Die schlesischen Weber
Sie woben die Leinwand wie ihre Väter, sie waren fleißig und fluchten dem Webstuhl nicht, darin sie um kargen Verdienst saßen, wie das Eichhorn im Tretrad die flinken Füße vertritt.
Aber dann kam die Fabrik und schnallte den Webstuhl an ihre Maschinen; da schnurrten die Räder und sausten die Spindeln, wie nie ein Weber sein Schiffchen zu werfen vermochte; da wurde die Leinwand wohlfeil und drückte den kargen Verdienst, bis er ein Hungerlohn war.
Sie aber hatten nichts auf der Welt als den Webstuhl, sie lebten vom Lohn ihrer mühseligen Arbeit und sahen ihr ärmliches Dasein verloren: der Mangel wurde zur Not und die Not zur Verwünschung der neuen Fabriken und ihrer wohlhabenden Herren.
Als Mißwachs und Dürre das Brot teuer machten, als der Hunger mit hohlen Backen herum ging, als den Müttern das Kind an den welken Brüsten verdarb: stand fiebernden Auges die Kreatur auf, ihren Jammer zu rächen.
Das Stroh sei wohlfeil und Häcksel zu essen nahrhaft genug für die Weber! höhnte ein satter Fabrikant, aber das Wort war Feuer in Zunder geworfen; sein reiches Haus mußte den frechen Hohn büßen; und wie es in Peterswaldau geschah, so drohte es bald allerorten.
Rache den Reichen, Feuer ihren Fabriken! so raste das schlesische Fieber; aber die hohe Regierung in Breslau zögerte nicht, die Krankheit zu dämpfen.
Soldaten des Königs von Preußen mit blanken Helmspitzen und scharfen Gewehren marschierten auf harten Befehl; sie schossen und halfen der Not, den Kirchhof der Weber zu füllen.
Einen Dom in Berlin zu bauen, reicher und schöner, als ihn die alte Herrlichkeit kannte, plante der König, indessen in Schlesien solches geschah: einen Dom im Namen der Liebe, die unter den Armen und Mühseligen suchte, aber den Tempel zerbrach.