ZWEITE SZENE

Der Schauplatz, wie in der lezten Szene des vorigen Akts.

Der alte Moor auf einem Stein sitzend. Räuber Moor gegenüber. Räuber hin und her im Wald.

R. MOOR

Er kommt noch nicht?

schlägt mit dem Dolch auf einen Stein daß es Funken gibt.

D. A. MOOR

Verzeihung sei seine Strafe — meine Rache verdoppelte Liebe.

R. MOOR

Nein, bei meiner grimmigen Seele. Das soll nicht sein. Ich wills nicht haben. Die große Schandtat soll er mit sich in die Ewigkeit hinüber schleppen! — Wofür hab ich ihn dann umgebracht?

D. A. MOOR

in Tränen ausbrechend.

O mein Kind.

R. MOOR

Was? — du weinst um ihn — an diesem Turme?

D. A. MOOR

Erbarmung! o Erbarmung! Heftig die Hände ringend. Itzt — itzt wird mein Kind gerichtet!

R. MOOR

erschrocken.

Welches?

D. A. MOOR

Ha! was ist das für eine Frage?

R. MOOR

Nichts. Nichts.

D. A. MOOR

Bist du kommen Hohngelächter anzustimmen über meinem Jammer?

R. MOOR

Verrätrisches Gewissen! — Merket nicht auf meine Rede.

D. A. MOOR

Ja ich hab einen Sohn gequält, und ein Sohn mußte mich wieder quälen, das ist Gottes Finger — o mein Karl! mein Karl! wenn du um mich schwebst im Gewand des Friedens. Vergib mir. Oh vergib mir!

R. MOOR

schnell.

Er vergibt euch. Betroffen. Wenn ers wert ist euer Sohn zu heißen — Er muß euch vergeben.

D. A. MOOR

Ha! Er war zu herrlich für mich — Aber ich will ihm entgegen mit meinen Tränen, meinen schlaflosen Nächten, meinen quälenden Träumen, seine Knie will ich umfassen — rufen — laut rufen: Ich habe gesündigt im Himmel, und vor dir. Ich bin nicht wert, daß du mich Vater nennst.

R. MOOR

sehr gerührt.

Er war euch lieb euer andrer Sohn?

D. A. MOOR

Du weißt es o Himmel. Warum ließ ich mich doch durch die Ränke eines bösen Sohnes betören? Ein gepriesener Vater ging ich einher unter den Vätern der Menschen. Schön um mich blühten meine Kinder voll Hoffnung. Aber — o der unglückseligen Stunde! — der böse Geist fuhr in das Herz meines zweiten, ich traute der Schlange — verloren meine Kinder beide.

Verhüllt sich das Gesicht.

R. MOOR

geht weit von ihm weg.

Ewig verloren.

D. A. MOOR

Oh ich fühl es tief was mir Amalia sagte, der Geist der Rache sprach aus ihrem Munde. Vergebens ausstrecken deine sterbenden Hände wirst du nach einem Sohn, vergebens wähnen zu umfassen die warme Hand deines Karls, der nimmermehr an deinem Bette steht —

Räuber Moor reicht ihm die Hand mit abgewandtem Gesicht.

D. A. MOOR

Wärst du meines Karls Hand! — Aber er liegt fern im engen Hause303, schläft schon den eisernen Schlaf, höret nimmer die Stimme meines Jammers — weh mir! Sterben in den Armen eines Fremdlings — Kein Sohn mehr — kein Sohn mehr, der mir die Augen zudrücken könnte —

R. RAUBER

in der heftigsten Bewegung.

Itzt muß es sein — itzt — verlaßt mich zu den Räubern. Und doch — Kann ich ihm denn seinen Sohn wieder schenken? — Ich kann ihm seinen Sohn doch nicht mehr schenken — Nein! Ich wills nicht tun.

D. A. MOOR

Wie Freund? Was hast du da gemurmelt?

R. MOOR

Dein Sohn — Ja alter Mann — stammelnd. Dein Sohn — ist — ewig verloren.

D. A. MOOR

Ewig?

R. MOOR

in der fürchterlichsten Beklemmung gen Himmel sehend.

O nur diesmal — Laß meine Seele nicht matt werden — nur diesmal halte mich aufrecht!

D. A. MOOR

Ewig sagst du?

R. MOOR

Frage nichts weiter. Ewig, sagt ich.

