APPENDIX
TO THE NOTICE ON WILLIAM TELL.
The following Tellenlied is the most ancient known, and has been printed in the collection of M. Rochholz: Eidgenössische Liederchronik, p. 206.
In the course of time, this ballad has been often altered in its details; but we give here one of the old forms in which it was written.
To complete the picture of William Tell’s legend, we have added the celebrated ballad on the death of Tell, by the great poet Uhland who, by this poem, say the Germans:
Exegit monumentum ære perennius.
1.
Von einer Eidgenossenschaft
Und ihrer unerhörten Kraft
Ist mir ein Lied gelungen,
Drum will ich diesen ew’gen Bund
Besingen und den ganzen Grund,
Aus welchem er entsprungen.
In einem Land, das wie ein Kern
Verschlossen liegt in Bergen fern,
Die man als Mauern preiset,
Fing dieser Bund zum ersten an,
Es ward die Sache frei gethan
Im Land, das Uri heisset.
Nun schaut ihr lieben Herren an,
Wie dieser Schimpf zuerst begann,
Und lasst’s euch nicht verdriessen,
Wie einer seinem liebsten Sohn
Wohl einen Apfel gar aus Hohn
Vom Scheitel musste schiessen.
Der Landvogt sprach zu Wilhelm Tell:
Nun lug zu deiner Kunst, Gesell,
Und nun vernimm mich eben:
Trifft nicht dein allererster Schuss,
Fürwahr, so ist es dir nichts nutz
Und kostet dich dein Leben!
Er hatte Glück durch Gottes Kraft,
Da ist mit rechter Meisterschaft
Der Hauptschuss ihm gelungen;
Er irrte nicht und fehlte nit
Auf hundert und auf dreissig Schritt
Das Ziel am Haupt des Jungen.
Als er den Ersten Gott befahl,
Begriff er einen zweiten Strahl,
In’s Goller ihn zu legen;
Da sprach derselbe Landvogt gut,
Was treibst du da in deinem Muth,
Was hast du dich verwegen?
Der Telle war ein zornig Mann,
Er schnauzt den Landvogt übel an:
Hätt’ ich mein Kind erschossen,
Ich hätte dich, mein Landvogt gut,
Wie ich beschloss in meinem Muth,
Wohl auch geschwind erschossen!
Und solchem Spann und solchem Stoss
Entsprang der erste Eidgenoss!
Und also steht geschrieben:
Der übermüth’gen Vögte Schaar
Ward drauf der Herrschaft blos und bar
Und ans dem Land getrieben.
Wie fest wir schwuren einen Bund
Das bleibt in allen Zeiten kund
Den Jungen wie den Alten,
Und dass in Ehre wir bestehn
Und die geraden Wege gehn,
Das lassen Gott wir walten, etc.
2.
TELL’S TOD.
Grün wird die Alpe werden,
Stürzt die Lawin’ einmal;
Zu Berge ziehn die Heerden,
Fuhr erst der Schnee zu Thal.
Euch stellt, ihr Alpensöhne,
Mit jedem neuen Jahr
Des Eises Bruch vom Föhne
Den Kampf der Freiheit dar.
Da braust der wilde Schächen
Hervor aus seiner Schlucht,
Und Fels und Tanne brechen
Von seiner jähen Flucht,
Er hat den Steg begraben,
Der ob der Stäube hing,
Hat weggespült den Knaben,
Der auf dem Stege ging.
Und eben schritt ein Andrer
Zur Brücke, da sie brach;
Nicht stutzt der greise Wandrer,
Wirft sich dem Knaben nach,
Fasst ihn mit Adlerschnelle,
Trägt ihn zum sichern Ort;
Das Kind entspringt der Welle,
Den Alten reisst sie fort.
Doch als nun ausgestossen
Die Flut den todten Leib,
Da stehn um ihn, ergossen
In Jammer, Mann und Weib;
Als kracht in seinem Grunde
Des Rothstocks Felsgestell,
Erschallt’s aus einem Munde:
Der Tell ist todt, der Tell!
Wär’ ich ein Sohn der Berge,
Ein Hirt am ew’gen Schnee,
Wär’ ich ein kecker Ferge
Auf Uris grünem See,
Und trät’ in meinem Harme
Zum Tell, wo er verschied,
Des Todten Haupt im Arme,
Spräch’ ich mein Klagelied:
“Da liegst du, eine Leiche,
Der Aller Leben war;
Dir trieft noch um das bleiche
Gesicht das greise Haar.
Hier steht, den du gerettet,
Ein Kind, wie Milch und Blut,
Das Land, das du entkettet,
Steht rings in Alpenglut.
“Die Kraft derselben Liebe,
Die du dem Knaben trugst,
Ward einst in dir zum Triebe,
Dass du den Zwingherrn schlugst.
Nie schlummernd, nie erschrocken,
War retten stets dein Brauch,
Wie in den braunen Locken,
So in den grauen auch.
“Wärst du noch jung gewesen,
Als du den Knaben fingst,
Und wärst du dann genesen,
Wie du nun untergingst,
Wir hätten d’raus geschlossen
Auf künft’ger Thaten Ruhm:
Doch schön ist nach dem grossen
Das schlichte Heldenthum.
“Dir hat dein Ohr geklungen
Vom Lob, das man dir bot,
Doch ist zu ihm gedrungen
Ein schwacher Ruf der Noth.
Der ist ein Held der freien,
Der, wann der Sieg ihn kränzt,
Noch glüht, sich dem zu weihen,
Was frommet und nicht glänzt.
“Gesund bist du gekommen
Vom Werk des Zorns zurück,
Im hülfereichen, frommen,
Verliess dich erst dein Glück.
Der Himmel hat dein Leben
Nicht für ein Volk begehrt;
Für dieses Kind gegeben,
War ihm dein Opfer werth.
“Wo du den Vogt getroffen,
Mit deinem sichern Strahl
Dort steht ein Bethaus offen,
Dem Strafgericht ein Mal;
Doch hier, wo du gestorben,
Dem Kind ein Heil zu sein,
Hast du dir nur erworben
Ein schmucklos Kreuz von Stein.
“Weithin wird lobgesungen,
Wie du dein Land befreit,
Von grosser Dichter Zungen
Vernimmt’s noch späte Zeit;
Doch steigt am Schächen nieder
Ein Hirt im Abendroth,
Dann hallt im Felsthal wieder
Das Lied von deinem Tod.”