onkel Ehrensache. |
| Auguste, sprach er, glaub es mir, |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Gar zierlich ist ihr Leibesbau, |
| Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau. |
| Hell flötet sie und klettert munter |
| Am Strauch kopfüber und kopfunter. |
| Das härtste Korn verschmäht sie nicht, |
| Sie hämmert, bis die Schale bricht. |
| Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand |
| Ein Löchlein in den Unterrand, |
| Weil dann die Sämerei gelind |
| Von selbst in ihren Schnabel rinnt. |
| Nicht immer liebt man Fastenspeisen, |
| Der Grundsatz gilt auch für die Meisen. |
| Sie gucken scharf in alle Ritzen, |
| Wo fette Käferlarven sitzen, |
| Und fangen sonst noch Myriaden |
| Insekten, die dem Menschen schaden, |
| Und hieran siehst du außerdem, |
| Wie weise das Natursystem. — |
| So zeigt er, wie die Sache lag. |
| Es war kurz vor Martinitag. |
| Wer dann vernünftig ist und kann's |
| Sich leisten, kauft sich eine Gans. |
| Auch an des Onkels Außengiebel |
| Hing eine solche, die nicht übel, |
| Um, nackt im Freien aufgehangen, |
| Die rechte Reife zu erlangen. |
| Auf diesen Braten freute sich |
| Der Onkel sehr und namentlich |
| Vor allem auf die braune Haut, |
| Obgleich er sie nur schwer verdaut. |
| Martini kam, doch kein Arom |
| Von Braten spürt der gute Ohm. |
| Statt dessen trat voll Ungestüm |
| Die Nichte ein und zeigte ihm |
| Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen, |
| Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen, |
| Zernagt beinah bis auf die Knochen. |
| Kein Zweifel war, wer dies verbrochen, |
| Denn deutlich lehrt der Augenschein, |
| Es konnten nur die Meisen sein. |
| Also ade! du braune Kruste. |
| Ja, lieber Onkel, sprach Auguste, |
| Die gern, nach weiblicher Manier, |
| Bei einem Irrthum ihn ertappt: |
| Die Meise ist ein nettes Thier. |
| Da hast du wieder recht gehabt. |
| Von Fruchtomletts da mag berichten |
| Ein Dichter aus den höhern Schichten. |
| Wir aber, ohne Neid nach oben, |
| Mit bürgerlicher Zunge loben |
| Uns Pfannekuchen und Salat. |
| Wie unsre Liese delikat |
| So etwas backt und zubereitet, |
| Sei hier in Worten angedeutet. |
| Drei Eier, frisch und ohne Fehl, |
| Und Milch und einen Löffel Mehl, |
| Die quirlt sie fleißig durcheinand |
| Zu einem innigen Verband. |
| Sodann, wenn Thränen auch ein Übel, |
| Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel |
| Mit Öl und Salz zu einer Brühe, |
| Daß der Salat sie an sich ziehe. |
| Um diesen ferner herzustellen, |
| Hat sie Kartoffeln abzupellen. |
| Da heißt es, fix die Finger brauchen, |
| Den Mund zu spitzen und zu hauchen, |
| Denn heiß geschnitten nur allein |
| Kann der Salat geschmeidig sein. |
| Hierauf so geht es wieder heiter |
| Mit unserm Pfannekuchen weiter. |
| Nachdem das Feuer leicht geschürt, |
| Die Pfanne sorgsam auspoliert, |
| Der Würfelspeck hinein geschüttelt, |
| So daß es lustig brät und brittelt, |
| Pisch, kommt darüber mit Gezisch |
| Das ersterwähnte Kunstgemisch. |
| Nun zeigt besonders und apart |
| Sich Lieschens Geistesgegenwart, |
| Denn nur zu bald, wie allbekannt, |
| Ist solch ein Kuchen angebrannt. |
| Sie prickelt ihn, sie stockert ihn, |
| Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn |
| Und lüftet ihn, bis augenscheinlich |
| Die Unterseite eben bräunlich, |
| Die umgekehrt geschickt und prompt |
| Jetzt ihrerseits nach oben kommt. |
| Geduld, es währt nur noch ein bissel, |
| Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel. |
| Doch späterhin die Einverleibung, |
| Wie die zu Mund und Herzen spricht, |
| Das spottet jeglicher Beschreibung, |
| Und darum endet das Gedicht. |
| Stark in Glauben und Vertrauen, |
| Von der Burg mit festen Thürmen |
| Kannst du dreist herniederschauen, |
| Keiner wird sie je erstürmen. |
| |
| Lass sie graben, lass sie schanzen, |
| Stolze Ritter, grobe Bauern, |
| Ihre Flegel, ihre Lanzen |
| Prallen ab von deinen Mauern. |
| |
| Aber hüte dich vor Zügen |
| In die Herrschaft des Verstandes, |
| Denn sogleich sollst du dich fügen |
| Den Gesetzen seines Landes. |
| |
| Bald umringen dich die Haufen, |
| Und sie ziehen dich vom Rosse, |
| Und du mußt zu Fuße laufen |
| Schleunig heim nach deinem Schlosse. |
| Ich bin mal so, sprach Förster Knast, |
| Die Flunkerei ist mir verhasst, |
| Doch sieht man oft was Sonderbares. |
| Im Frühling vor fünf Jahren war es, |
| Als ich stockstill, den Hahn gespannt, |
| Bei Mondschein vor dem Walde stand. |
| Da läßt sich plötzlich flügelsausend |
| Ein Kranichheer, wohl an die tausend, |
| Ganz dicht zu meinen Füßen nieder. |
| Sie kamen aus Egypten wieder |
| Und dachten auf der Reise nun |
| Sich hier ein Stündchen auszuruhn. |
| Ich selbstverständlich, schlau und sacht, |
| Gab sehr genau auf alles acht. |
| Du, Hans, so rief der Oberkranich, |
| Hast heut die Wache, drum ermahn ich |
| Dich ernstlich, halt dich stramm und pass |
| Gehörig auf, sonst giebt es was. |
| Bald schlief ein Jeder ein und sägte. |
| Hans aber stand und überlegte. |
| Er nahm sich einen Kieselstein, |
| Erhob ihn mit dem rechten Bein |
| Und hielt sich auf dem linken nur |
| In Gleichgewicht und Positur. |
| Der arme Kerl war schrecklich müd, |
| Erst fiel das linke Augenlid, |
| Das rechte blinzelt zwar noch schwach, |
| Dann aber folgt's dem andern nach. |
| Er schnarcht sogar. Ich denke schon: |
| Wie wird es dir ergehn, mein Sohn? |
| So denk ich, doch im Augenblick, |
| Als ich es dachte, geht es klick! |
| Der Stein fiel Hänschen auf die Zeh, |
| Das weckt ihn auf, er schreit auweh! |
| Er schaut sich um, hat mich gewittert, |
| Pfeift, daß es Mark und Bein erschüttert, |
| Und allsogleich im Winkelflug |
| Entschwebt der ganze Heereszug |
| Ich rief hurrah! und schwang den Hut. |
| Der Vogel der gefiel mir gut. |
| Er lebt auch noch. Schon oft seither |
| Sah man ihn fern am schwarzen Meer |
| Auf einem Bein auf Posten stehn. |
| Dies schreibt mein Freund, der Kapitän, |
| Und was er sagt, ist ohne Frage |
| So wahr, als was ich selber sage. |
| Auf leichten Schwingen frei und flink |
| Zum Lindenwipfel flog der Fink |
| Und sang an dieser hohen Stelle |
| Sein Morgenlied so glockenhelle. |
| Ein Frosch, ein dicker, der im Grase |
| Am Boden hockt, erhob die Nase, |
| Strich selbstgefällig seinen Bauch |
| Und denkt: Die Künste kann ich auch. |
| Alsbald am rauhen Stamm der Linde |
| Begann er, wenn auch nicht geschwinde, |
| Doch mit Erfolg, empor zu steigen, |
| Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen, |
| Wobei er freilich etwas keucht, |
| Den höchsten Wipfelpunkt erreicht |
| Und hier sein allerschönstes Quacken |
| Ertönen läßt aus vollen Backen. |
| Der Fink, dem dieser Wettgesang |
| Nicht recht gefällt, entfloh und schwang |
| Sich auf das steile Kirchendach. |
| Wart, rief der Frosch, ich komme nach. |
| Und richtig ist er fortgeflogen, |
| Das heißt, nach unten hin im Bogen, |
| So daß er schnell und ohne Säumen |
| Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen, |
| Zur Erde kam mit lautem Quack, |
| Nicht ohne großes Unbehagen. |
| Er fiel zum Glück auf seinen Magen, |
| Den dicken weichen Futtersack, |
| Sonst hätt er sicher sich verletzt. |
| Heil ihm! Er hat es durchgesetzt. |
| Geld gehört zum Ehestande, |
| Hässlichkeit ist keine Schande, |
| Liebe ist beinah absurd. |
| Drum, du nimmst den Junker Jochen |
| Innerhalb der nächsten Wochen. |
| Also sprach der Ritter Kurt. |
| |