D. A. MOOR

Fremdling! Fremdling! Warum zogst du mich aus dem Turme?

R. MOOR

Und wie? — Wenn ich jetzt seinen Seegen weghaschte — haschte wie ein Dieb, und mich davonschlich mit der göttlichen Beute — Vatersegen sagt man, geht niemals verloren.

D. A. MOOR

Auch mein Franz verloren? —

R. MOOR

stürzt vor ihm nieder.

Ich zerbrach die Riegel deines Turms — Gib mir deinen Segen.

D.A. MOOR

mit Schmerz.

Daß du den Sohn vertilgen mußtest, Retter des Vaters! — Siehe die Gottheit ermüdet nicht im Erbarmen, und wir armseligen Würmer gehen schlafen mit unserm Groll legt seine Hand auf des Räubers Haupt. Sei so glücklich, als du dich erbarmest.

R. MOOR

weichmütig aufstehend.

O — wo ist meine Mannheit? Meine Sehnen werden schlapp, der Dolch sinkt aus meinen Händen.

D. A. MOOR

Wie köstlich ists wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen, wie der Tau der vom Hermon fällt auf die Berge Zion — Lern diese Wollust verdienen junger Mann, und die Engel des Himmels werden sich sonnen in deiner Glorie. Deine Weisheit sei die Weisheit der grauen Haare, aber dein Herz — dein Herz sei das Herz der unschuldigen Kindheit.

R. MOOR

O einen Vorschmack dieser Wollust. Küsse mich göttlicher Greis!

D.A. MOOR

küßt ihn.

Denk es sei Vaterskuß, so will ich denken ich küsse meinen Sohn — du kannst auch weinen?

R. MOOR

Ich dacht, es sei Vaterskuß! — Weh mir, wenn sie ihn jetzt brächten!

Schweizers Gefährten treten auf im stummen Trauerzug, mit gesenkten Häuptern, und verhüllten Gesichtern.

R. MOOR

Himmel!

tritt scheu zurück, und sucht sich zu verbergen. Sie ziehen an ihm vorüber. Er sieht weg von ihnen. Tiefe Pause. Sie halten.

GRIMM

mit gesenktem Ton.

Mein Hauptmann.

R. Moor antwortet nicht und tritt weiter zurück.

SCHWARZ

Teurer Hauptmann.

Räuber Moor weicht weiter zurück.

GRIMM

Wir sind unschuldig mein Hauptmann.

R. MOOR

ohne nach ihnen hinzuschaun.

Wer seid ihr?

GRIMM

Du blickst uns nicht an. Deine Getreuen.

R. MOOR

Weh euch wenn ihr mir getreu wart!

GRIMM

Das letzte Lebewohl von deinem Knecht Schweizer — er kehrt nie wieder dein Knecht Schweizer.

R. MOOR

aufspringend.

So habt ihr ihn nicht gefunden?

SCHWARZ

Tot gefunden.

R. MOOR

froh empor hüpfend.

Habe Dank Lenker der Dinge — Umarmet mich meine Kinder — Erbarmung sei von nun an die Losung — Nun wär auch das überstanden — Alles überstanden.

Neue Räuber. Amalia.

RÄUBER

Heisa, heisa! Ein Fang, ein superber Fang!

AMALIA

mit fliegenden Haaren.

Die Toden schreien sie, seien erstanden auf seine Stimme — mein Oheim lebendig — in diesem Wald — wo ist er? Karl! Oheim! — Ha!

Stürzt auf den Alten zu.

D. A. MOOR

Amalia! Meine Tochter! Amalia!

Hält sie in seinen Armen gepreßt.

R. MOOR

zurückspringend.

Wer bringt dies Bild vor meine Augen?

AMALIA

entspringt dem Alten und springt auf den Räuber zu, und umschlingt ihn entzückt.

Ich hab ihn, o ihr Sterne! Ich hab ihn! —

MOOR

sich losreißend, zu den Räubern.

Brecht auf ihr! Der Erzfeind304 hat mich verraten!

AMALIA

Bräutigam, Bräutigam, du rasest! Ha! Vor Entzückung! Warum bin ich auch so fühllos, mitten im Wonnewirbel so kalt?

D.A. MOOR

sich aufraffend.

Bräutigam? Tochter! Tochter! Ein Bräutigam?

