Die Vorstadt
Springbrunnen sprangen in sauber gezirkelten Beeten, und Denkmäler standen auf blankem Granit: aber die Schienen der Straßenbahn schnitten quer über die breite Allee und liefen hinaus in die steinerne Wüste der Vorstadt.
Einförmiger wurden die schmalen Fassaden und enger die Straßen, kleine Geschäfte ahmten den größeren nach mit trüben Schaufenstern und trugreichen Schildern, schmutziges Pflaster löste den blanken Asphalt ab, bis endlich der schwarze Kohlenweg kam zwischen verödeten Fenstern.
Noch ragten die Häuser mit vielen Stockwerken; öde Brandmauern, mit grellen Schriftzeichen bemalt, rissen die Lücken hinein, wo alte Kiesgruben waren und verwaschene Schutthalden.
Da wohnten die Frauen und Kinder all der Fabrikler, die dem prahlenden Reichtum der Stadt der drohende Untergrund waren.
Schmächtige Stiegen und schmale Zimmer, eng ineinander geschachtelt, ärmliche Höfe, kein Gartengrün, grauer Zement, von Ruß und Regen beronnen, als Spielplatz der Kinder das Pflaster der Straße: aber vor all der Dürftigkeit noch das blöde Gesims und Gesockel falscher Fassaden.
So war die Armut der Vorstadt zu Haus, und die Armut hing am prahlenden Wohlstand mit dem kärglichen Lohn ihrer Arbeit.
In grauer Frühe gingen die Haustüren auf, und der eilige Schritt auf dem Pflaster strebte der Stadt zu, ihren Kaufhäusern, Büros und Fabriken, wo die Hände der Vorstadt ihr Sechstagewerk taten.
Wo ein Rad rollte, wo ein Schornstein rauchte, wo ein Licht brannte, wo eine Maschine ihr blitzschnelles Werk tat in Spindeln und Pressen, wo gebaut, gehämmert, genietet, gewebt, wo gewogen, gemessen, verladen und eingepackt wurde: überall waren die Hände der Vorstadt geschäftig, den Reichtum zu raffen, der in den Straßen und Stuben der neuen Bürgerschaft prahlte.
Wie durch ein Sieb sickerte der dünne Wochen- und Tagelohn durch, indessen der Mehrgewinn das Gold in den Maschen anschwemmte, die Taschen der Klugen und Harten zu füllen.