| Vater, flehte Kunigunde. |
| Schone meine Herzenswunde, |
| Ganz umsonst ist dein Bemühn. |
| Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel, |
| Niemals nehm ich diesen Lümmel, |
| Ewig, ewig hass ich ihn. |
| |
| Nun, wenn Worte nicht mehr nützen, |
| Dann so bleibe ewig sitzen, |
| Marsch mit dir in's Burgverließ. |
| Zornig sagte dies der Alte, |
| Als er in die feuchte kalte |
| Kammer sie hinunterstieß. |
| |
| Jahre kamen, Jahre schwanden, |
| Nichts im Schlosse blieb vorhanden |
| Außer Kunigundens Geist. |
| Dort, wo graue Ratten rasseln, |
| Sitzt sie zwischen Kellerasseln, |
| Von dem Feuermolch umkreist. |
| |
| Heut noch ist es nicht geheuer |
| In dem alten Burggemäuer |
| Um die Mitternacht herum. |
| Wehe, ruft ein weißes Wesen, |
| Will denn Niemand mich erlösen? |
| Doch die Wände bleiben stumm. |
| Er liebte sie in aller Stille. |
| Bescheiden, schüchtern und von fern |
| Schielt er nach ihr durch seine Brille |
| Und hat sie doch so schrecklich gern. |
| |
| Ein Mücklein, welches an der Nase |
| Des schönen Kindes saugend saß, |
| Ertränkte sich in seinem Glase. |
| Es schmeckt ihm fast wie Ananas. |
| |
| Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe, |
| So unvergleichlich blond und kraus. |
| Einst fand er eines in der Suppe |
| Und zog es hochbeglückt heraus. |
| |
| Er rollt es auf zu einem Löckchen, |
| Hat's in ein Medaillon gelegt. |
| Nun hängt es unter seinem Röckchen |
| Da, wo sein treues Herze schlägt. |
| Ein eigner Kerl war Krischan Bolte. |
| Er that nicht gerne, was er sollte. |
| Als Kind schon ist er so gewesen. |
| Religion, Rechtschreiben und Lesen |
| Fielen für ihn nicht ins Gewicht: |
| Er sollte zur Schule und wollte nicht. |
| Später kam er zu Meister Pfriem. |
| Der zeigte ihm redlich und sagte ihm, |
| Jedoch umsonst, was seine Pflicht: |
| Er sollte schustern und wollte nicht. |
| Er wollte sich nun mal nicht quälen, |
| Deßhalb verfiel er auf das Stehlen. |
| Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht: |
| Er sollte bekennen und wollte nicht. |
| Trotzdem verdammt man ihn zum Tode. |
| Er aber blieb, nach seiner Mode, |
| Ein widerspänstiger Bösewicht: |
| Er sollte hängen und wollte nicht. |
| Es hat einmal, so wird gesagt, |
| Der Löwe mit dem Wolf gejagt. |
| Da haben sie vereint erlegt |
| Ein Wildschwein stark und gut gepflegt. |
| Doch als es an's Vertheilen ging, |
| Dünkt das dem Wolf ein misslich Ding. |
| Der Löwe sprach: Was grübelst du? |
| Glaubst du, es geht nicht redlich zu? |
| Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden, |
| Was jedem zukommt von uns beiden. |
| Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund |
| Als Richter gar nicht übel scheint. |
| Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich: |
| Herr Doctor, das ist was für Euch. |
| Hier dieses jüngst erlegte Schwein, |
| Bedenkt es wohl, ist mein und sein. |
| Ich fasst es vorn, er griff es hinten; |
| Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten. |
| Der Fuchs war ein Jurist von Fach. |
| Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach. |
| Das Vordertheil, ob viel ob wenig, |
| Erhält mit Fug und Recht der König. |
| Dir aber, Vetter Isegrimm, |
| Gebührt das Hintertheil. Da nimm! |
| Bei diesem Wort trennt er genau |
| Das Schwänzlein hinten von der Sau. |
| Indess der Wolf verschmäht die Beute. |
| Verneigt sich kurz und geht beiseite. |
| Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mir. |
| Von heut an seid Ihr Großvezier. |
| Mein Sohn, hast du allhier auf Erden |
| Dir vorgenommen, was zu werden, |
| Sei nicht zu keck; |
| Und denkst du, sei ein stiller Denker. |
| Nicht leicht befördert wird der Stänker. |
| Mit Demuth salbe deinen Rücken, |
| Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken, |
| Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen, |
| Denn selbstverständlich nur durch Lügen |
| Kommst du vom Fleck. |
| Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig, |
| Bedenk, was du dir selber schuldig. |
| Das Gönnerherz wird sich erweichen, |
| Und wohl verdient wirst du erreichen |
| Den guten Zweck. |
| Er saß beim Frühstück äußerst grämlich, |
| Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich: |
| Aha, so ist es mit dem Orden |
| Für diesmal wieder nichts geworden. |
| Ja Freund, wer seinen Blick erweitert |
| Und schaut nach hinten und nach vorn, |
| Der preist den Kummer, denn er läutert. |
| Ich selber war ein Weizenkorn. |
| Mit vielen, die mir anverwandt, |
| Lag ich im rauhen Ackerland. |
| Bedrückt von einem Erdenkloß, |
| Macht ich mich muthig strebend los. |
| Gleich kam ein alter Has gehupft |
| Und hat mich an der Nas gezupft, |
| Und als es Winter ward, verfror, |
| Was peinlich ist, mein linkes Ohr, |
| Und als ich reif mit meiner Sippe, |
| O weh, da hat mit seiner Hippe |
| Der Hans uns rutschweg abgesäbelt, |
| Und zum Ersticken festgeknebelt |
| Und auf die Tenne fortgeschafft, |
| Wo ihrer vier mit voller Kraft |
| In regelrechtem Flegeltakte |
| Uns klopften, daß die Schwarte knackte. |
| Ein Esel trug uns nach der Mühle. |
| Ich sage dir, das sind Gefühle, |
| Wenn man, zerrieben und gedrillt |
| Zum allerfeinsten Staubgebild, |
| Sich kaum besinnt und fast vergisst, |
| Ob Sonntag oder Montag ist. |
| Und schließlich schob der Bäckermeister, |
| Nachdem wir erst als zäher Kleister |
| In seinem Troge baß gehudelt, |
| Vermengt, geknetet und vernudelt, |
| Uns in des Ofens höchste Gluth. |
| Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut? |
| Frischauf, du hast genug, mein Lieber, |
| Greif zu und schneide nicht zu knapp |
| Und streiche tüchtig Butter drüber |
| Und gieb den Andern auch was ab. |
| Man ist ja von Natur kein Engel, |
| Vielmehr ein Welt- und Menschenkind, |
| Und rings umher ist ein Gedrängel |
| Von Solchen, die dasselbe sind. |
| |
| In diesem Reich geborner Flegel, |
| Wer könnte sich des Lebens freun, |
| Würd es versäumt, schon früh die Regel |
| Der Rücksicht kräftig einzubläun. |
| |
| Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe. |
| Du darfst nicht zeigen, was du bist. |
| Wie schad, o Mensch, daß dir das Gute |
| Im Grunde so zuwider ist. |
| Der Stoffel wankte frohbewegt |
| Spät in der Nacht nach Haus. |
| Da ging, wie das zu kommen pflegt, |
| Ihm seine Pfeife aus. |
| |
| Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt. |
| Wie freut sich Stoffel da, |
| Als er ganz dicht vor sich im Wald |
| Ein Kohlenfeuer sah. |
| |
| Die Kohlen glühn in einem Topf. |
| Der frohe Stoffel drückt |
| Gleich eine in den Pfeifenkopf |
| Und zieht als wie verrückt. |
| |
| Wohl sieht er, wie die Kohle glüht, |
| Nur daß sie gar nicht brennt. |
| Da überläuft es sein Gemüth, |
| Er flucht Potzzapperment. |
| |
| Das Wort war hier nicht recht am Platz. |
| Es folgt ein Donnerschlag. |
| Versunken ist der Zauberschatz |
| Bis an den jüngsten Tag. |
| |
| Die Pfeife fällt vor Schreck und Graus |
| Auf einen harten Stein. |
| Ein Golddukaten rollt heraus |
| Blitzblank im Mondenschein. |
| |
| Von nun an, denkt der Stoffel schlau, |
| Schweig ich am rechten Ort. |
| Er kehrte heim zu seiner Frau |
| Und sprach kein einzig Wort. |
| Unter all den hübschen Dingen |
| In der warmen Sommerzeit |
| Ist ein Corps von Schmetterlingen |
| Recht ergötzlich insoweit. |
| |
| Bist du dann zu deinem Wohle |
| In den Garten hinspaziert, |
| Siehst du über deinem Kohle |
| Muntre Tänze aufgeführt. |
| |
| Weiß gekleidet und behende |
