MILESISCHES MÄHRCHEN
Ein milesisches Mährchen, Adonide:
Unter heiligen Lorbeerwipfeln glänzte
Hoch auf rauschendem Vorgebirg ein Tempel.
Aus den Fluthen erhub, von Pan gesegnet,
In Gedüfte der Ferne sich ein Eiland. 5
Oft, in mondlicher Dämmrung, schwebt' ein Nachen
Vom Gestade des heerdenreichen Eilands,
Zur umwaldeten Bucht, wo sich ein Steinpfad
Zwischen Mirten zum Tempelhain emporwand.
Dort im Rosengebüsch, der Huldgöttinnen 10
Marmorgruppe geheiligt, fleht' oft einsam
Eine Priesterin, reizend wie Apelles
Seine Grazien malt, zum Sohn Cytherens,
Ihren Kallias freundlich zu umschweben
Und durch Wogen und Dunkel ihn zu leiten, 15
Bis der nächtliche Schiffer, wonneschauernd,
An den Busen ihr sank.
The German original of the translation was published in Poems, 1852, Notes, pp. 387-9.