Der Geheimrat

Es war ein Bücherwurm in Berlin, zu alt für den Krieg, aber in seiner Stube ein streitbarer Herr, seines Zeichens Jurist und Professor.

Der sah mit hämischer Seele den Glanz der Erhebung, und wie das Feuer die Jugend durchglühte; weil ihm das Feuer gut für die Öfen, sonst aber ein höllisches Element war, geriet er in Zorn.

Freiheit und Vaterland hieß er böse Gedanken, gefährlich dem Staat, weil sie den Untertan störrisch, begehrlich und unfreudig machten, der Obrigkeit Demut, Respekt und Gehorsam zu leisten.

So schnitt der Geheimrat Schmaltz in Berlin seinen Gänsekiel scharf und tauchte ihn tief in den Zorn seiner devoten Gesinnung; so schrieb er die Schrift, die seinen Namen unlöschbar mit Schande beschmierte.

Da waren die Männer, die Preußen erhoben und Deutschland befreiten, Stein, Fichte und ihre Gesellen, Verführer des Volkes; da waren Staatsbürgerschaft und Verfassung gefährliches Gift, in die Ohren und Herzen der Jugend geträufelt.

Indessen die Tapferen draußen im Feld standen, saß der Professor daheim, sie zu schmähen; und als sie einrückten, Sträuße des Sieges an ihren Gewehren, empfing sie die schändliche Schrift.

Da schlug ihre Faust auf den Tisch, und ihre Flüche wünschten den Schuft an den Galgen; aber der Schuft saß in der Gunst seiner Obrigkeit vor ihren Flüchen und Fäusten gesichert, und wo sie das eiserne Kreuz ihrer Tapferkeit trugen, hing ihm die goldene Fracht seiner Orden.

Der Geheimrat trat in den preußischen Tag und wurde der Würger deutscher Erhebung, fremd allen lebendigen Dingen der Welt, verachtet von guten und tapferen Herzen, aber von oben mit Gnaden und Würden gesegnet.