| Flattert die vergnügte Schar, |
| Bis daß Lieb und Lust zu Ende |
| Wieder mal für dieses Jahr. |
| |
| Zum getreuen Angedenken, |
| Auf den Blättern kreuz und quer, |
| Lassen sie zurück und schenken |
| Dir ein schönes Raupenheer. |
| |
| Leidest du, daß diese Sippe |
| Weiter frisst, wie sie begehrt, |
| Kriegst du, nebst dem Blattgerippe, |
| Nur noch Proben ohne Werth. |
| |
| Also ist es zu empfehlen, |
| Lieber Freund, daß du dich bückst |
| Und sehr viele Raupenseelen, |
| Pitsch, aus ihren Häuten drückst. |
| |
| Denn nur der ist wirklich weise, |
| Der auch in die Zukunft schaut. |
| Denk an deine Lieblingsspeise: |
| Schweinekopf mit Sauerkraut. |
| Fing man vorzeiten einen Dieb, |
| Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb, |
| Und meinte man, er sei verschieden, |
| Ging man nachhaus und war zufrieden. |
| Ein Wandrer von der weichen Sorte |
| Kam einst zu solchem Galgenorte |
| Und sah, daß oben Einer hängt, |
| Dem kürzlich man den Hals verlängt. |
| Sogleich, als er ihn baumeln sieht, |
| Zerfließt in Thränen sein Gemüth. |
| Ich will den armen Schelm begraben, |
| Denkt er, sonst fressen ihn die Raben. |
| Nicht ohne Müh, doch mit Geschick, |
| Klimmt er hinauf und löst den Strick; |
| Und Jener, der im Wind geschwebt, |
| Liegt unten, scheinbar unbelebt. |
| Siehda, nach Änderung der Lage |
| Tritt neu die Lebenskraft zutage, |
| So daß der gute Delinquent |
| Die Welt ganz deutlich wiederkennt. |
| Zärtlich, als wär's der eigne Vetter, |
| Umarmt er seinen Lebensretter, |
| Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal, |
| Vor Freude nach so großer Qual. |
| Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer, |
| Geh in dich, sei hinfür ein Andrer. |
| Zum Anfang für dein neues Leben |
| Werd ich dir jetzt zwei Gulden geben. |
| Das Geben that ihm immer wohl. |
| Rasch griff er in sein Kamisol, |
| Wo er zur langen Pilgerfahrt |
| Den vollen Säckel aufbewahrt. |
| Er sucht und sucht und fand ihn nicht, |
| Und länger wurde sein Gesicht. |
| Er sucht und suchte, wie ein Narr, |
| Weit wird der Mund, das Auge starr, |
| Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt. |
| Der Dieb verschwand im Tannenwald. |
| Ein Fuchs voll flüchtiger Moral |
| Und unbedenklich, wenn er stahl, |
| Schlich sich beinacht zum Hühnerstalle |
| Von einem namens Jochen Dralle, |
| Der, weil die Mühe ihn verdross, |
| Die Thür mal wieder nicht verschloss. |
| Er hat sich, wie er immer pflegt, |
| So wie er war zubett gelegt. |
| Er schlief und schnarchte auch bereits. |
| Frau Dralle, welche ihrerseits |
| Noch wachte, denn sie hat die Grippe, |
| Stieß Jochen an die kurze Rippe. |
| Du, rief sie flüsternd, hör doch bloß, |
| Im Hühnerstall da ist was los; |
| Das ist der Fuchs der alte Racker. |
| Und schon ergriff sie kühn und wacker |
| Obgleich sie nur im Nachtgewand, |
| Den Besen, der am Ofen stand, |
| Indeß der Jochen leise flucht |
| Und erst mal Licht zu machen sucht. |
| Sie ging voran, er hinterdrein. |
| Es pfeift der Wind, die Hühner schrein. |
| Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreist |
| Und sag Bescheid, wenn er dich beißt. |
| Umsonst sucht sich der Dieb zu drücken |
| Vor Madam Dralles Geierblicken. |
| Sie schlägt ihm unaussprechlich schnelle |
| Zwei drei mal an derselben Stelle |
| Mit ihres Besens hartem Stiel |
| Auf's Nasenbein. Das war zuviel. — |
| Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmt |
| In dieser Welt, was ihm bestimmt. |
| Der Fuchs, nachdem der Balg herab, |
| Bekommt ein Armesündergrab. |
| Frau Dralle, weil sie leichtgesinnt |
| Sich ausgesetzt dem Winterwind |
| Zum Trotz der Selbsterhaltungspflicht, |
| Kriegt zu der Grippe noch die Gicht. |
| Doch Jochen kriegte hocherfreut |
| Infolge der Gelegenheit |
| Von Pelzwerk eine warme Kappe |
| Mit Vorder- und mit Hinterklappe. |
| Stets hieß es dann, wenn er sie trug: |
| Der ist es, der den Fuchs erschlug. |
| Dich freut die warme Sonne. |
| Du lebst im Monat Mai. |
| In deiner Regentonne |
| Da rührt sich allerlei. |
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| Viel kleine Thierlein steigen |
| Bald auf- bald niederwärts, |
| Und, was besonders eigen, |
| Sie atmen mit dem Sterz. |
| |
| Noch sind sie ohne Tücken, |
| Rein kindlich ist ihr Sinn. |
| Bald aber sind sie Mücken |
| Und fliegen frei dahin. |
| |
| Sie fliegen auf und nieder |
| Im Abendsonnenglanz |
| Und singen feine Lieder |
| Bei ihrem Hochzeitstanz. |
| |
| Du gehst zu Bett um zehne, |
| Du hast zu schlafen vor, |
| Dann hörst du jene Töne |
| Ganz dicht an deinem Ohr. |
| |
| Drückst du auch in die Kissen |
| Dein werthes Angesicht, |
| Dich wird zu finden wissen |
| Der Rüssel, welcher sticht. |
| |
| Merkst du, daß er dich impfe, |
| So reib mit Salmiak |
| Und dreh dich um und schimpfe |
| Auf dieses Mückenpack. |
| Es geht ja leider nur soso |
| Hier auf der Welt, sprach Salomo. |
| Dies war verzeihlich. Das Geschnatter |
| Von tausend Frauen, denn die hatt er, |
| Macht auch den Besten ungerecht. |
| Uns aber geht es nicht so schlecht. |
| Wer, wie es Brauch in unsern Tagen, |
| Nur Eine hat, der soll nicht sagen |
| Und klagen, was doch mancher thut: |
| Ich bin für diese Welt zu gut. |
| Selbst, wem es fehlt an dieser Einen, |
| Der braucht darob nicht gleich zu weinen |
| Und sich kopfüber zu ertränken. |
| Er hat, das mag er wohl bedenken, |
| Am Weltgebäude mitgezimmert |
| Und allerlei daran verschlimmert. |
| Und wenn er so in sich gegangen, |
| Gewissenhaft und unbefangen, |
| Dann kusch er sich und denke froh: |
| Gottlob, ich bin kein Salomo; |
| Die Welt, obgleich sie wunderlich, |
| Ist mehr als gut genug für mich. |
| Wer Bildung hat, der ist empört, |
| Wenn er so schrecklich fluchen hört. |
| Dies »Nasowolltich«, dies »Parblö«, |
| Dies ewige »Ojemineh«, |
| Dies »Eipotztausendnocheinmal«, |
| Ist das nicht eine Ohrenqual? |
| Und gar »Daßdichdasmäusleinbeiß«, |
| Da wird mir's immer kalt und heiß. |
| Wie oft wohl sag ich: Es ist häßlich, |
| Ist unanständig, roh und gräßlich. |
| Ich bitt und flehe: Lasst es sein, |
| Denn es ist sündlich. Aber nein, |
| Vergebens ring ich meine Hände, |
| Die Flucherei nimmt doch kein Ende. |
| Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand, |
| Die gingen immer Hand in Hand, |
| Und selbst in einer Herzensfrage |
| Trat ihre Einigkeit zutage. |
| Sie liebten beide Nachbars Käthchen, |
| Ein blondgelocktes kleines Mädchen. |
| Einst sagte die verschmitzte Dirne: |
| Wer holt mir eine Sommerbirne, |
| Recht saftig, aber nicht zu klein? |
| Hernach soll er der Beste sein. |
| Der Fritz nahm seinen Freund beiseit |
| Und sprach: Das machen wir zu zweit; |
| Da drüben wohnt der alte Schramm, |
| Der hat den schönsten Birnenstamm; |
| Du steigst hinauf und schüttelst sacht, |
| Ich lese auf und gebe acht. |
| Gesagt gethan. Sie sind am Ziel. |
| Schon als die erste Birne fiel, |
| Macht Fritz damit sich aus dem Staube, |
| Denn eben schlich aus dunkler Laube, |
| In fester Faust ein spanisch Rohr, |
| Der aufmerksame Schramm hervor. |
| Auch Ferdinand sah ihn beizeiten |
| Und thät am Stamm herunter gleiten |
| In Ängstlichkeit und großer Hast, |
| Doch eh er unten Fuß gefasst, |
| Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen, |
| Als wollt er einen Stein erweichen. |
| Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze, |
| Entfloh und suchte seinen Fritze. |
| Wie angewurzelt blieb er stehn. |
