Drei Dichter
Drei Dichter sangen der stürmischen Zeit die Gesänge; sie waren der Mund ihrer Not, der Geißelhieb ihrer Enge, der Posaunenton ihrer Hoffnung.
Heinrich Heine, funkelnd von Witz, grollend von Hohn und der süßesten Liedergewalt mächtig, ließ über den Rhein sein Feuerwerk blitzen.
Dem Juden aus Düsseldorf konnte das dumpfe Deutschland der Fürsten und ihrer Minister nicht Lebensluft sein; auch war die rheinische Heimat an Preußen gefallen, und preußisch sein hieß seinem Hohn, hinter vergitterten Stuben gefangen sitzen.
So war er in Frankreich verbannt und wurde als Emigrant fast ein Franzose, nur seine Feder hielt ihn mit Deutschland verbunden.
Er hatte sie besser brauchen gelernt als seine Genossen; wie seine unstete Seele nicht Heimat und Ruhestatt fand, wie sein buntschillernder Geist die Grenzen der Menschheit abirrte, wie er sein Leben stets in den Augenblick stellte, aber als Kind seiner Stunde der ewigen Unrast bewußt war: das alles konnte die Feder dem Leser in witzigen Worten hinschreiben.
Und weil er in gallischer Lebensluft ging, indessen der Leser im Spinnennetz Metternichs saß, wehte mit seinen Worten die Freiheit über den Rhein, der fremdeste Vogel im Dasein der Deutschen.
So rührte der schmerzlich unselige Dichter die Herzen; seine Lieder wurden gesungen, seine Verse geseufzt, sein Witz sprang wie ein Feuerbrand über, sein Spott warf dem frommen Geheimrat das Tintenfaß um.
Nie schrieb eine Feder so ihrer Zeit die Gefühle, wie Heinrich Heine der Jude aus Düsseldorf tat, der in Paris unselig krank in seiner Matratzengruft lag, seiner Krankheit noch spottend, bis ihn der Tod von seinem Leiden und Leben erlöste.
Anders als Heine war Herwegh ein Sänger der Freiheit; er glaubte an seinen Stern, wie nur ein Schwabe zu glauben versteht, und trotzte dem Schicksal, als es den Stern vor der Zeit sinken ließ, wie nur ein Stiftler aus Tübingen Gott und der Welt Trotz bieten kann.
Gedichte eines Lebendigen hieß er den Band seiner Gesänge, die, eine Botschaft der Freiheit, Deutschland durcheilten; Blumen und Jubel beschütteten seinen Weg, als er, den Sängern der alten Zeit gleich, von Stadt zu Stadt zog, seine Harfe zu schlagen.
Er war noch ein Jüngling, als Herwegh solches geschah, und gern genoß er den Ruhm, Dichter der Freiheit zu heißen; sie war der einzige Ton seiner Harfe: als er ein Mann und ein Greis wurde, waren die Saiten noch zornig gespannt, aber die Freiheit war tot und sein Ruhm lag mit ihr begraben.
Der Dritte aber war wild und vulkanisch und in der Tiefe der großen Gestalten und starken Gedanken gewachsen.
Indessen der Ruhm seiner Genossen von Mund zu Mund ging, indessen Herwegh als fahrender Sänger der Freiheit die Könige schreckte und Heine den funkelnden Witz aus Paris über den Rhein blitzen ließ, war Georg Büchner aus Darmstadt, kaum daß er kam, schon wieder gestorben.
Er hatte in Straßburg studiert und war nach Gießen gekommen, trunken der neuen Zeit und kaum seiner wilden Leidenschaft mächtig, als ihm sein trotziger Wahlspruch: Frieden den Hütten, Krieg den Palästen! die Heimat verwirkte.
Als Flüchtling in Straßburg und Zürich konnte er noch mit fiebernden Händen den ersten Beginn seiner Dichtung erraffen, dann holte der Tod den Feuergeist heim in den Abgrund der ewigen Dinge.
Wie ein Sonnenwendfeuer war dem Jüngling sein Leben verbrannt; er konnte nur Flamme, nicht Mensch und Bürger oder gar Untertan sein; als seine Freunde den Feuerplatz fanden, lagen noch glühend in seiner Asche die wenigen Dinge, die das Erbgut des Jünglings ausmachten.
Ein einziger Band konnte sein ganzes Dichtwerk umfassen, aber es blinkte wie Stahl, im Feuer geglüht.