Feinde ringsum

Der Oheim Wilhelm des Zweiten war König von England geworden; er haßte den Neffen in Potsdam und hing seinem Prunkmantel hämisch ein Schellenband an.

Er war schon ins Alter gekommen, als seine Mutter Victoria starb; aber die Welt kannte den Prinzen von Wales, der in Paris und in London gleichviel als Lebemann galt, weil er das Reich der Mode regierte.

Neun Jahre nur blieben ihm noch für den Thron, aber neun Jahre reichten dem König Eduard aus, in den Machthändeln der Welt nicht weniger gut als in der Mode zu führen.

Vielerlei Feinde zählte der britische Stolz auf der Erde; der stärkste war Rußland, aber der nächste war ihm der deutsche Vetter geworden: den stärksten Feind auf den nächsten zu hetzen, sollte das Meisterstück Eduards sein.

Er trug keine schimmernde Wehr wie sein Neffe, er war ein König im Straßenkleid, der besser die Kunst, sanft und höhnisch zu lächeln, als die der schwellenden Rede verstand; er wußte als Weltmann auf Reisen höflich zu sein, nur in Berlin war er es nicht.

Als seine Lebenszeit um war, hatte sich nichts im Abendland sichtbar verändert: der deutsche Welthandel wuchs aus Wohlstand zu Reichtum, Wilhelm der Zweite sprach von der gepanzerten Faust und hieß der Zukunft auf dem Wasser die Schlachtflotte bauen.

Frankreich war trächtig an seinem Traum der Revanche, Rußland sah nach Byzanz, Italien unterschrieb dem Dreibund die Wechsel auf kurze Sicht, Österreich wühlte sich ein in den Balkan.

Alles war wie zuvor, die Waffen starrten im Gleichgewicht und der Frieden hing an der Waage: nur die heimlichen Tiefen der Mächte hatten sich trübe gefüllt.

Ein Vierteljahrhundert war seit den stolzen Tagen vergangen, da Bismarck als ehrlicher Makler am Tisch saß, obenan bei den Mächten; ein Vierteljahrhundert hatte den Haß gegen Deutschland gerüstet, und der ihm der treueste Freund schien, war in der Rechnung der Mächte sein gefährlichster Feind.