Konzil in Konstanz
Während im Norden die neue Gläubigkeit glühte, wuchs in den päpstlichen Gärten das Tollkraut der Zwietracht: drei Päpste regierten zugleich und verdammten einander, und der das Konzil nach Konstanz berief, der Neapolitaner Johann, war ein Seeräuber von Herkunft und Sitten.
In Konstanz sollte das Schmelzfeuer der Christenheit sein und wurde ein Jahrmarkt der Kirchenverderbnis: dreihundert Fürsten und Bischöfe samt dem Troß der Prälaten und Äbte, Grafen und Ritter, kamen an mit dem reisigen Volk ihrer Knechte, Roßbuben, Spielleute und bauten ihr Zeltlager rings um die staunende Stadt.
Alle Zungen Europas schollen im Seewind; Mönche, Gaukler und Dirnen der abendländischen Welt begingen die Gassen, die Heuschreckenschwärme fahrender Leute begafften die lustreichen Feste, indessen die Kardinäle den drohenden Völkern ein neues Kirchengewand zu nähen versprachen.
Es war ein schönes Turnier, das die Konstanzer sahen, draußen im Bühl vor den Toren der Stadt; aber der Vogel im Käfig, der Seeräuberpapst flog aus unterdessen; er ließ der bestürzten Stadt das verwirrte Konzil und dem Kaiser die Sorge zurück, den gefährlichen Geier zu fangen.
Der zollernsche Burggraf von Nürnberg ritt auf die Jagd und holte ihn ein, das Konzil zerbrach ihm sein päpstliches Siegel und Wappen; aber der Jahrmarkt der Kirche ging weiter und hatte sich schon sein frechstes Schaustück bestellt:
Im festen Schloß Gottlieben, wo der Bischof von Konstanz den gestäupten König der Kirche mit geistlichen Ehren bewachte, saß auf dem steinernen Turm ein anderer Vogel im Käfig: Johann Hus, der böhmische Rektor aus Prag und evangelische Priester, der aus der Schrift die Kirchenreform an Haupt und Gliedern verlangte.
Der Kaiser gab ihm freies Geleit und hieß den Ketzer verbrennen: im Münster zu Konstanz saßen die Fürsten um Sigismund und sahen dem Schauspiel zu, wie die hohenpriesterlichen Knechte dem Ketzer die Kleider der Kirche abrissen, wie sie den Blutzeugen Christi mit einer Narrentracht höhnten und seine Seele dem Teufel befahlen.
Sie kehrten die Asche des Ketzers zuhauf und streuten sie aus in den Rhein, sie grüßten das Kreuz und sangen zur Messe, sie wählten Martin den Fünften zum Papst, und der Kaiser führte dem Statthalter Christi den Zelter.
Sie zogen den Jahrmarkt des Kirchenkonzils mit Zeter und Zank und festlichen Fahnen noch hin bis ins dritte Jahr.
Und sahen die Flammen nicht draußen im Bühl vor den Toren der lustreichen Stadt, die lohende Flamme der Lehre, und hörten die Asche nicht flüstern im Rhein, die Asche der tapferen Treue.
Sie webten den Wahn ihrer Macht in den gleißenden Tag und hießen sich Christen; sie kannten die Leiden des göttlichen Dulders und sahen den Teufel nicht in den Fratzen der kirchlichen Henker.