Hans Holbein

Als Albrecht Dürer in Nürnberg die Melancholie machte, kam Holbein nach Basel, Sohn eines Malers in Augsburg und selber schon seiner Sache gewiß.

Ihm war die Weite nicht mehr verschüttet, und keine Wirrnis der Fragen hielt ihm den Willen gefesselt; er wollte das Werk seiner kunstreichen Hände, wie eine Schwalbe den Flug will.

Den rechten Körper recht in den Raum zu stellen, brauchte er Augen und Hände, nicht aber das Richtmaß schwieriger Gedanken, weil er ein Glückskind der Sinnenwelt war.

Wohl mochte sein Silberstift zart und beharrlich die Dinge umschreiben, aber zeichnen und malen war ihm wie trinken und essen, und gern hielt er der Farbe ein lockeres Mahl.

Das leuchtende Fleisch seiner Hand und Stirn, der rostige Pelz und das dunkle Tuch einer Schaube, der weiße Saum zierlicher Spitzen, die rote Glut des Brokats und der Perlenschaum im Geschmeide: alles tauchte sein Pinsel hinein in den glasklaren Grund seiner Farbe.

Als er in Basel sein großes Madonnenbild malte, klangen die Farben wie Glocken; da war die farbige Fülle des Genter Altars von neuem leibhaftig geworden in einer einzigen Tafel.

Aber die Basler Bürgerlichkeit war zu karg für die Pracht und die Fülle; Erasmus, sein spöttischer Gönner und Freund, half ihm nach England: da wurde Hans Holbein der Maler des Königs und seiner reichen Hofhaltung.

Denn Max, der Kaiser, war tot; kein Fürst und kein Fugger konnte dem Reich den Königshof bauen, der über der Notdurft des Tages der Kunst eine Stätte bereiten, der den prahlenden Reichtum zur edlen Zier hinlenken sollte.

Machtgier und Habsucht hielten das Gold in schäbigen Händen, und wenig fiel ab von den Tischen, daran die Bürgerschaft längst übersatt saß.

Nur die Kaufleute drüben im Stahlhof wurden von Holbein gemalt; die Erbherren der Hansa brachten die Tafeln als köstliches Gut zurück aus der Fremde.