Achtes Kapitel.

Als Hofmarschall und Kammerherren, aus dem Schlafe geweckt, atemlos und mit verstörten Gesichtern auf dem Bahnhof erschienen, war die schwarze Qualmwolke des Kurierzuges längst in der hellen Morgenluft verweht.

Es war sechs Uhr morgens.

Man drängte um den Stationsassistenten, der, immer noch fassungslos, nichts zu berichten wußte, als daß Durchlaucht kurz vor Passieren des Kurierzuges vorgefahren sei, Ordre gab, den Zug halten zu lassen, und – nur von dem Kammerdiener begleitet – die Reise angetreten habe.

Ja, was war geschehen?!

Was?! Was?!!

Und der Hofmarschall starrte wie betäubt nach Süden, wo die Schienen der Eisenbahn sich silbernflimmernd hindehnten …

*

So fuhr Karl Heinrich noch einmal gen Heidelberg.

Es war ein Maitag wie damals vor zwei Jahren. Dieselben Dörfer, Mühlen, Felder, Städte flogen vorbei, das Gebirge der Rhön, blaute in der Ferne, der Zug erklomm die Höhen des Main, und dort das Land in der Ferne, dem man entgegeneilte, war Süddeutschland.

Ja, was war geschehen?

Die Sonne stand hoch am Himmel, heiß, blendend. Der Fürst ließ die blauen Vorhänge am Fenster nieder und schloß die Augen. Er war müde. Seit dreißig Stunden hatte er nicht geschlafen, nun trat langsam an Stelle der leidenschaftlichen Erregung eine dumpfe Abgespanntheit.

Was bezweckte denn diese Reise? Nichts! Was wollte er überhaupt in Heidelberg? Jetzt zerbrachen sie sich daheim in Karlburg die Köpfe, und jeder einzelne Mensch, vom Minister bis zum letzten Stallknecht, würde diese Reise einen Tollhausstreich nennen. Eine Dummheit, wie sie sich nur ein junger Student erlauben darf.

Er preßte nervös den Kopf in die Hände: umkehren, das wäre das beste. Diese Donquichotterie nicht zu Ende führen.

Aber dann würde man erst recht staunen und die Köpfe noch mehr schütteln. Jeder Mensch in der ganzen Welt konnte sich solche Extravaganzen herausnehmen, nur der nicht, auf den Hunderttausende schauen, und dessen geringste Handlungen jeder Philister kritisiert.

Es war erstickend heiß, er riß die Vorhänge wieder zurück und beugte sich so weit vor, daß die Staubwolke, die der Zug aufwirbelte, ihm wie ein Sturm um den Kopf flog.

»Alles einerlei!« Mochten die Aufpasser daheim lachen, spotten, die Fäuste ballen – heute war Karl Heinrich frei!

Vorwärts! Wie der Zug jagte! Immer weiter! Keiner holte ihn ein! Die kläffende Meute blieb immer weiter zurück, und er war frei. Er schloß die Augen und ließ den Sturm voll in sein Gesicht brausen. Das that gut, es war wie ein Kampf.

War das nicht eine gleiche Empfindung wie damals, als der lange Vandale ihm immer wieder die Parade durchschlug und Hieb auf Hieb in Karl Heinrichs Gesicht fegte?! Famos! Auf die Mensur! Klatsch!

Kampf! Du Schönstes auf Gottes Welt! Nichts entsetzlicher als dieses kampflose Hindämmern, Einschlafen, dieses Verhätscheltwerden und Bevormundetwerden und Eingelulltwerden und Vermodern.

Alle seine Muskeln spannten sich. Vorwärts, vorwärts! Und heute abend in Heidelberg! Noch hatten sie in Karlburg ihn nicht besiegt, noch hatte er den Mut gehabt zu dieser tollen, unglaublichen Reise! Bravo! Und lustig soll es werden! Nur zwei Tage, aber zwei lustige Tage!

»Wer reit’t mit zwanzig Knappen ein

Zu Heidelberg im Hirschen? …«

Mit halblauter Stimme sagte er das Lied her, bis er es leise zu singen begann, dann immer lauter.

»Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein! –«

Weit vor ihm lag die sonnige Ebene des Main. Wie heißt es im Liede?: »… Ich seh’ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen –«

So schön, so schön!

Er war noch so jung, der Karl Heinz. Er war zweiundzwanzig Jahre alt. Die ganze Welt hätte ihm offen stehen müssen, und daheim hatten sie ihm Licht und Luft vermauert …

*

Auf dem Bahnhofe zu Frankfurt zuckte es ihm einen Augenblick in den Füßen. Dicht vor ihm lag der Wartesaal, in den die Menschen hineindrängten. Weshalb ging er nicht mit in dem Strom? Wie an jenem ersten Reisetage, als er mit dem Doktor dort hineinspazierte und die ersten Atemzüge der neuen Freiheit that? Niemand kannte ihn, vielleicht die paar Schaffner und Lutz ausgenommen, also weshalb nicht?

»Zwanzig Minuten Aufenthalt!« schrieen die Kondukteure, und alle Reisenden eilten in die Säle. Nur einige ältere Damen blieben ängstlich in den Coupés.