AMALIA

Ewig sein! Ewig, ewig, ewig mein! — Oh ihr Mächte des Himmels! Entlastet mich dieser305 tödlichen Wollust, daß ich nicht unter der Bürde vergehe!

R. MOOR

Reißt sie von meinem Halse! Tötet sie! Tötet ihn! mich! euch! alles! Die ganze Welt geh zu Grunde!

Er will davon.

AMALIA

Wohin? was? Liebe Ewigkeit! Wonn Unendlichkeit, und du fliehst?

R. MOOR

Weg, weg! — Unglückseligste der Bräute! — Schau selbst, frage selbst, höre! — Unglückseligster der Väter! Laß mich immer ewig davon rennen!

AMALIA

Haltet mich! Um Gottes willen, haltet mich! — Es wird mir so Nacht vor den Augen — Er flieht!

R. MOOR

Zu spät! Vergebens! Dein Fluch, Vater, — frage mich nichts mehr! — ich bin, ich habe — dein Fluch — dein vermeinter306 Fluch! — Wer hat mich hergelockt? Mit gezogenem Degen auf die Räuber losgehend. Wer von euch hat mich hieher gelockt, ihr Kreaturen des Abgrunds? So vergeh dann, Amalia! — Stirb, Vater! Stirb durch mich zum drittenmal! — Diese deine Retter sind Räuber und Mörder! Dein Karl ist ihr Hauptmann.

Der alte Moor gibt seinen Geist auf.

Amalia steht stumm, und starr wie ein Bildsäule. Die ganze Bande in fürchterlicher Pause.

RAUBER MOOR

wider eine Eiche rennend.

Die Seelen derer, die ich erdrosselte im Taumel der Liebe — derer, die ich zerschmetterte im heiligen Schlaf, derer, — hahaha! Hört ihr den Pulverturm knallen über der kreisenden Stühlen307! Seht ihr die Flammen schlagen an den Wiegen der Säuglinge? das ist Brautfackel, das ist Hochzeitmusik — oh er vergißt nicht, er weiß zu knüpfen — darum von mir die Wonne der Liebe! darum mir zur Folter die Liebe! das ist Vergeltung!

AMALIA

Es ist wahr! Herrscher im Himmel! Es ist wahr. — Was hab ich getan, ich unschuldiges Lamm? Ich habe diesen geliebt!

R. MOOR

Das ist mehr als ein Mann erduldet. Hab ich doch den Tod aus mehr denn tausend Röhren auf mich zupfeifen gehört, und bin ihm keinen Fußbreit gewichen, soll ich itzt erst lernen beben wie ein Weib? beben vor einem Weib? — Nein, ein Weib erschüttert meine Mannheit nicht — Blut, Blut! Es ist nur ein Anstoß308 vom Weibe — Blut muß ich saufen, es wird vorübergehen.

Er will davon fliehn.

AMALIA

fällt ihm in die Arme.

Mörder! Teufel! Ich kann dich Engel nicht lassen.

MOOR

schleudert sie von sich.

Fort falsche Schlange, du willst einen rasenden höhnen, aber ich poche dem Tyrannen-Verhängnis — was, du weinest? Oh ihr losen boshaften Gestirne! Sie tut als ob sie weine, als ob um mich eine Seele weine. Amalia fällt ihm um den Hals. Ha was ist das? Sie speit mich nicht an, stößt mich nicht von sich — Amalia! Hast du vergessen? weißt du auch, wen du umarmest, Amalia?

AMALIA

Einziger, unzertrennlicher!

MOOR

aufblühend in ekstatischer Wonne.

Sie vergibt mir, sie liebt mich! Rein bin ich wie der Äther des Himmels, sie liebt mich. — Weinenden Dank dir, Erbarmer im Himmel! Er fällt auf die Knie und weinet heftig. Der Friede meiner Seele ist wiedergekommen, die Qual hat ausgetobt, die Hölle ist nicht mehr — Sieh, o sieh, die Kinder des Lichts weinen am Hals der weinenden Teufel — aufstehend zu den Räubern. So weinet doch auch! weinet, weinet, ihr seid ja so glücklich — O Amalia! Amalia! Amalia!

Er hängt an ihrem Mund, sie bleiben in stummer Umarmung.

EIN RÄUBER

grimmig hervortretend.

Halt ein Verräter! — Gleich laß diesen Arm fahren — oder ich will dir ein Wort sagen, daß dir die Ohren gellen, und deine Zähne vor Entsetzen klappern!

