Arminius
Als das Gebot des Kaisers Augustus ausging, die Welt der römischen Herrschaft zu schätzen, kam als Geisel ein Jüngling nach Rom, aus dem Stamm der Cherusker und Segimers Sohn, der ein Fürst seiner Sippe im Weserland war.
Sein Oheim Segestes hatte dem Kaiser ein Hilfsvolk gestellt, darin der Sohn Segimers Söldnerdienst tat; ihm boten die Römer das Bürgerrecht an, in den römischen Ritterstand hob der Kaiser den Jüngling.
Als er heimkehren durfte in das Land seiner Väter, wo sein Oheim Segestes dem Statthalter Varus in Unterwürfigkeit diente, sah er Dinge geschehen am Volk der Cherusker, die ihm verräterisch schienen und seinen Zorn reizten.
Denn als Bundesgenosse, nicht als Besiegter hatte das Volk an der Weser den Römern Einlaß gewährt; Varus aber ließ Strafen verhängen von römischen Richtern, Rutenbündel und Beil bedrohten das Recht und die Herkunft der freien Gemeinde.
Dem Kaiser bauten die Römer im Land der Cherusker Altäre; und was den Freien zu hüten heilige Pflicht war, der Wahrspruch der wehrhaften Männer, wurde von Varus verspottet.
Dem Unrecht solcher Gewalt mit List zu begegnen, ließ Segimers Sohn die Jünglinge der Cherusker heimlich die Blutspur beschwören.
So sehr war der Hochmut des Römers verblendet, daß er des warnenden Segestes lachte, als er im Schwall und Hörnerklang seiner Kohorten das Sommerlager verließ.
Regenstürme stöhnten im Wald und die Bäche brachen ins Land, als die Bäume anfingen, Wurfspeere zu regnen, als die Cherusker, von kundigen Führern nächtlich geleitet, den gepanzerten Heerwurm anfielen, als der prahlende Schall und der Notruf der Hörner hinstarb im Schildruf der Völker.
Am dritten Abend erlag der gepanzerte Leib den zornigen Bissen, der Statthalter Varus sank in sein eigenes Schwert; nur die Reiter der Nachhut entrannen, den Schrecken des Teutoburger Waldes ans gallische Ufer zu tragen.
Als die Weiden grün wurden im Weserland und der Holderbusch blühte, schreckte kein Hörnerschall mehr das befreite Volk der Cherusker; die Lieder gingen von Segimers Sohn, wie sie von Wodan, Donar und Saxnot und den Helden der Götterzeit sangen.
In Rom aber schritt, von Segestes dem Vater an ihre Feinde verraten, Thusnelda, die Gattin des Kühnen, als Sklavin die Gasse der Gaffer; und auch den Herrlichen fällt der Neid mit dem Mordstahl der Tücke.
Im siebenunddreißigsten Jahr seines siegreichen Lebens fiel Segimers Sohn, der sein Volk aus der römischen Knechtschaft befreite und dem Land der Wälder und Wiesen der herrlichste Held war.
Wohl sangen die Lieder noch lange ihm nach, den die Römer Arminius nannten, aber sein deutscher Name verscholl im Sang der rühmenden Sage.
Da klingt er hell, wie ein Frühlingstag steht mit Blüten und blankem Gewässer, da wird Segimers Sohn und Segimunds Schwäher, der treulos verratene Held in der Arglist der Sippe, Segifried, Siegfried geheißen.