Die Gepiden
Alboin, Audoins Sohn, hatte Thorismund, Thorisins Sohn erschlagen im Kampf ihrer Völker und hatte die Langobarden befreit von der Übermacht der Gepiden.
Darum lagen die Großen Audoin an, daß er den Retter des Volkes und Sieger als Tischgenoß nähme; aber die Sitte gebot, ein anderer König müsse dem Königssohn die Waffen darreichen, ihn würdig zu machen zum Mahl.
Vierzig der Jünglinge rief Alboin da und zog in Thorisins Land; der nahm ihn auf im Gram seines Alters und hieß ihn sitzen mit Ehren, wo Thorismund saß im Saal der Gepiden.
Aber sein Herz hielt den harten Anblick nicht aus und sein Mund sprach mit Seufzen: Wehe, der Platz ist mir teuer, aber den Mann, der da sitzt, sehe ich schwer!
Da schalt ihn Kunimund, Thorisins anderer Sohn, für seinen erschlagenen Bruder und schmähte die Jünglinge Alboins Stuten um ihrer weißen Schuhriemen willen.
Aber Alboin, Audoins Sohn, hob seine zornige Hand von der Tafel und wies gegen Westen und sprach in der Burg seiner Feinde: Draußen im Asfeld spürte dein Bruder, wie Stuten ausschlagen können.
Da wurde der Wein verschüttet, die Waffen räumten den Tisch und traten zum Tanz und rissen die Kluft in den Saal, da Alboin stand im Schwertkranz der Seinen, und waren Tausend um Vierzig.
Aber der König sprang auf im Zorn, und die Treue hielt wie ein Turm der Sitte das schirmende Dach: Wehe dem Mann, der seinem Gast treulos den Wein verschüttet, und wehe dem Schwert, das seinem Schwur den Frieden nicht hält!
Und holte die Waffen Thorismunds her von der Wand und gab sie Audoins Sohn, und hielt mit wehrenden Händen den Saal still und gab dem Gast seinen Spruch als Hausherr und König.
Und hieß ihn gehen in Frieden und hielt ihm den Königsbann bis an die Grenze, der seinem Volk der bitterste Feind und seinem Blut böse zuleid war, weil er ihm Thorismund, seinen Sohn, draußen im Asfeld erschlug.