Dritter Auftritt

Szene: die Palmen vor Nathans Hause. Der Tempelherr geht auf und nieder.

Ins Haus nun will ich einmal nicht. — Er wird

Sich endlich doch wohl sehen lassen! Man

Bemerkte mich ja sonst so bald, so gern! —

Will’s noch erleben, dass er sich’s verbittet,

Vor seinem Hause mich so fleißig finden

Zu lassen. — Hm! — ich bin doch aber auch

Sehr ärgerlich. — Was hat mich denn nun so

Erbittert gegen ihn? — Er sagte ja:

Noch schlüg’ er mir nichts ab. Und Saladin

Hat’s über sich genommen, ihn zu stimmen. —

Wie? sollte wirklich wohl in mir der Christ

Noch tiefer nisten, als in ihm der Jude? —

Wer kennt sich recht! Wie könnt ich ihm denn sonst

Den kleinen Raub nicht gönnen wollen, den

Er sich’s zu solcher Angelegenheit

Gemacht, den Christen abzujagen? Freilich,

Kein kleiner Raub, ein solch Geschöpf! — Geschöpf?

Und wessen? — Doch des Sklaven nicht, der auf

Des Lebens öden Strand den Block geflößt,

Und sich davon gemacht? Des Künstlers doch

Wohl mehr, der in dem hingeworfnen Blocke

Die göttliche Gestalt sich dachte, die

Er dargestellt? — Ach! Rechas wahrer Vater

Bleibt, trotz dem Christen, der sie zeugte — bleibt

In Ewigkeit der Jude. — Wenn ich mir

Sie lediglich als Christendirne denke,

Sie sonder alles das mir denke, was

Allein ihr so ein Jude geben konnte: —

Sprich, Herz, — was wär an ihr, das dir gefiel?

Nichts! Wenig! Selbst ihr Lächeln, wär es nichts

Als sanfte schöne Zuckung ihrer Muskeln;

Wär, was sie lächeln macht, des Reizes unwert,

In den es sich auf ihrem Munde kleidet: —

Nein, selbst ihr Lächeln nicht! Ich hab es ja

Wohl schöner noch an Aberwitz, an Tand,

An Höhnerei, an Schmeichler und an Buhler

Verschwenden sehn! — Hat’s da mich auch bezaubert?

Hat’s da mir auch den Wunsch entlockt, mein Leben

In seinem Sonnenscheine zu verflattern? —

Ich wüßte nicht! Und bin auf den doch launisch,

Der diesen hohem Wert allein ihr gab?

Wie das? warum? — Wenn ich den Spott verdiente,

Mit dem mich Saladin entließ! Schon schlimm

Genug, dass Saladin es glauben konnte!

Wie klein ich ihm da scheinen musste! wie

Verächtlich! — Und das alles um ein Mädchen? —

Curd! Curd! das geht so nicht. Lenk ein! Wenn vollends

Mir Daja nur was vorgeplaudert hätte,

Was schwerlich zu erweisen stünde? — Sieh,

Da tritt er endlich, im Gespräch vertieft,

Aus seinem Hause! — Ha! mit wem! — Mit ihm?

Mit meinem Klosterbruder? — Ha! so weiß

Er sicherlich schon alles! ist wohl gar

Dem Patriarchen schon verraten! — Ha!

Was hab ich Querkopf nun gestiftet! — dass

Ein einz’ger Funken dieser Leidenschaft

Doch unsers Hirns so viel verbrennen kann!

Geschwind entschließ dich, was nunmehr zu tun!

Ich will hier seitwärts ihrer warten; ob

Vielleicht der Klosterbruder ihn verlässt.