Karl Heinrich stand auf und setzte seinen Fuß auf das Trittbrett, aber er zog ihn wieder zurück und schloß die Wagenthür. Er war unselbständig geworden wie einst, fast schlimmer noch als damals. Es war doch ein so leichtes, wie andre Menschen auszusteigen, sich einfach und natürlich zu bewegen, den Kellner zu rufen, zu bezahlen und so weiter, – und er konnte es nicht.

Konnte es nicht. Er machte noch einmal den Versuch, aber der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn.

Der Zug hatte schon lange Frankfurt wieder verlassen, als der Fürst immer noch in den Polstern saß, die Augen starr auf die gegenüberliegende Wand gerichtet, die Arme schlaff herabhängend.

›Eine Marionette, die nur tanzen kann, wenn man sie an den Drähten zerrt. Unbeholfen wie ein Kind und feige wie ein Kind.‹

Ein grimmiges Lachen verzog sein blasses Gesicht. Er wollte aus der Schule in die Freiheit laufen! Wenn auch nur für zwei armselige Tage! Er, der keinen Schritt mehr allein gehen konnte! Der sich an jeder Ecke stieß, alles schief sah und in Heidelberg nicht mehr im stande sein würde, ein einziges natürliches Wort zu reden.

Dorf an Dorf flog in der Abendsonne vorbei. Weinheim, – da war das famose Mädel mit den zwei blonden Zöpfen gewesen, mit der Prinz Karl Heinz eine halbe Nacht getanzt hatte.

Jugenheim. Ein leises Lächeln ging über seine matten Züge. Da hatte man mit dem Darmstädter Pensionat die tolle Affaire gehabt.

Das alles war erst zwei Jahre her? Nicht länger.

Noch zehn Minuten, noch acht, – fünf – drei – da kamen die ersten Häuser – und da: der Neckar!

Sein Herz schlug zum Zerspringen.

»Heidelberg!«

»Fünf Minuten Aufenthalt!«

Damals hatte der dicke Doktor mit seinem trockenen Phlegma gesagt: »Ein Jahr Aufenthalt«; ein dünnes Lächeln ging um Karl Heinrichs Mund, und indem er sich bewegungslos an die Thür lehnte und auf den Schaffner wartete, murmelte er – fast ohne es selbst zu merken: »Zwei Tage Aufenthalt, – zwei Tage – zwei –«

Er ging neben Lutz durch die Menge und stieg in den Wagen. Er kannte jedes Haus, an dem man vorbeifuhr, und sah auch jedes Haus, aber seine Gedanken waren fern, nirgends. »Ein Jahr Aufenthalt« – das war alles, an was er dachte. Und daran, daß aus diesem »Jahr Aufenthalt« für den Doktor ein »ewiger Aufenthalt« geworden sei. Aber diese Erwägung hatte nichts Sentimentales, sondern kam ihm wie eine mathematische Folgerung, die man sich im Kopfe zurechtlegt, weil der Schädel augenblicklich an nichts Vernünftiges zu denken vermag. Er hätte genau so gut vor sich hin denken können: ›Dreimal neun ist siebenundzwanzig.‹ Als ob auf den Kopf und das Denken von allen Seiten her ein ungeheurer Druck ausgeübt würde, der das Hirn zu der Größe einer Haselnuß zusammenpreßte.

Der Wagen rollte über den Markt: da lag Frau Dörffels Haus mit den sechs Fenstern, hinter denen er gewohnt hatte.

Er nickte stumpf vor sich hin: »Ja, ja!«

Vor dem Hotel »Zum Prinzen Karl« flüsterte Herr Lutz dem Portier und dem Oberkellner ein Wort ins Ohr, das in wenigen Sekunden das ganze Haus in Aufregung brachte.

Tief neigte sich alles, und der Fürst schritt mit seinem starr abweisenden Gesicht zwischen der Dienerschaft die Treppe empor, in ein Zimmer, als ob er daheim zu Karlburg die Treppen hinaufstiege.

Als Herr Lutz mit einem ängstlichen Blick seinem Herrn den Arm reichte, lehnte sich der Fürst schwer darauf.

Mit geschlossenen Augen saß der Fürst minutenlang.

Lutz geleitete ihn zu einem Sessel, Lutz winkte den Kellnern, die Thüren zu schließen.

Mit geschlossenen Augen saß der Fürst minutenlang.

»Durchlaucht –?«

»Was?« Er öffnete die Augen und schaute um sich wie einer, der aus einem langen, schweren Traum erwacht.

»Durchlaucht sollten zur Ruhe gehen, Durchlaucht sind übermüdet.«

Und als der Fürst ihn anstarrte mit einem leeren Blick, fügte er hinzu:

»Durchlaucht sind in Heidelberg.«

»Ja, ja.«

Ein müdes, verfallenes Lächeln ging um Karl Heinrichs Mund, das Herr Lutz nicht bemerkte oder zum wenigsten nicht verstand.

»In Heidelberg. Ganz recht. Ja, ich will schlafen.«

*

In tadellosem Gesellschaftsanzug, das dreifarbige Seidenband über der tief ausgeschnittenen Frackweste, vortrefflich frisiert und comme il faut zurechtgestutzt, versammelte sich »Saxonia« mit fünf »alten Herren«, zehn »Corpsburschen« und acht »Füchsen« in Seiner Durchlaucht Empfangssalon, um Seiner Durchlaucht die Aufwartung zu machen.

Es war vormittags zehn Uhr.

