Threnodie IV

Gewalt tatst, arger Tod, du meinen Augen an,

Dass sie mein liebes Kind vorzeitig sterben sahn.

Ich sah, wie unreif noch die Frucht hinabgeglitten,

Und solches Unglück hat der Eltern Herz zerschnitten.

Nie hätte zwar der Tod sie ohne großes Leid

Mir jemals fortgeführt, nie ohne Bitterkeit

Und schwere Herzenspein, selbst wenn in spätern Jahren

Sie mir zur Kümmernis wär aus der Welt entfahren;

Doch nimmer hätt ihr Tod mir so viel Leid gebracht,

So große Qual in mir und Sehnsucht nie entfacht;

Denn sie (hätts Gott gewollt und ihr noch Frist gewähret)

Hätt meinen Augen wohl noch manchen Trost bescheret.

Inzwischen könnt ich doch mit meinem Leben schließen

Und auf der letzten Fahrt Persephone begrüßen

Und hätt im Herzen nicht gefühlt so großes Wehe,

Dass ich auf dieser Welt nicht seines Gleichen sehe.

Nun fass ichs: Niobe, da sie den Tod gewahrte

Der lieben Kinderschar, dass sie zu Stein erstarrte.