| Ach hätt er es doch nie gesehn: |
| Die Käthe hat den Fritz geküsst, |
| Worauf sie eine Birne isst. |
| Seit dies geschah, ist Ferdinand |
| Mit Fritz nicht mehr so gut bekannt. |
| Wem's in der Unterwelt zu still, |
| Wer oberhalb erscheinen will, |
| Der baut sich, je nach seiner Weise, |
| Ein sichtbarliches Wohngehäuse. |
| Er ist ein blinder Architekt, |
| Der selbst nicht weiß, was er bezweckt. |
| Dennoch verfertigt er genau |
| Sich kunstvoll seinen Leibesbau, |
| Und sollte mal was dran passieren, |
| Kann er's verputzen und verschmieren, |
| Und ist er etwa gar ein solch |
| Geschicktes Thierlein, wie der Molch, |
| Dann ist ihm alles einerlei, |
| Und wär's ein Bein, er macht es neu. |
| Nur schad, daß, was so froh begründet, |
| So traurig mit der Zeit verschwindet, |
| Wie schließlich jeder Bau hienieden, |
| Sogar die stolzen Pyramiden. |
| Es ist ein recht beliebter Bau. |
| Wer wollte ihn nicht loben? |
| Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau, |
| Sie unten und er oben. |
| |
| Er, als ein schlaugewiegter Mann, |
| Hält viel auf weise Lehren, |
| Sie, ungestüm und drauf und dran, |
| Thut das, was ihr Begehren. |
| |
| Sie läßt ihn reden und begeht, |
| Blind, wie sie ist, viel Wüstes, |
| Und bringt sie das in Schwulität, |
| Na, sagt er kühl, da siehst es. |
| |
| Vereinen sich jedoch die zwei |
| Zu traulichem Verbande, |
| Dann kommt die schönste Lumperei |
| Hübsch regelrecht zustande. |
| |
| So geht's in diesem Hause her. |
| Man möchte fast erschrecken. |
| Auch ist's beweglich, aber mehr |
| Noch als das Haus der Schnecken. |
| In einem Häuschen, sozusagen — |
| (Den ersten Stock bewohnt der Magen) |
| In einem Häuschen war's nicht richtig. |
| Darinnen spukt und tobte tüchtig |
| Ein Kobold, wie ein wildes Bübchen, |
| Vom Keller bis zum Oberstübchen. |
| Fürwahr, es war ein bös Getös. |
| Der Hausherr wird zuletzt nervös, |
| Und als ein desperater Mann |
| Steckt er kurzweg sein Häuschen an |
| Und baut ein Haus sich anderswo |
| Und meint, da ging es ihm nicht so. |
| Allein, da sieht er sich betrogen. |
| Der Kobold ist mit umgezogen |
| Und macht Spektakel und Rumor |
| Viel ärger noch, als wie zuvor. |
| Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich. |
| Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich. |
| Zu Olims Zeit, auf der Oase, |
| Am Quell, wo schlanke Palmen stehen, |
| Saß einst das Väterchen im Grase |
| Und hatte allerlei Ideeen. |
| |
| Gern sprach davon der Hochverehrte |
| Zu seinen Söhnen, seinen Töchtern, |
| Und das Gelehrte, oft Gehörte |
| Ging von Geschlechte zu Geschlechtern. |
| |
| Auch wir, in mancher Abendstunde, |
| Wenn treue Liebe uns bewachte, |
| Vernahmen froh die gute Kunde |
| Von dem, was Väterchen erdachte. |
| |
| Und sicher klingt das früh Gewusste |
| So lang in wohlgeneigte Ohren, |
| Bis auf der kalten Erdenkruste |
| Das letzte Menschenherz erfroren. |
| Abends, wenn die Heimchen singen, |
| Wenn die Lampe düster schwehlt, |
| Hör ich gern von Spukedingen, |
| Was die Tante mir erzählt. |
| |
| Wie es klopfte in den Wänden, |
| Wie der alte Schrank geknackt, |
| Wie es einst mit kalten Händen |
| Mutter Urschel angepackt, |
| |
| Wie man oft ein leises Jammern |
| Grad um Mitternacht gehört, |
| Oben in den Bodenkammern, |
| Scheint mir höchst bemerkenswerth. |
| |
| Doch erzählt sie gar das Märchen |
| Von dem Geiste ohne Kopf, |
| Dann erhebt sich jedes Härchen |
| Schaudervoll in meinem Schopf. |
| |
| Und ich kann es nicht verneinen, |
| Daß es böse Geister giebt, |
| Denn ich habe selber einen, |
| Der schon manchen Streich verübt. |
| Hans, der soeben in der Stadt |
| Sein fettes Schwein verwerthet hat, |
| Ging spät nachhaus bei Mondenschein. |
| Ein Fremder folgt und holt ihn ein. |
| Grüßgott, rief Hans, das trifft sich gut, |
| Zuzweit verdoppelt sich der Muth. |
| Der Fremde denkt: Ha zapperlot, |
| Der Kerl hat Geld, ich schlag ihn todt, |
| Nur nicht von vorn, daß er es sieht, |
| Dagegen sträubt sich mein Gemüth. |
| Und weiter gehn sie allgemach, |
| Der Hans zuvor, der Fremde nach. |
| Jetzt, denkt sich dieser, mach ich's ab, |
| Er hob bereits den Knotenstab. |
| Was gilt die Butter denn bei euch? |
| Fragt Hans und dreht sich um zugleich. |
| Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt, |
| Der Knittel senkt sich unbenutzt. |
| Und weiter gehn sie allgemach, |
| Der eine vor, der andre nach. |
| Hier, wo die dunklen Tannen stehn, |
| Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn. |
| Spielt man auch Skat bei euch zuland? |
| Fragt Hans und hat sich umgewandt. |
| Der Fremde nickt und steht verdutzt, |
| Der Knittel senkt sich unbenutzt. |
| Und weiter gehn sie allgemach, |
| Der eine vor, der andre nach. |
| Hier, denkt der Fremde, wo das Moor, |
| Hier hau ich fest ihm hinter's Ohr. |
| Und wieder dreht der Hans sich um. |
| Prost, rief er fröhlich, mögt ihr Rum? |
| Und zog ein Fläschlein aus dem Rock. |
| Der Fremde senkt den Knotenstock, |
| Thät einen Zug, der war nicht schwach, |
| Und weiter gehn sie allgemach. |
| Schon sind sie aus dem Wald heraus, |
| Und schau, da steht das erste Haus. |
| Es kräht der Hahn, es bellt der Spitz. |
| Dies rief der Hans, ist mein Besitz. |
| Tritt ein du ehrlicher Gesell |
| Und nimm den Dank für dein Geleit. |
| Doch der Gesell entfernt sich schnell, |
| Vermuthlich aus Bescheidenheit. |
| Es wächst wohl auf der Haide |
| Und in des Waldes Raum |
| Ein Baum zu Nutz und Freude, |
| Genannt der Birkenbaum. |
| |
| Die Schuh, daraus geschnitzet, |
| Sind freundlich von Gestalt. |
| Wohl dem, der sie besitzet, |
| Ihm wird der Fuß nicht kalt. |
| |
| Es ist die weiße Rinde |
| Zu Tabaksdosen gut, |
| Als theures Angebinde |
| Für den, der schnupfen thut. |
| |
| Man zapfet aus der Birke |
| Sehr angenehmen Wein, |
| Man reibt sich, daß es wirke, |
| Die Glatze damit ein. |
| |
| Dem Birkenreiserbesen |
| Gebühret Preis und Ehr; |
| Das stärkste Kehrichtwesen |
| Das treibt er vor sich her. |
| |
| Von Birken eine Ruthe, |
| Gebraucht am rechten Ort, |
| Befördert oft das Gute |
| Mehr, als das beste Wort. |
| |
| Und kommt das Fest der Pfingsten, |
| Dann schmückt mir fein das Haus, |
| Ihr, meine liebsten Jüngsten, |
| Mit Birkenzweigen aus. |
| Der Ruhm, wie alle Schwindelware, |
| Hält selten über tausend Jahre. |
| Zumeist vergeht schon etwas ehr |
| Die Haltbarkeit und die Kulör. |
| Ein Schmetterling voll Eleganz, |
| Genannt der Ritter Schwalbenschwanz, |
| Ein Exemplar von erster Güte, |
| Begrüßte jede Doldenblüthe |
| Und holte hier und holte da |
| Sich Nektar und Ambrosia. |
| Mitunter macht er sich auch breit |
| In seiner ganzen Herrlichkeit |
| Und zeigt den Leuten seine Orden |
| Und ist mit recht berühmt geworden. |
| Die jungen Mädchen fanden dies |
| Entzückend, goldig, reizend, süß. |
| Vergeblich schwenkten ihre Mützen |
| Die Knaben, um ihn zu besitzen. |
| Sogar der Spatz hat zugeschnappt |
| Und hätt ihn um ein Haar gehabt. |
| Jetzt aber naht sich ein Student, |
| Der seine Winkelzüge kennt. |
| In einem Netz mit engen Maschen |
| Thät er den Flüchtigen erhaschen, |
| Und da derselbe ohne Tadel, |
| Spießt er ihn auf die heiße Nadel. |
| So kam er unter Glas und Rahmen |
| Mit Datum, Jahreszahl und Namen |
| Und bleibt berühmt und unvergessen, |
| Bis ihn zuletzt die Motten fressen. |
| Man möchte weinen, wenn man sieht, |
| Daß dies das Ende von dem Lied. |
| Der schöne Sommer ging von hinnen, |