Man flüsterte und stand in Gruppen. Herr Bilz ging von einem zum andern und gab mit seiner immer etwas wehmütig klingenden Stimme namentlich den Jüngeren und Jüngsten die letzten Verhaltungsmaßregeln. Aber Herrn Bilz selbst klopfte das Herz. Er war nun vierundzwanzig Semester in Heidelberg und hatte vielerlei Menschen jeden Standes kennen gelernt, aber einem regierenden Fürsten war er noch nie entgegengetreten. Er repetierte die Rede, mit der er Seine Durchlaucht empfangen wollte, und fand sie jetzt nüchtern, abgeschmackt. Nichts schwieriger als diese kleine Rede. Sie konnte zu feierlich geraten oder zu kordial, zu pathetisch oder zu kühl, sie konnte durch die geringste falsche Nuance alle Stimmung zum Teufel jagen.

Mit dem feinen Batisttuch tupfte er sich leicht auf die Stirn und ging wieder zu den Füchsen: »Ihr bleibt hier stehen im Hintergrunde, bis ich euch winke. Ihr sprecht nur, wenn der Fürst euch fragt. Um Gottes willen, Winz, wie siehst du aus? Was hast du für einen Frack an?«

»Ich habe ihn geborgt,« sagte Winz ängstlich.

»Ach, ach, ach!« Herrn Bilz’ wehmütige Stimme hatte einen tieftraurigen Ton, aber er ging auf die fatale Sache nicht weiter ein. »Bleib hinten stehen, auf jeden Fall, hörst du? Daß niemand dich sieht.«

Ueber dem ganzen Corps lag eine große Stimmung: ein regierender Fürst, der gewissermaßen zu »Saxonia« gehörte und »Saxonia« zu sich lud! Kein Heidelberger Corps, das sich einer solchen Ehre rühmen konnte.

Da:

Ein Herr in Frack und Escarpins stieß die Flügelthüren auseinander und trat in feierlicher Haltung zur Seite. Einige Sekunden sah man in das nebenan liegende, mit schweren Seidenvorhängen drapierte Zimmer – dann kamen Schritte über den weichen Teppich, in der weit geöffneten Thür stand der Fürst.

Er trug den schwarzen Gesellschaftsanzug. Das Gesicht war blaß, nur auf der linken Backe glühten brennendrot zwei Hiebnarben. Er hatte die rechte Hand leicht erhoben, als wollte er sie irgend einem entgegenstrecken, dem ersten, den er wiedererkennen würde …

Aber in dem Zimmer vor ihm nur ein tiefes Verneigen.

Herr Bilz trat vor:

»Eure Durchlaucht –«

Sein Blick begegnete dem des einstigen Freundes, der ihn anstarrte, als ob er sagen wollte: »Kommst du denn nicht?! Giebst du mir denn nicht die Hand? Karl Bilz?!« …

Und Herr Bilz kam aus dem Konzept:

»Eure Durchlaucht geben – haben – geben uns die Ehre – wir alle dankbar – eine Ehre, die jeder von uns – jeder zu würdigen weiß, – und deshalb – wir heißen Eure Durchlaucht in aller Ehrfurcht in Heidelberg herzlich und ehrerbietig willkommen.«

In der weit geöffneten Thür stand der Fürst.

Der Fürst trat einen Schritt vor und nickte kurz. Das Gesicht war kalt und apathisch geworden.

»Wollen Sie, bitte, Herr Bilz, mir Ihre Herren Corpsbrüder vorstellen.«

Herr Bilz gehorchte. Er verwechselte alle Namen, aber das that nichts zur Sache.

Und der Fürst sprach mit jedem:

»Wieviel Semester studieren Sie?« – »Wie gefällt Ihnen Heidelberg?« – »Sie sind Jurist?« – »Wo wohnen Ihre Eltern?« – »Werden Sie längere Zeit hier bleiben?« und so weiter.

Als die Cour beendet war, wandte er sich wieder zu Herrn Bilz:

»Wollen, bitte, Sie und Ihre Herren Corpsbrüder heute hier im Hotel meine Gäste sein. Ich reise noch heute abend, ich bitte also etwa um drei.«

Er nickte kurz, neigte sich gegen die übrigen mit einer fast unmerklichen Bewegung des Kopfes und ging. Der Herr im Frack und Escarpins schloß die Flügelthüren, – die Audienz war beendet.

Vor dem Hotel standen sehr feierlich zehn Wagen, in denen man gekommen war, und in denen man vornehm wieder heimfuhr. Der Stolz lag auf allen jungen Gesichtern, und ganz Heidelberg, Studenten und Philister, blickte ihnen nach. Der Fürst hatte sie in feierlicher Audienz empfangen, sie waren wirklich zu beneiden.

Karl Heinrich stand in der Mitte seines Zimmers und stützte sich auf die Lehne des Stuhls. Der lächerliche Traum zweier Tage war zu Ende …

Der Fürst fuhr am Mittag in geschlossenem Wagen zum Kirchhof. Er hatte mit sich gekämpft, ob er dieser letzten Pflicht, die ihn noch an Heidelberg band, nachkommen sollte oder nicht; schließlich bezwang er sich und fuhr hin.

