Unserer Väter Werke

Als der siegreiche König von Preußen aus Frankreich die Kaiserkrone heimbrachte, als wieder ein Kanzler im Reich und das Reich eine Macht war, weckten die Rufer den schlafenden Kaiser im Kyffhäuserberg.

Die neue Herrlichkeit mußte der alten die Hand reichen, wollte sie mehr sein als dreistes Glück, wollte sie Schicksal und aus den Tiefen der deutschen Vergangenheit Erfüllung bedeuten.

Unserer Väter Werke! stand über dem Tor der Halle, darin begeisterte Männer aus München der staunenden Zeit ein stolzes Schaubild deutscher Vergangenheit gaben.

Die Zeit, da Dürer in Nürnberg Meister der Malerzunft war, da Hans Sachs auf der Diele des Hauses als freundlicher Greis saß, da Peter Vischer die festen Erzgüsse machte, da die Rathäuser wuchsen und in den Stuben der Bürger reiches Kunstgerät war, wurde in köstlichen Kammern vor der Gegenwart ausgebreitet.

Da sah sie, was einmal deutsche Bürgerschaft war, wie sie wohnte und ihr Gerät schmuckreich und edel gefügt aus einem Handwerk bekam, das noch ein Meisterstück kannte.

Es sollte nur eine kurze Schau sein, nur ein Blick in das herrlichste Buch der deutschen Geschichte, ein Vorbild und eine Predigt, desgleichen zu tun.

Aber die Schau konnte den Geist nicht wecken, der solche Dinge brauchte und schuf; sie zeigte der Gegenwart nur sein schönes Gewand; und die Gegenwart eilte sich sehr, es zu tragen.

Überall wurden dem alten Handwerk Museen gebaut, überall wollte die Gegenwart mit der Vergangenheit prahlen, überall mußte der neue Reichtum in alten Prunkkammern wohnen.

Weil aber die Kunst kein Leihgewand hat, weil sie das Kleid ihrer Zeit nicht anders sein kann, als Blätter und Blüten an einem Baum wachsen, seine Krone in eigene Anmut zu hüllen: wurde, was Leben sein wollte, nur ein Theater.

Als ob die Gegenwart keine Wirklichkeit wäre, Schönes zu wachsen, hing sich der Deutsche die Prunkmäntel vergangener Herrlichkeit um, seufzend, daß seine Zeit der eigenen Schönheit entbehre.