Magdeburg

Lutherische Prinzen regierten seit langem die reiche Bischofsstadt an der Elbe, sie hießen Verweser und hatten der geistlichen Würde entsagt, die weltliche Macht zu behalten; aber der letzte Verweser, Christian Wilhelm von Brandenburg, wurde vom Kaiser geächtet: ein Bruder des Kaisers sollte wieder katholischer Erzbischof in der Ketzerstadt sein.

Kaum standen die Schweden in Pommern, so schlich sich der Prinz heimlich zurück in die Stadt und stärkte die Hoffnung der Bürger, daß nun die Tage der evangelischen Freiheit nach langer Bedrängnis anbrächen.

Als aber Tilly, der Feldherr der Liga, Botschaft bekam, zog er mit großer Kriegsmacht heran; die reiche Ketzerstadt an der Elbe sollte das Schwert des Kaisers erfahren, bevor ihr der König zu helfen vermöchte.

Da hatte der Prinz in Eile die Wälle gerüstet, und ein erfahrener Kriegsmann, Dietrich von Falkenberg, kam aus dem Lager der Schweden; denn Tilly war ein gewaltiger Feldherr mit Listen und raschen Zügen.

Indessen der Kurfürst von Brandenburg, sein bänglicher Schwager, dem schwedischen König verwehrte, durch seine Länder zu ziehen, zog Tilly den eisernen Ring um die Stadt immer enger; der Hunger fing an, ihm zu helfen, auch ging das Pulver aus für die Geschütze: ein wütender Sturm sollte Magdeburg zwingen.

Von allen Seiten liefen sie an, Feuerkugeln fuhren in glühenden Bogen, die Dächer zu zünden; schon stürzte ein Turm auf dem Wall, aber er legte sich nicht in den Graben, dem stürmenden Feind die Brücke zu bauen: die feurigen Krallen und eisernen Zähne konnten die Wälle nicht packen.

Da sollte die Kriegslist den letzten Trumpf wagen, bevor sie abzogen; ein Trompeter kam in die Stadt, den blutigen Streit zu begleichen: schon sah die Wacht auf den Wällen die Schanzen geräumt und glaubte die nahende Hand des Königs zu spüren.

Durch endlose Wachen ermüdet und froh der nahen Befreiung, ließen die Bürger die Wälle, endlich einmal zu schlafen: da drangen die Söldner Pappenheims ein und weckten die arglosen Schläfer.

Es war nur ein kurzes Erwachen: sie waren Rebellen und Ketzer, nun fiel das Schwert über sie her; Männer, Frauen und Kinder mußten mit ihrem Blut den Schwur von Loreto bezahlen.

Und über das Schwert kam das Feuer; seit Trojas und Jerusalems Fall – frohlockte die Kunde nach Wien – hatte die Welt kein Schauspiel wie dieses gesehen; drei Tage lang fraßen sich Mord und Brand satt in der Ketzerstadt, bis ihre blühende Breite ein Brandhaufen und Schindanger war.

Wehklage schwoll aus dem angstvollen Herzen der protestantischen Welt; sie sah ihr Schicksal beschlossen, und die Enttäuschung fing an, den schwedischen König laut zu verwünschen.

Dietrich von Falkenberg lag unter den rauchenden Trümmern begraben, den Prinzen von Brandenburg fingen die Söldner lebendig; er wurde in Wien wieder katholisch und lebte noch lange sein wohlbehütetes Leben.