Der Totengräber, der ihn nicht kannte, führte ihn zu dem Grabe und sagte entschuldigend: »Es ist noch nicht wieder in Ordnung, es ist jetzt im Frühjahr immer viel zu thun, aber nächste Woche fangen wir damit an.«

»Es ist gut.«

Der Mann wollte noch mehr reden, aber der Fremde winkte ihm ab: »Es ist gut, ich danke.«

Eine kleine weiße Blattpflanze hatte das ganze Grab überwuchert, zur Seite lagen noch einige verwelkte Kränze mit grau-schmutzigen Seidenschleifen, das Gitter stand roh, unfertig, und das einzig Pompöse war das Marmorkreuz mit der Inschrift »Seinem Freunde und Lehrer in dankbarer Erinnerung Karl Heinrich, Prinz von Karlburg.«

Lange blickte Karl Heinrich auf dieses vergessene Grab, das seit dem Tage der Bestattung sicherlich niemand mehr besucht hatte. Er beugte sich und pflückte eines der silbergrauen Blätter, um es aufzubewahren, aber bald darauf nahm er es achtlos zwischen die Zähne und ließ es fallen.

Merkwürdig, wie ruhig und gleichgültig ihn diese Grabstätte seines einzigen Freundes ließ! Er hatte auf einmal das lächerliche Gefühl, daß der Tote im Leben eigentlich ein pflichtvergessener Mensch gewesen sei, der – man mochte die Sache ansehen, wie man wollte – als Erzieher sich außerordentliche Eigenmächtigkeiten erlaubt hatte.

Die ganze grenzenlose Ernüchterung des heutigen Tages, die Hoffnungslosigkeit, die eisige Kälte der letzten zwei Jahre, alles drängte in diesen Minuten wie in einem Brennspiegel zusammen.

Der Mensch da unten, das war sein einziger Freund gewesen! Welcher Hohn! Ein Trinker, ein Schwätzer, ein Mensch ohne jeden Lebensernst.

Aber immerhin: dieser Doktor hatte es mit ihm gut gemeint, aufrichtig gut.

Sie hatten doch manche freundliche Stunde zusammen verlebt. – Schon damals in Karlburg, als der pflichtvergessene Doktor ihm Zigaretten gab, die sie oben im Turmzimmer rauchten. – Er lächelte. – Und dann in Heidelberg! Er blickte sich um nach dem Schloß, das aus seinem Waldgrün rotleuchtend herüberfunkelte. Mein Gott, welch ein toller Kerl war dieser Doktor gewesen! Wenn er da oben auf dem Schloß Handharmonika spielte, daß alle Engländer und Engländerinnen stehen blieben und ihre steif-britischen Gesichter zum Lachen verzogen.

»Prost, Karl Heinz! Sollst leben!« Des Doktors ewiger Trinkspruch.

Der Fürst neigte sich vor über das verwilderte Grab: »Armer Doktor!«

Länger als eine halbe Stunde arbeitete er daran.

Er nahm die vermoderten Kränze und legte sie außerhalb des Gitters zusammen. Das Unkraut, das zwischen Grab und Gitter fußhoch wilderte, riß er mit beiden Händen aus dem Boden und warf es zu den Kränzen. Länger als eine halbe Stunde arbeitete er daran, die dünnen, schmalen Wege rechts und links und vor dem Grabe innerhalb der Einfriedigung zu säubern.

Als er fertig war, atmete er tief auf. Wie viel freundlicher und heller das jetzt aussah! Die beschmutzten Handschuhe zog er ab und wollte sie zu den Kränzen und dem Unkraut werfen, aber er faltete sie nur zusammen und schob sie in die Tasche.

Als er eine halbe Stunde später den Kirchhof verließ, war ihm leichter zu Mute. Und wenn diese ganze Heidelberger Reise von gestern und heute keinen Zweck gehabt hatte, so war sie doch nicht verloren. Diese Stunde an des Doktors Grabe war die Reise schon wert.

*

Die Unterhaltung bei der Tafel wollte nicht recht in Fluß kommen, aber die Schuld lag nicht an dem Gastgeber.

Karl Heinrich saß in der Mitte des langgedeckten Tisches neben Karl Bilz, der langsam seine Befangenheit überwand und nichts zu thun hatte als zu erzählen. Der Fürst stieß zweimal mit ihm an: »Auf Ihr Wohl, lieber Bilz!« Dann, nach dem dritten Gang, erhob sich der Senior und forderte nach einer kurzen Ansprache das Corps auf, »die Gesundheit dessen zu trinken, dessen Zugehörigkeit zum Corps ›Saxonia‹ der glänzendste Markstein in der Geschichte des Corps für einst, jetzt und alle Zeiten bildet. Seine Durchlaucht beweist durch seine heutige Anwesenheit in unsrer Mitte, daß auch Seine Durchlaucht sich gern der fröhlichen Zeit erinnert, die mir und allen, die an ihr teilhatten, unvergeßlich bleiben wird.«

Ein brausendes Hoch ging durch den Saal, die Kellner stürzten um den Tisch mit Champagnerflaschen, die Gläser klangen, und nach allen Seiten grüßend, mit seinem Glase leicht das der Nachbarn berührend, stand der Fürst in der Mitte.

Die Stimmung wurde fröhlicher, und als kurz vor Ende des Diners der Fürst sein Glas erhob, um nach einigen freundlichen Worten mit dem alten Spruche das Corps zu grüßen: »Saxonia! vivat, floreat, crescat, in aeternum!« – war der Bann gebrochen. Man jubelte, man umringte ihn.

