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Spezifische und latente Wärme. Um verschiedene Körper um[1] 1° C zu erwärmen, bedarf es der Zufuhr von verschiedenen Wärmemengen[2], welche wir die Wärmekapazität der Körper nennen. Dieselbe ist immer der Masse des Körpers proportional.

Man misst die Wärmekapazität nach Wärmeeinheiten oder Kalorien, wobei[3] man unter einer Kalorie (1 cal) diejenige Wärmemenge versteht, welche nöthig ist, um die Temperatur von 1 kg (oder 1 g) Wasser von 0° auf 1° C oder auch allgemein um 1° C zu steigern.

Diejenige Anzahl von Kalorien, welche nötig sind, um die Temperatur von 1 kg (oder 1 g) einer Substanz um[1] 1° C zu erhöhen, heisst die spezifische Wärme der Substanz. Wärmeaufnahme ohne Temperaturerhöhung findet beim[4] Schmelzen oder Auflösen und beim[4] Verdampfen der Körper statt. Man nennt diese Wärme gebunden oder latent.

Bei[4] den umgekehrten Aggregatzustandsänderungen[5], dem Erstarren und der Kondensation, wird die latente Wärme wieder frei.

Die latente Wärme des Wasserdampfes beträgt beim[4] Siedepunkt 536 cal. Man braucht also[6], um 1 kg Wasser von 100° in Dampf von derselben Temperatur überzuführen, so viel Wärme, dass man damit z. B. 10 kg Wasser um[1] 53,6° C erwärmen könnte. Umgekehrt[7] giebt jedes Kilogramm Wasserdampf von 100° bei[4] der Verdichtung zu Wasser von 100° 536 cal ab. Man macht hiervon Gebrauch bei[4] der Dampfheizung.

Die Bestimmung der spezifischen und latenten Wärme geschieht mittels des Kalorimeters, einer Vorrichtung mittels deren man diejenige Wärmemenge misst, welche ein Körper von bestimmter Masse bei[4] einer Abkühlung um[1] eine bestimmte Anzahl von Graden hergiebt oder bei[4] einer Erwärmung um[1] eine bestimmte Anzahl von Graden aufnimmt. Dies kann auf drei verschiedene Arten ausgeführt werden, 1. Man bringt den auf eine bestimmte Temperatur erhitzten Körper in eine abgewogene Menge Wasser von niederer Temperatur und ermittelt[8] die Temperatur, welche beide zusammen schliesslich annehmen. 2. Man ermittelt die Menge von Eis, welche der auf eine bestimmte Temperatur erwärmte Körper zu schmelzen vermag.[9] 3. Man bestimmt diejenige Menge von Wasser, welche der Körper in einem Strom von gesättigtem Wasserdampf niederschlägt,[10] während er sich auf die Temperatur des Dampfes erwärmt.