Die braunen Brüder

Als die Zünfte den Streit um die Macht anfingen, waren die Mönche des heiligen Franz nach Deutschland gekommen, eine Heuschreckenplage den geistlichen Großen, die Seele des Volkes zu fressen.

Die Predigt von Cluny war kleinlaut geworden, der Reichtum der Kirche hatte die Lehre der Einfalt und Strenge getrost überstanden; er gab dem Adel treffliche Pfründen und den Bürgern die rauschende Flucht seiner Feste.

Nun kamen die braunen Kutten des heiligen Franz, gegürtet mit einem Strick, barfuß und bettelnd, und brachten die fröhliche Botschaft der Armut.

Das Himmelreich war in der prahlenden Welt ein verborgener Garten: die aus den Sälen und Söllern des Wohlstandes kamen, fanden die Tür nicht, wohl aber die in den Kleidern der Armut einfältig gingen; denn eher ging ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher ins Himmelreich kam.

Jesus von Nazareth ging wieder um auf den Märkten und Gassen, lächelnd zu lehren und liebend zu helfen denen, die mühselig und beladen waren: aber den Händlern im Tempel warf er zornig den Wechseltisch um.

Der Bischof prahlte auf seiner Burg, die Kaufleute brachten ihm Pelze und köstlichen Wein, sie nahmen Zins von den Zünften und taten groß vor dem Volk: nun kamen die braunen Kutten und klagten den Reichtum an.

Sie waren selbst eine Zunft und die allergeringste, sie hielten dem Wohlstand der Städte den Bettelsack hin, sie sprachen die Worte der Straße und trugen die tägliche Not: so war die christliche Lehre zum andernmal wiedergeboren, aber nun klopfte sie sacht an die Tür der irdischen Wohnung.

Die Kirche hatte den Kreuzzug gepredigt und war mit blinkenden Rittern im Morgenland kläglich mißraten; die Barfüßer brachten das Wort in den Alltag des Abendlands, das Wort und die Tat ihres demütigen Lebens.