Freilich war das der Höhepunkt, der nicht überboten werden konnte. Die Wogen der Erregung ebbten rückwärts. O, Seine Durchlaucht war sehr leutselig, sehr gütig, sehr verbindlich, aber selbst der tolpatschigste Fuchs fühlte instinktiv, daß es da eine sehr deutliche Grenze gab.

Das trat bei einem Zwischenfall scharf zu Tage. Die Rede kam auf die Abreise, und als der Fürst nach der Uhr blickte und in wenig mehr als einer Stunde abfahren zu müssen erklärte, erhob sich ein allgemeines Bedauern und Bitten: Durchlaucht sollte diesen einen Abend zugeben! Einen so schönen Abend. Man würde aufs Schloß fahren oder nach Neckargemünd! Oder eine Neckarfahrt veranstalten mit Musik und Lampions!

Der Fürst lächelte zwar, aber etwas kalt und gezwungen. Schließlich wurde das gut gemeinte heftige Bitten so allgemein, daß er kurz zusagte.

Von da an saß er stumm, einsilbig, wie jemand, der zu weit gegangen ist. Und – merkwürdig – jeder einzelne erkannte das. Ueber der Tafel mit ihren Wein- und Speiseresten lag es plötzlich wie graue Alltagsstimmung, die Gespräche wurden matter, verstummten, kamen mühsam wieder in Fluß, verstummten von neuem. Die erhitzten Gesichter erschienen stumpf, und der letzte Wein in den Gläsern blieb unberührt.

Auf dem Schloß nahm man den Kaffee, und hier draußen in der freien Luft wurde der Fürst wieder unbefangener. Es war ein Tag mit ewig wechselnden Stimmungen. Ein Musikcorps spielte, während ringsumher die Heidelberger Professoren- und Bürgerfamilien saßen, deren Damen alle Blicke und Aufmerksamkeit dem jungen Fürsten zuwandten. Er kannte die meisten von Ansehen, mit der Kleinen da rechts hatte er in Jugenheim getanzt, sie wurde dunkelrot, als er sie jetzt anschaute. Und da und dort – allenthalben bekannte Gesichter.

Seine Magnificenz der Rektor mit seinen Damen kam vorbei, das Corps grüßte, Karl Heinz grüßte mit. Und der Rektor, der ihn nicht kannte, zog oberflächlich gleichgültig den Hut.

Ganz wie früher.

Als der Fürst gegen Abend mit dem Corps über die Berghänge und Wiesen neckaraufwärts ging, war eine tiefe Ruhe über ihn gekommen. Herr Bilz ging neben ihm und erzählte, die Stimmen der andern hörte er dicht hinter sich, aber die Worte und Laute drangen zu ihm wie aus einer weiten Ferne. Ihm war zu Sinne wie einem ermüdeten Wanderer, der einen Tag ausruhen darf. Morgen ging es weiter; hierher nach Heidelberg – zu den Studenten – würde er nun nie mehr zurückkehren. Er empfand das ohne Schmerz. Sie waren ja alle freundlich, aufmerksam, aber im Grunde genommen war er für sie ein Fremder geworden. An der Stelle des einstigen »Du« und des »Karl Heinz« das steife »Eure Durchlaucht«. Er würde diesen Tag nicht bereuen, er hatte ihm seine Jugend noch einmal gezeigt, aber freilich nicht mehr in dem goldnen Sonnenschein der Mittagshöhe, sondern in einem matten Abendschimmer.

Bisweilen blickte er zur Seite auf Karl Bilz. Vor Jahren hatten sie zusammen tolle Streiche gemacht, gezecht, gepaukt, sich geduzt, und heute ging dieser selbe Karl Bilz neben ihm wie ein Fremdenführer, der »Seiner Durchlaucht« aus der Chronik von Heidelberg erzählt.

Nein, fort! Er hätte reisen sollen! Schon heute! Denn im Grunde genommen war dieser ganze Tag nichts als ein langsames Würgen, ein Tag, an dem alle Jugenderinnerungen erdrosselt wurden.

Ein einziges Wort, das aus vollem Herzen gekommen wäre, ein einziger echter Laut, der sagen würde: »Du bist unser guter Freund gewesen, wir haben dich lieb gehabt. Heute stehst du uns fern, aber wir werden immer an dich denken, dich nie vergessen! Denn wir sind zusammen jung gewesen!« …

»Da drüben liegt Neckargemünd!« sagte Herr Bilz.

Aber nichts, nichts!

»Da drüben liegt Neckargemünd,« sagte Herr Bilz.

»Ja, Neckargemünd.«

*

Man fuhr spät abends in sechs Booten neckarabwärts nach Heidelberg zurück. Die Musik im vordersten Kahne spielte ihre ewigen Studentenlieder, die dem, der sie alle Tage hört, so langweilig scheinen und dem, der sie nach langen Jahren zum erstenmal wieder vernimmt, das Herz zermartern.

Der Fürst saß über den Bord gelehnt und ließ das vorbeiströmende Wasser durch seine herabhängende Hand gleiten. Der Neckar ging nach den Wolkenbrüchen der letzten Woche mit hohem Wasser, so daß die Boote schnell stromab Heidelberg entgegenglitten. Am rechten Strande sah man schon von weitem eine durch bunte Lampions hell erleuchtete Ufermauer. »Da kommt Rüders Gasthaus,« sagte Herr Bilz.