| Der Herbst, der reiche zog in's Land. |
| Nun weben all die guten Spinnen |
| So manches feine Festgewand. |
| |
| Sie weben zu des Tages Feier |
| Mit kunstgeübtem Hinterbein |
| Ganz allerliebste Elfenschleier |
| Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain. |
| |
| Ja, tausend Silberfäden geben |
| Dem Winde sie zum leichten Spiel, |
| Die ziehen sanft dahin und schweben |
| An's unbewusst bestimmte Ziel. |
| |
| Sie ziehen in das Wunderländchen, |
| Wo Liebe scheu im Anbeginn, |
| Und leis verknüpft ein zartes Bändchen |
| Den Schäfer mit der Schäferin. |
| Ein Philosoph von ernster Art |
| Der sprach und strich sich seinen Bart: |
| Ich lache nie. Ich lieb es nicht, |
| Mein ehrenwerthes Angesicht |
| Durch Zähnefletschen zu entstellen |
| Und närrisch wie ein Hund zu bellen; |
| Ich lieb es nicht durch ein Gemecker |
| Zu zeigen, daß ich Witzentdecker; |
| Ich brauche nicht durch Werthvergleichen |
| Mit Andern mich herauszustreichen, |
| Um zu ermessen, was ich bin, |
| Denn dieses weiß ich ohnehin. |
| Das Lachen will ich überlassen |
| Den minder hochbegabten Klassen. |
| Ist einer ohne Selbstvertraun |
| In Gegenwart von schönen Fraun, |
| So daß sie ihn als faden Gecken |
| Abfahren lassen oder necken, |
| Und fühlt er drob geheimen Groll |
| Und weiß nicht, was er sagen soll, |
| Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen |
| Ein unaussprechliches Vergnügen. |
| Und hat er Kursverlust erlitten, |
| Ist er moralisch ausgeglitten, |
| So giebt es Leute, die doch immer |
| Noch dümmer sind als er und schlimmer. |
| Und hat er etwa krumme Beine, |
| So giebt's noch krümmere als seine. |
| Er tröstet sich und lacht darüber |
| Und denkt: Da bin ich mir doch lieber. |
| Den Teufel lass ich aus dem Spiele. |
| Auch sonst noch lachen ihrer Viele, |
| Besonders jene ewig Heitern, |
| Die unbewusst den Mund erweitern. |
| Die so zu sagen, auserkoren |
| Zum Lachen bis an beide Ohren. |
| Sie freuen sich mit Weib und Kind |
| Schon bloß, weil sie vorhanden sind. |
| Ich dahingegen, der ich sitze |
| Auf der Betrachtung höchster Spitze, |
| Weit über allem Was und Wie, |
| Ich bin für mich und lache nie. |
| Des morgens früh, sobald ich mir |
| Mein Pfeifchen angezündet, |
| Geh ich hinaus zur Hinterthür, |
| Die in den Garten mündet. |
| |
| Besonders gern betracht ich dann |
| Die Rosen, die so niedlich; |
| Die Blattlaus sitzt und saugt daran |
| So grün, so still, so friedlich. |
| |
| Und doch wird sie, so still sie ist, |
| Der Grausamkeit zur Beute; |
| Der Schwebefliegen Larve frißt |
| Sie auf bis auf die Häute. |
| |
| Schluppwespchen flink und klimperklein, |
| So sehr die Laus sich sträube, |
| Sie legen doch ihr Ei hinein |
| Noch bei lebendgem Leibe. |
| |
| Sie aber sorgt nicht nur mit Fleiß |
| Durch Eier für Vermehrung; |
| Sie kriegt auch Junge hundertweis |
| Als weitere Bescherung. |
| |
| Sie nährt sich an dem jungen Schaft |
| Der Rosen, eh sie welken; |
| Ameisen kommen, ihr den Saft |
| Sanft streichelnd abzumelken. |
| |
| So seh ich in Betriebsamkeit |
| Das hübsche Ungeziefer |
| Und rauche während dieser Zeit |
| Mein Pfeifchen tief und tiefer. |
| |
| Daß keine Rose ohne Dorn, |
| Bringt mich nicht aus dem Häuschen. |
| Auch sag ich ohne jeden Zorn: |
| Kein Röslein ohne Läuschen! |
| Die Mutter plagte ein Gedanke. |
| Sie kramt im alten Kleiderschranke, |
|
| Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt, |
| Doch friedlich, bei einander hängt. |
| Auf einmal ruft sie: Ei sieh da, |
| Der Schwalbenschwanz, da ist er ja! |
| Den blauen, längst nicht mehr benützten, |
| Den hinten zwiefach zugespitzten, |
| Mit blanken Knöpfen schön geschmückt, |
| Der einst so manches Herz berückt, |
| Ihn trägt sie klug und überlegt |
| Dahin, wo sie zu schneidern pflegt, |
| Und trennt und wendet, näht und misst, |
| Bis daß das Werk vollendet ist. |
| Auf die Art aus des Vaters Fracke |
| Kriegt Fritzchen eine neue Jacke. |
| Grad so behilft sich der Poet. |
| Du liebe Zeit, was soll er machen? |
| Gebraucht sind die Gedankensachen |
| Schon alle, seit die Welt besteht. |
| Im Hochgebirg vor seiner Höhle |
| Saß der Asket; |
| Nur noch ein Rest von Leib und Seele |
| Infolge äußerster Diät. |
| Demüthig ihm zu Füßen kniet |
| Ein Jüngling, der sich längst bemüht, |
| Des strengen Büßers strenge Lehren |
| Nachdenklich prüfend anzuhören. |
| Grad schließt der Klausner den Sermon |
| Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn. |
| Verlass das böse Weltgetriebe. |
| Vor allem unterlass die Liebe, |
| Denn grade sie erweckt auf's Neue |
| Das Leben und mit ihm die Reue. |
| Da schau mich an. Ich bin so leicht, |
| Fast hab ich schon das Nichts erreicht, |
| Und bald verschwind ich in das reine |
| Zeit- raum- und traumlos Allundeine. |
| Als so der Meister in Ekstase, |
| Sticht ihn ein Bienchen in die Nase. |
| Oh, welch ein Schrei! |
| Und dann das Mienenspiel dabei. |
| Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich? |
| Wer solchermaßen leidensfähig, |
| Wer so gefühlvoll und empfindlich, |
| Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich |
| Und stirbt noch nicht zum letzten Mal. |
| Mit diesem kühlen Wort empfahl |
| Der Jüngling sich und stieg hernieder |
| Ins tiefe Thal und kam nicht wieder. |
| Er war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte |
| Genügten für die laufenden Geschäfte. |
| Nur hatt er die Marotte, |
| Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern, |
| Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte, |
| Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn. |
| Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte, |
| Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte: |
| Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm. |
| Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum. |
| Ja, sprach der Freund, so sind die Leute. |
| Man hat an einem Papst genug. |
| Du bist der zweite. |
| Das eben kann man nicht vertragen. |
| Hör zu, ich will dir mal was sagen: |
| Wer schweigt, ist klug. |
| Der Narr verstummt, als ob er überlege. |
| Der gute Freund ging leise seiner Wege. |
| Und schau, nach vierzehn Tagen grade |
| Da traf er ihn schon auf der Promenade. |
| Ei, rief der Freund, wo kommst du her? |
| Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr? |
| Freund, sprach der Narr und lächelt schlau, |
| Du scheinst zur Neugier sehr geneigt. |
| Das, was wir sind, weiß ich genau. |
| Wir alle haben unsern Sparren, |
| Doch sagen thun es nur die Narren. |
| Der Weise schweigt. |
| Als Kind von angenehmen Zügen |
| War Röschen ein gar lustig Ding. |
| Gern zupfte sie das Bein der Fliegen, |
| Die sie geschickt mit Spucke fing. |
| |
| Sie wuchs, und größere Objekte |
| Lockt sie von nun an in ihr Garn, |
| Nicht nur die jungen, nein, sie neckte |
| Und rupft auch manchen alten Narrn. |
| |
| Inzwischen that in stillem Walten |
| Die Zeit getreulich ihre Pflicht. |
| Durch wundersame Bügelfalten |
| Verziert sie Röschens Angesicht. |
| |
| Und locker wurden Röschens Zähne. |
| Kein Freier stellte sich mehr ein. |
| Und schließlich kriegt sie gar Migräne, |
| Und die pflegt dauerhaft zu sein. |
| |
| Dies führte sie zum Aberglauben, |
| Obwohl sie sonst nicht gläubig schien. |
| Sie meinte fest, daß Turteltauben |
| Den Schmerz der Menschen an sich ziehn. |
| |
| Zwei Stück davon hat sie im Bauer, |
| Ein Pärchen, welches zärtlich girrt; |
| Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer, |
| Ob ihnen noch nicht übel wird. |
| Miezel, eine schlaue Katze, |
| Molly, ein begabter Hund, |
| Wohnhaft an demselben Platze, |
| Hassten sich aus Herzensgrund. |
| |
| Schon der Ausdruck ihrer Mienen, |
| Bei gesträubter Haarfrisur, |
| Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen |
| Ist von Liebe keine Spur. |
| |
| Doch wenn Miezel in dem Baume, |
| Wo sie meistens hin entwich, |
| Friedlich dasitzt, wie im Traume, |
| Dann ist Molly außer sich. |
| |
| Beide lebten in der Scheune, |
| Die gefüllt mit frischem Heu. |
| Alle beide hatten Kleine, |
| Molly zwei und Miezel drei. |
| |
| Einst zur Jagd ging Miezel wieder |
| Auf das Feld. Da geht es bumm. |
| Der Herr Förster schoß sie nieder. |
| Ihre Lebenszeit ist um. |
| |
| Oh, wie jämmerlich miauen |
| Die drei Kinderchen daheim. |
| Molly eilt, sie zu beschauen, |
| Und ihr Herz geht aus dem Leim. |
| |
| Und sie trägt sie kurz entschlossen |
| Zu der eignen Lagerstatt, |
| Wo sie nunmehr fünf Genossen |
| An der Brust zu Gaste hat. |
| |
| Mensch, mit traurigem Gesichte, |
| Sprich nicht nur von Leid und Streit, |
| Selbst in Brehms Naturgeschichte |
| Findet sich Barmherzigkeit. |
| Ach, wie eilte so geschwinde |
| Dieser Sommer durch die Welt. |
| Herbstlich rauscht es in der Linde, |
| Ihre Blätter mit dem Winde |
| Wehen über's Stoppelfeld. |
| |
| Hörst du in den Lüften klingend |
| Sehnlich klagend das Kuru? |
| Wandervögel, flügelschwingend, |
| Lebewohl der Heimath singend, |
| Ziehn dem fremden Lande zu. |
| |
| Morgen muß ich in die Ferne. |
| Liebes Mädchen, bleib mir gut. |
| Morgen lebt in der Kaserne, |
| Daß er exerziren lerne, |
| Dein dich liebender Rekrut. |
| Es war die erste Maiennacht. |
| Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht. |
| Da hielten, wie es stets der Fall, |
| Die Thiere ihren Frühlingsball. |
| Die Gans, die gute Adelheid, |
| Fehlt nie bei solcher Festlichkeit, |
| Obgleich man sie nach altem Brauch |
| Zu necken pflegt. So heute auch. |
| Frau Schnabel, nannte sie der Kater, |
| Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater; |
| Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl, |
| Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl. |
| So saß sie denn in ödem Schweigen |
| Allein für sich bei Spiel und Reigen, |
| Bei Freudenlärm und Jubeljux. |
| Sieh da, zum Schluß hat auch der Fuchs |
| Sich ungeladen eingedrängelt. |
| Schlau hat er sich herangeschlängelt. |
| Ihr Diener, säuselt er galant, |
| Wie geht's der Schönsten in Brabant? |
| Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig. |
| Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich. |
| Sie nickt verschämt: O Herr Baron! |
| Indem so walzen sie auch schon. |
| Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze |
| Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze. |
| Da tönt es vier mit lautem Schlag. |
| Das Fest ist aus. Es naht der Tag, — |
| Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer, |
| Ging Mutter Urschel aus, wie immer, |
| Mit Korb und Sichel, um verstohlen |
| Sich etwas fremden Klee zu holen. |
| An einer Hecke bleibt sie stehn: |
| Herrjeh, was ist denn hier geschehn? |
| Die Füchse, sag ich, soll man rädern. |
| Das sind wahrhaftig Gänsefedern. |
| Ein frisches Ei liegt dicht daneben. |
| Ich bin so frei es aufzuheben. |
| Ach, armes Thier, sprach sie bewegt. |
| Dies Ei hast du vor Angst gelegt. |
| Ach, wie vieles muß man rügen, |
| Weil es sündlich und gemein, |
| So, zum Beispiel, das Vergnügen, |
| Zuzusehn bei Prügelein. |
| |
| Noch vor kurzem hab ich selber |
| Mir zwei Gockel angesehn, |
| Hier ein schwarzer, da ein gelber, |
| Die nicht gut zusammen stehn. |
| |
| Plötzlich kam es zum Skandale, |
| Denn der schwarze macht die Kur, |
| Was dem gelben alle Male |
| Peinlich durch die Seele fuhr. |
| |
| Mit den Krallen, mit den Sporen, |
| Mit dem Schnabel, scharf gewetzt, |
| Mit den Flügeln um die Ohren |
| Hat es Hieb auf Hieb gesetzt. |
| |
| Manche Feder aus dem Leder |
| Reißen und zerschleißen sie, |
| Und zum Schlusse ruft ein jeder |
| Triumphirend Kickriki! |
| |
| Voller Freude und mit wahrem |
| Eifer sah ich diesen Zwist, |
| Während jedes Huhn im Harem |
| Höchst gelassen weiter frisst. |
| |
| Solch ein Weibervolk mit Flügeln |
| Meint, wenn Gockel früh und spät |
| Seinetwegen sich verprügeln, |
| Daß sich das vonselbst versteht. |
| Ich ging zur Bahn. Der Abendzug |
| Kam erst um halber zehn. |
| Wer zeitig geht, der handelt klug, |
| Er kann gemüthlich gehn. |
| |
| Der Frühling war so warm und mild, |
| Ich ging wie neubelebt, |
| Zumal ein werthes Frauenbild |
| Mir vor der Seele schwebt. |
| |
| Daß ich sie heut noch sehen soll, |
| Daß sie gewiß noch wach, |
| Davon ist mir das Herz so voll, |
| Ich steh und denke nach. |
| |
| Ein Häslein, das vorüber stiebt, |
| Ermahnt ich: Lass dir Zeit, |
| Ein guter Mensch, der glücklich liebt, |
| Thut keinem was zu leid. |
| |
| Von ferne aus dem Wiesenteich |
| Erklang der Frösche Chor, |
| Und überm Walde stieg zugleich |
| Der goldne Mond empor. |
| |
| Da bist du ja, ich grüße dich, |
| Du traulicher Kumpan. |
| Bedächtig wandelst du wie ich |
| Dahin auf deiner Bahn. |
| |
| Dies lenkte meinen Denkersinn |
| Auf den Geschäftsverlauf; |
| Ich überschlug mir den Gewinn. |
| Das hielt mich etwas auf. |
| |
| Doch horch, da ist die Nachtigall, |
| Sie flötet wunderschön. |
| Ich flöte selbst mit sanftem Schall |
| Und bleib ein wenig stehn. |
| |
| Und flötend kam ich zur Station, |
| Wie das bei mir Gebrauch. |
| O weh, was ist das für ein Ton? |
| Der Zug der flötet auch. |
| |
| Dort saust er hin. Ich stand versteint. |
| Dann sah ich nach der Uhr, |
| Wie jeder, der zu spät erscheint. |
| So will es die Natur. |
| Fritz, der mal wieder schrecklich träge, |
| Vermuthet, heute giebt es Schläge, |
| Und knöpft zur Abwehr der Attacke |
| Ein Buch sich unter seine Jacke, |
| Weil er sich in dem Glauben wiegt, |
| Daß er was auf den Buckel kriegt. |
| Die Schläge trafen richtig ein. |
| Der Lehrer meint es gut. Allein |
| Die Gabe wird für heut gespendet |
| Mehr unten, wo die Jacke endet, |
| Wo Fritz nur äußerst leicht bekleidet |
| Und darum ganz besonders leidet. |
| Ach, daß der Mensch so häufig irrt |
| Und nie recht weiß, was kommen wird! |
| Ein Mensch, der etwas auf sich hält, |
| Bewegt sich gern in feiner Welt, |
| Denn erst in weltgewandten Kreisen |
| Lernt man die rechten Redeweisen, |
| Verbindlich, aber zugespitzt, |
| Und treffend, wo die Schwäre sitzt. |
| Es ist so wie mit Rector Knaut, |
| Der immer lächelt, wenn er haut. |
| Auch ist bei Knaben weit berüchtigt |
| Das Instrument, womit er züchtigt. |
| Zu diesem Zweck bedient er nämlich, |
| Als für den Sünder gut bekömmlich, |
| Sich einer schlanken Haselgerte, |
| Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte, |
| Die sich, von rascher Hand bewegt, |
| Geschmeidig um die Hüfte legt. |
| Nur wer es fühlte, der begreift es: |
| Vorn schlägt er zu und hinten kneift es. |
| Sag Atome, sage Stäubchen. |
| Sind sie auch unendlich klein, |
| Haben sie doch ihre Leibchen |
| Und die Neigung da zu sein. |
| |
| Haben sie auch keine Köpfchen, |
| Sind sie doch voll Eigensinn. |
| Trotzig spricht das Zwerggeschöpfchen: |
| Ich will sein so wie ich bin. |
| |
| Suche nur, sie zu bezwingen, |
| Stark und findig, wie du bist. |
| Solch ein Ding hat seine Schwingen, |
