Amen!


Am Dienstag.


Morgengebet.

12. Allgütiger Gott! Nimm das Morgenopfer meines Herzens als Dank entgegen für die neuen Beweise deiner Gnade, die du mir in der verflossenen Nacht gegeben. Ach, wie viele haben diese nicht in Unruhe und Kummer verbracht, und von wie vieler Lager wurde nicht der Schlaf durch Angst und Sorge verscheucht; ich aber wurde verschont, die Meinigen hast du beschirmt! o, wie wenig habe ich doch so viele Gnade verdient! So manchen Morgen erwachte ich nur mit neuen Wünschen und vergaß es, wie sehr du mich bereits gesegnet, und wie vielen Dank ich dir schulde; doch heute steht deine Güte mir vor Augen, und o, wie glücklich macht mich dieser Gedanke! Ach, wie wenige fühlen doch das Gute, das sie unablässig von deiner Hand empfangen, und wie innig muß ich dir nicht danken, daß du durch deine heilige Lehre in mir die Erkenntnis deiner Wohltaten geweckt hast! Und wenn ich ganz von deiner göttlichen Lehre erfüllt wäre, o wie glücklich würde ich mich dann noch fühlen, welch ein Born der Freude würde da unaufhörlich aus derselben für mich fließen, selbst dann, wenn Kummer und Sorgen mich umgeben, welche Seligkeit würde ich dann nicht aus jedem Gebote schöpfen, das ich erfülle! O, du Ewiger! laß diesen Tag mich dem großen Ziele näher bringen, dem ich nachstreben soll! Sei mit mir in all meinen Bestrebungen, hilf mir in meiner Schwäche, erleuchte mich in meiner Unwissenheit, umgürte mich mit der Kraft des Willens, laß meine Seele alles in Klarheit schauen, mein Herz alles Edle und Heilige mit Wärme umfassen! Rüste mich aus mit Standhaftigkeit und lege an diesem Tage reichen Segen in meine Arbeit. Bewahre du, Ewiger, meinen Ausgang und meinen Eingang, o, entziehe mir nicht deine Barmherzigkeit, sondern laß deine Gnade und Treue mich stets beschirmen!

Amen!


Betrachtung über 1. B. M. 1, 9-13.

13. Wie könnte ich wohl am dritten Tage der Woche mein Auge der Herrlichkeit des Tages öffnen, ohne dir für deine unendliche Güte zu danken, mit welcher du die Erde erfüllt hast und sie mit jedem Morgen aufs neue erfüllst? An diesem Tage, so ließest du uns in der Schöpfungsgeschichte verkünden, riefst du Gras, Kräuter und Bäume hervor, die Frucht und Samen tragen, jegliches nach seiner Art. So hast du, allgütiger Gott, für jedes lebende Geschöpf seinen Bedarf bereitet, bevor es noch ins Dasein gerufen war, so hast du auch an mich gedacht, bevor ich noch das Tageslicht schaute, hast liebevolle Wesen bestellt, die für mich sorgten, die mich kleideten und ernährten, mich erzogen und leiteten, und die Erde, sie ist voll deiner Gaben. O, wie könnte ich da verzagen und bekümmert fragen: woher soll ich Brot für meinen Lebensunterhalt nehmen? O, getrost bete ich zu dir: Gib mir und den Meinigen unser tägliches Brot, daß wir nie der Gabe eines Menschen bedürfen, erhalte uns in Genügsamkeit, daß wir in bescheidenem und prunklosem Wandel uns glücklich fühlen, jeglicher in seinem Berufe und jeglicher in seinem Stande. Wache über die Bedürftigen und Notleidenden und gewähre mir die Seligkeit, ihnen wie ein herrlicher Baum zu sein, der Schutz und Erquickung über sie ausbreitet, ja, laß mich wie ein Baum sein, der an den Wasserbächen deines göttlichen Wortes gepflanzt, reiche Früchte trägt, und dessen Blätter nie welken. Laß, o Herr, mein Streben und Wirken dir wohlgefällig sein und auch meinen Mitmenschen. Möchte mein Sinn von dem Licht aus der Höhe erfüllt werden, und meine Rede wie stärkende, erquickende Nahrung jedem sein, der darauf hört.—O, du, der du nie den Gerechten verläßt und es ihm nie an Brot mangeln läßt, erhöre mich und laß mich heute stark im Guten sein, errette mich von jeglicher Sünde, auf daß du auch über mein Werk heute wie bei der Schöpfung sagen könntest: »es war gut«,[12] gut für das zeitliche und gut für das ewige Leben.