»Wo?« Karl Heinrich fuhr aus seinem Brüten empor.

»Da.« Und nach einer Pause fügte Herr Bilz hinzu: »Die Corps verkehren nicht mehr bei Rüder oder nur noch selten. Aber Durchlaucht erinnern sich noch an Rüder? Wir haben da manche Nacht gesessen.«

»Weshalb verkehren die Corps nicht mehr bei Rüder?«

»Einen rechten Grund giebt es nicht. Das ist in Heidelberg und wohl allenthalben Modesache. Vielleicht war das Bier nicht mehr gut. Die Corps gehen jetzt meist nach Neckargemünd.«

»So!«

»Und wie das so kommt, jetzt ist bei Rüders kaum noch was zu thun. Neues Publikum gewöhnt sich schwer hin, das ist immer so.«

Der Fürst antwortete nicht. Aus der dunkeln Nacht, die über dem Neckar lag, kamen die Lampions immer näher, ein paar kümmerliche Lampions mit kleinen Lichtstümpfen, die sich in dem Nachtwinde schaukelten. Schwer und massiv ragte die Ufermauer aus dem Strome, während die Linden im Garten, schwach beleuchtet, mit ihrem feinen Grün herüberschimmerten. Die Musik war im vorderen Boote verstummt, man hörte nur das Plätschern der Ruder und aus den weiter zurückfolgenden Booten undeutliche Worte.

Jetzt glitt der Kahn vorbei. Man sah mitten in den Garten hinein, der fast leer war. Rechts und weiter hinten saßen ein paar Menschen, vorn über die Mauer lehnte eine weibliche Gestalt, von der man nur die dunkeln Umrisse sah.

Und langsam blieben die Lampions zurück, fuhr der Kahn stromab.

Rüders Gasthaus. Da verschwand es in der Nacht. Auch zu Grunde gerichtet, auch verblüht … Auch …

Plötzlich begann vorn im ersten Kahn wieder die Musik. Laut, grell: »Leichte Kavallerie!«

Da fuhr der Fürst empor. Der kalte Schweiß stand auf seiner Stirn.

»Umkehren!«

»Wie?« Herr Bilz und die vier andern im Kahn fuhren gleichfalls aus ihrem Brüten auf.

»Lassen Sie umkehren. Zu Rüders.«

»Zu –?«

»Ja.«

Herr Bilz war so verdutzt, daß er einen Augenblick nicht wußte, was er thun sollte. Dann erhoben die andern ein Rufen:

»Musik!! Umkehren!!«

Die Musik brach mit einem Mißton ab, gleich darauf glitten aus dem Dunkel die andern Boote heran, es erhob sich ein Rufen und Fragen: »Umdrehen?! Zu Rüders!« Man mußte acht geben, daß die Kähne nicht aneinander stießen; erst nach einer Weile ordnete sich der Zug wieder, und nun ging es, mühsam gegen den Strom, rückwärts.

Die Musik spielte: »Alt-Heidelberg, du Feine«, – die Lampions rückten wieder näher, dann sah man, wie in Rüders Garten eine Bewegung entstand, Herr Rüder selbst aufgeregt an den Landungssteg lief, und da …

Käthie!

Da stand sie! Sie hielt die Hand über die Augen, um besser in die Dunkelheit zu schauen. Sie wartete ganz ruhig und ließ das Musikboot, das den andern Platz machte, an sich vorübergleiten.

Jetzt erkannte sie die bunten Mützen:

»Die Sachsen! Kommt’s ihr endlich mal wieder?«

Sie hielt ihn umklammert und preßte sich zu ihm empor.

Der erste, der ans Land sprang, war Karl Bilz; sie reichte ihm die Hand:

»Ihr seid’s so schlecht. Nie mehr zu kommen.«

Da – ihre Augen öffneten sich groß, starr, einen Schritt trat sie zurück, als ob ein Gespenst aus der Nacht des Neckars vor ihr auftauchte – dann ein Schrei, ein alles durchdringender Schrei:

»Karl Heinz!!«

Eine Totenstille ringsumher, keiner sprach ein Wort, nur der Neckar rauschte und stieß das folgende Boot heftig gegen die Balken der Brücke.

»Du! Du! Du!« Sie hielt ihn umklammert und preßte sich zu ihm empor, dicht an sein Gesicht.

*

Es war eine seltsame Nacht, diese letzte in Heidelberg. Mit glühenden, begeisterten Augen schauten die jungen Studenten auf Karl Heinrich von Karlburg, der wieder Band und Mütze trug und zwischen ihnen saß, jung wie sie. Ein Ahnen durchzog sie alle, was diese Nacht für den bedeutete, der heute im hellen Tageslicht kalt und stumm gewesen war.

Eine letzte Nacht.

Die Musik spielte, Herr Rüder ging mit einem strahlenden Lächeln hin und her, das sich auf seinem etwas vergrämten Gesicht wunderlich ausnahm, und draußen an dem Zaun der Landstraße standen wieder wie früher die jungen Burschen und Dirnen aus der Nachbarschaft, die lange bei Rüders keine Musik mehr gehört hatten.