| Seine Kraft und seine List. |
| |
| Kannst du auch aus ihnen schmieden |
| Deine Rüstung als Despot, |
| Schließlich wirst du doch ermüden, |
| Und dann heißt es: Er ist todt. |
| Lange warst du im Gedrängel, |
| Aller Dinge tief versteckt, |
| Bis als einen kleinen Bengel |
| Unser Auge dich entdeckt. |
| |
| Schreiend hast du Platz genommen, |
| Zum Genuß sofort bereit, |
| Und wir hießen dich willkommen, |
| Pflegten dich mit Zärtlichkeit. |
| |
| Aber eh du recht empfunden, |
| Was daheim für Freuden blühn, |
| Hast dein Bündel du gebunden, |
| Um in fremdes Land zu ziehn. |
| |
| Leichte lustige Gesellen |
| Finden sich an jedem Ort. |
| Weiber schelten, Hunde bellen, |
| Lachend zogst du weiter fort. |
| |
| Sahst die Welt an beiden Enden, |
| Hast genippt und hast genascht. |
| Endlich fest mit Klammerhänden |
| Hat die Liebe dich erhascht. |
| |
| Und du zogst den Kinderwagen, |
| Und du trugst, was dir bestimmt, |
| Seelenlast und Leibesplagen, |
| Bis der Rücken sich gekrümmt |
| |
| Nur Geduld. Es steht ein Flieder |
| An der Kirche grau und alt. |
| Dort für deine müden Glieder |
| Ist ein kühler Aufenthalt. |
| Wahrlich, sagte meine Tante, |
| Die fast alle Geister kannte, |
| Keine Täuschung ist die Trud. |
| Weißt du nicht, daß böse Seelen |
| Nächtlich aus dem Leibe rücken, |
| Um den Menschen zu bedrücken |
| Und zu treten und zu quälen, |
| Wenn er auf dem Rücken ruht? |
| Lautlos durch verschlossne Thüren |
| Immer näher siehst du's kommen, |
| Zauberhaft und wunderlich. |
| Und dir graust es vor dem Dinge, |
| Und du kannst dich doch nicht rühren, |
| Und du fühlst dich so beklommen, |
| Möchtest rufen, wenn's nur ginge, |
| Und auf einmal hat es dich. |
| Doch wer klug, weiß sich zu schützen: |
| Abends beim Zurruhegehn |
| Brauchst du bloß darauf zu sehn, |
| Daß die Schuhe mit den Spitzen |
| Abgewandt vom Bette stehn. |
| Außerdem hab ich gehört: |
| Leichtes Herz und leichter Magen, |
| Wie in andern Lebenslagen, |
| Sind auch hier empfehlenswerth. |
| Um acht, als seine werthe Sippe |
| Noch in den Federn schlummernd lag, |
| Begrüßt er von der Felsenklippe |
| Bereits den neuen Frühlingstag. |
| |
| Und wie die angenehme Sonne |
| Liebreich zu ihm hernieder schaut, |
| Da ist in süßer Rieselwonne |
| Sein ganzes Wesen aufgethaut. |
| |
| Es schmilzt die schwere Außenhülle. |
| Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht. |
| Er schwebt im Geist als freier Wille |
| Hinaus, so weit das Auge reicht. |
| |
| Fort überthal, zu fernen Hügeln, |
| Den Strom entlang, bis an das Meer, |
| Windeilig, wie auf Möwenflügeln, |
| Zieht er in hoher Luft einher. |
| |
| Hier traf er eine Wetterwolke. |
| Die wählt er sich zum Herrschersitz. |
| Erhaben über allem Volke |
| Thront er in Regen, Sturm und Blitz. |
| |
| Oweh, der Zauber ist zuende. |
| Durchweicht vom Hut bis in die Schuh, |
| Der Buckel steif und lahm die Lende, |
| So schleicht er still der Heimat zu. |
| |
| Zum Trost für seine kalten Glieder |
| Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß. |
| Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder |
| Dein Reißen in den Hinterfuß. |
| Es war ein Mägdlein froh und keck, |
| Stets lacht ihr Rosenmund, |
| Ihr schien die Liebe Lebenszweck |
| Und alles andre Schund. |
| |
| Sie denkt an nichts, als an Pläsir, |
| Seitdem die Mutter todt, |
| Sie lacht und liebt, obgleich es ihr |
| Der Vater oft verbot. |
| |
| Einst hat sie frech und unbedacht |
| Den Schatz, der ihr gefällt, |
| Sich für die Zeit um Mitternacht |
| Zum Kirchhof hinbestellt. |
| |
| Und als sie kam zum Stelldichein, |
| O hört, was sich begab. |
| Da stand ein Geist im Mondenschein |
| Auf ihrer Mutter Grab. |
| |
| Er steht so starr, er steht so stumm, |
| Er blickt so kummervoll. |
| Das Mägdlein dreht sich schaudernd um |
| Und rennt nach Haus wie toll. |
| |
| Es wird, wer einen Geist gesehn, |
| Nie mehr des Lebens froh, |
| Er fühlt, es ist um ihn geschehn. |
| Dem Mägdlein ging es so. |
| |
| Sie welkt dahin, sie will und mag |
| Nicht mehr zu Spiel und Tanz. |
| Man flocht ihr um Johannistag |
| Bereits den Todtenkranz. |
| Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus. |
| Er schaut und zieht die Stirne kraus. |
| Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht? |
| Die Köchin sprach: Es war die Liese, |
| Die Alte von der Gänsewiese. |
| Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht, |
| Wie durch die Luft in feurigem Bogen |
| Der Böse in ihren Schlot geflogen. |
| Verdammte Hex, |
| Ich riech, ich schmeck's, |
| Der Teufel hat die Wurst gemacht. |
| Spitz, da geh her! — Der Hund, nicht faul, |
| Verzehrt die Wurst und leckt das Maul. |
| Er nimmt das Gute, ohne zu fragen, |
| Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen. |
| Es fand der geizige Bauer Kniep |
| Im Grabe keine Ruhe. |
| Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb |
| Ihn wieder zu seiner Truhe. |
| |
| Die Erben wollten diesen Gast |
| Im Haus durchaus nicht haben, |
| Weil ihnen der Verkehr verhasst |
| Mit Einem, der schon begraben. |
| |
| Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz |
| Ergebenst verschwinden sollt er. |
| Er aber vollführte seinerseits |
| Nur um so mehr Gepolter. |
| |
| Zum Glück kam gerade zugereist |
| Ein Meister, der vieles erkundet. |
| Der hat gar schlau den bösen Geist |
| In einem Fass verspundet. |
| |
| Man fuhr es bequem, als wär es leer, |
| Bis an ein fließend Gewässer. |
| Da plötzlich machte sich Kniep so schwer, |
| Wie zehn gefüllte Fässer. |
| |
| Gottlieb, der Kutscher, wundert sich. |
| Nach rückwärts blickt er schnelle. |
| Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich |
| Und spukt an der alten Stelle. |
| |
| Wie sonst, besucht er jede Nacht |
| Die eisenbeschlagene Kiste |
| Und rumpelt, hustet, niest und lacht, |
| Als ob er von nichts was wüsste. |
| |
| Kein Mittel erwies sich als probat. |
| Der Geist ward nur erboster. |
| Man trug, es blieb kein andrer Rath, |
| Den Kasten zum nächsten Kloster. |
| |
| Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift |
| Und herzlich guten Morgen! |
| Was Geld und böse Geister betrifft, |
| Das wollen wir schon besorgen. |
| Ich bin ein armer Schreiber nur, |
| Hab weder Haus noch Acker, |
| Doch freut mich jede Kreatur, |
| Sogar der Spatz, der Racker. |
| |
| Er baut von Federn, Haar und Stroh |
| Sein Nest geschwind und flüchtig, |
| Er denkt, die Sache geht schon so, |
| Die Schönheit ist nicht wichtig. |
| |
| Wenn man den Hühnern Futter streut, |
| Gleich mengt er sich dazwischen, |
| Um schlau und voller Rührigkeit |
| Sein Körnlein zu erwischen. |
| |
| Maikäfer liebt er ungemein, |
| Er weiß sie zu behandeln; |
| Er hackt die Flügel, zwackt das Bein |
| Und knackt sie auf wie Mandeln. |
| |
| Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt |
| Das Fleisch der Beeren gerne; |
| Dann hat, wer diesen Baum besitzt, |
| Nachher die schönsten Kerne. |
| |
| Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht |
| Und ordnet sein Gefieder. |
| Für heute bleibt er weg vielleicht, |
| Doch morgen kommt er wieder. |
| |
| Und ist es Winterzeit und hat's |
| Geschneit auf alle Dächer, |
| Verhungern thut kein rechter Spatz, |
| Er kennt im Dach die Löcher. |
| |
| Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich! |
| Er fasst mich scharf in's Auge. |
| Er scheint zu glauben, daß auch ich |
| Im Grunde nicht viel tauge. |
| Frau Grete hatt ein braves Huhn, |
