Der Keil

Als Friedrich der Große in Sanssouci starb, hatte der preußische Staat das Kolonialland im Osten zusammengerafft; seine Gestalt war auf der deutschen Karte ein breiter Keil, dessen Schärfe mit der Festung Magdeburg nach Westen gegen den Rhein wies.

Der Keil des preußischen Staates war angesetzt, das morsche Holz des Reiches zu sprengen, und hatte den Spalt über Minden schon vorgetrieben bis Wesel, wo seit dem Großen Kurfürsten die Schildwache Brandenburgs stand.

Als die Schere Napoleons dann die Karte Europas zurecht schnitt und vom Reich nur den Rheinbund, Preußen und Österreich übrig ließ, hatte der Keil seine Schärfe und Breite verloren: ihm selber war der polnische Keil bis ins Mark vorgetrieben.

Aber zum achten Neujahr nach Jena schon ging das preußische Heer bei Caub über den Rhein, die Schärfe nach Frankreich zu tragen; und wo die Truppen gegangen waren, saß der Reichsfreiherr vom Stein, das befreite Land zu verwalten.

Und ob der Wiener Kongreß mehr Fürsten auf ihre Throne zurück setzte, als dem Reichsfreiherrn recht war: Preußen hatte die Wacht am Rhein errungen; von Wesel bis Saarlouis standen die schwarzweißen Schildwachen.

Die Rheinprovinz war der Siegespreis, der dem preußischen Schwert zufiel, weil das Reich der geistlichen Kurfürsten tot war; die Kolonie kehrte ins Herzland des Reiches zurück, daraus seine Bauernschaft einmal um des Glaubens willen auszog.

Im deutschen Volk blieb seit der Romantik ein Raunen: wer den Rhein hat, der hat das Reich! Seitdem der preußische Keil im rheinischen Querholz stak, wußte es jedermann: im preußischen Staat mußte das Reich wiederkommen.