Nun wurde alles für Herrn Rüder wieder gut. Sie würden alle zurückkommen, die Studenten, jeden Tag, jetzt mehr als je. Er würde eine Tafel am Hause anbringen lassen zur Erinnerung an diesen Tag mit dem Namen seines erlauchten Gastes. Und dann – es war gar nicht auszudenken, was alles daraus folgen mußte …

*

»Liebe Käthie!«

Karl Heinrich hatte den Arm um ihre Schulter gelegt und lehnte neben ihr im Schatten der zwei alten Linden am Ufer. Fern durch die Büsche sah man den hell erleuchteten Garten, in dem Herr Rüder, trotzdem seine Gäste nun schon Stunden hier waren, noch immer neue Lampions aufhängte.

Es war wohl nicht mehr die kleine, süße Käthie von einst – ein fremder, trauriger, fast alter Zug war in das Gesichtchen gekommen, aber Karl Heinrich und das Mädchen hielten sich umschlungen, wie zwei, die sich noch einmal gefunden haben, um Abschied zu nehmen für immer.

Sie sprachen nicht viel, sie hatten nie viel zusammen gesprochen.

Von den zwei Jahren hatten sie einander wenig zu erzählen, auch die Zukunft streiften sie nur mit wenigen Worten. Was war darüber groß zu reden?!

Daß er Hochzeit halten würde, bald schon, hatte sie in den Zeitungen gelesen, das verstand sich ja auch ganz von selbst.

»Und du, Käthie?«

»I geh’ nach Oesterreich, Karl Heinz. Der Franzel schreibt alle Vierteljahr’, i soll kommen, er will nun endlich heiraten.«

Stumm, wortlos lehnten sie aneinander, nur bisweilen flüsterte sie im Kuß: »Karl Heinz«, und leise gab er zur Antwort: »Käthie.«

Ihre kleinen Erinnerungen tauschten sie aus, »Weißt du noch das …?« – »Denkst du noch daran, als …?« – lauter belanglose Ereignisse, die aber in dieser einen letzten Stunde wie ferne Wunder erschienen aus einer Märchenwelt.

»Weißt du noch den Tag, Karl Heinz, als du fortgingst?«

»Ja.«

»Und sagtest: ›Ich komme wieder!‹ Nun bist du wiedergekommen.«

Er hielt sie auf seinem Schoß und wiegte sie leise, traumverloren. Das einzige, was er in Heidelberg wiedergefunden hatte, das einzige aus der Jugendzeit.

»Käthie?«

»Was?«

»Wir behalten uns. Ich vergesse dich nie und du mich nicht. Wir sehen uns nicht wieder, aber wir vergessen uns nicht. Ich vergesse dich nie, Käthie, nie, nie, nie!«

Die Musik drüben war längst verstummt, sie hatten nicht darauf geachtet.

Der Garten war leer, die Studenten fort, die beiden hatten es nicht bemerkt. Man hatte Karl Heinrich mit gutem Takt den Abschied gespart.

Einer der Lampions nach dem andern erlosch, aber unter der Glasveranda saß Herr Rüder neben zwei Windlichtern als treuer Wärter. Und der Neckar rauschte.

Stunde um Stunde verrann. Bis der erste Hahn krähte und die grauen Morgenschatten über den Fluß glitten.

Da stand Käthie an einen Baum gelehnt, die Arme schlaff herabhängend.

Hand in Hand gingen sie aus dem Garten auf die einsame Landstraße.

Noch hundert Schritte geleitete Käthie ihn über den Wegweiser hinaus, bis dort, wo die ersten Gärten der Stadt beginnen.

Da blieben sie stehen und umarmten sich zum letzten Male.

»Käthie –«

»Karl Heinz –«

Und noch einmal wandte er sich, ehe er um die Wegbiegung ging. Da stand Käthie an einen Baum gelehnt, die Arme schlaff herabhängend. Er konnte ihr Gesicht nicht mehr erkennen, sie bewegte sich nicht, sie hob keine Hand.

Es war Sonntagmorgen.

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Ein Radfahrer-Roman, der allen Stahlroßreitern aufs wärmste empfohlen sei. Was Meyer-Förster immer auszeichnet: die straffe Komposition, die starke, bis zum letzten Kapitel vorhaltende Spannung und der kurze, treffende Ausdruck – findet sich auch in diesem Roman durchweg.

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Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart

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Der prächtige Hintergrund der Heidelberger Universität, auf welcher das Corpswesen immer in höchster Blüte stand, verleiht diesem Buche einen ganz besonderen Reiz. Die Dichtung fesselt den Leser durch den Reichtum der Scenerie, die Lebenslust und Jugendfrische der Charaktere und die Anmut seiner Frauengestalten.

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3. Auflage.

2 Bände. Geheftet M. 10.—, elegant gebunden M. 12.—

Ein wohlgegliederter, inhaltreicher Roman, der ein lebensvolles, weit ausblickendes Bild der Gegenwart entrollt, ohne den Rahmen einer Familiengeschichte zu überschreiten. Zwischen der alten und neuen Welt hin und her spielend läßt er keine der großen Fragen, welche uns bewegen, unberührt, und weiß innerhalb eines Rahmens auch für die Judenfrage eine glückliche Lösung zu finden.

Tägliche Rundschau, Berlin.

Durch alle Buchhandlungen zu beziehen

Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart.

Geschenkbücher für Damen.