| Das wusste seine Pflicht zu thun. |
| Es kratzte hinten, pickte vorn, |
| Fand hier ein Würmchen, da ein Korn, |
| Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen |
| Und eilte dann mit viel Vergnügen |
| Zum stillen Nest, um hier geduldig |
| Das zu entrichten, was es schuldig. |
| Fast täglich tönte sein Geschrei: |
| Victoria, ein Ei, ein Ei! |
| Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen, |
| Doch könnt es wohl noch besser legen. |
| Drum reicht sie ihm, es zu verlocken, |
| Oft extra noch die schönsten Brocken. |
| Dem Hühnchen war das angenehm. |
| Es putzt sich, macht es sich bequem, |
| Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig |
| Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig. |
| Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang |
| Mal hie und da ein Ei gelang. |
| Dies hat Frau Greten schwer bedrückt, |
| Besonders, wenn sie weiter blickt; |
| Denn wo kein Ei, da ist's vorbei |
| Mit Rührei und mit Kandisei. |
| Ein fettes Huhn legt wenig Eier. |
| Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier, |
| Der auch nicht viel mehr dichten kann, |
| Seit er das große Loos gewann. |
| Wer einsam ist, der hat es gut, |
| Weil Keiner da, der ihm was thut. |
| Ihn stört in seinem Lustrevier |
| Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier, |
| Und Niemand giebt ihm weise Lehren, |
| Die gut gemeint und bös zu hören. |
| Der Welt entronnen, geht er still |
| In Filzpantoffeln, wann er will. |
| Sogar im Schlafrock wandelt er |
| Bequem den ganzen Tag umher. |
| Er kennt kein weibliches Verbot, |
| Drum raucht und dampft er wie ein Schlot. |
| Geschützt vor fremden Späherblicken, |
| Kann er sich selbst die Hose flicken. |
| Liebt er Musik, so darf er flöten, |
| Um angenehm die Zeit zu tödten, |
| Und laut und kräftig darf er prusten, |
| Und ohne Rücksicht darf er husten, |
| Und allgemach vergisst man seiner. |
| Nur allerhöchstens fragt mal Einer: |
| Was, lebt er noch? Ei schwerenoth, |
| Ich dachte längst, er wäre todt. |
| Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen, |
| Läßt sich das Glück nicht schöner malen. |
| Worauf denn auch der Satz beruht: |
| Wer einsam ist, der hat es gut. |
| Man sagt, ein Schnäpschen, insofern |
| Es kräftig ist, hat jeder gern. |
| Ganz anders denkt das Volk der Bienen, |
| Der Süffel ist verhasst bei ihnen, |
| Sein Wohlgeruch thut ihnen weh. |
| Sie trinken nichts wie Blüthenthee, |
| Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank, |
| Gleich ziehen sie den Stachel blank. |
| Letzthin hat einem Bienenstöckel |
| Der brave alte Schneider Böckel, |
| Der nicht mehr nüchtern in der That, |
| Aus Neubegierde sich genaht. |
| Sofort von einem regen Leben |
| Sieht Meister Böckel sich umgeben. |
| Es dringen giftgetränkte Pfeile |
| In seine nackten Körpertheile, |
| Ja manche selbst durch die nur lose |
| Und leichtgewirkte Sommerhose, |
| Besonders, weil sie stramm gespannt. |
| Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt. |
| Er zieht sich kämpfend wie ein Held |
| Zurück in's hohe Erbsenfeld. |
| Hier hat er Zeit, an vielen Stellen |
| Des Leibes merklich anzuschwellen, |
| Und als er wiederum erscheint, |
| Erkennt ihn kaum sein bester Freund. |
| Natürlich, denn bei solchem Streit |
| Verliert man seine Ähnlichkeit. |
| Die laute Welt und ihr Ergötzen, |
| Als eine störende Erscheinung, |
| Vermag der Weise nicht zu schätzen. |
| Ein Maulwurf war der gleichen Meinung. |
| Er fand an Lärm kein Wohlgefallen, |
| Zog sich zurück in kühle Hallen |
| Und ging daselbst in seinem Fach |
| Stillfleißig den Geschäften nach. |
| Zwar sehen konnt er da kein Bissel, |
| Indessen sein getreuer Rüssel, |
| Ein Nervensitz voll Zartgefühl, |
| Führt sicher zum erwünschten Ziel. |
| Als Nahrung hat er sich erlesen |
| Die Leckerbissen der Chinesen, |
| Den Regenwurm und Engerling, |
| Wovon er vielfach fette fing. |
| Die Folge war, was ja kein Wunder, |
| Sein Bäuchlein wurde täglich runder, |
| Und wie das häufig so der Brauch, |
| Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch. |
| Wohl ist er stattlich von Person |
| Und kleidet sich wie ein Baron, |
| Nur schad, ihn und sein Sammetkleid |
| Sah Niemand in der Dunkelheit. |
| So trieb ihn denn der Höhensinn, |
| Von unten her nach oben hin, |
| Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr, |
| Zu seines Namens Ruhm und Ehr |
| Gewölbte Tempel zu entwerfen, |
| Um denen draußen einzuschärfen, |
| Daß innerhalb noch einer wohne, |
| Der etwas kann, was nicht so ohne. |
| Mit Baulichkeiten ist es misslich. |
| Ob man sie schatzt, ist ungewisslich. |
| Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke, |
| Ein Gärtner, kam mit einer Hacke. |
| Durch kurzen Hieb nach langer Lauer |
| Zieht er an's Licht den Tempelbauer |
| Und haut so derb ihn übers Ohr, |
| Daß er den Lebensgeist verlor. |
| Da liegt er nun der stolze Mann. |
| Wer thut die letzte Ehr ihm an? |
| Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt, |
| Die haben ihn mit Sand bedeckt. |
| Ich schlief. Da hatt ich einen Traum. |
| Mein Ich verließ den Seelenraum. |
| Frei vom gemeinen Tagesleben, |
| Vermocht ich leicht dahin zu schweben. |
| So, angenehm mich fortbewegend, |
| Erreicht ich eine schöne Gegend. |
| Wohin ich schwebte, wuchs empor |
| Alsbald ein bunter Blumenflor, |
| Und lustig schwärmten um die Dolden |
| Viel tausend Falter, roth und golden. |
| Ganz nah auf einem Lilienstengel, |
| Einsam und sinnend, saß ein Engel, |
| Und weil das Land mir unbekannt, |
| Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land? |
| Hier, sprach er, ändern sich die Dinge. |
| Du bist im Reich der Schmetterlinge. |
| Ich aber, wohlgemuth und heiter, |
| Zog achtlos meines Weges weiter. |
| Da kam, wie ich so weiter glitt, |
| Ein Frauenbild und schwebte mit, |
| Als ein willkommenes Geleite, |
| Anmuthig lächelnd mir zur Seite, |
| Und um sie nie mehr loszulassen, |
| Dacht ich die Holde zu umfassen; |
| Doch eh ich Zeit dazu gefunden, |
| Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden. |
| Mir war so schwül. Ich mußte trinken. |
| Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken. |
| Ich bückte mich hinab zum Wasser. |
| Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser, |
| Vom Grund herauf mich beim Genick. |
| Zwar zog ich eilig mich zurück, |
| Allein der Hals war steif und krumm, |
| Nur mühsam dreht ich ihn herum, |
| Und ach, wie war es rings umher |
| Auf einmal traurig, öd und leer. |
| Von Schmetterlingen nichts zu sehn, |
| Die Blumen, eben noch so schön, |
| Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt. |
| So bin ich seufzend fortgehumpelt, |
| Denn mit dem Fliegen, leicht und frei, |
| War es nun leider auch vorbei. |
| Urplötzlich springt aus einem Graben, |
| Begleitet vom Geschrei der Raben, |
| Mir eine Hexe auf den Nacken |
| Und spornt mich an mit ihren Hacken, |
| Und macht sich schwer, wie Bleigewichte, |
| Und drückt und zwickt mich fast zunichte, |
| Bis daß ich matt und lendenlahm |
| Zu einem finstern Walde kam. |
| Ein Jägersmann, dürr von Gestalt, |
| Trat vor und rief ein dumpfes Halt. |
| Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen, |
| Schon ist die Sehne straff gezogen. |
| Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich, |
| Und von dem Todesschreck erwacht ich |
| Und sprang vom Lager ungesäumt, |
| Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt. |