ERSTER AUFTRITT
Szene: in den Kreuzgängen des Klosters. Der Klosterbruder und bald darauf der Tempelherr.
KLOSTERBRUDER
Ja, ja! er hat schon Recht, der Patriarch!
Es hat mir freilich noch von alledem
Nicht viel gelingen wollen, was er mir
So aufgetragen. — Warum trägt er mir
Auch lauter solche Sachen auf? — Ich mag
Nicht fein sein; mag nicht überreden; mag
Mein Näschen nicht in alles stecken; mag
Mein Händchen nicht in allem haben. — Bin
Ich darum aus der Welt geschieden, ich
Für mich, um mich für andre mit der Welt
Noch erst recht zu verwickeln?
TEMPELHERR
mit Hast auf ihn zukommend
Guter Bruder!
Da seid Ihr ja. Ich hab Euch lange schon
Gesucht.
KLOSTERBRUDER
Mich, Herr?
TEMPELHERR
Ihr kennt mich schon nicht mehr?
KLOSTERBRUDER
Doch, doch! Ich glaubte nur, dass ich den Herrn
In meinem Leben wieder nie zu sehn
Bekommen würde. Denn ich hofft es zu
Dem lieben Gott. — Der liebe Gott, der weiß,
Wie sauer mir der Antrag ward, den ich
Dem Herrn zu tun verbunden war. Er weiß,
Ob ich gewünscht, ein offnes Ohr bei Euch
Zu finden; weiß, wie sehr ich mich gefreut,
Im Innersten gefreut, dass Ihr so rund
Das alles, ohne viel Bedenken, von
Euch wies’t, was einem Ritter nicht geziemt. —
Nun kommt Ihr doch! Nun hat’s doch nachgewirkt!
TEMPELHERR
Ihr wisst es schon, warum ich komme? Kaum
Weiß ich es selbst.
KLOSTERBRUDER
Ihr habt’s nun überlegt;
Habt nun gefunden, dass der Patriarch
So Unrecht doch nicht hat: dass Ehr’ und Geld
Durch seinen Anschlag zu gewinnen; dass
Ein Feind ein Feind ist, wenn er unser Engel
Auch siebenmal gewesen wäre. Das,
Das habt Ihr nun mit Fleisch und Blut erwogen,
Und kommt, und tragt Euch wieder an. — Ach Gott!
TEMPELHERR
Mein frommer, lieber Mann! gebt Euch zufrieden.
Deswegen komm ich nicht; deswegen will
Ich nicht den Patriarchen sprechen. Noch,
Noch denk ich über jenen Punkt, wie ich
Gedacht, und wollt um alles in der Welt
Die gute Meinung nicht verlieren, deren
Mich ein so grader, frommer, lieber Mann
Einmal gewürdiget. — Ich komme bloß,
Den Patriarchen über eine Sache
Um Rat zu fragen ...
KLOSTERBRUDER
Ihr den Patriarchen?
Ein Ritter einen — Pfaffen?
Sich schüchtern umsehend.)
TEMPELHERR
Ja; — die Sach’
Ist ziemlich pfäffisch.
KLOSTERBRUDER
Gleichwohl fragt der Pfaffe
Den Ritter nie, die Sache sei auch noch
So ritterlich.
TEMPELHERR
Weil er das Vorrecht hat,
Sich zu vergehn, das unsereiner ihm
Nicht sehr beneidet. — Freilich, wenn ich nur
Für mich zu handeln hätte; freilich, wenn
Ich Rechenschaft nur mir zu geben hätte:
Was braucht’ ich Eures Patriarchen? Aber
Gewisse Dinge will ich lieber schlecht,
Nach andrer Willen, machen; als allein
Nach meinem, gut. — Zudem, ich seh nun wohl,
Religion ist auch Partei; und wer
Sich drob auch noch so unparteiisch glaubt,
Hält, ohn es selbst zu wissen, doch nur seiner
Die Stange. Weil das einmal nun so ist;
Wird’s so wohl recht sein.
KLOSTERBRUDER
Dazu schweig ich lieber.
Denn ich versteh den Herrn nicht recht.
TEMPELHERR
Und doch! —
(lass sehn, warum mir eigentlich zu tun!
Um Machtspruch oder Rat? — Um lautern, oder
Gelehrten Rat?) — Ich dank Euch Bruder; dank
Euch für den guten Wink. — Was Patriarch? —
Seid Ihr mein Patriarch! Ich will ja doch
Den Christen mehr im Patriarchen, als
Den Patriarchen in dem Christen fragen. —
Die Sach’ ist die ...
KLOSTERBRUDER
Nicht weiter, Herr, nicht weiter!
Wozu? — Der Herr verkennt mich. — Wer viel weiß,
Hat viel zu sorgen; und ich habe ja
Mich einer Sorge nur gelobt. — O gut!
Hört! seht! Dort kommt, zu meinem Glück, er selbst
Bleibt hier nur stehn. Er hat Euch schon erblickt.