Streckt das Schwert zwischen beide.

EIN ALTER RÄUBER

Denk an die böhmischen Wälder! Hörst du, zagst du? — an die böhmischen Wälder sollst du denken! Treuloser, wo sind deine Schwüre? Vergißt man Wunden so bald? da wir Glück, Ehre und Leben in die Schanze schlugen309 für dich? Da wir dir standen wie Mauren, auffingen wie Schilder die Hiebe, die deinem Leben galten, — hubst du da nicht deine Hand zum eisernen310 Eid auf, schwurest, uns nie zu verlassen, wie wir dich nicht verlassen haben? — Ehrloser! Treuvergessener! Und du willst abfallen, wenn eine Metze greint?

EIN DRITTER RÄUBER

Pfui, über den Meineid! der Geist des geopferten Rollers, den du zum Zeugen aus dem Todenreich zwangest, wird erröten über deine Feigheit, und gewaffnet aus seinem Grabe steigen, dich zu züchtigen.

DIE RÄUBER

durcheinander, reißen ihre Kleider auf.

Schau her, schau! Kennst du diese Narben? du bist unser! Mit unserem Herzblut haben wir dich zum Leibeigenen angekauft, unser bist du, und wenn der Erzengel Michael mit dem Moloch ins Handgemeng kommen sollte! — Marsch mit uns! Opfer um Opfer! Amalia für die Bande!

R. MOOR

läßt ihre Hand fahren.

Es ist aus! — Ich wollte umkehren und zu meinem Vater gehn, aber der im Himmel sprach, es soll nicht sein. Kalt. Blöder Tor ich, warum wollt ich es auch? Kann denn ein großer Sünder noch umkehren? Ein großer Sünder kann nimmermehr umkehren, das hätt’ ich längst wissen können — Sei ruhig, ich bitte dich, sei ruhig! so ists ja auch recht — Ich habe nicht gewollt, da er mich suchte, itzt da ich ihn suche, will Er nicht, was ist billiger? — Rolle doch deine Augen nicht so — er bedarf ja meiner nicht. Hat er nicht Geschöpfe die Fülle, Einen kann er so leicht missen, und dieser Eine bin nun ich. — Kommt Kameraden!

AMALIA

reißt ihn zurück.

Halt, halt! Einen Stoß! einen Todesstoß! Neu verlassen! Zeuch311 dein Schwert, und erbarme dich!

R. MOOR

Das Erbarmen ist zu Bären geflohen, — ich töde dich nicht!

AMALIA

seine Knie umfassend.

Oh um Gotteswillen, um aller Erbarmungen willen! Ich will ja nicht Liebe mehr, weiß ja wohl, daß droben unsere Sterne feindlich von einander fliehen, — Tod ist meine Bitte nur. — Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner entsetzlichen Fülle, verlassen! Ich kanns nicht überdulden312. Du siehst ja, das kann kein Weib überdulden. Tod ist meine Bitte nur! Sieh, meine Hand zittert! Ich habe das Herz nicht zu stoßen. Mir bangt vor der blitzenden Schneide — dir ists ja so leicht, so leicht, bist ja Meister im Morden, zeuch dein Schwert, und ich bin glücklich!

R. MOOR

Willst du allein glücklich sein? Fort, ich töde kein Weib!

AMALIA

Ha Würger! du kannst nur die Glücklichen töten, die Lebenssatten gehst du vorüber. Kriecht zu den Räubern. So erbarmet euch meiner, ihr Schüler des Henkers! — Es ist ein so blutdürstiges Mitleid in euren Blicken, das dem Elenden Trost ist — euer Meister ist ein eitler feigherziger Prahler.

R. MOOR

Weib, was sagst du?

Die Räuber wenden sich ab.

AMALIA

Kein Freund? auch unter diesen nicht ein Freund? Sie steht auf. Nun denn, so lehre mich Dido sterben!

Sie will gehen, ein Räuber zielt.

R. MOOR

Halt! Wag es — Moors Geliebte soll nur durch Moor sterben!

Er ermordet sie.

DIE RÄUBER

Hauptmann, Hauptmann! Was machst du, bist du wahnsinnig worden?

MOOR

auf den Leichnam mit starrem Blick.

