Heinrich der Heilige

Otto der Dritte, der sich als Herrscher der Christenheit fühlte wie keiner, starb auf der Flucht vor dem Aufruhr der Römer; mühsam wurde sein Leichnam geborgen, daß er im Münster zu Aachen die prunkvolle Lagerstatt fände.

Heinrich der Heilige kam auf den Thron, durch Williges wacker geleitet; der letzte sächsische Kaiser brachte sein Schwert bescheiden zurück in die irdische Geltung.

Denn Theophanos brünstiger Sohn war nur noch Kaiser von Rom und nicht mehr König der Deutschen gewesen; er hatte den Bogen gebeugt, der über dem Abendland stand: Rom allein sollte im Gottesstaat herrschen, als Knecht der Apostel wollte der Kaiser Schildhalter der Kirchenmacht sein.

Heinrich aber, der Urenkel Mathildens und Enkel von Heinrich, dem trotzigen Bruder Otto des Großen, blieb der sächsischen Herkunft als Landeswart treu.

König der Deutschen wie Otto, gab er sein bayrisches Herzogtum Heinrich von Luxemburg hin, das Haus seiner Macht mit den Balken der deutschen Kirche zu bauen.

Aber das Haus stand im Reich, nicht in Rom; Bamberg, sein Bistum, machte er blühend und reich wie eines in Deutschland; da wuchs auch der reisige Dom, der den Ruhm seiner Taten mit steinernem Gewölbe kühn überspannte.

Die Kirche hat ihn den Heiligen geheißen, aber der Heilige war kein büßender Mönch; gleich seinen sächsischen Ahnen wußte er wohl sein irdisches Schwert von der himmlischen Sehnsucht zu scheiden, und keiner der Sachsen saß soviel im Sattel wie er.

Wie Heinrich der Finkler dem Sachsengeschlecht das deutsche Kaiserhaus baute, war Heinrich der Heilige sein treuer Beschließer.

Hundert Jahre lang hatten die Sachsen regiert; sie hatten das Reich aus der Willkür der Fürsten gerettet; sie hatten ihm Stärke, Ordnung und Schönheit gebracht; sie hatten die Kaiserstandarte über die Fahnen der Völker erhoben.