Der dänische Krieg
Der dänische Seehund hatte die preußische Dogge gebissen, die meerumschlungene Nordmark war dänisch geblieben trotz allem Gesang der Kinder und Greise: nun nahm der Junker von Bismarck den Augenblick wahr, dem Seehund die Zähne zu zeigen.
Friedrich, der dänische König, war ohne Kinder gestorben; der Gottorper Christian erbte sein Land, der ein Prinz des schleswig-holsteinischen Hauses und durch den Willen der Stände Thronfolger in Dänemark war.
Sie wollten mit ihm Schleswig für immer an Dänemark binden; aber ein anderer Prinz des schleswig-holsteinischen Hauses bestritt seinem Vetter die Nordmark und hieß sich als Friedrich der Achte Herzog von Schleswig und Holstein.
Ihm wollte der deutsche Bund helfen, und als die Preußen und Österreicher in Holstein einrückten, riefen ihn Ritterschaft, Städte und Landschaften zu Kiel als Landesherrn aus.
Die Dänen hießen die Stände samt ihrem Herzog Rebellen, sie rückten mit Schiffen und Heeresmacht aus, der deutschen Bundesarmee noch einmal die Zähne des Seehunds zu zeigen.
Aber nun hatte die preußische Dogge packen und beißen gelernt und wollte die Schande von Olmütz auslöschen; Wrangel konnte noch einmal den zornigen Feldmarschall spielen, und diesmal gingen die Sieger nicht wieder nach Haus.
Bei Düppel hatte der Seehund sein festes Lager gegraben, aber die Dogge wühlte sich durch bis an die Wälle, drei Wochen lang lag sie in Regen und Lehm, dann sprang sie dem dänischen Feind an die Kehle.
Zum zweitenmal wollten die Dänen das Spiel der Mächte beginnen, aber nun hatte der Junker von Bismarck die Karten klüger gemischt: sein Bündnis mit Rußland schreckte die andern, besiegt und verlassen von allen Höfen mußte der dänische Hochmut die Demut auskosten.
Die schwarzweißen und schwarzgelben Fahnen blieben im schleswig-holsteinischen Land, und Wrangel der Feldmarschall brauchte nicht wieder fluchend nach Hause zu gehen; die Kinder und Greise konnten getrost das alte Lied singen: das Wunder, kaum noch geglaubt, blieb in der Wirklichkeit gültig.
Aber das Lied, einmal so stark in den Herzen, wollte nicht klingen; ein Dämon, das fühlten sie alle, hatte das Wunder gemacht: die deutsche Seele, blaß und erschrocken, ahnte, daß dies nur ein Anbeginn war, sie wartete stumm auf den Fortgang, weil ihr vor dem Bruderkampf graute.