Gott, wir hören deine Stimme durch die Welt erschallen—und beben:—o Ewiger, erhalte deine Geschöpfe, denke im Zorn daran, dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, daß der Himmel mit deiner Herrlichkeit erfüllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab. 3.)

3. Der Herr ist meine Stärke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dünste sich ausbreiten, mein Herz fürchtet sich doch nicht, denn der Herr stillt das brausende Meer und das Getöse der verheerenden Wogen. Ja, du, Herr! hältst deine Hand über mich, daß kein Übel mich vernichte, wie groß und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich leitet; du birgst mich in deiner Hütte zu der schlimmen Zeit und bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl für eine kleine Stunde zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner großen Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, daß du mich wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, daß ich alle deine Wundertaten verkünden kann.

Amen!


Ergebenheit in Gottes Willen.

Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer Angst. (Ps. 107, 13.)

4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den Ängsten der Drangsale und der Betrübnis, sucht mein bekümmertes Herz dich, du Herr des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, daß du meine Seele mit Ergebung in deinen Willen erfüllen mögest, so daß ich vertrauensvoll mich dir hingebe und spreche:»Siehe, hier bin ich, Allgütiger, tue mit mir, wie dir am besten scheint!«(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flügelschlag des Todes trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein Herz stärken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der Gedanke, daß meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht? Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe wieder zurückzunehmen, aber gewiß wirst du es nicht tun, ohne daß auch darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.»Herr, in deine Hand befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlösen, wenn du es für gut findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!«—Mit Sorgfalt will ich mich vor allem hüten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen könnte, und will suchen, dasselbe durch Mäßigkeit, durch Ordnung in meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschützen. Aber ich will auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit allen versöhnen, die irgendwie mich gekränkt oder beleidigt haben, und ich will alle äußeren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, daß ich nicht unvorbereitet vor dein Angesicht treten möge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen solltest.—Allgütiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir überantworte ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig und gefaßt. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und wird von deiner Liebe behütet, die stärker ist als der Tod. Deshalb verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen.

Amen!


Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu
beschließen.