Die Schilderzunft

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, sprach das Gebot; aber die Heiligen standen in Stein an den Pforten, und am Hochaltar hing, hölzern ans Kreuz geschnitzt, der Erlöser.

Auch waren Gewölbe und Wände bemalt mit den Bildern der kirchlichen Gnade; die heiligen Gestalten gingen in farbig getönten Gewändern, und die tröstlichen Zeichen der Himmelsverheißung schmückten die Felder der Vierung.

Tief aber glühten die Tafeln mit goldenen Gründen, darauf im Troß ihrer englischen Knaben die Himmelskönigin selber das bunte Farbenkleid trug.

Sie hielt das Kind auf dem Schoß und war ihm die lächelnde Mutter, wie sie der sündigen Menschheit die huldreiche Fürsprecherin war.

Ein Schild hießen sie solch eine Tafel, künstlich auf Goldgrund gemalt, und alle Schilder der Ritter waren in bunten Wappen gewirkt nicht so schön wie das Schild mit dem Bild der holdseligen Jungfrau.

Die kölnischen Meister der Schilderzunft kannten zuerst das köstliche Wunder, einem Spiegelbild gleich die süße Erscheinung zu malen, mit sauberem Pinsel auf eine Tafel von Holz; aber der Augenstern stand leibhaftig darin und lächelnd der liebreiche Mund.

Sie lockten das himmlische Wunder hinein in den staunenden Tag; Wirklichkeit wurde den Sinnen, was in den Worten der Priester und im Prunk ihrer Gesänge die gläubigen Herzen ahnend erfüllte.

Kunstreiche Meister und ihre Gesellen hoben das Werk ihrer Hände hoch in den Ruhm; die Schilderzunft kam ins Glück, als sie dem Himmel die Farben und seinem ewigen Glanz einen Schimmer zu stehlen vermochte.