Stellinga

Wo das ebene Land den Bergen die neblichten Wälder abnahm, wo das braune Gewässer in Sand und Meer den mühsamen Altersweg suchte, wo der Wind der kalten Meerküste unendliche Weiten mit grauer Wolkenlast füllte: wohnte die uralte Bauernschaft sächsischer Völker.

Die da landeigen saßen auf einsamen Höfen, hatten keinen Herrn gekannt als sich selber; sie hatten der freien Gemeinde, dem Weistum und Recht der eigenen Herkunft die Treue gehalten, bis sie die Freiheit der Väter verloren.

Sie sahen die fränkischen Grafen im Land den fremden Königdienst tun, sie brachten der Kirche den Zehnten mit Murren und stellten dem König den Heerbann mit Seufzen.

Sie fühlten die Herkunft verraten von ihren eigenen Großen, die um Gold und fränkische Ehren ins feindliche Heerlager gingen; sie sahen sie schalten als Grafen des fränkischen Königs und warfen den Haß, wie Steine den Hunden.

Aus Grafen des Königs waren Grundherren geworden, aus Äbten der Klöster Pachthalter, denen die Freien von gestern als Hörige dienten; aber die Gaugemeinschaft der Freien hob trotzig das Recht aus böser Vergangenheit auf.

Als Ludwig der Deutsche das sächsische Schwert im fränkischen Bruderkampf brauchte, als die Edelinge ausritten mit Knechten und Knaben, dem fränkischen Zank ihr Blut in die Fremde zu bringen: fing in den einsamen Höfen der Haß an zu knistern, bis rundum im sächsischen Land die Kriegsfeuer brannten.

Durch Sand und Moor brachten die nächtlichen Boten das Bannwort der freien Gemeinde, von den Hartbergen hinunter zur roten Erde zuckte der Blinkfeuerschein die Stunde der Rache: die Stellinga kam, die sächsische Herkunft aus fränkischer Lehnsschaft zu retten.

Aber es war nur ein Brand in den Ställen: Ludwig, der Deutsche genannt, dämpfte ihn schwer; mit seinen Reitern und Knechten vereint ritten die sächsischen Grafen das Fußvolk der Stellinga nieder.

Da lernten die sächsischen Bauern, wie einst ihre Großen, den trotzigen Nacken zu beugen; das Herdfeuer erlosch in den einsamen Höfen; nur in den innersten Nächten, wenn Saxnot die Seinen als Flüchtling heimsuchte, glühte sein heimlicher Brand.