Brunhilde
Die Blutspur Chlodevechs rann in den Bach merowingischer Mördergeschichte; unholde Frauen hielten den Haß in blutigen Schalen, riesengroß wuchs ihr grausames Bild im Gedächtnis der fränkischen Völker.
Zwei Schwestern kamen aus Westgotenland, Königsfrauen in Franken zu sein und Gattinnen feindlicher Brüder, Chilperich und Sigibert geheißen.
Galswintha die Gute wurde erwürgt in Paris; König Chilperichs Buhlin, Fredegunde, rühmte sich frech ihrer Tat; Brunhilde, die Schwester in Metz und Sigiberts Königin, erhob ihren Zorn und rief den König zur Rache.
Da mußte sich Chilperich beugen und Buße geloben dem stärkeren Schwert seines Bruders; Fredegunde aber, die freche Magd auf dem Thron, fällte Sigiberts Stärke.
Heimtückisch hoben die Großen Chilperichs den siegreichen Sigibert auf den Schild und das Volk in Paris lief ihm zu, aber das Gift ihrer Schwerter gab ihm heimlich den Segen.
Da trank Brunhilde den Becher der Bitterkeit leer, da wurde Sigiberts Königin krank im Blutrausch der Rache:
Die eigenen Großen entführten ihr grausam den einzigen Knaben und ließen sie treulos in Chilperichs Hand; der hielt die Stolze höhnisch gefangen, und die in Metz Königin war, mußte in Meldis Klosterdienst tun.
Aber Merovech, Chilperichs Sohn, entbrannte in Liebe zu ihr und half der Feindin des Vaters zur Flucht aus dem Kloster: als Merovechs Frau kehrte sie heim in Sigiberts Land nach gramvollen Jahren.
Die eigenen Großen aber erschlugen ihr grausam den Gatten; da blieb sie, Gattin nicht mehr und nicht mehr liebende Frau, nur Königsmutter in Metz, das zärtliche Reis ihrer Liebe, König Sigiberts Sohn zu hüten im Haß der Geschlechter.
Die fränkischen Herren mußten die Hand des gotischen Weibes erfahren: sie traf den Trotz und dämpfte den Frevel, sie hielt ihrem Knaben den Horst und trug die Furcht ihrer Stärke ins Land wie ein kreisender Adler.
Dreißig Jahre lang kam ihr das Königsschwert nicht aus den herrischen Händen; als Sigiberts Sohn starb, hielt sie den Enkeln das Reich und blieb als Greisin die unbeugsame Mutter des Landes.
Aber die Enkel kamen in Streit und die Krone ertrank im Blut ihrer Kriege; wohl hob Brunhilde den blutigen Reif Sigiberts ihrem Urenkel auf, doch waren der Raben zuviel um den einsamen Horst ihres Alters.
Sie riefen Chlotachar her, Fredegundens streitbaren Sohn: die lahmen Flügel der Gotin taten den letzten Flug ihrer Flucht, aber die Späher fanden die Spur und fingen den Vogel im steinichten Jura.
Sie banden der gotischen Greisin die Glieder mit Stricken und hetzten das Roß, Brunhilde zu schleifen: da löschte der Sohn Fredegundens den Haß seiner Mutter im Blut und zerfetzten Gebein ihrer Feindin.
Die Blutspur Chlodevechs rann im Gerinnsel des sterbenden Weibes; riesengroß wuchs ihr Bild im Gedächtnis der Völker, aus uralten Tiefen brachte die Sage Brünne und Helm, die unholde Frau in Wodans Reich zu geleiten.