HELL ERLEUCHTETE SÄLE

Kaiser und Fürsten. Hof in Bewegung.

KÄMMERER

zu Mephistopheles.

Ihr seid uns noch die Geisterszene schuldig;

Macht Euch daran! der Herr ist ungeduldig.

MARSCHALK

Soeben fragt der Gnädigste darnach;

Ihr! zaudert nicht der Majestät zur Schmach.

MEPHISTOPHELES

Ist mein Kumpan doch deshalb weggegangen;

Er weiß schon, wie es anzufangen,

Und laboriert verschlossen still,

Muß ganz besonders sich befleißen;

Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will,

Bedarf der höchsten Kunst, Magie der Weisen.

MARSCHALK

Was ihr für Künste braucht, ist einerlei:

Der Kaiser will, daß alles fertig sei.

BLONDINE

zu Mephistopheles.

Ein Wort, mein Herr! Ihr seht ein klar Gesicht,

Jedoch so ist’s im leidigen Sommer nicht!

Da sprossen hundert bräunlich rote Flecken,

Die zum Verdruß die weiße Haut bedecken.

Ein Mittel!

MEPHISTOPHELES

Schade! so ein leuchtend Schätzchen

Im Mai getupft wie eure Pantherkätzchen.

Nehmt Froschlaich, Krötenzungen, kohobiert,

Im vollsten Mondlicht sorglich distilliert

Und, wenn er abnimmt, reinlich aufgestrichen,

Der Frühling kommt, die Tupfen sind entwichen.

BRAUNE

Die Menge drängt heran, Euch zu umschranzen.

Ich bitt um Mittel! Ein erfrorner Fuß

Verhindert mich am Wandeln wie am Tanzen,

Selbst ungeschickt beweg ich mich zum Gruß.

MEPHISTOPHELES

Erlaubet einen Tritt von meinem Fuß.

BRAUNE

Nun, das geschieht wohl unter Liebesleuten.

MEPHISTOPHELES

Mein Fußtritt, Kind! hat Größres zu bedeuten.

Zu Gleichem Gleiches, was auch einer litt;

Fuß heilet Fuß, so ist’s mit allen Gliedern.

Heran! Gebt acht! Ihr sollt es nicht erwidern.

BRAUNE

schreiend.

Weh! Weh! das brennt! das war ein harter Tritt,

Wie Pferdehuf.

MEPHISTOPHELES

Die Heilung nehmt Ihr mit.

Du kannst nunmehr den Tanz nach Lust verüben,

Bei Tafel schwelgend füßle mit dem Lieben.

DAME

herandringend.

Laßt mich hindurch! Zu groß sind meine Schmerzen,

Sie wühlen siedend mir im tiefsten Herzen;

Bis gestern sucht’ Er Heil in meinen Blicken,

Er schwatzt mit ihr und wendet mir den Rücken.

MEPHISTOPHELES

Bedenklich ist es, aber höre mich.

An ihn heran mußt du dich leise drücken;

Nimm diese Kohle, streich ihm einen Strich

Auf Ärmel, Mantel, Schulter, wie sich’s macht;

Er fühlt im Herzen holden Reuestich.

Die Kohle doch mußt du sogleich verschlingen,

Nicht Wein, nicht Wasser an die Lippen bringen;

Er seufzt vor deiner Tür noch heute nacht.

DAME

Ist doch kein Gift?

MEPHISTOPHELES

entrüstet.

Respekt, wo sich’s gebührt!

Weit müßtet Ihr nach solcher Kohle laufen;

Sie kommt von einem Scheiterhaufen,

Den wir sonst emsiger angeschürt.

PAGE

Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll.

MEPHISTOPHELES

bei Seite.

Ich weiß nicht mehr, wohin ich hören soll.

Zum Pagen.

Müßt Euer Glück nicht auf die Jüngste setzen.

Die Angejahrten wissen Euch zu schätzen. —

Andere drängen herzu.

Schon wieder Neue! Welch ein harter Strauß!

Ich helfe mir zuletzt mit Wahrheit aus;

Der schlechteste Behelf! Die Not ist groß. —

O Mütter, Mütter! Laßt nur Fausten los!

Umherschauend.

Die Lichter brennen trübe schon im Saal,

Der ganze Hof bewegt sich auf einmal.

Anständig seh’ ich sie in Folge ziehn

Durch lange Gänge, ferne Galerien.

Nun! sie versammeln sich im weiten Raum

Des alten Rittersaals, er faßt sie kaum.

Auf breite Wände Teppiche spendiert,

Mit Rüstung Eck’ und Nischen ausgeziert.

Hier braucht es, dächt ich, keine Zauberworte;

Die Geister finden sich von selbst zum Orte.