Der Ritter
Der als Reiter zum Königsdienst ritt, den nannten sie bald einen Ritter, und einen Knappen den Knecht, der ihm die Waffen darreichte.
Aber der Ritterdienst hob seinen Stand über den Freien, kein Knecht durfte ihm danach Knappendienst tun.
Er wohnte nicht mehr im schlichten Gehäus der Gemeinde; er baute den einsamen Horst seiner Burg mit Mauer, Tor und Turm; er ritt auf den Straßen in eiserner Wehr, Helmzier und Schildzeichen hieß er sein Wappen.
Nur wer rittergebürtig war, durfte noch Ritter werden; sieben Jahre lang hieß er das Jungherrlein, sieben Jahre lang ging er als Page, sieben Jahre lang trug er dem Herrn als Knappe die Waffen: dann hob ihn die Schwertleite auf in den Ritterstand.
Den Ritterschlag nahm er zum Zeichen, daß seine Ehre nun keinen Schlag mehr erdulde; denn Ritter sein hieß nicht mehr, um Lehen Königsdienst tun: Ritter sein hieß der Christenheit selber den Waffengang reiten, und wie der Kaiser ihr Schirmherr war, so war der Ritter ihr Streiter.
Er ritt auf den Wegen des Abendlands und kam aus dem Morgenland wieder, von Schlachtfeld zu Schlachtfeld trug er die Lanze: siegen gab fröhliche Tage; aber verlieren gab keine Schande, wenn der Schild rein blieb.
Denn reiten und stechen war seine redliche Kunst; wie ihn sein Lehnsherr rief, so tat er die Fahrt und gab sein Leben darein; die Treue allein war sein Teil an dem Handel und daß er untadelhaft standhielt.
Reiten und stechen war seine Kunst, sie redlich zu meistern sein Ruhm, sie treu und tapfer zu üben die Ehre: die Ehre stand über dem Helm als sein Stern; aber ein Kranz sank aus den Sternen, wenn er zum fröhlichen Stechen einritt in die Schranken.
Der Herold rief und das Volk staunte sehr, den rühmlichen Helden zu sehen; wie ihn die Wahl rief, wagte er fröhlich das Spiel und gab sein Leben darein, der stärkste und kühnste im Zweikampf zu sein und den Kranz einzuholen.
Denn die dem Sieger den Kranz auf das bloße Haupt gab, war die holdselige Frau; reiten und stechen war seine Kunst, sie redlich zu meistern sein Ruhm, sie treu und tapfer zu üben die Ehre: aber der Herrin unwandelbar zu gedenken, das gab der Kunst und dem Ruhm und der Ehre die blaue Blume zur Hand.
Tod und Teufel zum Trutz als Streiter der Christenheit reitend, war er der Himmelskönigin treuer Vasall: sie neigte in seliger Huld seinen Taten das Angesicht zu; sie gab ihm den Kranz, wie sie ihm einmal auf blutigem Feld den Balsam der Ewigkeit brachte.
Walhal war leer; Walküren kamen nicht mehr, auf Wodans Roß den Helden zu holen; Jesus war blutend und blaß in den Himmel gefahren, wartend des Tages, da seine Posaune das Weltgericht rief: die Himmelskönigin saß auf dem Thron, im süßen Wunder der Liebe den Ritter nicht zu vergessen.