Aus der Töchterschule ins Leben. Ein allseitiger Berater für die jungen Mädchen. Herausgegeben von Amalie Baisch. 10., neu bearbeitete Auflage. Elegant gebunden M. 6.—

Ein Buch von seltener Reichhaltigkeit, das deutschen Mädchen im großen wie im kleinen mit gutem Rat zur Seite steht.

Münchner Neueste Nachrichten.

Das junge Mädchen auf eigenen Füssen. Ein Führer durch das weibliche Berufsleben von Amalie Baisch. Elegant gebunden M. 3.—

Ein verständnisvoller Führer und Berater für alle junge Mädchen, die sich einem weiblichen Erwerbszweig widmen sollen und vor der Wahl eines solchen stehen.

Ins eigene Heim. Ein Buch für erwachsene Mädchen und junge Frauen von Amalie Baisch. 4. Auflage. Elegant gebunden M. 6.—

Ein ebenso schönes und anziehendes als praktisches litterarisches Geschenk.

Schweizer. Familienwochenblatt, Zürich.

Die elegante Hausfrau. Mitteilungen für junge Hauswesen. Von Isa von der Lütt. 5. Auflage. Elegant gebunden M. 5.—

Wir können das Büchlein nur warm empfehlen. Es lehrt nicht nur, wie man sich im gesellschaftlichen Verkehr zu benehmen hat, sondern auch, wie man seine Mittel anwenden muß, um, ohne irgendwie anzustoßen, allen Ansprüchen, welche die Gesellschaft stellt, zu genügen.

Von Haus zu Haus, Leipzig.

Ueberleg’s! Plaudereien von Tony Schumacher.

Elegant gebunden M. 4.—

Eine Sammlung von Plaudereien, wie wir sie von der Verfasserin schon gewöhnt sind und lieb gewonnen haben! – Das Buch kommt von Herzen und regt, erfrischend und erwärmend, vielerlei Gedanken an.

Vom Schulmädel bis zur Grossmutter. Plaudereien von Tony Schumacher. 3. Auflage. In Leinwand gebunden M. 4.—, in Seide gebunden M. 5.—

Ein Büchlein voll Schalkheit und Innigkeit, voll Ernst und Poesie.

Der Bazar, Berlin.

Spaziergänge ins Alltagsleben. Plaudereien von Tony Schumacher. 3. Auflage. Elegant gebunden M. 4.—

Ein Brevier modernen weiblichen Weltverstandes, nicht so neu, daß man zu sagen vermöchte, es habe aus früherer Zeit keine litterarischen Vorbilder, aber nützlich und lesenswert genug, um rückhaltlos freundliche Empfehlung zu verdienen.

Neue Freie Presse, Wien.

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Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart

Illustrierte Unterhaltungs-Lektüre.

Eine grosse Dame. Roman von Johannes van Dewall. 2 Bände. 3. Auflage. Mit 155 Illustrationen von R. Blumenau. In prächtigem Farbendruck-Umschlag geheftet M. 3.—

Die Handlung atmet Leben und Wahrheit, es ist die alte Geschichte von der Liebe, die zum Verhängnis wird. Ein warmes Kolorit durchweht die Entwickelung des ganzen Liebesdramas.

Rheinisch-Westfälische Zeitung, Essen.

Der Spielprofessor. Roman von Johannes van Dewall. 3. Auflage. Mit 176 Illustrationen von G. Brandt. In prächtigem Farbendruck-Umschlag geheftet M. 3.—

Der Roman schildert das Treiben von Gaunern, welche zu der Zeit, als in Baden-Baden noch das Hazardspiel blühte, unter hochklingenden Namen ihr Wesen trieben, und ist flott und unterhaltend geschrieben.

Deutsche Hausfrauen-Zeitung, Berlin.

Der Ulan. Roman von Johannes van Dewall. 3. Auflage. Mit 141 Illustrationen von G. Brandt. In prächtigem Farbendruck-Umschlag geheftet M. 3.—

Weniger in Form eines Romans, denn als sehr einfache Erzählung werden hier die historischen Ereignisse der Pariser Belagerung und Kommune in lebendigen Schilderungen mit einer Liebesgeschichte verflochten. Das Buch ist frisch und zum Teil von köstlichem Humor.

Gegenwart, Berlin.

Unkraut im Weizen. Roman von Johannes van Dewall. 3. Auflage. Mit 118 Illustrationen von R. Blumenau. In prächtigem Farbendruck-Umschlag geheftet M. 3.—

Zeichnet sich durch hübsche Schilderungen, feine Charakteristik der handelnden Personen und einen weniger befriedigenden als frappierenden Abschluß aus.

Breslauer Zeitung.

Die geheimnisvolle Sängerin. Roman von Karl Detlef. 3. Auflage. Mit 95 Illustrationen von R. Blumenau. In prächtigem Farbendruck-Umschlag geheftet M. 3.—

Selten ist uns ein Buch vorgekommen, das allen, ja auch den höchstgespannten Anforderungen, die man an eine Unterhaltungslektüre nur stellen kann, in so reichem Maße entspräche.

Hamburgischer Correspondent.

Kadettengeschichten. Erinnerungen aus meinen Kadettenjahren von Johannes van Dewall. Illustriert. 3. Auflage. Geheftet M. 2.—

Reminiscenzen, in denen sich der sprudelnde Uebermut der Jugend kennzeichnet.

Deutsche Heereszeitung, Berlin.

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Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.