Jean Paul

Eines Schulmeisters Sohn aus Wunsiedel wurde der Abgott der Bürger und Frauen; indessen Goethe und Schiller in hoher Einsamkeit gingen, indessen Romantik landfahrend war, wurden Jean Paul Kränze und Kissen der zärtlichen Liebe gebracht.

Seine Jugend war arm, und beschränkt blieb der Kreis seines Daseins, bis er in Bayreuth, erblindet und abseits der Welt, die letzte Pfeife hinlegte.

Aber sein Geist war reich, wie der Wald an Bäumen reich ist, und seine Seele ging darin spazieren, als ob es nur Sonntag-Nachmittag gäbe.

Er sah den Bach und das Moos an den Steinen, von der Sonne zärtlich besprenkelt, er sah das blaue Tuch des Himmels über das grüne Geflecht der Zweige gebreitet, er hörte den krausen Wind in den Wipfeln wispern und weinen.

Er war voll Liebe zu jeglichem Ding, das seine Sinne berührte; er liebte die Blume und liebte die Biene, die daran naschte; er liebte die Luft um seine Wangen und liebte den Weg, darauf er ging.

Er liebte sich selber und seine Liebe, und war von Seligkeit trunken, wie er die Krone der Schöpfung dahin trug, Gott und sein herrliches Werk im Wechselspiel seiner krausen Gedanken und bunten Gefühle zu sehen und zu preisen.

Auch war seine Feder voll Tinte, alles auf saubere Zettel zu schreiben, was seiner Seele in Wonne und Wehmut behagte, und den entferntesten Einfall mitten ins tägliche Dasein zu stellen.

Unzählige Kästen waren mit solchen Zetteln gefüllt, bis er, den krausen Reichtum zu lesen, den Überfluß in ein Buch schrieb, das einen verschnörkelten Titel und unter dem Titel sein zärtliches Herz in der Hand trug.

Sechzig Bände füllte er so, und jeder Band wurde von zärtlichen Augen mit neuem Eifer gelesen, und jeder war das Buch des Propheten.

Er lehrte die Deutschen, weinenden Auges zu lächeln, und hieß es Humor, die Welt zu betrachten, als ob das Schicksal nur eine Laune der Ewigkeit wäre und das Glück die Gunst bunter Einfälle.

Er brauchte viel Worte dazu, seinen Geist zu entleeren, und brauchte viel weiches Gefühl, das krause Gefäß seiner Worte mit Seele zu füllen.

Auch war er ein Meister, die Worte blitzblank zu putzen, daß sie gleich einer Kette aus blinkendem Zierat weise Gedanken und liebes Gefühl drollig verbanden.

Und war ein Meister, den Leser zu fangen und ihn, wie den Fisch an der Angel, so durch das krause Pflanzengewühl seiner untiefen Gewässer zu ziehen.