Sie ist getroffen! Dies Zucken noch, und dann wirds vorbei sein — Nun, seht doch! habt ihr noch was zu fordern? Ihr opfertet mir ein Leben auf, ein Leben, das schon nicht mehr euer war, ein Leben voll Abscheulichkeit und Schande — ich hab euch einen Engel geschlachtet. Wie, seht doch recht her! Seid ihr nunmehr zufrieden?

GRIMM

Du hast deine Schuld mit Wucher bezahlt. Du hast getan, was kein Mann würde für seine Ehre tun. Komm itzt weiter!

MOOR

Sagst du das? Nicht wahr, das Leben einer Heiligen um das Leben der Schelme, es ist ungleicher Tausch? — O ich sage euch, wenn jeder unter euch aufs Blutgerüste ging, und sich ein Stück Fleisch nach dem andern mit glühender Zange abzwicken lies, daß die Marter eilf Sommertäge dauerte, es wiege diese Tränen nicht auf. Mit bitterem Gelächter. Die Narben, die böhmischen Wälder! Ja ja! Dies mußte freilich bezahlt werden.

SCHWARZ

Sei ruhig, Hauptmann! Komm mit uns, der Anblick ist nicht für dich. Führe uns weiter!

R. MOOR

Halt — noch ein Wort eh wir weiter gehn — Merket auf ihr schadenfrohe Schergen313 meines barbarischen Winks — Ich höre von diesem Nun an auf euer Hauptmann zu sein — Mit Scham und Grauen leg ich hier diesen blutigen Stab nieder worunter zu freveln ihr euch berechtiget wähntet, und mit Werken der Finsternis dies himmlische Licht zu besudeln — Gehet hin zur Rechten und Linken — Wir wollen ewig niemals gemeine Sache machen.

RÄUBER

Ha Mutloser! Wo sind deine hochfliegende Plane? Sinds Seifenblasen gewesen, die beim Hauch314 eines Weibes zerplatzen?

R. MOOR

O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten. Ich nannte es Rache und Recht — Ich maßte mich an, o Vorsicht315 die Scharten deines Schwerts auszuwetzen und deine Parteilichkeiten gut zu machen — aber — O eitle Kinderei — da steh ich am Rand eines entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähnklappern und Heulen, daß zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grund richten würden. Gnade — Gnade dem Knaben, der Dir vorgreifen wollte — Dein eigen allein ist die Rache. Du bedarfst nicht des Menschen Hand. Freilich stehts nun in meiner Macht nicht mehr die Vergangenheit einzuholen — schon bleibt verdorben, was verdorben ist — was ich gestürzt habe steht ewig niemals mehr auf — Aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigte Gesetze versöhnen, und die mißhandelte Ordnung wiederum heilen kann. Sie bedarf eines Opfers — Eines Opfers, das ihre unverletzbare Majestät vor der ganzen Menschheit entfaltet — dieses Opfer bin ich selbst. Ich selbst muß für sie des Todes sterben.

RÄUBER

Nimmt ihm den Degen weg — Er will sich umbringen.

R. MOOR

Toren ihr! Zu ewiger Blindheit verdammt! Meinet ihr wohl gar eine Todsünde werde das Äquivalent gegen Todsünden sein, meinet ihr die Harmonie der Welt werde durch diesen gottlosen Mißlaut gewinnen? Wirft ihnen seine Waffen verächtlich vor die Füße. Er soll mich lebendig haben. Ich geh, mich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern.

RÄUBER

Legt ihn an Ketten! Er ist rasend worden.

R. MOOR

Nicht, als ob ich zweifelte sie werde mich zeitig genug finden, wenn die obere Mächte es so wollen. Aber sie möchte mich im Schlaf überrumpeln, oder auf der Flucht ereilen, oder mit Zwang und Schwert umarmen, und dann wäre mir auch das einige Verdienst entwischt, daß ich mit Willen für sie gestorben bin. Was soll ich gleich einem Diebe ein Leben länger verheimlichen, das mir schon lang im Rat der himmlischen Wächter genommen ist?

RÄUBER

Laßt ihn hinfahren. Es ist die Groß-Mann-Sucht. Er will sein Leben an eitle Bewunderung setzen.

R. MOOR

Man könnte mich darum bewundern. Nach einigem Nachsinnen. Ich erinnere mich einen armen Schelm316 gesprochen zu haben als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat — Man hat tausend Louisdore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert — dem Mann kann geholfen werden.

Er geht ab.