Die Götter
Aber Himmel und Erde kamen ins Wanken; Wolken stiegen vom Abgrund, das zärtliche Auge verhüllend; die Wasser begannen zu strömen, und alle Sonne versank.
Stärker als Er schien die entfesselte Kraft und höher als Liebe der Aufruhr: Ymir, das rauschende Naß, erfüllte die Welt; Seine Söhne, die Reifriesen, herrschten über dem Abgrund.
Aber aus Urgebrausdunkel kamen die Mächte: Urluft, Urwasser, Urfeuer; sie hoben das Erdenrund wieder und schieden Midgard vom Meer.
Noch irrten die Sonne, der Mond und die Sterne planlos umher, sie setzten sie ein in die ewigen Bahnen: dann schien die Sonne auf Midgard und ließ wachsen das erste Grün.
Als sie gingen am Strand, fanden sie Bäume dastehen und weckten Menschen daraus: Urluft gab die suchende Seele, Urwasser die wachsamen Sinne, Urfeuer den flackernden Geist.
Sie hießen nun Götter: Wodan, Hoenir und Loki genannt von den Menschen; sie legten der Welt den Richterspruch auf ihres neuen Gesetzes und fingen das goldene Zeitalter an ihrer heiteren Spiele.
Sie kannten nicht Schuld und Schicksal; aber die Urgebraustöchter kamen aus Ymirs Geschlecht, die weitaus gewaltigsten Weiber: Urd war die älteste Schwester genannt, der Herkunft heilige Norne; Verdandi die zweite, des Werdenden Mahnung; die dritte der Zukunft drohende Schuld.
Sie schnitten die Runen, warfen die Lose und sagten im Werden, Sein und Vergehen das Schicksal voraus; sie saßen am Brunnen des Lebens, die Wurzeln zu gießen am Welteschenbaum, daran das Sein der Götter nur ein Ast war im ewigen Leben der Welt.