Verschiedene Mahlungszustände von Papierfasern.
Es ist bekannt, daß eine Reihe von Fasern, unter den Lumpen besonders die Leinenfasern, je länger sie im Holländer gemahlen werden, um so mehr in feine Fibrillen zerfallen, so daß es unter Umständen nicht mehr möglich ist, mit Sicherheit festzustellen, welchen Rohstoffen die feinsten Teilchen entstammen. Diese weitgehende Mahlung wird vorzugsweise bei festen Schreibpapieren, bei Zigarettenpapieren u. s. w. ausgeübt. Man bezeichnet den so erhaltenen Stoff als „schmierig“. Bei anderen Arten von Papier, z. B. bei Löschpapieren, will man schmierigen Stoff soviel wie möglich vermeiden, und man mahlt daher so, daß die Fasern möglichst nur verkürzt, nicht aber ausgefasert werden, d. h. mit scharfen Messern und bei dünn eingetragenem Stoff; den so erhaltenen Stoff bezeichnet man als „rösch“.
Diese verschiedenen Mahlungsarten geben naturgemäß den Fasern im mikroskopischen Bilde ein ganz verschiedenartiges Aussehen. Einige Beispiele hierfür sind in [Tafel XV] wiedergegeben, nämlich:
- 1 Zigarettenpapier,
- 1 holländisches Banknotenpapier,
- 2 Photographiepapiere,
- 3 Normalpapiere der Verwendungsklasse 1,
- 1 Dokumentenpapier aus ungebleichten Lumpen,
- 1 Löschpapier,
- 1 Packpapier.
Die Aufnahmen erfolgten bei einer 25fachen Vergrößerung.
Wenn man den Zustand der Fasern von dem Papier [Nr. 1] bis zu dem [Nr. 10] verfolgt, so wird man die großen Unterschiede, welche sich darbieten, nicht verkennen können. Beim Papier [Nr. 1] sind die Fasern derartig vermahlen, daß man kaum noch einzelne gut erhaltene Faserbruchstücke auffinden kann. Von Papier [Nr. 2] gilt fast dasselbe, jedoch finden sich hier schon mehrere noch bis zu einem gewissen Grade unversehrte Fasern. Verfolgt man die Papiere weiter, so wird man im großen und ganzen eine Abnahme feinster Fibrillen und eine Zunahme besser erhaltener Fasern beobachten können, bis zu dem Papier [Nr. 9] und [Nr. 10], welche nur noch in äußerst geringem Grade Zerstörungserscheinungen der Fasern zeigen. Den Zustand der Fasern in jedem einzelnen Fall zu beschreiben, ist außerordentlich schwer; das Bild wirkt in diesem Falle besser und ist genügend aufklärend. Wenn daher von dem Untersuchenden verlangt wird, er soll den Mahlungszustand der im Papier enthaltenen Fasern angeben, so dürfte sein Urteil erheblich an Wert gewinnen, wenn der Erklärung eine mikrophotographische Aufnahme der Fasern beigegeben würde.
Vielleicht könnte man auch durch zahlreiche Aufnahmen Gruppen von Mahlungszuständen schaffen, gewissermaßen Normalzustände, welche in geeigneter Weise den Interessenten zugänglich zu machen wären. Man könnte dann bei Untersuchung von Papier hinsichtlich des Faserzustandes auf diese Normalien hinweisen und brauchte so nicht jedesmal dem Untersuchungsbefund eine photographische Abbildung beizufügen. Aus den hier vorliegenden Beispielen könnte man vielleicht folgende Zusammenstellung schaffen ([S. 93]).
Papier | Art des Papiers | Stoff- | Mittlere | Widerstand | |
Reiß- | Deh- | ||||
2 | Holländisches | Wegen starker Zer- | 7275 | 11,1 | außerordentlich |
3 | Normal 1[41] | Leinen, Zusatz | 6215 | 4,7 | sehr groß |
4 | Dokumentenpapier | Leinen, geringe | 8425 | 5,6 | außerordentlich |
5 | Normal 1[41] | Leinen, Baumwolle | 6050 | 4,2 | sehr groß |
6 | Normal 1[41] | Baumwolle, geringe | 6825 | 7,2 | außerordentlich |
7 | Photographiepapier | Leinen, sehr geringe | 2600 | 3,8 | gering |
8 | Photographiepapier | Leinen, sehr geringe | 4350 | 4,5 | gering |
10 | Packpapier | Manilahanf | 6750 | 4,5 | außerordentlich |
| Gruppe | I. | Nr. | 1–3; |
| „ | II. | „ | 4, 5 und 6; |
| „ | III. | „ | 7 und 8; |
| „ | IV. | „ | 9 und 10. |
Kommt nun ein Papier auf den Zustand der Faser zur Untersuchung, so könnte man einfach auf Grund des mikroskopischen Bildes unter Hinweis auf die geschaffenen Normalgruppen erklären, daß das Papier sich im Mahlungszustand beispielsweise der Gruppe II nähert. Solche Angaben würden für den Fabrikanten in vielen Fällen von Wert sein.
Mit acht der abgebildeten zehn Papiere sind Festigkeitsversuche ausgeführt worden, und es wird interessant sein, die hierbei ermittelten Werte kennen zu lernen (vergl. [S. 92]).
[41] Die drei Normalpapiere 1 rühren aus drei verschiedenen Fabriken her.